der freistaat - im dienst der menschlichkeit

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Dokumentation IM DIENST DER MENSCHLICHKEIT Empfang der BayernSPD- Landtagsfraktion für ehrenamtliche Flüchtlingshelfer

Author: bayernspd-landtagsfraktion

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Dokumentation des Empfangs der BayernSPD-Landtagsfraktion für ehrenamtliche Flüchtlingshelfer. "Der Freistaat" ist eine Schriftenreihe der SPD-Fraktion im Bayerischen Landtag. Die Serie beleuchtet historische, gegenwärtige und zukünftige gesellschaftspolitische Themenfelder und vermittelt Positionen aus Politik, Kultur und Wissenschaft.

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  • Dokumentation

    IM DIENST DER MENSCHLICHKEITEmpfang der BayernSPD- Landtagsfraktion fr ehrenamtliche Flchtlingshelfer

  • Der Freistaat ist eine Schriftenreihe der SPD-Fraktion im Bayerischen Landtag. Die Serie beleuchtet historische, gegenwrtige und zuknftige gesellschaftspolitische Themenfelder und vermittelt Positionen aus Politik, Kultur und Wissenschaft.

    Impressum

    Herausgeber: BayernSPD-Landtagsfraktion Maximilianeum | 81627 Mnchen Tel.: 089 - 4126 2050 | Fax: 089 - 4126 1351 [email protected]

    V. i. S. d. P. Ulrich Meyer, Pressesprecher der BayernSPD-LandtagsfraktionRedaktion: Markus Hautmann Bildnachweise: Innere Mission Mnchen: Kurt Bauer, Klaus Honigschnabel, Erol GurianPresse- und Informationsamt Mnchen: Michael NagyiStock: Joel Carillet, Claudiad, FooTToo, RanieriMeloniBayernSPD-Landtagsfraktion

    Druck und Bindung: grafik + druck GmbHSatz & Layout: shot one GmbH

    April 2015

  • 04/2015 DER FREISTAAT Bayerische Schriften fr soziale Demokratie

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    Editorial | Hans-Ulrich Pfaffmann, MdL

    Ohne sie wre die Welt fr viele Flchtlinge noch trostloser, als sie ohnehin schon ist: Menschen, die Geld spenden, Kleidung sam-meln oder das Wertvollste geben, was ein Mensch zu verschen-ken hat seine Zeit und seine Aufmerksamkeit.Im Jahr 2014 sind 35.000 Flchtlinge nach Bayern gekommen und haben Asyl beantragt so viele wie nie zuvor. Die staatlichen Stellen arbeiten oft am Rand ihrer Mglichkeiten, aber unzhlige Brgerinnen und Brger lassen sich von Leid und Heimatlosigkeit berhren und helfen: Lehrer erteilen in ihrer Freizeit Deutschun-terricht, Frauen sammeln Kleiderspenden, Jurastudenten helfen bei Behrdenangelegenheiten und Jugendliche laden ihre Alters-genossen zum Basketball-Spiel ein. Die Formen ehrenamtlichen Engagements sind vielfltig und jede Hilfe ist herzlichst will-kommen!Die SPD-Landtagsfraktion bedankte sich Mitte Dezember bei Ehrenamtlichen in der Flchtlingsarbeit und lud sie zu einem Empfang ins Maximilianeum ein. Die Resonanz war berwl-tigend: 650 Zusagen trafen ein mehr als bei vielen anderen Veranstaltungen. Zahlreiche Abgeordnete der SPD-Landtagsfrak-tion waren gekommen und nahmen die Anliegen der ehrenamtli-chen Helferinnen und Helfer entgegen. Diese Anliegen sind fr uns Auftrag fr unsere politische Arbeit: zum Beispiel der Wunsch nach besseren Bedingungen fr eh-renamtliche Deutschlehrer, die neben dem Unterricht oft auch noch Papier, Stifte und Tafelkreide bezahlen. Gewnscht wurden immer wieder auch ortsnahe Deutsch- und Integrationskurse fr anerkannte Flchtlinge sowie Hilfe bei der Arbeitssuche. Eine Frau schrieb: Gratulation zur gelungenen Veranstaltung! Ehren-amtliche Arbeit wird hier gewrdigt und ernst genommen.Wir danken allen, die an unserem Empfang teilgenommen haben, uns ihre Erfahrungen mitgeteilt haben und uns neue Anregungen fr unsere Arbeit mit auf den Weg gegeben haben.

    Hans-Ulrich Pfaffmann, MdLStellvertretender Vorsitzender der BayernSPD-Landtagsfraktion

    SPD rollte Flchtlingshelfern den roten Teppich aus

  • DER FREISTAAT 04/2015 Bayerische Schriften fr soziale Demokratie

    5 04/2015 DER FREISTAAT Bayerische Schriften fr soziale Demokratie

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    Im Dienst der Menschlichkeit Inhalt

    Editorial Hans-Ulrich Pfaffmann, MdLStellvertretender Vorsitzender der BayernSPD-Landtagsfraktion

    Einigkeit, Respekt und Freiheit: Damit Zuwanderung gelingt Markus Rinderspacher, MdLVorsitzender der BayernSPD-Landtagsfraktion

    Fr eine Wende in der Asylpolitik Dieter Reiter Oberbrgermeister von Mnchen

    Wir packen an Ehrenamtliche Helferinnen und Helfer in der Flchtlingsarbeit

    Impressionen vom Flchtlingshelferempfang 16. Dezember 2014 im Bayerischen Landtag

    Herzensangelegenheiten Wnsche, Anregungen und Kritik der ehrenamtlichen Flchtlingshelfer

    Inhalt

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  • DER FREISTAAT 04/2015 Bayerische Schriften fr soziale Demokratie

    7 04/2015 DER FREISTAAT Bayerische Schriften fr soziale Demokratie

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    Mit diesem Empfang mchten wir Ihnen in erster Linie danken fr Ihren beispiellosen Einsatz bei der Betreuung und Beratung von Asylbewerbern und Flchtlingen. Sie leisten mit Ihrer Hilfe einen wichtigen Beitrag dazu, dass sich hier bei uns in Bayern eine Willkom-menskultur entwickeln kann.Die wichtigsten Dinge lassen sich mit Geld nicht kaufen: Liebe. Gesundheit. Familie. Freundschaft. Und der Idealismus, fr ein solidarisches Miteinander einzutreten. Wir wissen das und deswegen geht es bei die-sem Empfang heute ausschlielich um Sie. Es ist toll, dass so viele ehrenamtlich engagierte Brgerinnen und Brger und Vertreterinnen und Vertreter von Wohlfahrtsverbnden, Kirchen und Hilfsorganisationen den Weg heute zu uns gefunden haben. Das ist wieder ein Beweis dafr, wie gro das Engagement

    und die Hilfsbereitschaft in der bayerischen Bevlkerung sind. Dafr knnen wir Ihnen gar nicht genug danken. Am heutigen Tag rollen wir Ihnen den roten Teppich aus. Am heutigen Tag wollen wir Ihnen ein herzliches Dankeschn sagen.Ich freue mich auch, dass Dieter Reiter, der Oberbrgermeister der Landeshauptstadt Mnchen, heute unser Gast ist. Herzlich willkommen, lieber Dieter! Im Zentrum der Veranstaltung sollen aber nicht politische Reden stehen, sondern der Meinungs- und Erfahrungsaustausch mit Ihnen. Sie sind die Hauptpersonen des heutigen Abends. Wir mchten uns mit diesem Empfang in erster Linie bei Ihnen bedanken. Und Ihnen zugleich Gelegenheit geben, mit uns ins Gesprch zu kommen und Ihre Sorgen und Wnsche an die Politik zu uern.

