Der Einfluss von Komponenten des Settings auf die psychedelische Erfahrung

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<p>Der Einfluss von Komponenten des Settings auf die psychedelische Erfahrung</p> <p>BachelorarbeitFachbereich Psychologie</p> <p>Zur Erlangung des akademischen Grades Bachelor of Science</p> <p>Universitt Salzburg</p> <p>Eingereicht von: Elena Fountoglou</p> <p>Betreuer und Gutachter: Ass. Prof. Dr. Alexander Keul</p> <p>Salzburg 2013</p> <p>113.01.2013</p> <p>Inhaltsverzeichnis</p> <p>1.</p> <p>EINLEITUNG ............................................................................................................... 05 1.1 Definitionen und Informationen ................................................................................ 05 1.2 Anwendungsfelder ....................................................................................................... 07 1.3 Das Setting ................................................................................................................... 09</p> <p>2 3</p> <p>SAMPLE &amp; METHODE .............................................................................................. 10 ERGEBNISSE DER INTERVIEWSTUDIE .............................................................. 13 3.1 Das Setting im Allgemeinen ........................................................................................ 13 3.2 Soziales Umfeld ............................................................................................................ 14 3.3 Tageszeit &amp; Lichtverhltnisse .................................................................................... 16 3.4 Musik und Geruschkulisse ....................................................................................... 18 3.5 Umgebung .................................................................................................................... 19 3.6 Naturerleben ................................................................................................................ 21 3.7 Positive und negative Erfahrungen aufgrund des Settings ..................................... 23</p> <p>4 5. 6.</p> <p>SCHLUSSFOLGERUNGEN ....................................................................................... 25 LITERATURVERZEICHNIS...................................................................................... 28 ANHANG</p> <p>213.01.2013</p> <p>Zusammenfassung</p> <p>Die vorliegende Interviewstudie beschftigt sich mit dem Einfluss von Settings auf die psychedelischen Erfahrungen. Im Fokus stehen Konsumenten, die psychedelische Substanzen aus autognostisch orientierten Antriebsgrnden, also zum Zwecke der Bewusstseinserweiterung, verwenden. Diese werden nach ihren Einstellungen, Meinungen und Erfahrungen in Bezug auf das Setting befragt. Das Setting setzt sich aus den Komponenten soziales Umfeld, Tageszeit- und Lichtverhltnisse, Geruschkulisse und physische Umgebung zusammen. Anhand teilstrukturierter Interviews wird die Bedeutung der Settings fr die psychedelische Erfahrung exploriert. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass das Setting als richtungsweisend fr den Verlauf der Erfahrung angesehen werden kann. Die einzelnen Komponenten des Settings haben einen starken Einfluss darauf, wie Situationen von den Befragten erlebt werden. Allerdings kommen selbst unangenehme Erfahrungen, die durch ein unpassendes Setting bedingt wurden, in der Regel zu einem positiven Abschluss.