Die Zukunft von Information und Kommunikation

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  • ,~~ 117. Jg. (2000), H. 6 Die Zukunft von lnformation und Kommunikat ion 369

    Die Zukunft von Information und Kommunikat ion 1

    E. Uhl OVE 2

    Meine Damen und Herren,

    ich begr Sie herzlich bei unserer Kundentagung in Alp- bach und darf Ihnen gleich eines versprechen: Es wird heute spannend wie bei ,,Modem Times". Ich m6chte vie- les die aro schnellsten expandierenden Bereiche Wis- sen, Information und Kommunikation zusammenfassen und Ihnen zeigen, wie Siemens dieser Herausfordemng begeg- net. Unsere Vision von der Zukunft werde ich Ihnen am Ende meines Vortrags vorstellen und Ihnen aufzeigen, wie stark diese Vision unser Leben privat und beruflich beein- flussen wird!

    Innovation durch Wissen war f die Entwicklung der Menschheit schon immer von groBer Bedeutung. Wir alle wissen, dass es fr groBe Einzelpers6nlichkeiten waren, die unsere zivilisatorischen Errungenschaften vorangetrieben haben. Hier hat sich etwas ge~indert. Die Zukunft gestalten ungezfihlte Spezialisten in zahlreichen Untemehmen. Ihre Zusammenarbeit Disziplinen und Kontinente hinweg wird unsere Zukunft gestalten. Ihr Netzwerk verdoppelt schon heute das gesamte Weltwissen in immer k Zy- klen. Das Ergebnis ihrer Denk-, Forschungs- und Entwick- lungsarbeit hat uns in Europa in die vielzitierte Informations- gesellschaft katapultiert.

    Wissen ist zum wesentlichen Bestandteil unseres Berufsle- bens geworden. L~ingst hat Software die Hardware 252 gelt, und es ist keine Frage, welchen Weg Europa einschla- gen muss, um auch im dritten Jahrtausend in der intematio- nalen Technologieentwicklung mitreden zu k6nnen.

    Produktionsfaktoren Abb. 1.

    ' Kurzfassung eines Vortrags von Vorst.-Dir. Dipl.-Ing. Eduard Uhl an- l~isslich einer Siemens-Kundentagung in Alpbach.

    -~ Vorstandsdirektor Dipl.-Ing. Eduard Uhl, Siemens AG Osterreich, Erd- berger L~inde, 26, A-1030 Wien.

    Bereits in den 90er Jahren ist Wissen als wichtigster Produk- tionsfaktor unseres Wirtschaftssystems identifiziert worden - zus~itzlich zu den klassischen Saulen Arbeitskraft, Kapital und Rohstoff (Abb. 1). Der geniale Engl~inder Francis Bacon und die Wirtschaftswissenschaftler Schumpeter und Kondra- tieff haben daf den Boden bereitet. Wissenschaft und Ma- nagement sprechen heute von ,,Humankapital", von der ,,Re- naissance des m Mitarbeiters" und ron der ,,lernen- den Organisation".

    Warum gerade heute? Der technologische Wandel hat den Faktor Wissen als neues Erfolgskriterium realisiert. Die ex- plosionsartige Entwicklung der Informations- und Kommu- nikationstechnologien hat das vielzitierte ,,Global Village" Wirklichkeit werden lassen, wo laufend Grenzen - welcher Art auch immer - abgebaut werden. Zukunftsbranchen k6n- nen heute auf der Welt ihr Zuhause rinden, wo Wissen und Know-how ein Zuhause haben.

    Gehen Sie doch in ein beliebiges Industrieland und lassen Sie sich dort secbs bis sieben Branchen nennen, in denen das be- treffende Land starker sein m6chte. Sie werden sein. Die Liste ist immer dieselbe: Mikroelektronik, neue Werkstoffe, Biotechnologie, computergesteuerte Maschinen, neue Dienste und I&C- (Information & Communications-) L6sungen (Abb. 2).

