der expertenstandard „sturzprophylaxe in der pflege“ · pdf filepro alter...

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    2007

    Praktische Empfehlungenzur Umsetzung des Expertenstandards in der Pflege

    Strze lassen sich nicht verhindern, Risikofaktoren schon

    Der Expertenstandard Sturzprophylaxe in der Pflege

    Fachmagazin des Kuratoriums Deutsche AltershilfeI S S N 1430-1911 2,50 Euro

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    Liebe Leserinnen und Leser,

    alte Menschen strzen berdurchschnittlich hufig mit schlimmen Folgen.Das Sturzereignis hat fr die Betroffenen selbst, aber auch fr ihre Angeh-rigen und das Pflegepersonal weitreichende Folgen. Angst, Sorge oder aberSchuldgefhle knnen sich bei den Beteiligten breit machen. Deshalbkommt der Sturzprophylaxe in der Altenpflege eine besondere Bedeutungzu. Eine groe Hilfe zur Strukturierung einer wirkungsvollen Sturzprophy-laxe bietet der vom Deutschen Netzwerk fr Qualittssicherung in der Pfle-ge (DNQP) entwickelte und 2005 verffentlichte Expertenstandard Sturz-prophylaxe in der Pflege, an dem auch Experten des KDA mitgearbeitethaben.

    Mit dieser Sonderausgabe des ProAlter-Heftes 1/2005 mchten wir Ihnen konkrete Tipps und Arbeitshilfen mit an die Hand geben, die eineschnelle und effiziente Umsetzung und Implementierung des Expertenstan-dards zur Sturzprophylaxe in Ihrer Einrichtung und Ihrem Dienst mglichmachen.

    Ihre ProAlter-Redaktion

    Impressum

    Sturzprophylaxe nach dem Expertenstandard: Strze lassen sich nicht verhindern, Risikofaktoren aber schon ................................................................................................................. 3

    Der Expertenstandard Sturzprophylaxe in der Pflege .................. 5

    Kopiervorlage des Expertenstandards ............................................................................ 11

    Eine Aufgabe des Managements:Die Einfhrung von Expertenstandards in der Praxis .......................... 12

    ProAlter-Interview:Strategisch gegen Strze vorgehen, Prvention nicht dem Zufall berlassen .................................................................. 15

    ProAlter wird vom Kuratorium Deut-sche Altershilfe herausgegeben underschien zuvor (bis zum 28. Jahrgang) alsPresse- und Informationsdienst.Anschrift: Kuratorium DeutscheAltershilfe, Referat ffentlichkeitsarbeit,An der Pauluskirche 3, 50677 Kln, Telefon 02 21 / 93 18 47-0,Fax 02 21 / 93 18 47-6, E-Mail: [email protected] kda.de, Internet:www.kda.deRedaktion: Klaus Grojohann(V.i.S.d.P.), Ines Jonas, Harald RaabeRedaktionelle Mitarbeit bei dieser Sonderausgabe: Heiko Filli-beck, Christine SowinskiTextkorrektur: Karin Bergmann, KlnSatz: typeXpress, KlnTitel: Heidi Bitzer, Kln

    Titelfoto: Heiko FillibeckDruck: farbo print + media, KlnCopyright: Die Zeitschrift sowie alle inihr enthaltenen einzelnen Beitrge undAbbildungen sind urheberrechtlichgeschtzt. Jede Verwertung, die nichtausdrcklich vom Urheberrechtsgesetzzugelassen ist, bedarf der vorherigenschriftlichen Zustimmung des Kura-toriums Deutsche Altershilfe. Das giltinsbesondere fr Vervielfltigungen,Bearbeitungen, bersetzungen, Mikro-verfilmungen und die Einspeicherungund Verarbeitung in elektronischen Sys-temen.ProAlter, Sonderdruck/Mrz 2007,35. JahrgangISSN 1430-1911