    EINIGKEIT, RESPEKT UND FREIHEIT: DAMIT ZUWANDERUNG GELINGT

    Markus Rinderspacher, MdL Vorsitzender der BayernSPD-Landtagsfraktion

    Rede vom 16. Dezember 2014 anlsslich des Empfangs fr Ehrenamtliche in der Flchtlings-arbeit im Bayerischen Landtag

    Meine sehr geehrten Damen und Herren!Welcome! Benvenuto! Bavyeraya ho geldiniz! Serdecznie witamy!Mir wird heute die groe Ehre und Freude zuteil, Sie als Ehrengste der SPD-Landtagsfraktion ganz herzlich begren zu drfen.

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    Im Dienst der Menschlichkeit Einigkeit, Respekt und Freiheit: Damit Zuwanderung gelingt | Markus Rinderspacher, MdL

    Blickt man auf das Jahr 2014 zurck, wird deutlich, dass wir uns in Bayern nicht auf einer Insel der Glckseligkeit befinden. Wir knnen nicht die Augen verschlieen vor dem, was Menschen in der ganzen Welt widerfhrt. Schauen wir nach Syrien, nach Somalia, in den Sudan, den Irak oder auch nach Afghanistan.Wir haben ein zusammenhngendes Kri-sengebiet von der Westkste Afrikas ber

    die Sdsahara und die arabische Halbinsel bis weit nach Asien. Das Heidelberger Ins-titut fr Konfliktforschung hatte bereits fr das Jahr 2013 414 Konflikte in der Welt aus-gemacht. Davon waren 45 hochgewaltsam. 20 Kriege gab es auf der Welt. Die Situation hat sich in diesem Jahr weiter zugespitzt.

    50 Millionen Flchtlinge weltweitNach Angaben des Flchtlingshilfswerks der

    Vereinten Nationen sind zurzeit ber 50 Mil-lionen Menschen weltweit auf der Flucht. Ein Prozent davon sucht Zuflucht in Europa. Die Menschen kommen vor allem aus Syrien, gefolgt von afrikanischen Staaten wie Eritrea, Nigeria und Somalia.Nach Deutschland kamen in diesem Jahr doppelt so viele Menschen wie im letzten Jahr: Bis zum Ende des Jahres 2014 wird es hier ber 200.000 Asylantrge geben. In Bay-ern sind nach dem sogenannten Knigsteiner Schlssel 15 Prozent der Asylbewerber und Flchtlinge untergebracht. Fr das Jahr 2014 gehen wir von rund 35.000 Asylbewerbern fr Bayern aus.Johanna Mitscherlich, Koordinatorin fr die Syrien-Hilfe von Care International, war im Nordirak unterwegs und berichtet in der Mittelbayerischen Zeitung von folgendem Fall: Sie, (die Terroristen von der IS) haben

    uns vor die Wahl gestellt. Entweder wir kon-vertieren oder sie wrden uns tten. Aber wir knnen doch nicht ndern, an was wir glauben und wer wir sind, erzhlt Sefik, Familienvater aus Sinjar. Seine Mutter wurde enthauptet, seine 13-jhrige Tochter verge-waltigt und verschleppt. Mit neun weiteren Kindern und anderen Familienangehrigen konnte er fliehen. Acht Tage lang haben sie sich in den Bergen versteckt, hinter Steinen

    und in Felsschluchten. Sefiks fnfjhrige Tochter hat die Flucht nicht berlebt. Sie ist verdurstet, sagt der Vater, whrend er in sich zusammenbricht und leise anfngt zu weinen. Meine andere Tochter hat das nicht ausgehalten, sie ist verrckt geworden. Er zeigt auf ein etwa elfjhriges Mdchen, das in der Ecke auf einer dnnen Matratze liegt. Sie wiegt ihren schmalen Oberkrper hin und her, wirft ihren Lockenkopf wild durch die Luft und lacht ununterbrochen, ein hlzernes, hysterisches Lachen, das mit Frh-lichkeit nichts zu tun hat.

    Das sind die Grnde, wieso Familien wie die von Sefik sich auf die Flucht begeben: be-waffnete Konflikte, Folter, Vergewaltigung, Verschleppung und Verfolgung.Sie sind in einer Notlage und nehmen des-halb hohe Risiken fr Leib und Leben auf sich,

    um sich zu retten. 25.000 Tote! Lampedusa ist eine Schande fr uns, wie Papst Franzis-kus es treffend formuliert hat.Fr mich steht fest: Auf europischer Ebene mssen wir uns dafr einsetzen, dass die-se Menschen vor dem Ertrinken gerettet werden. Nicht der Grenzschutz muss aufge-rstet werden, sondern ein Programm wie das italienische Mare Nostrum wieder aufgelegt werden.

    | Durch Mare Nostrum aus dem Mittelmeer gerettete Flchtlinge aus Somalia warten in einem Auffanglager in Augusta, Sizilien, auf die Ausgabe von Hilfsgtern, Dezember 2013.

    Sie sind in einer Notlage und nehmen deshalb hohe Risiken fr Leib und Leben auf sich. 25.000 Tote!

    Lampedusa ist eine Schande fr uns, wie Papst Franziskus es treffend formuliert hat.

