Ein Leitbild für soziale Arbeit im ÖGD

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  • Public Health Forum 22 Heft 85 (2014)http://www.elsevier.com/locate/pubhefEin Leitbild fur soziale Arbeit im OGDChristian RappengluckDie Soziale Arbeit an den Gesund-

    heitsamtern in Bayern hat eine lange

    Tradition, aber keine einheitliche

    Identitat und keine klare Entwick-

    lungsrichtung. Aus dieser Feststellung

    heraus wurde im Auftrag des Bayeri-

    schen Gesundheitsministeriums eine

    Arbeitsgruppe aus Vertreterinnen

    und Vertretern der Berufsgruppe von

    Gesundheitsamtern und Regierungen

    gebildet, um ein ,,Leitbild fur die So-

    ziale Arbeit im offentlichen Gesund-

    heitsdienst des Freistaats Bayern zu

    erarbeiten. Der Leitbildprozess fand

    in Abstimmung mit dem Verband

    der Sozialpadagoginnen/Sozialpada-

    gogen bayerischer Gesundheitsamter,

    dem Landesamt fur Gesundheit und

    Lebensmittelsicherheit, dem Sozial-

    ministerium und dem Innenministe-

    rium statt. Nachfolgend wird dieses

    2014 angenommene Leitbild in leicht

    gekurzter Form vorgestellt:

    Der Offentliche Gesundheitsdienst(OGD) in Bayern wird auf Grundlagedes Gesundheitsdienst- und Verbrau-

    cherschutzgesetzes vom 24. Juli 2003

    tatig. Ihm obliegen der Gesundheits-

    schutz der Bevolkerung, Gesundheits-

    forderung, Pravention, Beratung und

    Gesundheitsberichterstattung.

    Die Soziale Arbeit in Bayern geht

    historisch zuruck auf das burger-

    schaftliche Engagement gegen hygie-

    nische und gesundheitliche Missstan-

    de im Verlauf der Industrialisierung

    des Landes und entwickelte sich zu

    Beginn des 20. Jahrhunderts als Beruf

    im Offentlichen Gesundheitsdienst.Heute ist sie ein festes und wohnort-

    nahes Angebot in den Gesundheits-

    amtern der Landkreise und kreisfreien

    Stadte des Freistaats. Die Soziale Ar-

    beit im OGD wird sowohl im Rahmenindividueller Gesundheitsberatung,als auch im Rahmen der Verhaltens-

    und Verhaltnispravention als selbst-

    standige ,,Profession tatig. Sie sieht

    sich dem Auftrag Gesundheit fur

    alle der Ottawa-Charta verpflichtet.

    Ihre Aufgabenfelder liegen im Be-

    reich Schwangerschaft, Sexualpada-

    gogik, Gesundheitsforderung, Sucht,

    Sozialpsychiatrie, HIV/Aids, Alten-

    und Behindertenhilfe einschlielich

    der Pflege- und Behinderteneinrich-

    tungen und in vielen anderen Berei-

    chen der Gesundheit der Bevolkerung.

    Grundlegende Arbeitsprinzipien sind

    die psychosoziale Sichtweise, die Le-

    benswelt- und Ressourcenorientie-

    rung, Partizipation und Inklusion.

    Seit 1996 sind die Gesundheitsamter

    als staatliche Behorden organisato-

    risch Teil der 71 Landratsamter. Die

    kreisfreien Stadte Munchen, Ingol-

    stadt, Nurnberg, Augsburg und Mem-

    mingen verfugen uber ein eigenes Ge-

    sundheitsamt. Koordiniert wird die

    Soziale Arbeit von den sieben Be-

    zirksregierungen. Die Arbeit vor Ort

    richtet sich nach den regionalen Erfor-

    dernissen. Dem Gesundheitsamt - als

    neutrale Stelle - obliegen beratende,

    Impuls gebende und steuernde Funk-

    tionen, auch im Hinblick auf die

    Schlieung von Versorgungslucken.

    Der Sozialen Arbeit kommt dabei

    vor allem die Vernetzung der Akteure,

    die Moderation und aktive Mitwir-

    kung in Psychosozialen Arbeitsge-

    meinschaften und Verbunden, in

    Suchtarbeitskreisen und anderen Gre-

    mien zur regionalen Gesundheitsfor-

    derung zu.

    Die Soziale Arbeit im OGD stellt denMenschen in den Mittelpunkt und res-

    pektiert seine individuelle Entschei-

    dungsfahigkeit und Eigenverantwor-

    tung. Sie orientiert sich an denRessourcen der Menschen, motiviert

    in Problemlagen zur Veranderung und

    unterstutzt konstruktive Losungen

    (Empowerment). Bei schwerwiegen-

    der Gesundheitsgefahrdung konnen

    auch Manahmen zum Schutze der

    Person, ihres Umfeldes oder der All-

    gemeinheit eingeleitet werden.