    Neue W ~

    Abb. 2. Die Wunschbranchen der Industriel~inder

    Wissen ist zum Hauptbestandteil aller intelligenten Produkte und Dienstleistungen geworden, die heute liche Erfolge erzielen. Es ist daher nur eine logische Folge, dass sich das T~itigkeitsprofil der Besch~iftigten permanent in Richtung wissensintensiver Berufe verschiebt. Man sch~itzt, dass heute bereits 60 % aller Mitarbeiter in Industriel~indem eine durch Wissen qualifizierte Tatigkeit aus (Abb. 3). Der Trend vom Handwerker zum ,,Kopfwerker" wird sich fortsetzen und eine generelle H6herqualifizierung zur Folge haben - Stichwort: lebenslange Bildung und flexibles Umler- nen je nach den Erfordernissen des Marktes.

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    f

    .Kopfwerk

    mdwerker

    Abb. 3. Zunahme der wissensintensiven T~.tigkeiten

    Freilich: Die Existenz von Wissen alleine reicht nicht. Wis- sen muss am richtigen Ort und zur richtigen Zeit wirksam werden.

    Es geh6rt zu den anspruchsvollsten Aufgaben eines Manage- ments, Wissen an die richtigen Mitarbeiter bzw. an die Stelle zu bringen, wo es gerade am dringendsten gebraucht wird.

    Die neuen Werkzeuge f diesen gigantischen Wissenstrans- fer sind elektronische Informationsmedien. Man spricht heute von einer globalen Verdoppelung s~imtlicher Informati- onsmedien im Zeitraum von nur f Jahren. Diesem Trend folgend wurde im lernenden Unternehmen Siemens ein glo- baler Informationsfluss - anstatt Wissen zentrale Stellen zu verteilen - etabliert. Unsere lokalen Innovationen k6nnen auf diese Weise weltweit genutzt werden. Durch die Schaf- fung und Wiederverwendung von marktrelevanten L6sungen erzielen wir einen Mehrwert f unsere Kunden und unser gesamtes Untemehmen.

    Die Reaktion der Besch~iftigten ist nicht immer nur positiv. F weniger qualifizierte Mitarbeiter bedeutel diese neue Wissensdynamik eine Bedrohung. Sie f sich dem mas- siven Umgang mit der Technik nicht gewachsen. F intelli- gente Lembereite bringt sie eindeutig zus~itzliche Chancen. Diese Polarisierung spiegelt sich heute schon in der Heraus- bildung einer Zweiklassengesellschaft.

    Versuchen wir nun einmal, einige der Entwicklungen auszu- leuchten, die den Paradigmenwechsel in der Welt der Tele- kommunikation herbeif Dieser Paradigmenwechsel ist im vollen Gange und wird im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends abgeschlossen sein. Seine Charakteristiken sind: Dezentralisierung, Mobilit~it, massive Bandbreitenzu- nahme und Interoperabilit~it durch offene Standards.

    Die Voraussetzung daf ist die explosionsartige Entwick- lung der Basistechnologien Mikroelektronik, Glasfaser als Software und Netzwerke (Abb. 4). Ich werde im Rahmen der Technologietrends noch n~iher da- rauf eingehen.

    Mit der Informationstechnologie steht und f~illt Europa

    Die besondere Bedeutung der Information und Kommunika- tion wurde bereits 1993 ira WeiBbuch der Europ~iischen Kommission mit folgenden Worten gew ,,Die Infor- mationstechnologie ist das Kernst des Entwicklungsmo- dells f das 21. Jahrhundert. Mit ihr steht und f~illt Europa".

    In der Folge wurde von der EU-Beh6rde der Rechtsrahmen f einen offenen Wettbewerb geschaffen und damit die Libe- ralisierung aro europ~iischen Telekommunikationsmarkt be- wirkt. In Osterreich starteten die Liberatisierungsschritte et- was sp~iter im Jahr 1994. Sie sind als Meilensteine aro Sektor Information und Kommunikation zu betrachten. Das Fem- meldegesetz 1993 mit der v611igen Freigabe gewisser Tele- kommunikationsdienste r erheblich an den Grundfes- ten des Staatsmonopols. Die vollst~indige Liberalisierung des Marktes kam mit dem Telekommunikationsgesetz 1997. Die konkreten Auswirkungen h6ren wir nicht nur aro allgegen- w~irtigen Klingeln der Handys.