    - Markus Rinderspacher

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    Im Dienst der Menschlichkeit Einigkeit, Respekt und Freiheit: Damit Zuwanderung gelingt | Markus Rinderspacher, MdL

    Auch die Mglichkeit einer gerechteren Verteilung der Flchtlin-ge und Asylbewerber ber eine Quotenregelung sollte nicht aus den Augen verloren werden.In Bayern war die Hilfsbereitschaft zuletzt berwltigend: Menschen bernehmen Patenschaften fr Flchtlinge oder fr ganze Familien. Pensionierte Lehrer geben Deutschun-terricht und helfen bei den Hausaufgaben. Ehrenamtliche untersttzen Asylsuchende dabei, sich im Behrden- und Formulardschungel zurechtzufinden. Sie begleiten kranke Flcht-lingskinder oder Flchtlinge bei Arztbesuchen. Therapeuten helfen ehrenamtlich dabei, traumatische Erlebnisse zu ver-arbeiten. Jurastudenten und Anwlte bieten eine kostenlose Rechtsberatung an. Die Beteiligung an Ausflgen und Sportan-gebote hilft den Flchtlingen, sich willkommen zu fhlen und besser bei uns anzukommen. Viele Sachspenden wurden gesammelt. Kleidung, Spielzeug, Kinderwagen all diese Dinge werden von den Brgerinnen und Brgern bereitwillig gespendet. Diese riesige Hilfsbereitschaft ist einfach nur gro-artig. Hier zeigt sich Bayern vielerorts von seiner besten Seite. Vielen Dank an dieser Stelle noch einmal dafr!

    SPD kmpft fr menschenwrdige Unterbringungvon FlchtlingenWir werden sorgsam darauf achten, dass die geplanten weiteren Erstaufnahmeeinrichtungen pnktlich erffnet werden und die Asylsuchenden dort menschenwrdig untergebracht werden.

    Es darf nicht mehr passieren, dass sich 80 Personen eine Toilette tei-len mssen oder Menschen auf einer Luftmatratze unter freiem Himmel schlafen mssen, Men-schen stundenlang im Freien frs Essen anstehen.Solche Zustnde sind eines reichen Landes wie Bayern nicht wrdig und wie es Leonhard Strk, der BRK-Geschftsfhrer, formuliert hat eine humanitre Katastro-phe. Daher planen wir, Mindest-standards fr die Unterbringung von Flchtlingen und Asylbewer-

    | Syrische Kinder in einem Flchtlingslager in Bekaa im Libanon, Mai 2013.

    | Flchtlinge campieren notgedrungen unter freiem Himmel, Bayernkaserne Mnchen, Oktober 2014.

    Es darf nicht mehr passieren, dass sich 80 Personen eine Toilette teilen mssen oder Menschen auf einer Luftmatratze unter freiem Himmel schlafen mssen,Menschen stundenlang im Freien frs Essen anstehen.- Markus Rinderspacher

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    Im Dienst der Menschlichkeit Einigkeit, Respekt und Freiheit: Damit Zuwanderung gelingt | Markus Rinderspacher, MdL

    bern gesetzlich festzulegen. Ein entsprechender Gesetzentwurf ist in Vorbereitung und wird Anfang des kommenden Jahres in den Landtag eingebracht.Wir werden auch sorgsam darauf achten, dass rechte Rattenfn-ger wie die AfD und Pegida mit ihren Versuchen, ngste in der Bevlkerung zu schren, kein Gehr finden. Die Zivilgesellschaft muss solchen Versuchen entschlossen entgegentreten. Der Weg von geistigen Brandstiftern zu tatschlichen Feuerteufeln ist lei-

    der nicht weit. Die Demonstranten in der schsischen Landes-hauptstadt nennen sich selbst pathetisch Patriotische Europer gegen die Islamisierung des Abendlandes (Pegida). Sie sagen, sie fhlen sich fremd im eigenen Land. Ich sage: Wer Auslnder raus! ruft, ist ein Fall fr den Verfassungsschutz! Und der beste Verfassungsschutz ist eine aufgeklrte ffentlichkeit, die rechten Rattenfngern die Stirn bietet.Wir sind gegen radikale Islamisten und gegen die fortschrei-tende Islamisierung unseres Landes, sagte Pegida-Initiator Lutz Bachmann. Nur ungefhr 0,1 Prozent der in Sachsen lebenden Menschen sind Muslime insgesamt also etwa 4.000 Men-schen. Die bislang letzte Pegida-Demo in Dresden hatte 15.000 Teilnehmer. Auf jeden Muslim in Sachsen kommen also fast vier Demonstranten, die sich von ihm bedroht fhlen.

    Wortfhrer Bachmann wetterte auf einer Pegida-Demonstrati-on gegen Heime mit Vollversorgung fr Flchtlinge, whrend sich die deutschen Alten manchmal noch nicht mal ein Stck Stollen leisten knnen zu Weihnachten. Hinter dieser Aussage steckt das Vorurteil, dass Auslnder dem deutschen Sozialstaat auf der Tasche liegen und in Vollversorgungs-Heimen leben. Stimmt das?Das Gegenteil ist der Fall: Eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung von Ende November zeigt, dass Auslnder mehr Steuern und Sozialabgaben zahlen, als sie an Sozialleistungen beziehen. Die 6,6 Millionen Menschen ohne deutschen Pass htten dem-nach einen berschuss von 22 Milliarden Euro erwirtschaftet. Das sind durchschnittlich 3.300 Euro pro Jahr und Kopf.Ob in Dresden oder Dsseldorf: Die Anhnger von Pegida und Dgida rufen Wir sind das Volk. Sie kapern damit die Losung, die im Herbst 1989, kurz vor dem Fall der Mauer, Hunderttau-sende Menschen in der DDR gegen den SED-Unrechtsstaat riefen. Die Anti-Islam-Bewegung versucht, damit an die Montagsdemonstrationsbewegung anzuknpfen. Doch Pegi-

    | Protestierende Flchtlinge am dritten Tag ihres Hungerstreiks fr bessere Unterbringungsbedingun-gen am Sendlinger Tor in Mnchen, November 2014.

    Ich sage: Wer Auslnder raus! ruft, ist ein Fall fr den Verfassungsschutz!- Markus Rinderspacher

  • DER FREISTAAT 04/2015 Bayerische Schriften fr soziale Demokratie

    15 04/2015 DER FREISTAAT Bayerische Schriften fr soziale Demokratie

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    Im Dienst der Menschlichkeit Einigkeit, Respekt und Freiheit: Damit Zuwanderung gelingt | Markus Rinderspacher, MdL

    da macht Stimmung gegen Flchtlinge in Deutschland das hat mit Menschenwr-de, Freiheit und Demokratie, den Werten der friedlichen Revolution von einst, nichts zu tun. Die demokratischen Krfte mssen entschlossen zusammenstehen, damit die Stimmung in der Bevlkerung nicht in eine verheerende Richtung kippt. Die Politik muss sorgsam in ihrer Rhetorik sein: Hungerstrei-kende Flchtlinge als Erpresser zu bezeichnen, Zuwanderern pauschal Betrug zu unterstellen und ihnen Integrationswillen abzusprechen, trgt sicher nicht dazu bei, Vorurteile in der Bevlkerung abzubauen. Wir brauchen ein breites Bndnis gegen Rechts, in dem kein Platz fr Populismus und Fischen am rechten Rand ist.

