Die Versammlungen deutscher Ornithologen 18451987: Ein Streifzug durch die Geschichte der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft

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    Die Versammlungen deutscher Ornithologen 1845-1987: Ein Streifzug durch die Geschichte der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft

    Einhard Bezzel

    Eine Geschichte der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft und ihrer Vorgnger bedeutet nichts weniger als ein Stck Kukur- und Wissenschaftsgeschichte sek der Mitte des 19. Jhrhunderts. Gerade die groe Zahl der Amateure in den Reihen der Ornithologen schuf stets zahlreiche Verbindungen zu vielen Entwicklungen im Gei- stesleben der Zeit. Die von jeher stark pluralistische Struktur der Gesellschaft belebte die wissenschaftliche Diskussion, fhrte dazu, da die Ornkhologen nie wekfremde Stubengelehrte waren, brachte freilich auch manchen Sturm bis zu ernsthaften berle- bensproblemen fr den Verein mit sich. Zunchst von den etablierten Universitten weitgehend gemieden und dann vor allem durch die enge Bindung an das Zoologische Museum in Berlin gewissermaen fr die serise Wissenschaft hoffhig geworden, zhlten Mitglieder in der Erforschung unbekannter Gebiete vor allem in Afrika und Asien zu den Pionieren und waren in der klaren Erkenntnis der Notwendigkek und richtiger Manahmen des Naturschutzes ihrer Zeit um Jahrzehnte, ja vielfach um fast ein Jahrhundert voraus. Die zweite Hlfte der Geschichte ab den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts ist durch zunehmend strkere Verbindung mit Universitten und fhrenden Forschungsinstituten markiert, die heute selbstverstndlich geworden ist. Universittsprofessoren bilden die Mehrheit im Vorstand; die meisten Jahresversamm- lungen finden auf Einladungen von Universitten in deren Rumen statt, ohne da die Bedeutung der Amateurforschung und auch die Begeisterung in den Hintergrund getreten wre

    Die Deutsche Ornithologen-Gesellschaft hat drei Kriege berlebt. Der Zweite Welt- krieg bedeutete eine fnfjhre Unterbrechung ihrer Vereinsgeschichte Der anschlie- ende Wiederaufstieg fhrte aber zur bisher grten Mitgliederzahl, zur grten Inter- nationalitt und zu besonderer Herausforderung und Leistung sowohl auf verschiede- nen Gebieten der Grundlagenforschung als auch der angewandten Forschung vor allem fr die Erhaltung und den Schutz der Arten und ihrer Lebensrume

    Eine umfassende Geschichte der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft auf engem Raum darzustellen, ist aus verschiedenen Grnden nicht mglich. Trotz verschiedener berblicke anllich runder Feiern und mancher bereits publizierter zusammenfas- sender Betrachtungen (s. Literaturverzeichnis) sind viele wichtige Quellen noch nicht annhernd ausgeschpft, z.T. auch als Folge des Zweiten Wekkrieges verschollen oder sehr schwer zugnglich. Aber auch das bisher bekannte und vor allem aus dem ~Jour- nal fr Ornithologie" zu schpfenden Material lt sich nicht zu einer knappen Dar- stellung verdichten, ohne da entscheidende Entwicklung oder herausragende Persn- lichkeiten vergessen wrden.

    Nach einem fragmentarischen Rckblick auf die Geschichte der Zeitschrift unserer Gesellschaft (BEZZEL 1984), der ltesten noch bestehenden vogelkundlichen Zeitschrift

  • S.-Heft] Versammlungen 1845--1987 3 1988 ]

    der Welt, soll hier eine kurze zusammenfassende Darstellung der Grndungszeit und der ersten Jahrzehnte versucht werden, die sich vornehmlich auf die Tagungsberichte sttzt. Die erste vollstndige und gegenber frheren Publikationen in manchen Details berichtigte Liste der Haupt- bzw. Jahresversammlungen seit 1845 zeigt, dafl die lange und wechselvolle Geschichte der Gesellschaft selbst die reine Zhlung der Veran- staltungen nicht ganz leicht macht. Eine kleine Sammlung von Fragmenten aus den Tagungsberichten im Originalton kommentiert schlielich, da offene Diskussionen unterschiedlicher Ansichten ber Wohl und Wehe der Gesellschaft schon immer auf der Tagungsordnung standen, wie bse und gute Zeiten ihre Auswirkungen auf das Vereinsleben zeigten und da die Ornithologen schon von jeher ihre Zusammenknfte krftig zu feiern wuten.

    Grnder jahre Drei Neugrndungen und eine Fusion zweier Gesellschaften markieren nach auen

    einschneidende Entwicklungsphasen in der Geschichte der heutigen Deutschen Ornithologen-Gesellschaft.

    Jedenfalls im Nachhinein, nmlich bei der Feier des 50jhrigen Bestehens der Deut- schen Ornithologischen Gesellschaft auf der Jahresversammlung vorn 5.-8. Oktober 1900 in Leipzig, wird die erste Grndung der Gesellschaft auf JOHANN FRIEDRICH NAt;MAI'~S 12bndige ,Naturgeschichte der Vgel Deutschlands" zurckgefhrt, die 1822 begonnen, 1844 mit dem 12. Band abgeschlossen wurde Hl~r,M_Alxgq ScH_~~w betonte in seiner Festrede: ,Und noch eins, und fr uns wahrlich das Wichtigste: Nau- manns Werk gab den Impuls zum festen Aneinanderschliessen der in Deutschland vor- handenen, aber zerstreuten ornithologischen Krfte (SCHArOW 1901).

    Die Vorgeschichte der Versammlungen deutscher Ornithologen setzt ST~SE~NN (in TrtomEN & S~sE~I '~ 1957) freilich schon am 18. September 1822 an. An die- sem Tag fand in Leipzig die erste Zusammenkunft deutscher Naturforscher uiad rzte statt, zu der L. O~EN einen Aufruf erlassen hatte Man whlte auf der Versammlung einen Vorstand, stellte eine Satzung auf und hielt von nun an jhrliche Versammlungen ab, deren Teilnahme freilich fr manche Mitglieder als Folge der vielen politischen Grenzen im deutschen Sprachraum nicht selten mit Schwierigkeiten verbunden war. Die Ornithologie spielte auf den Tagungen naturgem nur eine nachgeordnete Rolle als Unterabteilung der Zoologie und vergleichenden Anatomie; ornithologische Bei- trge erschienen in Or~Ns Zeitschrift Isis".

    Der Wunsch der Ornithologen zielte aber darauf ab, entweder im Anschlu an die Tagungen der deutschen Naturforscher zusammenzukommen oder als eigene Sektion dieser Vereinigung aufzutreten. Einer der ersten, der solche Gedanken formuliert~ war J. E NAt3MAI,~, der sogar anregte, sich mit einigen Freunden der vaterlndischen Ornithologie zu einem reinen ornithologischen Verein zu versammeln (Brief 22. Juni 1847 an J. STUgM, Nrnberg). Dieser beabsichtigten Vereinsgrndung gingen Aktivi- tten von E. BALDAMUS voraus, der auch im Namen von M. H. C. LICHTENSTEIN, E A. L. TrtmIx~MAvri,~ und J. E NAVMAI'~ am 30. Juni 1845 zu einer Versammlung

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    deutscher Ornithologen nach Kthen einlud. Vom 27.-29. September 1845 trafen sich in Kthen 32 Ornithologen als Sektion der Gesellschaft deutscher Naturforscher und rzte Gew'hk wurden J. E NAUMANN als Vorsitzender, E. BALDAMUS als Geschftsfhrer, E A. L. THIENEMANN als Protokollant. Als Hauptredner traten u. a. C. L. BREHM, E. BALDAMUS, E A. L THIENEMANN, J. E NAUMANN, A. R. v. LOEBEN- STERN und E. v. HOMEYER auf. Die Tagung war ein voller Erfolg, so da man eine all- jhrliche Wiederkehr des Zusammentreffens beschlo.

    Die zweite Versammlung deutscher Ornithologen fand vom 30. September bis 2. Oktober 1846 in Dresden statt. Nur 23 Teilnehmer waren erschienen; viele eingela- dene einflureiche Zoologen glnzten durch Abwesenheit. Unter den wichtigsten Vor- trgen ist z. B. zu erwhnen ein Abri der Geschichte der Ornithologie von E A. L. THiENZMANN, ein Bericht von E. v. HOIVlZYER ber den Federwechsel der Wasservgel und von J. E NAUMANN ber die Abnahme der Vgel in der Mitte von Deutschland.