    Abb. 4. Die Basistechnologien

    Neue Technologien ver~indem auch Verhalten und Lebens- muster jedes einzelnen. Man spricht bereits von ,,Technolo- gienomaden" als f Teleworker, hoch speziali- sierte Teilzeitbesch~iftigte, Vielreisende und flexible Freelan- cer. Bei Siemens rufen unabhS.ngig von Zeit und Ort bereits 1 000 Mitarbeiter Informationen per Femzugang aus dem Firmennetz ab. Der pers6nliche Arbeitsplatz wird so per GSM-Verbindung auf das Notebook geholt. Der Vertriebs- mitarbeiter ruft am Flughafen E-Mails ab, der Marketing- Manager durchsucht vom Hotel aus den elektronischen Pres- sespiegel ira Siemens-Intranet, und der Techniker von daheim aus Softwareabl~iufe.

    Abb. 5. Entwicklung der Besch~ifligten 1800-2000

    Wir sp sie vor allem in der Verlagerung der Besch~iflig- ten. Beanspruchte zu Beginn des Jahrhunderts noch die Landwirtschaft die meisten Arbeitskr~ifte, so wurde sie sp~iter durch die Besch~iftigten in der Industrie Es ist so gut wie sicher, dass in Zukunft der I&C-Sektor der wich-

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    tigste Arbeitgeber sein wird (Abb. 5). Damit r er auch f alle politischen zur Schaffung neuer Arbeits- pl~itze in den Mittelpunkt.

    Schon heute zeigt sich, dass die von Rationa]isierungen be- troffenen Mitarbeiter vielfach durch v611ig neue Berufsfel- der aufgefangen werden. Ich nenne nur Call-Centers, Tele- Arbeitsplfitze, Multimedia-Produktionen. aber auch ein noch nicht absehbares Betfitigungsfeld f neue Dienstleis- ter ira Zusammenhang mit dem Internet, Stichwort: E- Commerce.

    Ein weites Einsatzfeld f I&C-Besch~iftigte ergibt sich auch in Produktionsbetrieben, Handelsketten und Organisationen sowie im 6ffentlichen Sektor und in der Weiterbildung. Pa- rallel zur Aufwertung des Wissens erzielt auch das Schu- lungs- und Beratungswesen neue Besch~iftigungsrekorde. Computer Based Trainings und interaktives Lemen durch Multimedia-Tools werden mehr dann je herangezogen.

    Wie werden sich die I&C-Technologien weiterent- wickeln?

    Einer der wesentlichsten Technologietrends beschert uns bis zum Jahr 2010 die technisch hochwertige Ubertragung digi- talisierter Bewegtbilder Glasfaser, Kupfer oder Funk. Mittels MPEG 4-Technologie ist es schon heute m6glich, in einer Video-Sequenz zu navigieren, was im Zusammenhang mit E-Commerce grof3e Bedeutung haben wird.

    Es wird ein heterogenes Netz der Netze geben, das unter- schiedliche Netztypen ersetzt. Unterschiede zwischen LAN und WAN werden sich ebenso verwischen, wie Unterschiede zwischen 6ffentlichen und privaten Netzen, zwischen Fest- netz und Mobilnetz, zwischen Daten- und Sprach lung. Der Multimediaeinsatz mit der von Bil- dem und Daten wird zur Selbstverst~ndlichkeit werden, und die Anzahl intelligenter Endger~ite f Consumer und Be- triebe wird sich vervielfachen.

    Ein heil3es Thema ist derzeit die Einbindung aller Enduser in diese Netze durch entsprechende Access-Technologien. Sie- mens beherrscht diese Technologien sowohl im Fest- als auch im Mobilnetzbereich und bietet Technologie und Know-how f diesen ,,Kampf um die letzte Meile".

    Alle diese Entwicklungen werden vor dem Hintergrund einer immer weiter steigenden Rechnerleistung geschehen, f die es ira Augenblick noch keine Grenze zu geben scheint.