    Solidaritt ist die dominante Haltung in der deutschen BevlkerungDie Stimmung gegenber Flchtlingen ist eine ganz andere als noch in den 1990er-Jahren. Solidaritt mit den Menschen, die aus Not-situationen geflohen sind, ist die dominan-te Haltung in der deutschen Bevlkerung noch. Auch Sie als ehrenamtliche Helfe-rinnen und Helfer tragen zu dieser positiven Grundhaltung bei. Indem Sie eine Brcke bauen in unsere Gesellschaft und die Integ-ration erleichtern fr die Flchtlinge selbst, aber auch fr die Einheimischen. Sie sorgen dafr, dass Flchtlinge nicht isoliert sind und dadurch ngste und Vorurteile in der Bevlkerung abgebaut werden.Lassen Sie uns gemeinsam dafr sorgen, dass diese positive Stimmung in der Bevlke-rung erhalten bleibt und sich Ereignisse nicht wiederholen. Wir drfen nicht zulassen, dass wie in den 1990er-Jahren Asylbewer-berunterknfte in Brand gesteckt werden und Menschen zu Schaden kommen. Daraus

    mssen wir die richtigen Lehren ziehen. So etwas darf nie mehr passieren.In Deutschland und in Bayern sollen die Schutzsuchenden willkommen geheien werden. Wie der evangelische Landesbischof Bedford-Strohm unlngst sagte, ist es eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, fr Asyl-bewerber und Flchtlinge menschenwrdi-ge Bedingungen zu schaffen. Dazu zhlt aber nicht nur die menschenwrdige Unterbrin-gung das ist das absolute Minimum. Nein, die Flchtlinge brauchen Betreuung und Beratung, um sich zurechtzufinden. Perspek-tiven mssen ihnen erffnet werden ber Bildung und gesellschaftliche Teilhabe.Einiges haben wir auch in der Groen Koalition im Bund schon erreicht: die Ab-schaffung von Essenspaketen in Bayern, die Ausweitung der Residenzpflicht auf die Landesgrenze und den Zugang zum Arbeits-markt nach drei Monaten. Auerdem stellt der Bund fr die Jahre 2015 und 2016 jeweils 500 Millionen Euro fr die Betreuung von Flchtlingen zur Verfgung.Wir drfen uns aber darauf nicht ausruhen. Die Asylsozialberatung in Bayern muss wei-ter ausgebaut werden. Ein nachhaltiges Kon-zept fr die lngerfristige Integration muss erarbeitet werden. Denn circa 80 Prozent der Menschen, die Antrge auf Asyl oder Flcht-lingsschutz stellen, kommen aus den Krisen-regionen dieser Welt und erhalten durch das Bundesamt fr Migration und Flchtlinge eine hohe Anerkennungsquote. Sie werden in absehbarer Zeit nicht in ihre Heimatlnder zurckkehren knnen.

    Zuwanderung nach Deutschland liegt in unserem InteresseAll diese Bemhungen sind nicht nur ein Akt von reiner Nchstenliebe. Nein, sie sind auch

    | Protestierende Flchtlinge am dritten Tag ihres Hungerstreiks fr bessere Unterbringungsbe-dingungen am Sendlinger Tor in Mnchen, November 2014.

    | Syrische Flchtlinge stehen in einem Auffanglager in Atmeh nahe der trkischen Grenze mit leeren Plastikcontainern um Wasser an, das aufgrund fehlender Infrastruktur mit LKWs geliefert werden muss, Januar 2013.

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    xxxxIm Dienst der Menschlichkeit

    fr unsere Gesellschaft eine Bereicherung. Viele Flchtlinge sind hoch motiviert und talentiert. Auch fr die bayerische Gesellschaft birgt die Zuwanderung ein hohes Potenzial, denn der Fachkrftemangel schadet Bayern, rechnet die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) vor: Das Fehlen von 1,1 Millionen Fachkrften in Bayern verursacht bis 2030 einen Wohlstandsver-lust von 650 Milliarden Euro.Uns Sozialdemokraten ist Flchtlingspolitik besonders wichtig. Heute Abend sind zahlreiche meiner Fraktionskolleginnen und -kollegen da, um Ihre Anregungen entgegenzunehmen und zu versuchen, bei Sorgen und Problemen vor Ort zu helfen.Daher ist es uns als SPD-Landtagsfraktion wichtig, Ihnen mit diesem Empfang zu danken und zu hren, wie wir Ihnen helfen knnen. Was knnen wir tun, um Sie in Ihrem Engagement zu untersttzen, damit Ihre Hilfe noch besser bei den Menschen ankommt? Sie als ehrenamtlich und auch hauptamtlich Ttige in der Flchtlingsarbeit sind eine wichtige und unverzichtbare

    Sttze. Sie tragen auch dazu bei, dass die Akzeptanz in der Be-vlkerung bestehen bleibt und Vorurteile keinen Raum finden. Die Conditio humana der Einwanderungsgesellschaft lautet: Einigkeit, Respekt und Freiheit!Altbrger und Neubrger leben miteinander, Christen und Muslime, glubige und nicht glubige Menschen, Brgerin-nen und Brger unterschiedlicher Herkunft bilden eine neue Gesellschaft.

    Ich danke Ihnen noch einmal ganz herzlich fr Ihren Einsatz und dafr, dass wir Sie als unsere Gste begren drfen, und wnsche Ihnen allen einen schnen Abend mit interessanten Gesprchen.

    Zunchst freue ich mich aber auf die Worte des Oberbrger-meisters der Stadt Mnchen. Vielen Dank, dass du zu uns gekommen bist, lieber Dieter!

    | Flchtlingslager fr binnenvertriebene Kurden auf dem freien Feld, 15 Kilometer von Mossul entfernt. Der IS hatte die Stadt kurz zuvor eingenommen, Juni 2014.

    Die Conditio humana der

    Einwanderungsgesellschaft lautet: Einigkeit, Respekt und Freiheit.- Markus Rinderspacher

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    19 04/2015 DER FREISTAAT Bayerische Schriften fr soziale Demokratie

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    Im Dienst der Menschlichkeit

    FR EINE WENDE IN DER ASYLPOLITIK

    Dieter Reiter Oberbrgermeister von Mnchen

    Rede vom 16. Dezember 2014 anlsslich des Empfangs fr Ehrenamtliche in der Flchtlingsarbeit im Bayerischen Landtag

    Lieber Markus Rinderspacher, liebe Inge Aures, liebe befreundete Mitglieder des Bayerischen Landtags und vor allem, liebe Ehrengste! Erst einmal ganz herzlichen Dank fr diesen Empfang an die Landtagsfraktion der SPD, eine tolle Idee.