</p> <p>Schlsselwrter: Setting, psychedelisch, Psychedelika, autognostische Anwendung, Bewusstseinserweiterung, Substanz-untersttzte Psychotherapie, Entheogene, Halluzinogene, LSD, Psilocybin, spirituelle Naturerfahrung</p> <p>313.01.2013</p> <p>Abstract</p> <p>The present interview-study deals with the influence of the setting on the psychedelic experience. It is focusing consumers that are taking psychedelic substances for autognostic reasons, for altering their consciousness. They were asked about their opinions, attitudes and experiences related to the setting. The setting includes the components social environment, time of day and lightening-conditions, soundscape and physical surrounding. With the help of partly-structured interviews the importance of the setting for the psychedelic experience is explored. The study leads to the result, that the setting can be considered as direction-giving for the psychedelic experience. The single components of the setting do have a strong influence on how situations are experienced by the respondents. Though, even displeasing experiences that are caused by an excrescent setting usually come to a positive completion.</p> <p>Keywords: psychedelic experience, psychedelic, setting, hallucinogens, entheogens, autognostic purposes, altering consciousness, psychedelic psychotherapy, LSD, Psilocybin</p> <p>413.01.2013</p> <p>1 EINLEITUNG</p> <p>Die vorliegende Interviewstudie beschftigt sich mit der Bedeutung des sogenannten Settings bei psychedelischen Erfahrungen, welche zum Zwecke der Bewusstseinserweiterung stattfinden. Bewusstseinserweiterung wird hier im Sinne der autognostischen Anwendung verstanden. Zu dieser gehren religise, bzw. spirituelle Praktiken, die Intention sich selbst besser kennenzulernen und zu inspizieren und das Bedrfnis, sich selbst, mit Hilfe des Bewusstseins, zu heilen (Mr, Katalin, Imre &amp; Jzsef, 2011).</p> <p>1.1 Definitionen und Informationen Der Begriff psychedelisch findet seinen Ursprung im Griechischen und bedeutet in wrtlicher bersetzung die Seele offenbarend (psch = Seele, dlon= offenbaren, klarmachen). Im Duden wird diesem Begriff folgende Bedeutung zugeschrieben: bewusstseinsverndernd; in einem (besonders durch Rauschmittel hervorgerufenen) euphorischen, tranceartigen Gemtszustand befindlich. Dieser Zustand wird blicherweise durch den Konsum psychedelischer Substanzen hervorgerufen, welche oft auch als Halluzinogene bezeichnet werden. Sie lsen vorbergehend tiefgreifende Vernderungen in der Funktionsweise und Qualitt des Bewusstseins aus, welche die Sinneswahrnehmung, das Denken, die Stimmung und Affektverarbeitung sowie Ich/Selbstwahrnehmung und deren Beziehung zur Umwelt (Vollenweider, 2008). Es gibt bei den psychedelischen Substanzen zwei Hauptgruppen an chemischen Verbindungen: die Phenethylamine und die Tryptamine (Strassman, 2004; S. 56). Zu den Phenethylaminen gehren z.B. Meskalin und MDMA und zu den Tryptaminen werden z.B. Serotonin, LSD, DMT, Psilocybin, Psilocin und Ibogain gezhlt (Strassman, 2004). Den letzteren werden wir in der vorliegenden Studie unsere Aufmerksamkeit widmen, wobei der Fokus vor allem auf Erfahrungen mit LSD und Psilocybin liegt. Beide kommen in der Natur als Bestandteile von Pilzen vor. Psychedelika stehen in Zusammenhang mit einer Steigerung der Kreativitt. So wurden beispielsweise die DNA-Doppelhelix und die PCR (= Polymerase Chain Reaction) unter Zuhilfenahme von LSD entdeckt (Sessa, 2008).</p> <p>513.01.2013</p> <p>Im Vergleich zu anderen psychoaktiven Substanzen, wie z.B. Tabak und Alkohol sind Psychedelika, wie z.B. LSD relativ ungefhrlich (Nutts, King, Saulsbury &amp; Blakemore, 2007). Nutts und seine Kollegen untersuchten 20 psychoaktive Substanzen in Bezug auf mgliche negative Auswirkungen, sowie ihre physische Schdlichkeit, das Abhngigkeitspotential und mit dem Konsum in Zusammenhang stehende soziale und gesellschaftliche Probleme. Die folgende Grafik liefert eine bersicht der Ergebnisse. Die unterschiedlichen Farben geben an, wie diese Substanzen bisher klassifiziert werden.