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    iggo 1992 1994 1996 I~ 2000 2002

    Abb. 6. Integrationsdichte in der Mikroelektronik

    f

    1973 ~ 1999 1 Mio. ATS ~ 1,82 AT

    = 1 E i~haus = 1

    Abb. 7. Preisverfall eines Mbit DRAM Speicherbausteins

    Wenn wir heute mit einem Handy nicht nur telefonieren, son- dern auch faxen und iris Internet schauen, dann ist das die Folge von atemberaubenden Leistungen der Mikroelektro- nik. Noch im Jahr 1970 wurden auf einem Integrated Circuit etwa ] 000 Transistoren untergebracht. 1992 war die Zahl be- reits auf rund 16 Mio. Transistoren gestiegen.

    Ira Jahr 2001 werden 1 Mrd. Transistoren auf einem inte- grierten Schaltkreis Platz rinden (Abb. 6). Man nimmt an, dass auch in Zukunft alle 1,5 Jahre eine Verdoppelung der In- tegrationsdichte erfolgt - und das f die n~ichsten 15 bis 20 Jahre. Erst dann ist mit Strukturgr0Ben von 0,05 ~tm eine physikalische Grenze erreicht, die einen neuen Technologie- sprung erfordert.

    Nicht weniger ist die Entwicklung der Kosten. 1973 kostete ein Mbit DRAM Speichervolumen soviel wie ein Einfamilienhaus (Abb. 7). Heute ist er um den Gegenwert eines Ortsgespr~ichs zu haben. Die logische Folge: Selbst Handys haben heute mehr Speicher und Rechenkapazit~it als die ersten PCs Mitte der 80er Jahre.

    Eine bemerkenswerte Kostensenkung gibt es auch durch den Einsatz der Photonik bei der Mit der zukunftstr~ichtigen DWDM-(Dense Wavelength Division Multiplexing-)Technik lassen sich mehrere optische Signale gleichzeitig eine Glasfaser In den Siemens- Entwicklungslabors wurden bereits von 3,2 Tbit/s erreicht. Das entsp einer gleichzeitigen tragung von 38,7 Mio. Telefongespr~ichen. Es ki5nnten somit atle Einwohner Deutschlands gleichzeitig miteinander telefo- nieren. Wir d daher annehmen, dass sich die gungsnetze immer rascher zu optischen Netzen entwickeln. Ihre Kennzeichen sind gesteigerte Zuverl~issigkeit, fallende Kosten und problemlose Einf in intemationale Stan- dards.

    Den L6wenanteil der Forschungs- und Entwicklungskosten bei der I&C-Technologie beansprucht die Entwicklung von Software und standardisierten Software-Plattformen f im- roer neue Anforderungen. F sie werden derzeit 75 % bis 80 % der Forschungs- und Entwicklungskosten aufgewen- det, denn Softwaretechnologie ist und bleibt der Schl zur Steuerung aller I&C-Funktionen.

    So wird es beispielsweise ein ganz spezielles Anliegen der Softwareentwicklung sein, neue vereinfachte Formen der Mensch-Maschine-Interaktion m6glich zu machen. Ich sehe darin auch ein Schl f die Consumer-Akzeptanz. Schlieglich kommt auf den Consumer eine F neuer Mul-

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    Abb. 8. Kommunikation ira Jahr 2002

    timedia-Leistungen zu, die sein Heim, aber auch seine Ge- sundheit, seine Arbeit, seine Erziehung, das elektronische Einkaufen und viele andere mess- und steuerbare Prozesse betreffen.

    In weniger als zwei Jahren wird es weltweit eine Mrd. Telefonteilnehmer geben. Die Zahl der Mobilfunkteilnehmer wird sich auf rund 600 Mio. verdreifachen. Die weltweite In- ternetgemeinde wird im Jahr 2002 auf 300 Mio. Anwender geschiitzt (Abb. 8). Das alles bedingt eine jiihrliche Steige- mng der Bytes um mehr als 1000 %!

    In f Jahren wird gemiiB einer anderen Prognose in den Be- reichen I&C ein jiihrliches Marktvotumen von 20000 Mrd. ATS erreicht sein. Damit wird I&C auf den Weltmiirkten die traditionellen Tabellenf Maschinenbau, Autoindustrie oder Chemie weit hinter sich lassen.