    Die dritte Versammlung vom 28.--30. September 1847 in Halle war ein Mierfolg, denn nur 13 Teilnehmer waren erschienen. Auer einem Privatdozenten lie sich kein Vertreter der Universitten blicken. Trotzdem wurde fr 1848 ein Treffen in Leipzig vereinbart.

    So meint denn auch SCrtALOW (1901): Aber beiden wohnte nicht mehr das impul- sive Interesse inne, welches der ersten Versammlung ein so glnzendes Prognosticon fr die Zukunft zu stellen schien. Die Revolution 1848/49 verhinderte ein erneutes Treffen, und ihr Ausgang schien der Idee der berregionalen Vereinigung deutscher Ornithologen den Todessto versetzt zu haben. Doch 1849 grndete BLDAMUS eine neue Zeitschrift, die Naumannia", die mit ihrem Untertitel Organ des Deutschen Ornithologen-Vereins die Grndung eines Vereins vorweg nahm. Mglicherweise hat der agile BALDAMUS mit der Naumannia, die spter dem ,Journal fr Ornithologie" unterliegen sollte, ein Wiederaufleben der Vereinsgrndung vorbereitet.

    Neben ihm war es u.a.E.v. HOMEY~R, der NAUMNN ZU einem neuen Versuch berredet So kam es zur eilig einberufenen vierten Tagung vom 1. bis 3. Oktober 1850 in Leipzig, zu der allerdings nur 12 Teilnehmer erschienen. Strmender Regen, schlechte Organisation und die Nachricht vom Tode Osr~l~ BRrHMs, des Bruders von ALF~D, im Nil machte dieses Treffen zu einem traurigen Wiederbeginn. Doch war man sich einig: Der Hauptgrund fr das Zurckgehen des Besuchs der Versammlun- gen liegt in der in Cthen beliebten lockeren Konstkuierung oder vielmehr Konstitu- tionslosigkek, und drfte nur durch eine feste Konstituierung Leben und Zweck dieser von den vielen Freunden unserer Wissenschaft so freudig begrten Versammlung zu erwarten sein" (Tagungsbericht Naumannia 1, 1850). Eine Satzung wurde daher ent- worfen und angenommen. Einem sechskpfigen Vorstand stand NAUMANN vor, mit gleichen Rechten wie die brigen Mitglieder. Diese Tagung gilt herkmmlicherweise als die eigentliche Geburtsstunde der heutigen Deutschen Ornithologen-Gesellschaft. Die Gesellschaft sollte einmal im Jahr an einem Ort Deutschlands tagen, um in leben- digem Gedankenaustausch die Ornithologie zu frdern.

    Auf der fnften Versammlung vom 11. bis 13. Juni 1851 in Berlin wurden die Leipzi-

  • S.-Heft ] Versammlungen 1845-- 1987 5 1988 J

    ger Beschliisse best~tigt. Das Mkgliederverzeichnis 1851 fhhrt bereits 80 Namen auf, die allerdings nicht alle ordentliche Mitglieder betrafen.

    Die sechste Versammlung traf sich vom 5. bis 10. Juli 1852 in Altenburg. J. E NAU- MANN lehnte den Vorsitz der Tagung zugunsten von C. L. B~EHM ab. Dem Vorstand geh6rten nunmehr sieben Mitglieder an, darunter C. L. BI~HM, E. E v. HOMEYER, M.H.C . LICHTENSTEIN, J. E NAUMANN und E. BALDAMUS, der als Sekret~ir 27 Teil- nehmer notieren konnte. 70 ordentliche Mitglieder hatten sich mittlerweile einge- schrieben.

    Die siebte Versammlung in Halberstadt vom 11. bis 14. Juli 1853 sah 41 Mkglieder. Das Mitgliederverzeichnis fiihrte jetzt 107 ordentliche und 9 Ehrenmitglieder auf. Die Er6ffnungsrede hielt W. THIENEMANN, zum Vorsitzenden der Tagung wurde M. H. C. LICHTENSTEIN gew'iihlt. Die Spaltung in der Zeitschriftenfrage (BEZZEL 1984) deutete sich an: Der offizielle Tagungsbericht erscheint in Naumannia 3, 1853, S. 113-- 128, doch legt J. CABAI, aS, der neue Herausgeber des ,Journal fiir Omithologie; 1854 eine eigene Erinnerungsschrift vor (erschienen im Verlag des J. Orn., T. Fischer in Cassel), zu der L. REICHENBACH das Vorwort schrieb.

    Abb, 1, Aufruf yon J. CANAnIS zur Griindung einer Deutschen Ornithologischen Gesellschaft zu Berlin im Journal fiir Ornithologie 15, 1867.

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    Die Differenzen zwischen Berlin (u. a. J. CAI3ANIS) und dem Vorstand der Deut- schen Ornithologen-Gesellschaft, vor allem durch J. H. BLASIUS und B. ALTUM vertre- ten, fhren dazu, da auch nach dem Ende der Naumannia 1858 im offiziellen Nach- folger, dem ~Journal fr Ornithologie; keine Tagungsberichte erschienen (BEzzEI~ 1984). Nicht zuletzt persnliche Differenzen im Kreise der Deutschen Ornithologen- Gesellschaft fhrten zu einem Niedergang. Nach anfnglicher Begeisterung gelang es nicht mehr, jedes Jahr eine Versammlung zu vereinbaren. So scheint &nn bereits in der Versammlung zu Nienburg, im Jahre 1867, die Frage des Fortbestandes der Gesell- schaft eingehend errtert worden zu sein, ohne dass jedoch ein bestimmter Beschluss hierber gefasst worden wre Cabanis, der dieser Versammlung beigewohnt und mit seinem Antrag, das Journal fr Ornithologie zum Gesellschaftsorgan zu bestimmen, nicht durchgedrungen war, schien mit dem Ein&uck nach Berlin zurckgekehrt zu sein, dass eine Auflsung der Gesellschaft unmittelbar bevorstehe Sei es nun in irriger Auffassung der Nienburger Verhandlungen, sei es vielleicht auch um ein fair accompli zu schaffen, kurz, Cabanis entschloss sich in rascher That zur Bildung einer neuen Gesellschaft (ScHALOW 1901).

    Schlielich forderte 1867 J. CABANIS mit Untersttzung zahlreicher Ornithologen zur Grndung einer Deutschen Ornithologischen Gesellschaft zu Berlin auf, als deren offizielles Organ das ~Journal fr Ornithologie anzusehen sei. 1868 formierte sich diese Gesellschaft mit 48 Mitgliedern, deren Zahl rasch stieg.

    Die Ziele dieser Gesellschaft regelte ~ 2 des 1868 in Kraft getretenen Status: Zweck der Gesellschaft ist die Befrderung der Vogelkunde nach allen Richtungen hin, namentlich also Erforschung der gesammten Vogelwek, hinsichtlich der Feststel- lung der einzelnen Arten, ihrer Lebensweise und der Bedeutung ihres Lebens der bri- gen Thierwelt gegenber, gegenseitiger Austausch der gesammelten Erfahrungen und Beobachtungen in regelmssig wiederkehrenden Sitzungen und in einem gemeinschaft- lichen Organ."

    Wegen des Kriegs 1870/71 wurden von der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft, deren Mitgliederzahl immer strker zurckging, Beratungen ber eine Fusion beider Gesellschaften vertagt, Erst 1875 auf der 21. Versammlung der Deutschen Ornitholo- gen-Gesellschaft in Braunschweig kam es unter dem Vorsitz von E. v. HOMEYER zur Fusion. Ab Januar 1876 gab es dann nur noch die Allgemeine Deutsche Ornithologi- sche Gesellschaft ~, die sich dann seit 1896 als Deutsche Ornithologische Gesellschaft bezeichnete

    In den 1876 angenommenen Statuten dieser Neugrndung, der vorletzten in der Geschichte unserer Gesellschaft, ist ber die Ziele ein bemerkenswerter Zusatz enthal- ten, der die Entwicklung kologischer Gedankengnge in der heutigen ffentlichkeit fast 100 Jahre vorwegnimmt. Vgel werden im Zusammenhang mit dem Haushak

    L .