</p> <p>Abbildung 1: Durchschnittliche Schdlichkeits-Scores fr 20 Substanzen Aus: Development of a rational scale to assess the harm of drugs of potential misuse (Nutts et al., 2007)</p> <p>613.01.2013</p> <p>Die Grafik zeigt, dass die momentane Klassifizierung der Substanzen nicht mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen konform ist. So wird beispielsweise LSD der gleichen Kategorie zugeordnet wie sogenannte harte Drogen, sowie Heroin und Kokain, obwohl es den Fakten nach, sogar noch weniger Gefahrenpotential aufweist, als legale Drogen, wie z.B. Alkohol und Tabak. Allein dieser Tatsachenbestand zeigt auf, wie dringend solide Forschung auf diesem Gebiet erforderlich ist. Auch bei wiederholtem Gebrauch ber einen lngeren Zeitraum hinweg fhren LSD und Psilocybin nicht zur Abhngigkeit und bewirken keinerlei Organschden (Hermle, 2008; S.153). Im Gegenteil, sie knnen sogar dazu eingesetzt werden Abhngigkeitserkrankungen, wie z.B. Alkoholismus zu therapieren (Krebs &amp; Johansen, 2012). Das spricht fr eine nderung der bisherigen Sichtweise und ein berdenken der Therapiemethoden. Die meisten Menschen, die regelmig psychoaktive Substanzen konsumieren, sind weder abhngig, noch werden sie es jemals werden (Mller &amp; Schumann, 2011). Obwohl die Mehrheit der Konsumenten psychoaktiver Substanzen (90% - 95%) als unproblematisch angesehen werden kann, wurde diese Gruppe bisher verhltnismig selten untersucht (Mr et al., 2011). Der Groteil der Studien richtet seinen Fokus auf die relativ kleine Gruppe problematischer Konsumenten von ca. 5% -10% und ihren Symptomatiken, sowie z.B. Abhngigkeit, die Komorbiditt mit anderen psychischen Strungen und daraus erwachsende krperliche und soziale Probleme. Dieses Ungleichgewicht an Informationen erzeugt ein verzerrtes Bild und fhrt zur Stereotypisierung der Konsumenten. In der vorliegenden Interviewstudie widmen wir unsere Aufmerksamkeit ausschlielich der unproblematischen Konsumentengruppe. Die meisten Studien mit Psychedelika sind entweder kulturgeschichtlich orientiert, oder beschftigen sich mit der therapeutischen Wirkungsweise. Um zu verstehen, wie sich diese Subtanzen auf unser Bewusstsein und unsere Wahrnehmung auswirken und durch welche Komponenten sie beeinflusst werden, ist es unbedingt erforderlich, gesunde Individuen zu untersuchen. Das ist wesentlich fr die Grundlagenforschung, und ohne diese knnen auch pathologische Zusammenhnge nicht hinreichend verstanden werden.</p> <p>713.01.2013</p> <p>1.2 Anwendungsfelder</p> <p>Anhand archologischer Befunde lt sich feststellen, da Menschen seit Hunderten, in manchen Fllen seit Tausenden Jahren, von der bewutseinsverndernden Wirkung mancher Pilze wuten und diese im religisen Zusammenhang gebrauchten (Kutalek, 2002). Die ltesten archologischen Funde, die den Gebrauch psychoaktiver Pilze dokumentieren, wurden in der Sahara entdeckt und werden auf etwa 7000 bis 9000 v. Chr. datiert (Rtsch, 1998). Auch heute noch ist der Gebrauch psychoaktiver Pilze und Pflanzen bei indigenen Kulturen weit verbreitet. Sie helfen dem Schamanen dabei, Krankheiten zu heilen, die Ahnengeister anzurufen oder Konflikte zu klren. Die Einnahme ist in Rituale eingebettet und mit unterschiedlichen Verhaltensvorschriften verbunden (Schmid, 2009). In diesem Zusammenhang werden psychedelische Substanzen oft auch als Entheogene bezeichnet. Auch dieser Begriff ist griechischen Ursprungs (en = in, theos = Gott, gen = bewirken) und bedeutet sinngem bersetzt, so viel wie das innewohnende Gttliche erweckend (Schmid, 2009). Pilze der Gattung psilocybe mexicana wurden bereits von den Azteken als Medizin gegen Fieber und Gicht verwendet und noch heute werden sie von Schamanen zur Heilung von verschiedenen Krankheiten wie Magen-Darm-Strungen, Migrne, Kopfschmerzen und epileptische Anflle eingesetzt (Rtsch, 1998). Die genannten Krankheitsbilder deuten darauf hin, dass die Heilung auf psychosomatischer Ebene stattfindet.