    Daruber hinaus ist die Soziale Arbeit

    im OGD als Teil von ,,Public Healthin besonderem Mae darauf ausge-

    richtet, soziale Rahmenbedingungen

    von Lebenswelten zu reflektieren

    und im Sinne des Lebenswelt-Ansat-

    zes (Setting-Ansatz) gesundheitsfor-

    derlich zu verandern. Gestutzt auf das

    multiprofessionelle Team des OGD istdie Soziale Arbeit in der Lage, mit

    ihren praxisnahen und evidenzbasier-

    ten Methoden zeitnah und qualitatsori-

    entiert auf gesundheitliche und gesell-

    schaftliche Veranderungen zu reagie-

    ren. Die Aufgabenstellung verlangt

    teamorientierte und kooperative Ar-

    beitsstrukturen bei Fuhrungskraften

    undMitarbeitern sowie selbststandiges

    und eigenverantwortliches Arbeiten

    des Einzelnen. Dies setzt gegenseitige

    umfassende Informationen, gemeinsa-

    me Zieldefinitionen sowie transparente

    Entscheidungswege voraus.

    Die Aufgabenvielfalt erfordert Kon-

    zepte und Methoden, die von zielge-

    richteter Einzelfallberatung, Grup-

    pen- und Multiplikatorenarbeit uber

    Moderationstechniken bis zum Pro-

    jektmanagement reichen. Qualitats-

    entwicklung und -sicherung wird

    durch systematische Dokumentation

    und Evaluation, kontinuierliche Fort-

    bildung und die Kooperation mit

    Hochschulen erreicht. In Teilberei-

    chen ist eine standardisierte Quali-

    tatsentwicklung und Supervision

    etabliert.23.e1

    http://crossmark.crossref.org/dialog/?doi=10.1016/j.phf.2014.09.013&domain=pdfhttp://crossmark.crossref.org/dialog/?doi=10.1016/j.phf.2014.09.013&domain=pdf

  • Public Health Forum 22 Heft 85 (2014)http://www.elsevier.com/locate/pubhefDie Soziale Arbeit im OGD Bayernerfordert einen generalistisch ausge-

    richteten Berufsabschluss innerhalb

    der Sozialarbeitswissenschaft. Die er-

    forderlichen Schlusselqualifikationen

    bietet in der Nachfolge des Studien-

    gangs Diplom-Sozialpadagogik (FH)

    heute das Studium Bachelor of Arts

    (B.A.) - Soziale Arbeit. Aufbauende

    Studiengange sind aus fachlicher

    Sicht in breiter Auffacherung vorteil-

    haft, um langfristig das Handlungspo-

    tenzial der Sozialen Arbeit zu erwei-

    tern und die fachubergreifende Zu-

    sammenarbeit zu unterstutzen.

    Die auf medizinischer und sozialer

    Profession beruhende Organisation

    des OGD entwickelte sich aufgrundder wissenschaftlichen Erkenntnis,

    dass soziale und gesundheitliche Risi-23.e2ken in Wechselwirkung zueinander

    stehen. Wirksame Strategien mussen

    deshalb weiter professionsubergrei-

    fend konzipiert werden. Die Fahigkeit

    zur zentralen Steuerung ist hierbei

    ebenso unerlasslich wie die Fahigkeit

    zur dezentralen Umsetzung. Deshalb

    ist die landesweit einheitliche Struktur

    der Sozialen Arbeit als Teil der Auf-

    bauorganisation des OGD essentiell.Am besten kann die Soziale Arbeit

    ihre Wirkung entfalten, wenn ein

    Gleichgewicht zwischen konkreten

    Aufgabenzuweisungen einerseits und

    bedarfsorientierten Handlungsspiel-

    raumen andererseits besteht. Durch

    ihre Ziele, ihr Aufgabenspektrum

    und ihre Leistungen verwirklicht die

    Soziale Arbeit im OGD den Auftragvon ,,Public Health und kann ent-scheidend zur Diskussion der sozialen

    und gesundheitlichen Entwicklung in

    Bayern und den daraus resultierenden

    Anforderungen an den OGD der Zu-kunft und dessen Profilbildung beitra-

    gen. Hierdurch wird der OGD derZukunft mehr durch die Soziale Arbeit

    gepragt sein als heute. Dies gilt es

    gemeinsam zu gestalten.

    Der korrespondierende Autor erklart, dasskein Interessenkonflikt vorliegt.

    http://dx.doi.org/10.1016/j.phf.2014.09.013Christian RappengluckRegierung von OberbayernSachgebiet 53.1 GesundheitMaximilianstrae 3980538 Munchenchristian.rappenglueck@reg-ob.bayern.de

    http://dx.doi.org/10.1016/j.phf.2014.09.013mailto:christian.rappenglueck@reg-ob.bayern.demailto:christian.rappenglueck@reg-ob.bayern.de

  • Public Health Forum 22 Heft 85 (2014)http://www.elsevier.com/locate/pubhefEinleitung

    Die Soziale Arbeit an den Gesundheitsamtern in Bayern hat Bedarf an einer klareren Entwicklungsausrichtung. Deshalb

    wurde ein Leitbild erstellt. Der Leitbildprozess ist Teil einer Entwicklung, die Soziale Arbeit so aufzustellen, dass sie fur

    Herausforderungen gut gerustet ist.Summary

    The Social Work at the health offices in Bavaria is in need of a clearer direction of development. The mission statement

    process is part of a development process to establish the Social Work so that it is well prepared for challengesSchlusselworter:

    Bayern = Bavaria, Leitbild = mission statement, Offentliche Gesundheit = public health, Offentlicher Gesundheitsdienst =public health service, Soziale Arbeit = social work23.e3

    Ein Leitbild fr soziale Arbeit im GDEinleitungSummarySchlsselwrter

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