    Diese neuen Herausforderungen sind gewaltig, denn zahlrei- che parallele Entwicklungen beeinflussen und beschleunigen einander zu iiuf3erst dynamischen Prozessen, die ihrerseits eine zusi~tzliche Probleml6sungsdynamik erfordem. Um in dem extrem dynamischen I&C-Markt auf Dauer erfolgreich zu sein, gen es nicht, herk6mrnliche Produkte und Dienst- leistungen anzubieten. Viel mehr als fr geht es um kom- plexe ganzheitliche L6sungen, f d es meist noch kein Vor- bild gibt.

    Ich m6chte ah dieser Stelle den Begriff der Konvergenz ein- bringen, der im I&C-Bereich eine Schl innehat. Unter Konvergenz verstehen wir zuniichst das Verschmelzen verschiedener Ger~ite mit verschiedenen Funktionen zu einem einzigen. Die Konvergenz bei Endgeriiten erlaubt Handys mit v611ig neuen Funktionen wie Telefonieren am PC, Intemet-TV, oder den Personal Digital Assistent, jenen elektronischen Butler, der mit Ihren pers6nlichen W programmiert ist. Die Konvergenz bei Netzen macht Telefo- nieren das Intemet m6glich. Sie erlaubt es, Daten das Mobilfunknetz zu schicken, das Internet Handy an- zusteuem oder Multimedia ein Converged Network zu betreiben.

    Jede der genannten Konvergenzen schafft neue Spielregeln und macht in der Folge auch eine Neuordnung der Industrie- landschaft durch neue Allianzen und Clusters n6tig, die in- terdiszipliniir agieren. Wir bezeichnen diese Entwicklung als Industriekonvergenz. Im globalen Wettbewerb wird es f Untemehmen jeder Gr66e immer wichtiger, die richtigen Partner zu rinden. Erst dann k6nnen sie sich auf ihre Kern- kompetenzen konzentrieren. Outsourcing und Clustering be-

    deuten Kostenabbau, Zugang zu neuen Ressourcen und zu- s~itzliches Know-how.

    Auf der anderen Seite entstehen im Rahmen einer folgerich- tigen Marktkonvergenz v611ig neue M~irkte, die vor einem Jahrzehnt noch nicht denkbar gewesen wiiren. Denken Sie z. B. an E-Commerce, wodurch sogar kleine Unternehmen Global Players werden.

    Wer wie Siemens innovative L6sungen anstrebt, die sich mehrere Disziplinen erstrecken, der kann diese auch nicht mit hergebrachten Strukturen managen. Wir haben deshalb vor einem Jahr eine radikale Neuorganisation des Arbeitsge- biets Information and Communications die B ge- bracht, und damit eine Vorreiterrolle in der Computer- und Telekommunikationsbranche Dieser Markt hat in Osterreich schon jetzt ein Volumen jenseits der 100-Mrd.- ATS-Marke, und er wird sich ira Durchschnitt mit mehr als 10 %, in einzelnen Segmenten sogar um bis zu 20 % im Jahr entwickeln.

    Meine sehr geehrten Damen und Herren, lassen Sie mich jetzt den Beweis erbringen, wie stark die Informations- und Kommunikationstechnologie unser privates und berufliches Leben bereichem wird. Alles, was ich Ihnen jetzt als Beispiel vorstellen werde, ist das bloBe Versuchsstadium hinaus. Unsere Spezialisten und Techniker sind liingst damit be- schiiftigt, das folgende Szenario Wirklichkeit werden zu las- sen. Stellen Sie sich einfach drei Dinge vor: ein Brillendis- play, einen Signaturring und einen elektronischen Assisten- ten, der so aussehen k6nnte wie auf dem Bild (Abb. 9). Das ist aber nicht besonders aufregend, werden Sie sagen. Warten Sie ab! Die Dinge haben es in sich. Sie sind so etwas wie eine Grundausstattung f den mobilen Komfort.

    Abb. 9.

    Der elektronlsche Assistent

    ~ Das Brillendisplay ~ l~r tN~t~~lng

    Das mobile Set der Zukunft

    I I I I I I I I I 84 J

    Schauen wir uns zuniichst einmal das Brillendisplay an. Das Wort Display verriit, dass man mit dieser Brille nicht nur die Umgebung scharf sehen kann. Auf Grund der fortschreiten- den Miniaturisierung wird es sehr bald hochauflSsende 3-D- Displays geben. Sie erlauben es, computergenerierte Hin- weise einzublenden bzw. auf die Augennetzhaut zu projizie- ren .