    Abb. 2. Titelblatt des Berichtes ber die gemeinsame Tagung der beiden Gesellschaften zu Braunschweig 1875, auf der die im darauffolgenden Jahr vorgenommene Fusion und Neugrndung unter dem Namen

    Allgemeine Deutsche Ornithologische Gesellschaft" beschlossen wurde

  • S.-Heft ] 1988 J

    Versammlungen 1845--1987

    E I~ICHT ber die

    XXI . Versammlung

    der

    ZU

    1schweig, 20. - - 23. Mai 1875

    gemeinschaftlich

    hjahrsversammlung der Berliner deutschen ornithologischen Gesellschaft

    herausgegeben

    VOl l

    ~fessor Dr. V r, Blas ius und Dl'. R. Blas ius frherem jetzigem

    8ecretr der deutschen Ornithologen-Gesellschaft.

    Braunschweig ,

    und Papier von F r iedr ich Vieweg und Sohn.

    1875.

  • E. BEZZEL [ j. Orn. 129

    Abb. 3. Aufruf der beiden Vogelwarten zur Neugrndung der Gesellschaft nach dem Zweiten Weltkrieg, der zur Griindungsversammlung am 14. Dezember 1949 in Freiburg unter dem Namen der Erstgrndung

    1850 Deutsche Ornithologen-Gesellschaft" fhrte

  • S.-Heft ] 1988 J Versammlungen 1845-- 1987 9

    der Natur" gesehen: Zweck der Gesellschaft ist die Frderung der Ornithologie nach allen Richtungen, namentlich also Erforschung der gesammten Vogelwelt hinsichtlich der Systematik, des Krperbaues, der Lebensweise und der Bedeutung ihres Lebens fr den Haushalt der Natur. Dieser Zweck wird zu erreichen gesucht durch gegensei- tigen Austausch der gesammelten Erfahrungen und Beobachtungen in regelmssig wiederkehrenden Sitzungen, Jahresversammlungen und in einem gemeinschaftlichen Organ~

    Die Ornithologische Gesellschaft besteht bis 1944. Am 4. 9. 1944 wird die letzte Jah- resversammlung im Zoologischen Museum in Berlin abgehalten mit der Ankndi- gung, da die Herausgabe der Zeitschriften 0ournal fr Ornithologie, Der Vogelzug) beginnend mit dem 1. Oktober 1944 vorlufig einzustellen" sei. Neuwahlen des Vor- standes waren fr die Dauer des Krieges nicht zulssig.

    Am 15. Mai 1949 traf sich ein Kreis von 19 Mitgliedern der ehemaligen Deutschen Ornithologischen Gesellschaft in Mggingen und fate den Beschlu einer Wiederbe- lebung. Die Vogelwarten Helgoland und Radolfzell luden daraufhin im November 1949 alle Interessenten zur Grndung einer Gesellschaft Deutscher Ornithologen ein. Am 14. Dezember traf man sich zu einer Grndungsversammlung in Freiburg. Das Tagungsprotokoll vermerkt im geschftlichen Teil: Die Grndungsversammlung fand am 14. Dezember 1949, 17 Uhr, im Zoologischen Institut der Universitt Freiburg i. Br. statt. Herr Koehler konnte bei der Erffnung trotz der Vorweihnachtszeit und der fr manche Teilnehmer sehr weiten Anreise etwa 45 Anwesende begren, deren Zahl sich spter noch erhhte Zurckgreifend auf die Geschichte der Deutschen Ornithologischen Gesellschaft schlug Herr Schz den bei der Grndung vor fast 100 Jahren zunchst gebrauchten Namen ,Deutsche Ornitholo- gen-Gesellschaft' als Bezeichnung fr den geplanten Verein vor. Dieser Name wurde einstimmig angenommen."

    In der angenommenen Satzung werden die Zwecke der Gesellschaft wie folgt darge- stellt: Der Verein bezweckt die Frderung der Vogelkunde nach allen Richtungen. Er ver- folgt diesen Zweck ausschlielich in gemeinntziger Form und auf wissenschaftlicher Grundlage"

    Die Versammlungen In der langen Geschichte der DO-G wurde insgesamt dreimal damit begonnen, die

    Jahresversammlungen zu zhlen. Wie die bersicht aller protokollierten Versammlun- gen ausweist, ist die 100. Jahresversammlung 1988 in Bonn auf jeden Fall eine beschei- dene Untertreibung, denn die wirkliche Zahl der Jahresversammlungen liegt wesent- lich hher.

    Die erste offizielle Zhlung der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft beginnt mit 1845 und schliet mit Nr. 21, der denkwrdigen gemeinsamen Sitzung beider Gesell- schaften 1875 in Braunschweig. Die beiden Sitzungen der Ornithologischen Gesell- schaft in Berlin der Jahre 1871 und 1874, als keine Sitzungen der konkurrierenden Ornithologen-Gesellschaft stattfanden, wurden natrlich nicht mitgerechnet.

  • 10 E. B~ZZEL [ J" Orn. I 129

    Die zweite Zhlung beginnt 1876 mit der 1. Jahresversammlung der Allgemeinen Deutschen Ornithologischen Gesellschaft Berlin. In den Statuten war als gemeinsamer Kompromi eingebracht worden, da alternierend zum Versammlungsort Berlin jeweils eine Wanderversammlung an einem anderen Ort Deutschlands (ber die Definition s. Tagungsprotokolle 1875 Braunschweig, auszugsweise abgedruckt S. 18) stattfinden msse Bis 1894 wurde diese Abfolge strikt, spter dann nur noch lose ein- gehalten mit zunehmender Hufung der Tagungen in Berlin. Die zweite Zhlung endet mit Nr. 19 im Jahre 1894. Nach der Namensnderung 1896 wurde nicht mehr gezhlt. Die ausgefallene Jahresversammlung 1887 in Wiesbaden ist als Nr. 12 in dieser Zhlung miterfat worden. Hier hatten sich nur 3 Mitglieder eingefunden, Vortrge waren nicht angemeldet. Man beschlo mit Rcksicht auf die geringe Betheiligung und um fr knftige schwach besuchte Jahresversammlungen kein Prjudiz fr Mino- rittenbeschlsse zu schaffen, von jeder Abstimmung und weiteren Sondersitzungen Abstand zu nehmen, die Erledigung der geschftlichen Angelegenheiten der nchsten Jahresversammlung in Berlin [1888] vorzubehalten und sich lediglich an den Sitzungen der Zoologischen Section der g.!eichzeitig in Wiesbaden tagenden 60. Versammlung Deutscher Naturforscher und Arzte zu beteiligen". Damit wre diese Zhlung mit einem Zhlfehler eigentlich abzuschlieen, wenn sie nicht unvermutet 1923 mit Nr. 41 wieder aufgenommen worden w'r Sie ist dann bis heute weiterfhrt worden und die rechnerische Grundlage fr die 100. Jahresversammlung in Bonn.

    Doch in der weiteren Folge wurden die protokollierten Mitgliederversammlungen ohne eigenes wissenschaftliches Programm am Rande der Internationalen Kongresse in Basel 1954 und Den Haag 1970 -- auf der letzteren fanden sogar Wahlen statt! -- nicht mitgezhk. Die Abendsitzung am 4. 9. 1954 im Zoologischen Museum Berlin wird dagegen als 62. Jahresversammlung gefhrt. Zhk man konsequent und rechnet alle Sitzungen (auch die ausgefallene 1887 in Wiesbaden), dann wrde die 100. Jahres- versammlung 1988 in Bonn eigentlich die 102. sein; rechnet man 1887 und 1944 sowie die bisher nicht gezhken Versammlungen 1954 und 1970 nicht mit, wre fr Bonn 1988 Nr. 98 anzusetzen. Die Feier der 100. Jahresversammlung in Bonn entspricht also dem arithmetischen Mittel zweier streng konsequent durchgefhrten Zhlreihen seit 1876!

    Eine dritte offizielle Zhlung der Jahresversammlung setzt ganz unvermittelt mit Nr. 54 im Jahr 1904 ein und unterbricht damit die zweite. Sie ist bis zur 60. Jahresver- sammlung 1911 fortgefhrt worden. Man hatte offenbar einfach vom Grndungsjahr 1850 hochgerechnet, ohne die Sitzungslcken zu bercksichtigen. Die 60. Sitzung 1911 wre eigentlich die 53. gewesen, bei Rechnung ab 1845 die 56.

    Fat man alle Jahresversammlungen zusammen, dann haben nach der hier vorgeleg- ten Aufstellung, die alle verfgbaren Quellen bercksichtigt, von 1845 bis 1987 in 123 Jahren 128 protokollierte Jahresversammlungen deutscher Ornithologen stattgefun- den, seit dem offiziellen Grndungsjahr der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft in 120 Jahren 125. Zhlt man von 1850 an nur die Sitzungen der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft einschlielich der gemeinsamen Sitzung 1875, bleiben 118

  • S.-He ] Versammlungen 1845--1987 11 1988 ]

    protokollierte Sitzungen; zhlt man alle Jahre mit mindestens einer Mitgliederver- sammlung deutscher Ornithologen, gleich welcher Gesellschaft, bleiben 120.