    ProAlter Sonderdruck Mrz 2007 Kuratorium Deutsche Altershilfe2

  • Kuratorium Deutsche Altershilfe ProAlter Sonderausgabe Mrz 2007 3

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    Im Leben eines jeden Menschen gibt es Ereig-nisse, die die Einschtzung der eigenen Fhig-keiten negativ beeinflussen. Ein Sturz ist einesdavon. Ein Mensch, der gestrzt ist, muss mitdiesem Verlust der Selbstbeherrschung ersteinmal zurechtkommen. Das bedeutet, dass einSturz nicht selten ein mangelndes Vertrauen indie eigenen Fhigkeiten sowie eine verstrkteAngst vor neuen Strzen nach sich zieht. Auchfr die Angehrigen einer gestrzten lterenPerson stellt diese Erfahrung oft einen tiefenEinschnitt im Umgang mit ihr dar. Die Sorgeum den Menschen wchst, und gleichzeitigkann es dazu kommen, dass ihr eine selbststn-dige Lebensfhrung nicht mehr zugetraut wird(siehe Ksten S. 52).

    Schon allein aus diesen Grnden gilt es,alles zu tun, um Strze zu vermeiden. Da alteMenschen sehr viel hufiger von Strzenbetroffen sind als jngere rund 30 Prozentder ber 65-Jhrigen strzen whrend einesJahres mindestens ein Mal, bei den ber 90-Jhrigen wird sogar von ber der Hlfte ausge-gangen , nimmt die Sturzprophylaxe in derAltenpflege einen besonders hohen Stellenwertein.

    Auch deshalb, weil die Altenpflegerinnenund Altenpfleger hufig von einem schlechtenGewissen geplagt werden, wenn eine/einerihrer Klientinnen und Klienten whrend ihrerArbeitszeit (sowohl in ihrer An- als auchAbwesenheit) gestrzt ist. Htte ich das nichtverhindern knnen? Habe ich etwas falschgemacht?, sind Fragen, die sich ihnen dannaufdrngen (siehe auch Fallbeispiele S. 64 f.).

    Da Strze aber Ereignisse sind, welcheimmer durch eine Verkettung ungnstigerUmstnde zustande kommen, gibt es auchimmer mehrere Ansatzmglichkeiten, um ihnenvorzubeugen. Strze gehren aufgrund unsereraufrechten Krperhaltung unvermeidlich zumLeben dazu, daher werden letztlich nicht alleStrze zu verhindern sein, aber die Wahrschein-lichkeit, dass es in einigen ungnstigen Situa-

    tionen zu einem Sturz kommt, kann durchzielgerichtete und geeignete Interventionendeutlich verringert werden.

    Einem Sturz liegt immer ein auslsendesEreignis zugrunde. Es kann sich um ein Stol-pern ber einen Gegenstand, um ein Ausrut-schen, um einen Ohnmachtsanfall oder einfachum einen Verlust der Krperbeherrschunghandeln. Dabei kommt es immer zu einemVerlust der Krperbalance. Sowohl der Eintritteines Ereignisses, dass zu einem Balanceverlustfhrt, als auch die Unfhigkeit, den Krperwieder in Balance zu bringen, wird durch das

    Sturzprophylaxe nach dem Expertenstandard

    Strze lassen sich nicht verhindern,Risikofaktoren aber schon

    Strze haben immer mehrere Grnde. Manchmal ist dieunsachgeme Verwendung von Hilfsmitteln nur nochder Auslser. Foto: Heiko Fillibeck

  • Ein groe Hilfe zur Strukturierung einer wir-kungsvollen Sturzprophylaxe bietet der vomDeutschen Netzwerk fr Qualittsentwicklungin der Pflege (DNQP) verffentlichte Exper-tenstandard Sturzprophylaxe in der Pflege(siehe folgenden Beitrag und Abbildung S. 59).Darin werden die Voraussetzungen, die Pflege-fachpersonen, aber auch Einrichtungen derAltenhilfe erfllen mssen, genannt, die not-wendig sind, um die Sturzprophylaxe nachdem aktuellen Stand des pflegefachlichen Wis-sens zu gestalten. Der Handlungsablauf vonPflegefachpersonen bei der Sturzprophylaxewird in sechs Schritten beschrieben. Dazuwerden sechs Ergebniskriterien benannt,anhand derer berprft werden kann, ob dieSturzprophylaxe dem neuesten Stand des Pfle-gefachwissens entspricht.