    Herzlichen Dank auch fr die Gelegenheit, hier ein paar Worte sagen zu drfen. Mir ist es heute, gerade in Anbetracht der Ereignisse der letzten Wochen und Monate in Mnchen, eine Herzensangelegenheit, Ihnen, sehr verehrte Ehrengste dieses Empfangs, den Ehrenamtlichen und auch den Hauptamtli-chen der Flchtlingshilfe Danke zu sagen. Danke fr Ihr herausragendes tgliches Engagement. Danke dafr, dass Sie alle mit-helfen, fr eine menschenwrdige Aufnah-me der vielen Kinder, Frauen und Mnner zu sorgen. Menschen, die vor Terror und Krieg flie-hen und aus Angst um ihr Leben zu uns nach Bayern kommen und bei uns Schutz suchen. Meine Damen und Herren, ich finde, es ist absolut herausragend und verdient hchs-te Anerkennung, was Sie alle hier tagtglich leisten. Und ich kann eigentlich nur eins tun: Ich kann mich nur verneigen vor Ihnen, was ich hiermit tue. Gerade wir hier in Mnchen

    wissen Ihre tgliche Hilfe ganz besonders zu schtzen. Schlielich schreibt der bundeswei-te Verteilungsschlssel fr Bayern immerhin die zweitgrte Aufnahmequote vor. Bei der landesinternen Verteilung wiederum liegt Oberbayern mit fast 34 Prozent an der Spitze und davon sind ber 30 Prozent in Mnchen aufzunehmen. Das unterstreicht die zentrale Rolle, die gerade das Thema Flchtlingsarbeit in Mnchen in der tglichen Arbeit einnimmt. Noch eines will ich an dieser Stelle ganz aus-drcklich sagen und deswegen habe ich auch Zahlen genannt. Ich sehe es in Mnchen nicht nur als gesetzliche Verpflichtung an, nicht nur als Zahlenspiel oder Quotenrechnerei: Die Auf-nahme von Menschen in einer existenziellen Notlage ist ganz klar ein selbstverstndlicher Akt der Humanitt, meine Damen und Her-ren, ein notwendiges und richtiges Handeln im Sinne der Menschlichkeit.Und ich bleibe dabei, was ich schon mehrfach

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    Im Dienst der Menschlichkeit Fr eine Wende in der Asylpolitik | Dieter Reiter

    | Bauzune dienen mangels Alternativen als Wscheleine in der Bayernkaserne, Oktober 2014.

    | Mnchens Oberbrger-meister Dieter Reiter im Gesprch mit Flchtlingen in der Bayernkaserne, 10. Oktober 2014.

    gesagt habe: Eine prosperierende Millionenstadt wie Mnchen muss es einfach schaffen, ein paar Tausend Asylsuchenden eine menschenwrdige Unterkunft, eine sichere Zuflucht und eine lebenswerte Heimat zu bieten. Das muss uns in Mnchen mglich sein.

    Noch ein paar Zahlen: Wir haben in Mnchen aktuell rund 6.000 Flchtlinge untergebracht. Das sind gerade mal 0,4 Prozent der Mnchner Gesamtbevlkerung. Und selbst wenn die Progno-sen, die wir zusammen mit den Ministerien und der Regierung von Oberbayern frs laufende Jahr und frs kommende Jahr aufgestellt haben, stimmen sollten und wir auf 9.000 bis 10.000

    Flchtlinge kommen, die hier in Mnchen untergebracht und auch integriert werden, dann ist es immer noch ein Bevlkerungsanteil von deutlich unter einem Prozent der Mnchner Gesamtbevl-kerung. Deshalb sage ich noch mal: Es muss mglich sein, diesen Menschen in Mnchen eine Heimat zu bieten.

    Ich bin mir sicher, meine Damen und Herren, dass das gelingt, weil ich mich auf Sie verlassen kann und will, weil ganz viele von Ihnen mit ihrem ehrenamtlichen, aber auch hauptamtlichen Engagement tglich dazu beitragen, dass wir diese Aufgabe meistern werden. Obwohl uns die Aufnahme gerade auch die menschenwrdige Unterbringung Tausender Flchtlin-ge, die allein in diesem Jahr aus den Kriegs- und Katastrophen-gebieten gekommen sind, vor allem aus Syrien, Eritrea, Nigeria oder Afghanistan, vor enorme Herausforderungen stellt. Das ist eine Aufgabe, der wir uns auch die nchsten Jahre wer-

    Eine prosperierende Millionenstadt wie Mnchen muss es einfach schaffen, ein paar Tausend

    Asylsuchenden eine menschenwrdige Unterkunft, eine sichere Zuflucht und eine lebenswerte Heimat zu

    bieten. Das muss uns in Mnchen mglich sein.- Dieter Reiter

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    Im Dienst der Menschlichkeit Fr eine Wende in der Asylpolitik | Dieter Reiter

    | Provisorischer Schlafsaal in der Bayernkaserne, Oktober 2014.

    den stellen mssen. Weltweit sind ber 50 Millionen Menschen auf der Flucht, eine unglaubliche Zahl. Zuallererst, das ist gar keine Frage, steht da die Politik in der Pflicht, die erkennen muss, dass die bisherigen Ins-trumente so nicht mehr funktionieren. Die Asylpolitik, die vor ber 20 Jahren entstanden ist, ist nicht mehr zeitgem. Die Herausfor-derungen sind andere geworden. Deshalb, liebe Gste, ist es hchste Zeit, die restrikti-ve, nach meiner Wahrnehmung immer noch viel zu sehr auf Abschreckung ausgerichtete, staatliche Asylpolitik aufzugeben und statt-dessen endlich eine neue Willkommenskultur einzuleiten. Und, meine sehr verehrten Damen und Herren, die besonders geistreichen ue-

    rungen des CSU-Generalsekretrs helfen nicht gerade, diese Willkommenskultur auch zu ver-mitteln. Ich wundere mich immer wieder aufs Neue: Lampedusa darf nicht zu einem Vorort von Kiefersfelden werden. Das sind Aussagen, die zeigen, dass die Bayerische Staatsregierung da, mit Verlaub, noch einen weiten Weg zu ge-hen hat.