    Die bisher nicht mitgezhlten Mitgliederversammlungen in Basel und Den Haag (s. oben) sind darin enthalten. Zieht man sie ab, mte man das konsequenterweise auch fr die sogenannte 62. Jahresversammlung 1944 in Berlin tun. Je nach Auffassung haben also dann von 1850 bis 1987 mindestens 115 und hchstens 125 Hauptversamm- lungen stattgefunden. Zhlt man alle protokollierten Jahresversmmlungen und hier wieder pro Jahr nur eine, so findet seit 1850 in Bonn 1988 die 121. Jahresversammlung statt.

    Die Ornithologische Gesellschaft zu Berlin hatte aber mit ihrer Grndung zustz- lich noch monatliche Sitzungen (mit Ausnahme der Sommermonate) in Berlin vorge- sehen. Im Dezember 1875 wurde die fortlaufende Protokollierung von 78 solcher Sit- zungen im J. Orn. publiziert. Die Allgemeine Deutsche Ornithologische Gesellschaft nahm dann folgende Regelungen in ihre Statuten auf: Am 1. Montag eines jeden Monats (ausgenommen Juli und August) versammeln sich die in Berlin anwesenden Mitglieder der Gesellschaft zu einer Sitzung. Statt der Junisitzung wird eine Frhjah- resexcursion unternommen." Bis Mai 1878 wurden 22 solcher Sitzungen fortlaufend gezhlt, dann lie man die Zhlung fallen. Je nach Lage der Jahresversammlungen fan- den anschlieend 6 bis 9 solcher Sitzungen pro Jahr statt, auch in den Kriegsjahren 1914 bis 1918. Ab 1924 wurden sogar 2 monatliche Sitzungen eingefhrt, nmlich eine Allgemeine und eine Fachsitzung. Die Zahl der jhrlichen Sitzungen stieg dann auf 15 bis 17. Bis September 1931, als das letzte dieser Sitzungsprotokolle publiziert wurde, ist im J. Orn. die stattliche Anzahl von 581 Sitzungsprotokollen seit Grndung der Ornithologischen Gesellschaft zu Berlin im Jahre 1868 enthalten.

    Die Hauptversammlungen deutscher Ornithologen 1845-1987

    Datum Ort Teilnehmer Bericht

    Versammlungen deutscher Ornithologen 1845: 27.--29. 10. Kthen 32 Rhea 1, 1846:1--11 1946: 30. 9.--2. 10. Dresden 23 Rhea 2, 1849:1--12 1847: 28.--30. 9. Halle a.S. 13 Rhea 2, 1849:176--191

    Versammlungen der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft 1850: 1.-3. 10. Leipzig 1851: 11.--13. 6. Berlin 1852: 5.--10. 7. Altenburg 1853: 11.--14. 7. Halberstadt

    1854: 18.--20. 7. Gotha

    12 Naumannia 1/3, 1850:87--96 Naumannia 2/1, 1852:1--9

    27 Naumannia 2/2, 1852:1--18 44 Naumannia 3, 1853:113--128

    J.Orn. 1, 1883, Sonderheft 20 Naumannia 4, 1854:219--235

    J.Orn. 1855, Sonderheft 114 S.

  • 12 E. BEZZEL

    1855: 4.--7. 6. Braunschweig 1856: 2.--5.6. Kthen 1857: 15.--18.6. Rostock 1858: 7.--10. 6. Harzburg, Brocken 1860: 17.--20. 9. Stuttgart 1862" 29. 9.--2. 10. Halberstadvund

    Braunschweig 1867: ? Nienburg/Weser

    [ j. Orn. 129 28 Naumannia 5, 1855:226--265 52 Naumannia 6, 1856:273-382 33 Naumannia 7, 1857:195--221 28 Naumannia 8, 1858:177--198 26 Sonderheft 1861, 104 S. 18 Sonderheft 1863, 112 S.

    15 Bericht (?) 4 S.

    Versammlungen der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft (a) und Jahresversammlungen der Ornithologischen Gesellschaft zu Berlin (b)

    1868: a) 2.--4. 6. Kiel 9 Bericht 1869 (Mnster), 44 S. b) 6.--7. 10. Berlin 16 J.Orn. 16, 1868:408-415

    1869: a) 18.-21.5. Kassel u. Hann.-Mnden 21 Bericht 1869 (Kassel), 65 S. b) 5.--6. 10. Berlin 16 J.Orn. 17, 1869:404-414

    1870: a) 8.-10. 6. Hannover u. Hildesheim 19 Bericht 1871 (Mnster), 98 S. b) 21.5.--24. 5. Grlitz 46 Erinnerungsheft (Stolp) 1871, 55 S.

    3. 10. Berlin 10 J.Orn. 18, 1870:461-462 1871: b) 3.-5.10. Berlin 29 J.Orn. 20, 1872:70-80 1872: a) 23.-24. 5. Kassel Bericht (Mnster), 97 S.

    b) 8.--10. 10. Berlin 32 J.Orn. 21, 1873:51-70 1873: a) 5.-8. 6. Braunschweig Bericht (Braunschweig) 110 S.

    b) 7.--8. 10. Berlin 34 J.Orn. 22, 1874:90-100 1874: b) 6.--8. 10. Berlin 45 J.Orn. 23, 1875:118-127 1875: a+b) 20.--23.5. Braunschweig 29 Bericht 1875 (Braunschweig),

    116 S., J.Orn. 23, 1875:342-349

    Jahresversammlungen der Allgemeinen Deutschen Ornithologischen Gesellschaft 1876: 13.--16. 9. Berlin 44 J.Orn. 24, 1876:337-387 1877: 15.-17. 9. Dresden 25 25, 1877:353--359 1878: 3.--6. 10. Berlin 54 26, 1878:357--370 1879: 23.--26. 5. Stettin 47 28, 1880:1--11 1880: 27.--31.5. Berlin 33 28, 1880:337--354 1881: 31.8.--3.9. Hamburg 39 30, 1882:1--17 1882: 21.--23.9. Berlin 36 31, 1883, 1--12 1883: 20.--23. 6. Oldenburg 11 32, 1884:193--203 1884: 15.--18. 9. Berlin 23 33, 1885:1--22 1885: 28.--30. 5. Braunschweig 18 33, 1885:377--407 1886: 17.--19. 6. Berlin 18 34, 1886, 545--555 (1887: 18. 9. Wiesbaden 3 36, 1888: 106) 't 1888: 12.--14. 9. Berlin 36 37, 1889:51--62 1889: 10.--12. 6. Mnster 29 37, 1889:193--205 1890: 9.--12. 5. Berlin 61 39, 1891:1--13 1891: 12.--13. 5. Frankfurt a.M. 17 39, 1891:303--311 1982: 1.--4. 10. Berlin 32 40, 1892:443--456 1893: 23.--26. 9. Kassel 27 42, 1894:96--103 1894: 28.9.--1. 10. Berlin u. Akenburg 55 43, 1895:99--108