    Obwohl sie mit Technik vollgepackt sind, werden diese Bril- lendisplays nicht wesentlich gr66er und schwerer sein als un- sere gewohnte Brille. Virtuelle Objekte k6nnen gegen realen Objekten aus der unmittelbaren Umwelt besonders kenntlich gemacht werden (z. B. leuchtend, halbdurchschei- nend usw.). Unser Brillendisplay kann voto elektronischen

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    Assistenten als Ausgabemedium benutzt werden. In Verbin- dung mit einer eingebauten CCD-Kamera - das ist eine da- tenkomprimierende Digitalkamera - funktioniert sie auch als Eingabemedium. ein eingebautes Mikrophon und Kopfh6rer besteht eine akustische Verbindung. Auf diese Weise k6nnen z. B. Autofahrer computergenerierte Hinweise Stra~enverh~iltnisse empfangen oder navigatorische An- weisungen befolgen.

    Wenden wir uns nun dem Signaturring zu. Dieser Ring k6nnte nat genauso gut ein Armband oder ein Amulett sein. Sein Energiebedarf wird die K6rperelektrizit~it oder elektromagnetische Felder, z. B, Funkwellen gespeist. Die wichtigste Funktion des Signaturrings besteht darin, die Authentizit/it des Besitzers f exteme Testger~ite nachzuweisen. Zu diesem Zweck sind geeignete biometri- sche Daten des Besitzers gespeichert. Die Identifikation er- folgt durch blof3es Ber des abfragenden Ger~its. Bei Funkwellen gen schon das blol~e In-der-N~ihe-Sein. Bei dem abfi'agenden Ger~it kann es sich um einen Geldautoma- ten, um eine Autot oder um die eigene Haust handeln. Sie merken schon, der Signaturring ersetzt Ausweis, Kredit- karte und Schl in einem.

    Bemerkenswert ist auch, dass unser Signaturring je nach An- wendungsfall nur so viel Information mit dem jeweiligen ex- temen System austauscht als ben6tigt wird. Dadurch wird ein H6chstmag ah Anonymit/it gewahrt. In allen Ger~iten, die pers6nliche Daten abfragen, ist nach der Authentifizierung eine automatische L6schung dieser Daten fix eingebaut.

    Wenden wir uns nun unserem dritten Ger~it zu. Dieser elek- tronische Assistent hat sich aus dem heutigen Handy entwi- ckelt und besitzt folgende Features:

    -- verschiedene Funk-Interfaces zu allen Kommunikati- onsnetzen und

    -- einen Empf~inger f GPS oder ein vergleichbares Navi- gationssystem

    sowie f den digitalen Broadcast

    -- einen Empf/inger f eine noch zu entwickelnde In- house-Navigation NPS,

    - - eine hochaufl6sende CCD-Kamera mit Stereo-Mikro- phon und Lautsprecher,

    -- ein drahtloses Nahbereichs-Interface, das eventuell per Infrarot gesteuert wird, und vieles anderes mehr.

    Dennoch wird der elektronische Assistent so klein und leicht sein wie ein heutiges Handy. Ja, man versucht sogar, ihn nach M6glichkeit in die Kleidung zu integrieren.

    Weil die nat Kommunikation f den Menschen das Sprechen ist, wird der elektronische Assistent die Stimme seines Besitzers bzw. seiner Besitzerin erkennen. Und er wird verstehen, was sie von ihm erwartet. Geant- wortet wird Lautsprecher bzw. das visuelle Bril- lendisplay. Dort kann die Antwort unh6rbar oder das ge- w Bild auch unsichtbar f Umstehende eingeblen- det werden. Die Kombination der CCD-Kamera mit dem Brillendisplay erlaubt auch die virtuelle Eingabe per Finger - indem Sie auf virtuelle Objekte zeigen, auf einer virtuel- len Tastatur schreiben, oder auf einer virtuellen Leinwand malen.