    Ich habe noch nie erlebt, dass Ausgrenzung oder das Wegschieben von Problemen diese wirklich gelst haben. Und Grenzen dichtma-chen, meine Damen und Herren, ist fr mich auch keine Lsung. Falls es berhaupt noch eines letzten Beweises bedurfte, dass es mit dem Umdenken der CSU noch nicht so weit

    ist, dann ist mir das ganz klar geworden, als das Thema Bayernkaserne aktuell war. Ich habe mir tatschlich nicht vorstellen knnen, unter welchen Bedingungen zu uns geflchte-te Menschen hier in Mnchen leben mssen. Das war fr mich unvorstellbar und ich bin ausgesprochen dankbar fr die persnlichen Eindrcke, die ich dort gewinnen konnte, die letztlich auch dazu gefhrt haben, dass ich gesagt habe: So kann es nicht weitergehen in Mnchen. Hier muss Schluss sein, wir knnen in der Bayernkaserne nicht so viele Menschen, damals waren es mehr als 2.500 Flchtlinge, unterbringen. Und deswegen habe ich auch ohne die Beratung durch meine zahlreichen Juristinnen und Juristen gesagt: Nein, wir

    mssen diese Aufnahmeeinrichtung dichtma-chen. Obwohl mir schon bewusst war, dass ich mich juristisch gesehen auf dnnem Eis bewege. Aber, meine Damen und Herren, gibt es eine bessere Rechtsgrundlage als Artikel 1 im Grundgesetz? Ich denke nicht. Fr mich war und ist die oberste Prmisse: Die Wrde des Menschen ist unantastbar. Und das muss rei-chen, um so eine Kaserne dichtzumachen, um einfach unertrgliche Verhltnisse zu beenden.

    Es ist uns nun in den letzten Wochen und Monaten in sehr intensiver Zusammenarbeit mit der Regierung von Oberbayern gelungen, die Situation in der Bayernkaserne sprbar zu entspannen. Wir haben aktuell einen Stand

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    xxxxIm Dienst der Menschlichkeit

    von 700 Flchtlingen, die dort untergebracht sind. Es gibt vor Ort jetzt auch medizinische Versorgung und natrlich auch fr jeden ein Bett zum Schlafen und ein Dach ber dem Kopf. Das ist aber nur ein erster Schritt, auf den noch weitere folgen mssen.

    Wir versuchen, die Ehrenamtlichen gut auf ihre ehrenamtlichen Aufgaben vorzubereiten. Wir stellen ihnen kompetente Ansprech-partner zur Seite. Denn bei allem Respekt vor ehrenamtlichem En-gagement: Nach vielen Wochen ehrenamtlicher Ttigkeit fhlen sich manche auch allein gelassen, wenn nicht wenigstens der ein oder andere Hauptberufler, die ein oder andere professionelle Hilfe als Ansprechpartner vor Ort ist. Das ist jetzt beileibe keine Herab-wrdigung, aber ich habe es selbst gehrt, dass dort, wo tagtg-lich berwiegend ehrenamtliche Helfer arbeiten, irgendwann das Gefhl aufkommt: Mensch, da mssten doch die anderen, also sprich der Freistaat, die Stadt oder wer auch immer zustndig ist, auch ein bisschen was tun. Ich verweise dann natrlich gern darauf, wer wirklich zustndig ist, aber ehrlich gesagt ist mir dieses Zustn-digkeitsspiel zuwider, denn wir reden nicht von Kostenstellen und wir reden nicht von Zustndigkeiten, sondern wir reden von Men-schen. Das ist das Wesentliche.

    Ich bin deswegen sehr zuversichtlich, meine Damen und Herren, dass wir das auch im kommenden Jahr, in den kommenden Jahren, gut hinbekommen werden, gerade auch, weil Sie heute so zahl-reich hier sind und weil ich glaube, dass dieses ehrenamtliche Enga-gement und diese unglaubliche Hilfsbereitschaft anhalten werden. Die Mnchnerinnen und Mnchner haben schon mehrfach bewie-sen, dass sie integrationsfhig sind. Wir wollen die Menschen, die zu uns geflchtet sind und bei uns Schutz suchen, nicht nur auf-nehmen, ihnen Unterkunft, Essen und ein Dach ber dem Kopf bieten, wir wollen ihnen Heimat sein. Und das schaffen wir, weil es ein herausragendes Engagement im Ehrenamt gibt und weil es Hauptberufliche gibt, die sich das zur Aufgabe gemacht haben.

    Ich kann Ihnen nur noch mal im Namen der Landeshauptstadt Mnchen, aber auch ganz persnlich, Danke sagen und Sie bit-ten: Seien Sie weiter so engagiert, damit die zu uns geflchteten Menschen bei uns eine Heimat finden. Herzlichen Dank!

    | Dieter Reiter verschafft sich bei einem Ortstermin einen persnlichen Ein-druck ber die Zustnde in der Bayernkaserne, 10. Oktober 2014.

    Die Wrde des

    Menschen ist unantastbar.

    - Art. 1, GG

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    27 04/2015 DER FREISTAAT Bayerische Schriften fr soziale Demokratie

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    xxxxIm Dienst der Menschlichkeit

    Sie als ehrenamtlich und auch

    hauptamtlich Ttige in der Flchtlingsarbeit sind eine wichtige

    und unverzichtbare Sttze. Sie tragen auch dazu bei, dass die

    Akzeptanz in der Bevlkerung beste-hen bleibt und Vorurteile keinen

    Raum finden.- Markus Rinderspacher

    WIR PACKEN AN

    Ehrenamtliche Helferinnen und Helfer in der Flchtlingsarbeit

    | Kleiderausgabe in der Bayernkaserne, Februar 2015.

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    29 04/2015 DER FREISTAAT Bayerische Schriften fr soziale Demokratie

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    Im Dienst der Menschlichkeit Helfer in der Flchtlingsarbeit

    Mit diesem Empfang mchten wir Ihnen in erster Linie danken fr Ihren beispiellosen Einsatz bei der

    Betreuung und Beratung von Asylbewerbern und Flchtlingen.

    Sie leisten mit Ihrer Hilfe einen wichtigen Beitrag dazu,

    dass sich hier bei uns in Bayern eine Willkommenskultur

    entwickeln kann.- Markus Rinderspacher

    Ilse Franke von der AWO in Mnchen-Neuperlach, Jahrgang 1941, hat selbst Flucht und Vertreibung aus dem Sudetenland erlebt und erlitten. Das ist ihr Antrieb, Heimatsuchende von heute in Mnchen willkommen zu heien. Sie freut sich ber den Dank von Oberbrgermeister Dieter Reiter (links) und SPD-Fraktions-chef Markus Rinderspacher (rechts).

    Ich kann Ihnen nur noch mal im Namen der Lan-deshauptstadt Mnchen, aber auch ganz persnlich, Danke sagen und Sie bitten: Machen Sie weiter mit diesem Engagement, damit wir aus diesen Flcht-lingen Menschen machen, die bei uns eine Heimat finden. Herzlichen Dank! - Dieter Reiter

    Meine Damen und Herren, ich finde, das ist absolut herausragend und verdient hchste Anerkennung, was Sie hier tglich leisten. Und ich kann eigentlich nur eins tun: Ich kann mich nur verneigen vor Ihnen, was ich hiermit tue. - Dieter Reiter

    ArbeiterwohlfahrtMnchen Perlach-Waldperlach

    Heimatsuchende

    willkommen heien.

