causes of secondary glaucoma in paraguay

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  • Andrea Strohl1 Sara Pozzi2 Raquel Wattiez2 Bernhard Roesen1 Herminia Mino de Kaspar1 Volker Klau11 Augenklinik der Universitt Mnchen2 Ophthalmologische Abteilung, Universittskrankenhaus Asuncin, Paraguay

    Das Sekundrglaukomin ParaguayUrsachen und ihre Hufigkeitsverteilung*

    Zusammenfassung

    Hintergrund: In Entwicklungslndern ist dasSekundrglaukom eine hufigere Erblin-dungsursache als in Industrienationen. Ins-besondere zhlen Trauma, Katarakt und dieinfektionsbedingte Uveitis zu den Risikofak-toren. Bisher liegen wenig Daten ber Ursa-chen und Verlauf sowie Therapieanstze vor.Patienten und Methode: In Paraguay wur-den die Ursachen des Sekundrglaukomsuntersucht, mit dem Ziel, eine Basis fr pr-ventive sowie therapeutische Manahmenzu schaffen. Bei den Patienten mit Sekun-drglaukom wurde eine Anamnese und eineklinische Untersuchung durchgefhrt.Ergebnisse: 8 verschiedene Sekundrglau-komformen konnten diagnostiziert werden,wobei sich 3 Hauptursachen herauskristalli-sierten: das Pseudoexfoliationsglaukom, dasposttraumatische Glaukom und das Neo-vaskularisationsglaukom.Schlufolgerung: Anhand dieser Ergebnissewerden die Risikogruppen und zugrundlie-genden Erkrankungen des Sekundrglau-koms in Paraguay aufgezeigt und stellen eineOrientierung fr die Entwicklung und denfrhzeitigen Einsatz von Prventivprogram-men dar.

    Schlsselwrter

    Sekundrglaukom Ursachen Blindheit Prvention Paraguay

    Weltweit sind etwa 180 MillionenMenschen in ihrer Sehfhigkeit beein-trchtigt, bereits 38 Millionen davon ha-ben ihr Augenlicht ganz verloren. Nachwie vor ist das Glaukom mit 5,2 Millio-nen Erblindeten nach der Katarakt mit16 Millionen und dem Trachom mit 6Millionen eine der hufigsten Erblin-dungsursachen in der Welt [20].

    Einem WHO-Bericht folgend be-steht bei mehr als 100 Millionen Men-schen ein Glaukomverdacht, mehr als20 Millionen sind bereits manifest amGlaukom erkrankt. Eine Hochrechnungfr das Jahr 2000 ergibt eine Anzahlvon 66,8 Millionen Erkrankten, darun-ter 6,7 Millionen, die beidseits erblindetsind [18]. Man geht davon aus, da un-gefhr 80 % der Erkrankten in Entwick-lungslndern zu finden sind [20].

    Das Glaukom verursacht durch einepathologische intraokulare Druckerh-hung als ein wesentlicher Risikofaktoreine Schdigung des Sehnerven, die zueinem irreversiblen Sehverlust fhrenkann [4]. Die Erfolge von Augenopera-tionen und medikamentser Therapiesind prognostisch lngst nicht so viel-versprechend fr den Patienten wie Ka-taraktoperationen, die durch die Wie-derherstellung der Sehkraft eine Steige-rung der Lebensqualitt bedeuten. Auf-klrung, Prvention und frhzeitigesEinsetzen von medizinischen Manah-men zur Vermeidung der Krankheitsind so unabdingbar [12].

    Die Frherkennung des Glaukomsist schwierig, da die Patienten langeZeit keine Sehbehinderung versprenund sich ihrer Augenerkrankung gar

    nicht bewut sind. Ein Gesichtsfeldver-lust zeigt sich meist erst, wenn ca. 50 %oder mehr ihres Sehnerven zerstrt ist,Symptome, wenn 8090 % irreversibelgeschdigt sind [16]. Daraus ergibt sichdie erschreckende Anzahl von mehr als50 % aller an primrem Offenwinkel-glaukom Erkrankter, die nicht medizi-nisch behandelt werden, wobei die ZahlNichtbehandelter in Entwicklungsln-dern noch hher liegt [9].