    Nachdem ich Ihnen jetzt die m6glichen Funktionen des Sets f den mobilen Komfort des modenlen Menschen vorge-

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    Visitaron

    Siemens IC Trendleader Wachstum in

    ZukunftsmJrkten Schl 91

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    Abb. 10, Durch Visionen zu Innovationen

    stellt habe, ist es wohl unn6tig zu betonen, dass alle leis- tungsf~ihigen B mit diesem kleinen portablen System kooperieren werden. Die Dateibest/inde werden ira Austauschweg aktualisiert. Der portable elektronische Assis- tent kann somit von unterwegs per Spracheingabe Briefe dik- tieren, E-Mails abrufen und sogenannte Computerarbeiten erledigen. Es werden sowohl Bildtelefonate als auch die Teil- nahme an Videokonferenzen m6glich sein.

    Nehmen wir einmal an, dass Herr M mit einem Ge- sch~iftspartner in San Francisco verhandeln muss. Welchen Vorteil bietet ihm das Siemens-Mobilset? Bei der Vorberei- tung der Reise kann er bequem buchen und bargeldlos be- zahlen sowie vorbereitende Computerarbeiten unterwegs erledigen. Nachdem er sich seinen bestellten Mietwagen aro Flugplatz geholt hat, wird er durch pers6nliche Naviga- tion zum Hotel und zum Verhandlungsort gelotst. Durch seinen elektronischen Assistenten hat Herr M immer alle Informationen, die er gerade braucht, zur Hand. Der elektronische Assistent kann auch mit dem im Verhand- lungsraum in der Wand eingebauten Grogbildschirm kom- munizieren. Herr M k6nnte seinen Verhandlungspart- neto einen Videofilm oder eine animierte Gesch~iftsgrafik vorf

    Bei der Vertragsunterzeichnung zeichnet der pers6nliche As- sistent nach der erfolgreichen Verhandlung die digitalen Un- terschriften der Gesch~iftspartner rechtsverbindlich auf. Videokonferenzschaltung k6nnte zu guter Letzt der Chef von Herm M zum gl Ausgang der Verhandlung allen Beteiligten danken.

    Zur Entspannung sollte danach eine Sightseeing-Tour aus- findig gemacht werden. Sein elektronischer Assistent zeigt ihm die interessantesten Routen, und Herr M bucht sich per Intemet bei dem Reiseveranstalter ein. W~ihrend er die Tour absolviert, bekommt Herr M nat in sei- ner Muttersprache und ira richtigen Moment sein Bril- lendisplay den Namen des Berges oder Bauwerks einge- blendet. Es gen die Sehensw anzuschauen. Daf sorgt die vom Reiseveranstalter vorbereitete Reise- f Vielleicht sieht und h6rt Herr M in seinem Brillendisplay auch eine Dame in landes Tracht, die ihm das Gef einer pers6nlichen Betreuung vermittelt.

    Aber wozu in die Ferne schweifen! Das mobile Set hilft Herm M auch in seinem privaten Bereich in Heim und Familie. Beispiele daf sind

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    -- die virtuelle Hausmanagerin f alle Infrastrukturaufga- ben im Heim,

    -- der Einsatz des Kommunikationssets als mobiles B zu Hause f ihn und die berufliche T~itigkeit seiner Frau und nicht zuletzt auch f

    -- Anwendungen durch seine Kinder.

    An dieser Stelle m6chte ich meinen Ausflug in die Zukunft abschliegen. Nat bleibt in der Cyberwelt der Informa- tion und Kommunikation noch vieles zu tun. Zur funktionie- renden technischen L6sung muss auch die psychologische Akzeptanz kommen.

    Viele Visionen und Ideen warten noch darauf, durch uns ver- wirklicht zu werden. Siemens wird mit Pilotkunden Partner- schaften f die schnell wachsenden Marktsegmente einge- hen und gemeinsam mit unseren Schl zukunfts- weisende Impulse in der Wachstumsbranche Information & Communications setzen (Abb. 10).

    Wenn wir uns in zehn Jahren wieder hier in Alpbach treffen, kann vielleicht noch mehr realisiert worden sein als wir heute absehen k6nnen. F heute darf ich lhnen sehr herzlich f Ihre Aufmerksamkeit danken!

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