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    Im Dienst der Menschlichkeit Helfer in der Flchtlingsarbeit

    Als 70 Flchtlinge nach Gottfrieding im Landkreis Dingolfing-Landau kamen, sagte der Pfarrer der 1.700-Seelen-Gemeinde: Hier mssen wir helfen! Keine einfache Sache. Aber Silvia Seisenberger (links im Bild) meldete sich: Seither betreut sie tglich sechs bis acht Stunden Flchtlinge in Gottfrieding in Niederbayern. Sie hat ein offenes Ohr fr die Sorgen und Nte der Flchtlinge, ist immer da, wenn ihre Hilfe gebraucht wird sei es fr Behrdengnge oder Einkufe. Als eine Stelle in der Flchtlingsarbeit ausgeschrieben wurde, kam sie nicht zum Zug, weil sie Brokauffrau gelernt hat und nicht Sozialpdagogin. Doch Silvia Seisenberger lsst sich nicht entmutigen, denn die Hilfe fr Flchtlinge ist ihr Leben. Untersttzt wird Silvia Seisenberger von Ute Numberger (rechts im Bild), einer bewhrten Ehrenamtlichen aus der Gemeinde Gottfrieding. Die frhlich und tatkrftige Frau ist bestens vernetzt und arbeitet auch in der Kinderkrebshilfe und singt im Kirchenchor. Als die Flchtlinge kamen, war fr sie klar, dass sie fr diese Aufgabe Zeit haben muss-te. Jetzt sorgt sie fr guten Deutschunterricht.

    Gitta Lukas (links), Danielle Perrenet und Hans Kerschbaumer arbeiten fr den Malteser Hilfsdienst in Rosenheim. Sie treffen als Erste auf die Menschen, die nach oft nach wochenlanger und dramatischer Flucht ber die Landesgrenze gebracht wurden. Nach Groaufgriffen durch die Polizei versorgen und trsten sie Flchtlinge. In diesen Tagen haben sie alle Hnde voll zu tun. Seit August 2013 gab es ber 100 Einstze.

    Malteser HilfsdienstRosenheim

    Katholische PfarreiGottfrieding

    Hier mssen wir helfen!

    Versorgen und trsten.

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    Im Dienst der Menschlichkeit Helfer in der Flchtlingsarbeit

    Das Thema Flchtlinge wollten sie nicht den anderen ber-lassen: Schler und Schlerinnen des Wilhelm-Hausenstein-Gymnasiums in Mnchen-Bogenhausen kmmern sich um die unbegleiteten minderjhrigen Flchtlinge, die seit Kurzem im Spiel- und Begegnungszentrum in der Nhe untergekommen sind. Mit den 16 bis 17 Jahre alten Buben spielen sie immer mitt-wochs in der Schulturnhalle unter anderem Basketball oder ge-hen auch mal gemeinsam zum Bowlen. Mit ihren Lehrerinnen Aileen Schubert (links auen) und Ingrid Burger (rechts auen) kamen sie zum Flchtlingshelferempfang in den Landtag.

    Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium

    Mnchen-Bogenhausen

    Da muss man doch was tun! Tief bewegt vom Schicksal von Millionen Flchtlingen weltweit haben Veronika Mair und Jo-hannes Roth die Initiative ergriffen und den Arbeitskreis Flcht-lingshilfe an der Katholischen Hochschulgemeinde gegrndet. Im Landtag trafen sie Wolfgang Eichinger von Condrops (rechts).

    ArbeitskreisFlchtlingshilfeKatholische Hochschulgemeinde Mnchen

    Flchtlinge nicht anderen berlassen.

    Da muss man

    doch was tun!

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    xxxxIm Dienst der Menschlichkeit

    IMPRESSIONEN VOM FLCHTLINGS-HELFEREMPFANG

    16. Dezember 2014 im Bayerischen Landtag

    | Auditorium whrend der Rede von Dieter Reiter.

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    Im Dienst der Menschlichkeit Impressionen

    | Doris Rauscher (SPD-MdL), eine ehrenamtliche Helferin aus Erding

    | Markus Rinderspacher, Dieter Reiter, Petra Reiter, Hans-Ulrich Pfaffmann (SPD-MdL), Isabell Zacharias (SPD-MdL)

    | Dieter Reiter, Petra Reiter, Markus Rinderspacher

    | Petra Reiter, Hans-Ulrich Pfaffmann (SPD-MdL), Dieter Reiter

    | Fritz Maya, ehrenamtlicher Helfer aus Obergrie-bach, Dr. Simone Strohmayr (SPD-MdL)

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    Im Dienst der Menschlichkeit Impressionen

    | Dieter Reiter bei seiner Ansprache.

    | Herbert Woerlein (SPD-MdL), Felicitas Samtleben-Spei, ehren-amtliche Helferin aus Stadtbergen, Mohammad Anwari, Dieter Reiter, Elham und Elahe Anwari, Dr. Simone Strohmayr (SPD-MdL)

    | Little Miss Umpha & The Ragtigers sorgten fr die musikalische Untermalung.

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    xxxxIm Dienst der Menschlichkeit

    | Die SPD-Abgeordneten Inge Aures, Dr. Simone Strohmayr, Gnther Knoblauch, Doris Rauscher, Herbert Woerlein, Florian von Brunn und Florian Ritter

    | Mihriban Yigitsoy, Nurcan Tokgz, Hatice Eminaga. Gnther Knoblauch (SPD-MdL), Kevser Mantas, Sevgi Akkoc (Uetd Bayern)

    | Diana Stachowitz (SPD-MdL), Sabine Jung (Geschfts-fhrerin Bayeri-sches Rotes Kreuz Miesbach)

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    xxxxIm Dienst der Menschlichkeit

    | Bayernkaserne Mnchen, Februar 2015.

    Brokratie aufweichen. Beispiel: Ein Helferkreis knnte eine Wohnung komplett einrichten, aber das Landratsamt besteht auf seiner Zustndigkeit. Fazit: Wohnung steht seit ber sechs Wochen leer und ist ungenutzt.

    HERZENS- ANGELEGENHEITEN

    Wnsche, Anregungen und Kritik der ehrenamtlichen Flchtlingshelfer

  • Im Dienst der Menschlichkeit Herzensangelegenheiten

    Wir brauchen mehr professionelle und finanzi-elle Ressourcen in der Arbeit mit Flchtlingen (Asylsozialberatung, Ehrenamtlichenkoordina-tion). Auerdem: Verhindern, dass Kirchenasyle durch Verlngerung der Fristen (Dublin II) ausgehebelt werden.