</p> <p>In der Psychotherapie wurden mit Hilfe von Psychedelika bemerkenswerte Erfolge verbucht. Die Sicherheit der psychedelischen Therapie in einem klinischen Setting wurde auf der Grundlage der Informationen von mehr als 25.000 psychedelischen Sitzungen durch Sidney Cohen nachgewiesen (Grof, 2008). Indikationen fr eine psychedelika- untersttzte Psychotherapie knnen beispielsweise Posttraumatische Belastungsstrungen, Zwangsstrungen, Essstrungen, Abhngigkeitserkrankungen, Cluster Headache oder die Erleichterung des Sterbeprozesses bei schwerkranken Menschen sein (Oehen,2008). Mit Hilfe einer Metaanalyse konnten die positiven Effekte LSD- untersttzter Psychotherapie auf den Alkoholismus nachgewiesen werden (Krebs &amp; Johansen, 2012). Die Gabe von Psilocybin in einem kontrollierten, klinischen Setting steht in Zusammenhang mit der Reduzierung der Symptome bei Zwangserkrankungen (Moreno, Wiegand, Taitano &amp; Delgado, 2006). Eine Form der Therapie mit psychedelischen Substanzen ist die sogenannte psycholytische Therapie. Sie nutzt</p> <p>813.01.2013</p> <p>die Wirkfaktoren konventioneller Psychotherapie und ist in der Lage, diese in therapeutisch wirksamer Weise zu verstrken (Passie &amp; Drst, 2008). Durch diese Verstrkung verkrzt sich die Therapiedauer. Da es eine stetig steigende Anzahl psychischer Erkrankungen in der westlichen Gesellschaft gibt, ist es wichtig, therapeutische Methoden zu entwickeln, die mglichst schnell zum Erfolg fhren. Das minimiert das Leid fr die Betroffenen und spart der Allgemeinheit Kosten. Das Strungsbild Major Depression beispielsweise, weist in den westlichen Industrienationen eine Punktprvalenz von bis zu 7.4% auf. Laut Grof (1983; S.304) lassen sich das selektive Verharren bei den Schattenseiten der Welt und die grundstzlich pessimistische Lebensphilosophie, die mit diesem Zustand verbunden sind, binnen weniger Stunden zerstreuen. Trume, Halluzinationen und Psychosen haben gemeinsame psychische und behaviorale Komponenten (Barry &amp; Trulson, 1979). Die Erforschung psychedelischer Substanzen knnte zu einem besseren Verstndnis ber ihren Zusammenhang fhren. Grof (2008) zufolge ist die Bedeutsamkeit von LSD und anderen Psychedelika fr die Psychologie und die Psychiatrie, vergleichbar mit dem Wert, den z.B. das Mikroskop fr die Biologie und Medizin hat, oder etwa das Teleskop fr die Astronomie. Wenn wir also lernen, wie sie adquat als solche Instrumente zu verwenden sind, knnte das einen groen Schritt fr die Wissenschaft bedeuten.</p> <p>1.3 Das Setting</p> <p>Sowohl bei der traditionellen, als auch bei der therapeutischen Anwendung, ist neben dem Set das sogenannte Setting von besonderer Bedeutung. Unter Setting versteht man die Gesamtheit der Umweltvariablen, die den Prozess begleiten. Dazu gehren das soziale Umfeld, der zeitliche Rahmen und der Aufenthaltsort, sowie die Geruschkulisse, bzw. die musikalische Untermalung des Erlebnisses. Sie sind ausschlaggebend dafr, ob intrapsychisches oder interpersonelles Material in den Vordergrund tritt (Hess, 2008). Stanislav Grof gibt in seinem Buch LSD- Psychotherapie Empfehlungen fr die Gestaltung des Settings bei der therapeutischen Anwendung, die auf der Erfahrung mit ber 3000 Patienten basieren (Grof, 1983), und erlutert ihre Wichtigkeit fr den Verlauf der psychedelischen Sitzungen. Bei der traditionellen Anwendung finden die Rituale mit Psychedelika an besonders markierten Orten und/oder in besonderen Rumen statt, also an Sttten traditioneller Heiligkeit, die nicht fr den tgli-</p> <p>913.01.2013</p> <p>chen Gebrauch bestimmt sind (Hess, 2008). Bis zum jetzigen Zeitpunkt gibt es noch keine systematische oder empirische Forschung zum Setting bei psychedelischen Erfahrungen (Jerome, 2008).</p> <p>In dieser Interviewstudie wird die unproblematische Konsumentengruppe bezglich ihrer Einstellung zu den Variablen, die das Setting betreffen, befragt...</p>