    Ziel zahlreicher Gesundheitspro-gramme ist es, ein geeignetes Screen-ing-Programm zu entwickeln insbeson-dere fr Entwicklungslnder, die nichtber die kontinuierliche medizinischeBetreuung verfgen wie die Industrie-staaten, um eine frhzeitige Diagnosezu sichern und eine effektive Therapieeinzuleiten. Einfache und sensitive Me-thoden zum Gesichtsfeldscreening unddie Augendruckuntersuchung sindSchwerpunkte dieser Bemhungen.

    Trotz mittlerweile weiterer Er-kenntnisse in der Pathogenese, die nichtmehr nur einen gegenber den Refe-renzwerten erhhten intraokularenDruck sondern auch vaskulre und ge-netische sowie ethnologische Faktorenfr die Entstehung der Krankheit ver-antwortlich machen, ist nach wie vordie Augendrucksenkung auf individuell

    Der Ophthalmologe 699 359

    Ophthalmologe1999 96: 359363 Springer-Verlag 1999 Glaukom: bersicht

    * Vortrag gehalten auf der 96. Tagung derDeutschen Ophthalmologischen Gesellschaft

    A. StrohlUniversitts-Augenklinik, Mathildenstrae 8,D-80 336 Mnchen

  • unterschiedliche Werte das Ziel, um dasRisiko der fortschreitenden Sehnerven-schdigung zu mindern [16].

    Die Sekundrglaukome entstehendurch eine primr nichtglaukomatseAugenerkrankung oder systemische Er-krankung. Sie machen einen Anteil von3,222 % an allen Glaukomen aus [10,19]. Zu den Sekundrglaukomen geh-ren z. B. das Neovaskularisationsglau-kom, das in Folge einer proliferativenRetinopathia diabetica entstehen kannund das posttraumatische Glaukomnach stumpfen oder perforierenden Au-genverletzungen. Eine weitere Ursache,die sich gehuft in Entwicklungsln-dern findet, ist eine unbehandelte, fort-geschrittene Katarakt. Die Ursachendes Sekundrglaukoms in Entwick-lungslndern unterscheiden sich vondenen in Industrienationen [5].

    Durch das Erkennen der zugrunde-liegenden Erkrankung ist die Pathoge-nese jedoch deutlich besser zu fassenals die der Primrglaukome und liefertwichtige Ansatzpunkte fr Therapieund Prvention. Mit dem Wissen umseine Entstehung ist die Mglichkeit ge-geben, nicht nur wie bei den Primr-glaukomen symptomatisch, sondernauch zustzlich kausal zu therapieren.

    In Paraguay steht das Glaukomnach Angaben der WHO an zweiter Stel-le der Erblindungsursachen. Die Unter-suchung der Ursachen des Sekundr-glaukoms sind Ziel dieser Studie in Pa-raguay, um durch die Darstellung derRisikogruppen und Risikofaktoren denAusbau von Prventionsmglichkeitenzur Vermeidung der Erblindung durchdas Glaukom voranzutreiben.

    Patienten und Methode

    Diese Studie wurde im Zeitraum vomNovember 1996 bis Februar 1997 inAsuncin (Paraguay) am Universitts-klinikum Hospital-de-Clinicas mit lo-kalen Ophthalmologen durchgefhrt.

    Untersucht wurden alle Primr-und Sekundrglaukompatienten, diesich in der Ambulanz der Augenabtei-lung des Hospital-de-Clinicas vorstell-ten. In die Gruppe der Sekundrglauko-me wurden alle Patienten (n = 61) auf-genommen, bei denen ein sekundrbedingtes Glaukom diagnostiziertwurde. Als Einschlukriterium gehr-te dazu ein erhhter Augeninnen-druck 22 mmHg, vorlufig zweitran-

    gig waren der Befund der Papille sowiedes Gesichtsfeldes [13]. Zur genauerenDarstellung der Pathogenese wurden in-nerhalb der Gruppe der Sekundrglau-kome Untergruppen nach Diagnose derverschiedenen Subtypen gebildet.