  • S.-Heft ] 1988 I

    Versammlungen 1845--1987

    Jahresversammlungen der Deutschen Ornithologischen Gesellschaft 1896." 11.--14.9. Berlin 38 45, 1897:76--93 1987: 28.--30. 5. Dresden 39 45, 1897:499--533 1898. 8.--10. 10. Berlin 43 47, 1898:112--121 1899: 7.--9. 10. Berlin 40 48, 1900, 121--128 1900: 5.--8. 10. Leipzig 75 49, 1901:1--156 1902: 5.--7. 10. Berlin 23 51, 1903:139--157 1903: 30. 5.--2. 6. Stuttgart 49 51, 1903:507--542 1904: t5.--16. 10. Berlin 26 53, 1905:249--261 1905: 6.--9. 6. Hamburg u. Helgoland 39 53, 1905" 757--761 1906: 21.--24. 9. Breslau 50 55, 1907:165--182 1907: 4.--6. 10. Berlin 56 56, 1908:122--146 1908: 2.--6. 10. Danzig, Rositten 68 57, 1909:43--49 1909." 24.--26. 10. Lbeck und Wismar 36 58, 1910:91--101 1911: 7.-9. 10. Eberswalde, Freienwalde 18 60, 1912:109--117 1912: 21.--23. 9. Berlin 42 61, 1913:169--179 1913: 4.--6. 10. Dresden 41 62, 1914" 158--165 1915: 17.--18. 10. Berlin 38 64, 1916:156--160 1916: 7.--9. 10. Kthen 37 65, 1917:98--111 1918: 5.--6. 10. Berlin 26 67, 1919:109--115 1920: 9.--10. 10. Berlin 34 (+45) 69, 1921:92--111 1922: 13.--15. 5. Berlin 43 (+115) 70, 1922:506--517 1923: 5.--7. 5. Berlin 69 (+60) 72, 1924:127--137 1924: 12.--15. 6. Bremen 35 72, 1924:566--577 1925: 3.--6. 10. Berlin 175 (+60) 74, 1926:191--259 1926: 2.--3. 10. Berlin 73 (+20) 75, 1927:243--248 1927: 1.--3. 10. Leipzig, Wittenberg 66 (+95) 76, 1928, 434--447 1928: 29.--30. 9. Berlin 60 (+40) 77, 1929:210--212 1929: 5.--8. 10. Breslau 103 (+80) 78, 1930:377--381 1930: 13. 10. Berlin 57 (+11) 80, 1932:132--134 1931: 9.--14. 10. Helgoland 77 80, 1932:144--159 1932: 1.--4. 10. Wien 99 81, 1933:360--375 1933: 30. 9.--6. 10. Knigsberg, Rositten 99 82, 1934:148--168 1934: 6.--7. 10. Berlin 139 83, 1935:129--135 1935: 3.--9. 7. Mnchen 67 (+ 18) 83, 1935:602--613 1936: 21.--25.7. Bonn 66 (+45) 84, 1936:673--690 1937: 7.--12. 7. Dresden 82 (+90) 85, 1937:680--712 1938: 23.--25. 9. Berlin 151 (+300) 87, 1939:165--187 1939: 1.--4. 6. Mnster 59 (+67) 88, 1940:166--182 1940: 12.--13. 10. Berlin 75 (+100) 89, 1941:159--167 1941: 26.--29. 9. Berlin 74 (+ 130) 89, 1941:417--425 1942: 6. 6. Berlin 85 90, 1942:381--393 1943: 3.--5. 7. Berlin 134 (+95) 91, 1943:356--370 1944: 4. 9. [Berlin] * 92, 1944:205--207

    13

  • 14 E. BEZZEL

    Jahresversammlungen der Deutschen OrnithologemGesellschaft 1949: 14. 12. Freiburg i. Br. ca. 50 1950: 1.--3. 10. Wiesbaden 103 1951: 13.--18. 5. Wilhelmshaven 114 1952: 1.--5. 6. Freiburg i. Br. 124 (+x) 1953: 15.--18. 8. Kln 148 (+ca. 150) 1954: 2. 6. [Basel] * ca. 75 1955: 30. 7.--2. 8. Frankfurt 246 (+150) 1956: 19. 5.--21. 5. Wien 143 (+ca. 80) 1957: 3.--8. 8. Erlangen 179 (+ca. 50) 1958: 9.--13.9. Kiel 159 (+ca. 79) 1959: 6.--12. 10 Stuttgart 195 (+ca. 100) 1960: 6.--11.9. Salzburg 167 1961: 6.--8. 9. Braunschweig 156 1962: 9.--12. 10. Gieen 125 1963: 29. 7.--2. 8. Tbingen 177 1964: 31.8.--4. 9. Berlin 137 1965: 11.--16. 9. Konstanz 258 1966: 24.--27. 10. Gttingen 200 1967: 26.--30. 9. Helgoland ? 1968: 1.--6. 10. Innsbruck 145 1969: 7.--11. 10. Mnster 201 1970: 2. 9. [Den Haag] * 85 1971: 7.--12. 10. Bonn 235

    1972: 11.--14. 10. Saarbrcken 144 1973: 26. 9.--2. 10. Freiburg i. Br. 194 1974: 7.--11. 11. Wilhelmshaven 260 1975: 24.--29. 9. Wien 278

    1976: 9.--14. 12. Kiel 209 1977: 29. 9.--4. 10. Mainz 195

    1978: 12.-16. 10. Garmisch-Partenkirchen 252 1979: 3.--9. 10. Frankfurt a.M. 300 1980: 18.--23.9. Hannover 213 1981: 18.--23. 9. Melk a.D. 214 1982: 14.--17. 10. Marburg 258 1983: 6.--9. 10. Erlangen 220 1984: 20.24. 10. Konstanz 355 (+50) 1985: 2.--6. 10. Osnabrck 285 1986: 27. 9.--2. 10. Innsbruck 262 (+99) 1987: 23.--26. 9. Hildesheim

    [ J. Orn. 129 Vogelwarte 15, 1950:137--141 Vogelwarte 16, 1951:33--39 J.Orn. 93, 1052:189-205

    94, 1953: 95, 1954: 96, 1955: 96, 1955: 97, 1956: 99, 1958: 100, 1959: 101, 1960: 102, 1961: 103, 1962: 104, 1963: 105, 1964: 106, 1965: 107, 1966: 109, 1968: 110, 1969: 110, 1969: 111, 1970: 112, 1971: 113, 1972: 456--472 114, 1973: 115, 1974: 116, 1975: 117, 1976: 118, 1977: 118, 1977: 119, 1978: 471--482 120 1979: 121 1980: 122 1981: 123 1982: 124 1983: 125 1984: 126 1985: 127 1986: 128 1987: 129 1988:

    361--378 200--217 36O 437--463 445--472 224--241 245--259 228--237 208--219 317--332 280--299 224--244 390--414 393--418 238--254 348--375 507--525 263--281 244--245 348--351;

    373--395 473--494 334--355 475--478 217--231 316--328 353--356;

    338--352 305--324 317--338 335--355 307--330 351--380 327--356 359--393 357--402

    * ( ) ist ausgefallen, s. Text; [ ] = ohne wissenschaftliches Programm; Teilnehmerzahl nach den Protokollen (+ Gste)

  • S.-Heft] Versammlungen 1845-- 1987 15 1988 /

    Randnotizen aus Tagungsberichten Die Auswertung der langen Reihe der verffentlichten Tagungsprotokolle, vor allem

    der wissenschaftlichen Diskussionen, drfte ohne Zweifel einen wichtigen Beitrag zur Geschichte unserer Gesellschaft und darber hinaus zur Entwicklung der Zoologie und des Naturschutzes liefern. Von Anfang an stand der wissenschaftliche Disput im Vordergrund; in den Zeiten schwieriger Kommunikation spielten Vortrge und Dis- kussionen eine noch entscheidendere Rolle im Gedankenaustausch als heute Viele der Tagungsberichte aus den ersten Jahrzehnten sind daher dicke Broschren mit wissen- schaftlichen Originalaufstzen. Erst spter mute man sich mit kurzen Zusammenfas- sungen begngen, die heute meist schon vor den vielseitigen Vortrags- und Posterver- anstaltungen den Tagungsteilnehmern ausgehndigt werden.

    Im folgenden geht es aber nicht um wissenschaftliche Inhalte der Fachsitzungen, von denen nicht einmal die wichtigsten aufgezhlt werden knnten. Wenige Auszge, die in erster Linie das Vereinsleben betreffen, sollen ein kurzes Streiflicht auf das uere Schicksal der Gesellschaft und die jeweils von den Zeitlufen geprgte Stimmung der Tagungsteilnehmer werfen. Geselligkeit und Gemeinsamkeit waren zu allen Zeiten viel beschworene und gern praktizierte Gter der deutschen Ornithologen bei aller Kritik und Auseinandersetzung in wissenschaftlichen Fragen. Die bunte Auswahl, die Hhe- punkte und Nebenschliches gleichermaen bercksichtigt, endet mit dem denkwr- digen Schlu der Rede E. STI~seMaNNs zur Feier des 100jhrigen Bestehens der Gesellschaft in Wiesbaden im Jahre 1950, die gleichzeitig den Wiederbeginn nach dem Zusammenbruch bedeutet.

    Al tenburg , 5. - -10 . 7. 1852:

    Wir wrden den uns gestatteten Raum berschreiten, wollten wir alle die launigen, geistrei- chen oder ernsten Trinksprche in Versen oder Prosa auffhren.. , knnen aber doch nicht umhin, unseren Lesern. . . das treffliche Lied des Herrn Consistorialrath und Hofprediger Dr. Sachse . . . hier mitzuteilen:

    Seid gegrsst im Osterlande, Deutscher Ganen Abgesandte, Unbekannt' und doch Bekannte,

    Seid gegrsst, ihr lieben Herrn! Solchen Zuzug Gotterkiester Und geweihter Isispriester

    Sieht man gern.