    Arztbesuche von Asylbe-werbern: Die Beschaffung der ntigen Scheine ist eine immense zeitliche Belastung fr Betreuer und eine Sache, die die Asylbewerber nicht alleine bewltigen knnen. Setzen Sie sich bitte fr bessere rztliche Versorgung (Versichertenkarte!) ein. Viele rzte sagen: Ich habe Aufnahmestopp, um keine Asylbewerber nehmen zu mssen.

    Die Politik sollte der Bevlkerung besser deutlich machen, welche Per-sonengruppen unter Auslnder sub-summiert sind, denn hier gibt es viel Unkenntnis (Flchtlinge, Migranten, Aussiedler, Zuwanderer, Islamisten, Asylbewerber, Asylanten usw). Fr alle Gruppen gibt es unterschiedliche deutsche und europische Gesetze. Abbau von Vorbehalten gegenber verschiedenen Gruppen.

    Druck auf Regierung, dass die Verfahren beschleunigt werden. Geld fr Sprachkurse.Programme fr Vorschulkinder: Sprache und soziales Verhalten.

    Hilfe und unbrokratische Familienzusammenfhrung, wenn ein Teil der Fa-milie auf der Flucht zurckgeblieben oder verloren gegangen ist, auch wenn dieser Teil in Lndern auerhalb der EU zurckblieb.

    Sptestens jetzt muss sozialer Wohnungsbau angeschoben werden. Die aner-kannten Flchtlinge mssen ja aus Unterknften fr Asylbewerber raus. Aber wo-hin? Also Genossenschaftsbauten und soziale Wohnungen.

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    xxxxIm Dienst der Menschlichkeit

    Mehr Untersttzung von der Regierung. In unserem Landkreis gibt es ca. 400 Asylbewerber und eine Ganztagsstelle von der Caritas. Fr uns Eh-renamtliche ist es ein Vollzeitjob ohne Lohn. Es fehlt hinten und vorne. Unterknfte teils unwrdig.

    Ehrenamt: Ich wnschte mir echt, dass jeder oder vielleicht nur ein paar unserer schlauen, gesetzemachenden Abgeordneten mit Susi S., die in Gottfrieding Asylanten betreut, mal einige Tage mit ihr mitfhrt ohne Presse! und sich das ganze wahre Elend mal anschaut!

    | Schlafsaal in der Bayern-kaserne, Februar 2015.

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    Im Dienst der Menschlichkeit Herzensangelegenheiten

    Schnellere und flexiblere Bearbeitung von Einzelfllen es kann nicht sein, dass ein gehbehinderter Syrer mit zwei Onkeln in Buchholz und Gttingen zwei Monate lang im Mhldorfer Kingdom Parc bleiben muss.

    Interkulturelle Lotsen einstellen, die selbst Migrationserfahrung haben. Ausbildungskampagnen fr junge Asylbewerber. Klare und nachvollziehbare Wege fr die Arbeitsaufnahme fr Asylbewerber. Staatliche Angebote auch fr Schulen, die ehrenamtlichen Deutschunterricht erteilen.Echte Perspektiven schaffen fr Asylbewerber. Fundierte Aufklrung ber Gefahren von Mobilfunkvertrgen (oft Vertragsbindung

    ber 24 Monate) groes Schuldenpotenzial auch schon in der Erstaufnahme.Mehr professionelle Untersttzung bei psychischen Problemen der Asylbewerber. Unterricht: Mehr Deutsch-

    unterricht, der nicht auf ehrenamtliche Personen abgewlzt wird. Wenn von insgesamt 70 Personen in einer Gemeinde nur vier zum Unterricht drfen, der staatlich gefrdert und bezahlt wird, was soll das denn bringen?

    Besserer Ausbau der bergangsklassen im Schul-sektor mehr Anerkennung und weniger Hrden. Gedanke: Bildung fr Neudeutsche (Flchtlinge) ist das Saatgut der Integration.

    Sprachkurse fr Mtter mit Kinderbetreuung. Haftpflichtversicherung fr unsere Asylbewerber.Fahrtkostenerstattung fr ehrenamtliche Mitarbeiter.

    Kosmetika fr die Kleiderausgabe der Diakonie in der Bayernkaserne (vor allem fr Mnner), Herrenschuhe Gre 42 fr die Bayernkaserne.

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    Im Dienst der Menschlichkeit Herzensangelegenheiten

    Gratulation zur gelungenen Veranstaltung! Ehrenamtliche Arbeit wird hier gewrdigt und ernst ge-nommen. Unsere Herzensangelegenheiten sind: Mehr Untersttzung und Betreuung der Flchtlinge (hauptamtlich), wir brauchen dringend Wohnraum fr anerkannte Flchtlinge, Deutsch- und Integrationskurse im nheren Umfeld (Landkreis FFB) oder Fahrkostenzuschsse und Arbeitsmglichkeiten fr die Flchtlinge (1-Euro-Jobs, einfache Arbeiten, Ausbildungsmglichkeiten).

    | Kleiderkammer der Bay-ernkaserne, Februar 2015.

  • Ehrenamtliche Flchtlingshelfer

    Nach Angaben des Flchtlingshilfswerks der Verein-ten Nationen sind zurzeit ber 50 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht. Ein Prozent davon sucht Zu-flucht in Europa. Die Menschen kommen vor allem aus Syrien, gefolgt von afrikanischen Staaten wie Erit-rea, Nigeria und Somalia, dem Sudan und Afghanistan. Nach Deutschland kamen 2014 doppelt so viele Menschen wie im Jahr zuvor: ber 200.000. In Bayern sind 15 Prozent der Asylbewerber und Flchtlinge untergebracht, die Zahl der Asylbewerber im Freistaat beluft sich auf rund 35.000.

    Fr die Aufnahmeeinrichtungen bedeutet das den Not-stand. Um die auf Hilfe angewiesenen, oftmals schwer traumatisierten Menschen mit Schlafpltzen, Kleidung und Nahrung zu versorgen, arbeiten Behrden, Hilfs-organisationen und Helfer an ihren Kapazittsgrenzen. Ohne die selbstlose Untersttzung durch zahlreiche eh-renamtliche, engagierte Brgerinnen und Brger und Vertreterinnen und Vertreter von Wohlfahrtsverbnden und Kirchen wren diese Aufgaben nicht zu bewltigen. Dieses gesellschaftliche Engagement gilt es herauszustel-len und angemessen zu wrdigen. Als Zeichen der Anerken-nung lud die BayernSPD-Landtagsfraktion im Dezember 2014 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer zu einer Festveran-staltung in den Bayerischen Landtag. Diese Dokumentations-schrift stellt einige von ihnen vor, beleuchtet die Probleme und Herausforderungen, denen sie sich gegenbersehen, soll aber vor allem unseren besonderen Dank fr ihre aufopfe-rungsvolle Ttigkeit zum Ausdruck bringen.

    bayernspd-landtag.de