    Da dieser Standard nun schon der dritteinnerhalb von fnf Jahren ist, der von derAltenpflege umgesetzt werden muss, ist esumso wichtiger, nicht vor immer neuen undzustzlichen Anforderungen zu resignieren,sondern die Standards nach und nach in denAltenpflegeeinrichtungen bestimmt, aber nichtberstrzt einzufhren (siehe Beitrag S. 60).Wer nach den Standards arbeitet, erreicht nichtnur eine qualittsvollere Pflege, sondern istauch rechtlich auf der sicheren Seite; einschlechtes Gewissen sollte dann jedenfalls nichtmehr ntig sein.

    Heiko Fillibeck

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    Vorliegen von Sturzrisikofaktoren begnstigt.Daraus resultiert die Tatsache, dass die Abmin-derung oder sogar Beseitigung von Sturzrisiko-faktoren den entscheidenden Ansatzpunkt zurVerhinderung von Strzen darstellt.

    Ich fhle mich auf Dauer wackelig

    Vor vier Jahren bin ich auf der Treppegestrzt. Seit diesem Tag war alles anders.Ich musste mit einem Oberschenkelhals-bruch ins Krankenhaus. So richtig laufenkonnte ich danach nicht mehr. Aber dasSchlimmste war, dass ich mich seitdemallgemein so unsicher auf den Beinen fhlte.Ich war doch vorher nie gro hingefallen,hchstens mal ausgerutscht, aber immerohne irgendwelche Auswirkungen. Und jetztfhle ich mich auf Dauer wackelig und habeimmer Angst, dass mir das noch mal pas-siert. Ich habe jetzt einen Gehstock. Die vomambulanten Pflegedienst wollen, dass ich zuHause so einen Gehwagen nehme, aber daswill ich nicht. Ich sitze sowieso die meisteZeit herum. Fritz N., 89 Jahre

    Im Heim kann man besser auf sie aufpassen

    Meine Mutter ist 92 und hat sich bis vorkurzem allein in ihrer Drei-Zimmer-Woh-nung versorgt. Zwar fiel ihr das zunehmendschwer, doch sie bestand auf ihre Selbststn-digkeit auch beim Einkaufen. Und kurzvor Weihnachten ist das passiert, was ichimmer befrchtet habe: Sie war einkaufen,zieht ihren Shopper hinter sich her undrutscht an der Bordsteinkante ab. Da musssie wohl auch eine Weile gelegen haben, bisihr jemand aufhalf. Sie war so durcheinan-der, dass die Leute sie ins Krankenhausgefahren haben, und die haben uns angeru-fen. Fr mich ist das das Zeichen gewesen,dass Mutter nicht mehr alleine zu Hauseleben kann. Sie wird wieder hinfallen. Unddann vielleicht schlimmer. Ich habe dannauch keine ruhige Minute mehr. Deshalbhabe ich mich nach einem Heimplatz fr sieumgesehen. Im Heim kann man besser aufsie aufpassen. Brigitta G., 68 Jahre

    Sturzmechanismus

    Sturzrisiko-fakto-

    ren

    AuslsendesEreignis

    Balanceverlust

    Unfhigkeit, den Krper

    wieder in Balancezu bringen

    STURZQuelle: KDA 2004

  • Kuratorium Deutsche Altershilfe ProAlter Sonderausgabe Mrz 2007 5

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    Heiko Fillibeck, Referent frPflegepraxis im KuratoriumDeutsche Altershilfe, warwissenschaftlicher Mitarbei-ter der Expertengruppe, dieden Standard im Auftrag des Deutschen Netzwerkesfr Qualittsentwicklung in der Pflege erst