    C h o r : Seid an unserm Bundesfeste Hochgegrsst, Ihr werthen Gste,

    Hoch, hoch, hoch, Isispriester hoch !

    Was des Schpfergeistes Walten Schn in Farben und Gestalten, Frei und stark im Kraftentfalten

    Ausgeprgt hat und beseelt, Was die Welt belebt mit Tnen, Habt zum Forschungsziel, zum schnen,

    Ihr erwhlt.

    C h o r : Zeugen von des Schpfers Preise, Seid willkommen unserm Kreise,

    Hoch etc. Werkgenossen hoch !

    Von den Sngern unsrer Lfte Bis wo dort aus Felsgeklfte, Dort vom Hain der Balsamdfte

    Schwarm um Schwarm fleugt himmelauf,

    In den beiden Hemisphren Schliesst ihr Gottes Voliren

    Vor uns auf.

    C h o r : Hoch , Ihr sphenden Auguren Ueberall in Wald und Fluren,

    Hoch etc. Khne Forscher hoch!

  • 16

    Von dem Eipunkt bis zur Reife Beim Goldhhnchen wie beim Greife Fasset Ihr auf Eurer Streife

    Das Geheimste in's Gesicht; Bringt Mysterien der Prchen, Ja des Kukuks Magenhrchen

    An das Licht. C h o r : Hoch, Ihr Fnger, Nestaussprer,

    Fleischzergliedrer, Balsamirer, Hoch etc. Ornitharchen hoch !

    Lehrt das Volk, mit gleichem Zauber Fest sein Nest zu bau'n und sauber; Lehret es an Taub' und Tauber

    Zchtige Monogamie ! Hebt auch uns zur Wolkenwiege, Herrscht im Frsch- und Musekriege

    Anarchie !

    E. BEZZEL [ J" Orn. L 129

    C h o r: Hoch hinauf im Flug der Lerche, Weg vom Spuk der Menschenzwerge!

    Hoch etc. Wackre Fhrer hoch!

    Doch jetzt wollt die Forschung lassen! -- Gastronomisch anzufassen Den Fasan und die Bekassen,

    Heischt des Mahles Genius. Und statt Krper ohne Leben Setzt Euch selbst in edle Reben --

    Spiritus ! Chor: Stosset aus des Fasses Zpfchen!

    Heut geht's nicht aus Finkennpf- chen !

    Hoch etc. Liebe Gste, hoch!

    Ha lberstadt , 11.--14. 7. 1853:

    ,Herr Pfarrer Baldamus, zeitiger Sekretr der Gesellschaft, ergriff hierauf das Wort zur Ablegung des Rechnungsberichtes, Bestimmung des nchstjhrigen Versammlungsortes u. s. w. Der Herr Vorsitzende usserte hiergegen die Ansicht: dass alle nicht unmittelbar zur Wissen- schaft gehrige Nebendinge und geschftliche Angelegenheiten, wie eben die Wahl des knfti- gen Versammlungsortes u. dgl., fglich der Besprechung whrend der Mittagstafel zugetheilt werden mchten. Herr Pfarrer B al d a m u s widersetzte sich diesem Vorschlage heftig, nannte denselben einen Eingriff in die Statuten, schlug, unter Berufung auf den von vielen Seiten dafr ausgesprochenen Wunsch und auf den dorthin einladenden Hr. Dr. He l lmann, die Stadt Gotha als nchsten Versammlungsort und den Anfang Juli als Zeit der Versammlung vor. Ungeachtet der wiederholten Vorstellungen des Vorsitzenden, dass ja alle solche Mitglie- der, welche mit Universitten in amtlicher Berhrung stehen, um diese Zeit am Erscheinen verhindert wren, und dass namentlich der, aus diesem Grunde leider weider abgereiste Geh. Rath L ichtenste in , so wie er selbst, in diesem Jahre whrend des akademischen Cursus ht- ten Urlaub nehmen mssen, was nicht fglich zu wiederholten Malen geschehen knne, -- sollte der Tag der Versammlung dennoch der so zeitig angesetzt bleiben: weil Herr Pfarrer Baldamus die Erndte als ein Hinderniss einer spteren Berufung angab.

    Whrend die Anwesenden schwiegen, begann Herr Pfarrer Baldamus einen detailirten Rechenschaftsbericht abzustatten, dessen Irrungen er hinterher wiederholt berichtigte. Herr v. H o m e ye r machte daher den Vorschlag: dass es zweckmssig sein werde, die Rechnungsab- lage des vergangenen Jahres jedesmal bei dem Beginne der nchstfolgenden Versammlung ver- lesen zu lassen. Mit dieser Ansicht waren die Anwesenden smmtlich einverstanden, und so wurde die Angelegenheit bis auf Weiteres vertagt."

    Kiel, 2.--4. 6. 1868:

    Zu bequemer Morgenstunde verliessen die Ornithologen das schne Kiel und wol mehr als ein Mitglied hegte gelinden Zweifel, dass wir heute noch schnere Gegenden sehen sollten. Die Eisenbahn fhrte uns nach Eutin. Unterwegs bald rechts, bald links ein See oder ein Teich mit dichten Rohrpartieen. Da konnte man recht die Ornithologen-Naturen erkennen, wenn dann jedesmal smmtliche Coup-Insassen die Kpfe nach dem betreffenden Fenster richteten.

  • S.-Heft ] 1988 ] Versammlungen 1845--1987 17

    Storch, Reiher, Enten, Wasserhhner und Kiebitze, Mwen und Seeschwalben oder auch wol ein Milan oder eine Rohrweihe marschierten nach einander auf.

    Eutin mit seinem schnen Schlosspark am Ufer des Sees sollte uns nur die Mittagszeit ber fesseln. Doch war dies eine Zeit voll der launigsten Einflle und Scherze und der Wirt wird wol noch die, die sich mit dem Namen ,die Bande' titulirende Gesellschaft im 'Gedchtnis haben, welche seinem Ale-Vorrath den Garaus machten . . . . Bis spt in den Abend lagerte ,die Bande' naturkneipend auf dem Mhlenberge, einem Windmhlenhgel zwischen dem Keller- und dem Plnersee Ununterbrochen zogen Mwen ~ridibundus) ber sie hin, welche von einem See zum andern eilten. Auch einzelne Enten und Seeschwalben kamen dann und wann vorber, sodass es den Anschein hatte, als ob ber diesen schmalen Landstrich eine Luftstrasse fr Wasservgel bestnde -- Ungern fgten sich die Ornithologen in das zwingen& Muss der morgigen Weiterreise und noch spt im Mondscheine sah man sie umherstreifen. Doch als sie endlich nach diesem wechselvollen Tage die Ruhe aufsuchten, genossen sie diese grndlich, sodass man inmitten der Nacht hrte, wie der Wirt einige Sttzen unter ein Mittelzimmer setzte, fr den Fall, dass die Balken durchgesgt wrden."

    H i ldeshe im, 8.--10. 6. 1870: ader Abend gehrte nach alter Sitte der goldlockigen Knigin des Witzes und des Frohsinns,

    der wrzigen Ornithologen-Bowle In diesem Jahre hat uns die blauugige Gttin besonders holdselig angelchelt. Papa Rei-