    Anhand der Patientenzahlen mitPrimrglaukom (n = 232) des gleichenUntersuchungszeitraumes und derSekundrglaukompatienten (n = 61)konnte ein Verhltnis der Primr- zuSekundrglaukompatienten erarbeitetwerden.

    Neben der Anamnese wurden diePatienten klinisch untersucht. Dazu ge-hrte die Visusprfung, die applana-tionstonometrische Messung des intra-okularen Drucks, die Biomikroskopieund die Gonioskopie. Der Papillenbe-fund wurde mittels direkter oder indi-rekter Ophthalmoskopie erhoben. Lagein ausreichend guter Visus vor, wurdeeine Perimetrie nach Goldmann durch-gefhrt.

    Ein Erhebungsbogen erfate dieAnamnese, einschlielich der Angabenzu ophthalmologischen sowie systemi-schen Vorerkrankungen und vorange-gangenen Therapien. Ebenfalls wurdendie Ergebnisse der klinischen Untersu-chung und die personenbezogenen Da-ten Alter, Geschlecht notiert. Nachden Untersuchungsergebnissen konn-ten die Sekundrglaukome klassifiziertund nach ihrer tiologie zugeordnetwerden.

    Ergebnisse

    Von 293 Partienten waren 232 Primr-glaukompatienten und 61 Sekundr-glaukompatienten.

    Unter den Sekundrglaukompati-enten befanden sich 39 (64 %) Mnnerund 22 (36 %) Frauen. Das Durch-schnittsalter lag bei 56 Jahren. Der jng-ste Patient war 3 Jahre, der lteste88 Jahre alt. Es zeigten sich je nach tio-logie des Sekundrglaukoms Unter-schiede in der Alters- und Geschlechts-verteilung, die in der Tabelle 1 darge-stellt sind. Insgesamt wurden 73 aneinem Sekundrglaukom erkrankte Au-gen diagnostiziert, 12 Patienten warenbeidseitig und 49 Patienten einseitig be-troffen.

    Tabelle 2 zeigt die tiologie undHufigkeitsverteilung der beobachtetenSekundrglaukome. Innerhalb der ein-zelnen Sekundrglaukomformen wur-

    360 Der Ophthalmologe 699

    Glaukom: bersicht

    A. Strohl S. Pozzi R. Wattiez B. Roesen H. Mio de Kaspar V. Klau

    Causes of secondary glaucomain Paraguay

    Summary

    Glaucoma is the third-most-frequent causeof blindness in the world, with a total of5.2 million blind people as a result of thisdisease; 80 % live in developing countries. InParaguay, after cataract it is the second-most-frequent-cause. Early detection of therisk factors and groups can help to avoidprogress of this disease. Trauma, cataractand infectious uveitis represent special risksfor developing secondary glaucoma, which isa more frequent cause of blindness in third-world countries than in industrialized na-tions. Until now there has been little dataregarding the causes, disease course, andoptions for therapy. Therefore, secondaryglaucoma was examined in Paraguay to ob-tain information on the situation in LatinAmerica. The aim of the study was to explorethe causes of secondary glaucoma for pro-grams concerning prevention and therapy.From November 1996 to February 1997 pa-tients with secondary glaucoma were exam-ined at the University Hospital of Asuncin,Paraguay. After the clinical examination thesecondary glaucomas were classified. Pa-tients with primary glaucoma were includedin the same period of time as well in order toget the rate of secondary glaucoma. Alto-gether 293 patients were examined: 61 withsecondary and 232 with primary glaucoma.The causes of secondary glaucoma in 73 eyeswere: 20 (27 %) with pseudoexfoliationglaucoma, 19 (26 %) with post-traumaticglaucoma, 16 (22 %) with neovascular glau-coma, 4 (5 %) with lens-related glaucoma, 3(4 %) with glaucoma associated with ocu

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