    necke, in Gestalt des Herrn Nie m e ye r lockte die Ornithologen und Geflgelzchter durch gewundene Gnge in den innersten Keller seiner Burg Malepartus. Dann drang wonnige Fest- musik zu ihnen hinein, um ihre poetischen Gefhle auf das kommende Schauspiel vorzuberei- ten. Als es nun vollkommen dunkel war, sprangen die Thren auf und die herausdrngenden wilden und zahmen Vogelkundigen glaubten sich schier in ein Feenreich versetzt. Denn da trugen Bume und Strucher sanftleuchtende rothe, gelbe und blaue Frchte und aus dem Grase zngelten verschlungene Reihen kleiner Flmmchen auf. Die Schwne und Enten schwammen auf dem Teiche und schauten mit Verwunderung den prachtvoll illuminirten Fel- sen an und zwischen alle dem wandelten unzhlige Hedwige, Meta's, Sophien und andere ks- sige Schnheiten an Jnglingsarmen einher. Der Geschftsfhrer aber kam sich noch einmal so alt vor als vorher und er sprach zu dem Volke, dass es mit ihm einstimme in ein Hoch auf unsern hochverdienten und liebenswrdigen Wirt, den Herrn Director N iemeyer . Da schwenkten die Damen ihre Tcher und alle Herren riefen Hoch und aus der Ferne hrte man eine mchtige Stimme einfallen und das war unser ornithologischer Oberkirchenrath, wel- cher, einem leuchtenden Sternenpaare folgend, sich verirrt hatte Dass nun die Vogelkundigen nicht in trumerisches Schweigen gelullt wrden durch gar zuviel Fee'n- und Mrchenzauber, so geleitete der Pseudo-Reinecke sie in seinen Bau zurck, wo schon Herr Waldmeister oben auf der Tafel stand und voller Ungeduld seiner Vermhlung mit der herzigen Ornithologen- Bowle harrte Unter der Aegide des Doppelprsidiums L ins ingn-Droste schaarte sich nun die Versammlung um den kstlichen Labsal spendenden Doctor Nie m ey e r. Was fr Frchte des gttlichsten Witzes die Zungen eines Medicinalrathes Hahn, eines Borggreve etc. auf- tischten, lsst sich kaum in einem Foliobande ausplaudern. Desshalb kann es nicht verwun- dern, dass viel zu frhe die Nacht uns verliess und dass die hochstehende Sonne unsern Abschied von Malepartus beleuchtete"

    Braunschweig , 20.--23.5. 1875 Aus dem Tagungsbericht der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft:

    . . . . Herr. R. Blasius referirt ber die Entwickelung dieses Statutenentwurfs. Im Sommer 1874 wurde, nachdem man ja schon lange eine Vereinigung beider Gesellschaften geplant hatte,

  • 18 E. BEZZ~L [ J" Orn. I 129

    in den gastlichen Rumen auf Schloss W art h au s e n in Wrttemberg von den Herren Baron Kn ig -Warthausen, Eugen von Homeyer , Th. von Heugl in und dem zeitigen Secretr vielfach ber die dringende Nothwendigkeit einer Vereinigung beider Gesellschaften im wissenschaftlichen ornithologischen und im nationalen Interesse discutirt. Es wurde bereits damals anerkannt, dass eine Vereinigung nur dann mglich sein werde, wenn beide Gesellschaften das Erprobte beibehielten und in nebenschlichen Fragen sich Concessionen machten. Seitens der alten Gesellschaft hatten sich erprobt die Wanderversammlungen, die geringen Beitrge und die sich mglichst mit europischer Ornithologie beschftigenden Jah- resbericht~ Seitens der Berliner Gesellschaft war der Hauptwerth auf den Sitz der Gesellschaft in der Reichshauptstadt, auf eine mglichst reichhakige Ausstattung des Journals und dadurch nothwendige hhere Jahresbeitrge, auf fters wiederkehrende Versammlungen und auf fest organisirte Statuten und ein conservatives Element in der Leitung der Gesellschaft gelegt.

    Hiernach kann sich der Redner nur dahin aussprechen, dass man den vorliegenden Entwurf en bloc annehmen mge, damit endlich wieder eine einzige Ornithologengesellschaft in Deutschland existir~ -- Herr Ne hr ko r n erwhnt, dass der Kostenpunkt bisher vielleicht viele Ornithologen abgehalten habe, in die Gesellschaft einzutreten Fr solche wolle er mit- theilen, dass ihm der Buchhndler F r ie dl n d e r in Berlin seine Bereitwilligkeit erklrt habe, das Journal fr Ornithologie jeder Zeit fr 3 bis 4 Thaler zu bernehmen -- Herr Hahn ist sehr fr die Wanderversammlung eingenommen und wnscht, dass die Versammlungen nicht alle zwei Jahre, sondern jedes vierte Jahr in Berlin tagen. Dann schlgt er vor, in ~. 7 alinea 2 statt ,an einem Orte Deutschlands' zu setzen ,an einem Orte des Deutschen Reiches und Deutsch-Oesterreichs'. -- R. B 1 asiu s erklrt, dass man unter Deutschland eben nicht den politischen Begriff des Deutschen Reiches, sondern dieses und Deutsch-Oesterreich zusammen verstanden und nur der Krze halber das eine Wort Deutschland gewhlt hab~ -- In Betreff der zu hufigen Wiederkehr der Versammlungen nach Berlin war eine weitergehende Conces- sion Seitens der Berliner Gesellschaft nicht zu erreichen, man suchte deshalb die Vereinigung nicht an diesem Punkte scheitern zu lassen. -- Herr von Homeyer spricht sich in Betreff der Wiederkehr der Versammlungen fr den Statutenentwurf aus und fgt hinzu, wie peinlich es ihm im verflossenen Herbste im Auslande gewesen, immer wieder wegen des Bestehens von zwei getrennten ornithologischen Gesellschaften interpellirt zu sein. Schon dem Auslande gegenber aus politischen Rcksichten sei er unbedingt fr Vereinigung und Annahme des Sta- tutenentwurfs. Schon frher sei von der Berliner Gesellschaft ein Zuziehen einer grsseren Zahl von Deutsch-Oesterreichern versucht, man habe die Versammlung nahe an die Grenze verlegt, es seien aber nur wenige gekommen, hoffentlich werde man in der Folge hierin glck- licher sein -- R. Blasius glaubt, dass diese Hoffnung sich gewiss erfllen wrde, da unser Mitglied Herr von Pelzeln in Wien sich so warm fr die Vereinigung der beiden Gesell- schaften auf Grund des Statutenentwurfs brieflich ausgesprochen hab -- Herr W. B I as iu s stellt hierauf den Antrag, ber den Statutenentwurf abzustimmen. Derselbe wird einstimmig en bloc angenommen . . . .

    . Hierauf ward die Sitzung geschlossen. Schon whrend derselben kam Seitens der deutschen Ornithologengesellschaft die Meldung,

    dass auch dort der Statutenentwurf en bloc angenommen sei, man begab sich demnach in den grossen Sitzungssaal, wo sich um 11 Uhr beide Gesellschaften zu einer zweiten, nur der Wis- senschaft gewidmeten Sitzung, vereinigten . . . . "

    Aus dem Tagungsbericht der Ornithologischen Gesellschaft zu Berlin:

    . . . . Um halb Zwlf vereinigten sich beiden Gesellschaften zu gemeinschaftlicher Sitzung. Herr E. v. Homeyer bernimmt den Vorsitz Er theilt mit, dass nach Erledigung noch

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    schwebender geschftlicher Angelegenheiten und nach Discussion des Statutenentwurfes auch in der ,alten' Gesellschaft die Statuten einstimmig angenommen worden seien, und dass von dem ersten Januar kommenden Jahres ab nur noch eine ornithologische Vereinigung: ,Die all- gemeine deutsche ornithologische Gesellschaft' in Deutschland existiren werde Der Vorsit- zende spricht seine herzlichste Freude darber aus, dass das Werk der Vereinigung, so oft unternommen und so oft gescheitert, nun endlich doch noch gelungen sei, und knpft die zuversichtliche Hoffnung an die Wiedervereinigung, dass sie von Nutzen sein werde fr die ornithologische Wissenschaft, sowie fr deren Jnger. Was so lange erstrebt worden ist, hat man nun endlich erreicht und das Gewonnene festzuhalten wird eine Aufgabe der kommen- den Zeit sein. In Einmthigkeit werde man von nun ab sich wieder zu gemeinsamem Wirken einen, fern von persnlichen, unerquicklichen Streitigkeiten werde von nun ab im Schoosse der einen Gesellschaft, die in allen Theilen Deutschlands bereits thtige Mitglieder gefunden habe und nochmehr finden werde, nur ein Ziel verfolgt werden: Frderung der ornithologi- schen Wissenschaft . . . . "

    Berlin, 13.--16. 9. 1876: Aus dem Programm: Erster Tag: den 14. September. Jubelfeier des 25jhrigen Bestehens der Vereinigung deutscher Ornithologen zu einer constituirten Gesellschaft. Vormittags 9 Uhr, Versammlung im Zoolo- gischen Garten und Besichtigung desselben... Um 3 Uhr Festtafel &selbst.

    Aus dem Bericht: Es konnte nicht fehlen, dass bald die animirteste Stimmung herschte, die ihren Hhepunkt erreichte, als einige der Jubelfeier gewidmete Tafel-Lieder, die in humoristischer Weise die Gesellschaft und einzelne ihrer Mitglieder besangen, zum Vortrage gelangten."

    Leipzig, 5.--8. 10. 1900: Die Festsitzung zum 50jhrigen Bestehen wurde von R. BLmIUS erffnet. H. SCHALOW hielt einen ausfhrlichen Vortrag ber die Geschichte der Gesellschaft (ScHALOW 1901). Nicht weniger als 9 Festredner schlossen sich an; u. a. sprach ein Vertreter der Ungarischen Ornitho- logischen Centrale, der Deutschen Zoologischen Gesellschaft, der British Ornithologists' Union (E. HARTERT) und des Senckenberg Museums. 23 Telegramme und Gruadressen wur- den verlesen und sind ausfhrlich protokolliert, darunter von FEr, DrNAND Frst von Bulga- rien, und aus Addis Abeba ein Telegramm von Baron C. v. ERLANCER; aus Sarajevo gratulierte O. REISER. Die Zahl der angemeldeten Vortrge ist so gro, da der Vorsitzende mit Rcksicht auf die Reichhaltigkeit der Tagesordnung" bestimmt, dass jedem Vortragenden nur je 20 Minuten und jedem in der Discussion Sprechenden nur je 3 Minuten zum Reden gestattet werden kn- nen: Der erste Vortrag ist ein Bericht ber den im Auftrage der deutschen Ornithologischen Gesellschaft aufgestellten Entwurf eines internationalen Vogelschutzgesetzes" durch HANS Freiherr VON BERLEPSCH.

    Berlin, 5.--7. 5. 1923: Fr das Jahr 1923 muten wir freilich den Mitgliedsbeitrag erhhen. Wir haben beschlossen, ihn in Vierteljahresraten zu erheben, um ihn der leider dauernd und sprunghaft sich vollzie- henden Geldentwertung einigermaen anpassen zu knnen. Der Vorstand hielt es fr ratsam, lieber eine den Zeitverhltnissen entsprechende Erhhung des Beitrages vorzunehmen, als unser Journal, dessen wissenschaftliche Bedeutung weit ber die Grenzen unseres Vaterlandes

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    hinausreicht, einzuschrnken. So hoffen wir auch in diesem Jahre die Schwierigkeiten, die sich leider in stetig zunehmenden Mae entgegenstellen, berwinden zu knnen.

    Berlin, 3.--6. 10. 1925: Auf der Festsitzung zum 75jhrigen Bestehen vermerkt das Protokoll nach dem Vortrag von E. SwgEsEMA~-N ber ,Stand und Aufgabe der Ornithologie 1850 und 1925": Nun teilten sich die rosenfarbigen Vorhnge, die bisher den anstoenden mchtigen Kaiser- saal den Blicken entzogen hatten. Hier erwarteten vier festlich mit Blumen geschmckte Tafeln die Gste Nach dem ersten Gange erhob sich Herr Geheimrat Alexander Koenig zu folgendem Trinkspruch..." Dieser Trinkspruch" nimmt 4 Druckseiten des J. Orn. in Anspruch. Er endete: Mge es einer ganze Reihe der heute hier anwesenden Mitglieder beschieden sein, nach 25 Jahren der Jubilarin die Verdienstpalme zur Hundertjahrfeier zu berreichen und sie damit schtzend und segnend ins zweite Centennium zu geleiten." 6 weitere Tischreden und Toasts schlossen sich an.

    Wien, 1.-4. 10. 1932: Fr den Nachmittag ist als einer der Hhepunkte der Tagung die Besichtigung der ornitholo- gischen Versuchsstation des Herrn Dr. Konrad Lorenz in Altenberg vorgesehen. Teils im Auto- bus, teils mit der Bahn finden sich um 15 h herum etwa 80 Besucher ein . . . . Nach der Besichtigung, die alle hoch befriedigte, vereinigt das gastliche Haus Lorenz in seinen weiten Rumen die stattliche Besucherschar noch lange beim Tee Herr Dr. Lorenz ergreift dabei das Wort und spricht ber den Ausbau und die Aufgaben einer solchen Freiflug-Anlage Sie dient zunchst der Instinktforschung . . . . Der Redner erwhnt, da er selber nicht umhin konnte, sich auf Grund des dauernden Beobachtungsmaterials mit der Frage des Vogelflugs zu beschf- tigen, worber demnchst einen Verffentlichung im J. f. O. erscheinen wird . . . . Herr Dr. Heinroth wnscht Herrn Dr. Lorenz Glck in seinen Bestrebungen; er sei der Untersttzung von Seiten der D. O. G. gewiss, soweit es in deren Krften stehe Im Namen aller Besucher dankt Dr. Heinroth dem Hause Lorenz herzlich fr die gastliche Aufnahme und gibt das Zei- chen zum Abschied."

    Wiesbaden, 1.-3.10. 1950: Die Festrede E. SV~S~MAVrNS zum 100jhrigen Bestehen schliet mit folgenden Worten: Bald nach dem Zusammenbruch begann sich in Deutschland das ornithologische Leben an vielen Stellen wieder zu regen. Es bildeten sich rtliche Gruppen, die sofort an die Arbeit gin- gen und das Ergebnis ihrer Untersuchungen im Druck zu verbreiten trachteten. So erfreulich dieser Eifer auch sein mochte -- er beschwor eine alte Gefahr herauf: die Zersplitterung der deutschen Ornithologengesellschaft. Um sie rechtzeitig abzuwehren, wurde im vorigen Jahr die ,Deutsche Ornithologen-Gesellschaft eV.' gegrndet. Mag auch nach der durchlittenen und immer noch fortwirkenden Katastrophe der neue Aufstieg beschwerlich sein: es zeigt sich doch schon jetzt, da das Ziel erreicht werden wird. Mge dabei der historische Name, den sich die neue Vereinigung gegeben hat, zu einer Verpflichtung werden! So wie sich die Deut- sche Ornithologen-Gesellschaft als Trgerin der Traditionen ihrer lteren Schwester betrach- tete und daher :die Jahre 1900 und 1925 nicht vergehen lie, ohne das Jubilum mit festlichem Geprge zu begehen, so will nun auch die neue Deutsche Ornithologen-Gesellschaft beweisen, da sie sich der Vergangenheit und damit auch der Bedeutung der Leipziger Tagung von 1850 stolz bewut ist. Vorbei sind die Zeiten des ueren Glanzes; nicht mehr werden sich, wie

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    vor 25 Jahren, rosenfarbige Vorhnge teilen, um endlich nach vielen feierlichen Ansprachen den mchtigen Kalsersaal zu enthllen, wo vier festlich mit Blumen geschmckte Tafeln die wimmelnde Schar befrackter Gste erwarteten. Geblieben aber ist uns die Mglichkeit, durch wissenschaftliche Leistungen hervorzuragen und dadurch diesem Gedenktag ein Geprge von Wrde und Dauer zu geben."

    Literatur

    Die wi htigsten Quellen sind die Berichte ber die Versammlungen, die in der bersicht hier lckenlos zusammengestellt sind. Ferner sind in vielen Jahrgngen des J. Orn. Mitgliederver- zeichnisse, Aufrufe und technische Hinweise verffentlicht, deren zusammenfassende Aus- wertung durchaus interessante Hinweise auf die Geschichte der Gesellschaft geben. BEZZEL, E. (1984): 125 Bnde Journal fr Ornithologie". J. Orn. 125, 381-391 (abgedruckt in diesem HER). G~Hs.~r, L. (1964): Die Ornithologen Mitteleuropas. Gieen. Ho- ~Y~R, E. E v. (1881): Ornithologische Brief~ Berlin. LEVER~OHN, P. (1904): Biographisches ber die drei Naumanns. Gera-Untermhaus. S~Low, H. (1901): Ein Rckblick auf die Geschichte der Deutschen Ornithologischen Gesellschaft. J. Orn. 49: 6-25. ST~sE~A~'~, E. (1950): Einhundert Jahre Deutsche Ornithologen-Gesellschaft. Vogelwarte 15: 209--213. Ders. (1951): Die Entwicklung der Ornithologie von Aristoteles bis zur Gegenwart. Aachen. Ders. (1957): Aus der Grndungsgeschichte des journal fr Ornithologie ~. Der Briefwechsel zwischen J. Cabanis und E. Baldamus, 1852--1870. J. Orn. 98: 172-184. THOMSEN, P., & E. S~S~MANN (1957): Johann Friedrich Naumann, der Akmeister der deut- schen Vogelkund~ Leipzig. ZAUNIC~, R. (1925): E A. L. Thienemanns Anteil am Zustande- kommen der ersten Versammlung deutscher Ornithologen. Mitt. Ver. schs. Orn. 1, Sonder- heft: 1--17.

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