Das "Buch über das Geheimnis der Schöpfung" von Pseudo-Apollonios von Tyana () || Buch III. Über die Mineralien

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  • Buch III. ber die Mineralien

    1. Einlei tung

    1.1. Themenstellung

    l .2. ber Mineralien, Pflanzen und Tiere

    Der Sphrenumschwung bewirkt im irdischen Bereich zunchstdie Vermischung von Grobem mit Grobem. Dabei entstehen durch die Ver-bindung der Elemente Steine und Metalle in ihren Gruben. Weil dieSphre anfangs schwach, finster und unbeseelt ist, sind es schwache, tote,seelenlose Krper. Die Planeten, die hierauf aus den subtilen Bestandteilender Urmaterie entstehen, bilden die Seelen der Sphren. Dementsprechenderhalten nun auch im sublunaren Bereich die Krper eine Seele, die wiedie Sphrenbewegung noch schwach ist: Es entstehen Pflanzen, welcheber die Erdoberflche emporwachsen. Der rasche, krftige Sphren-umschwung schlielich fhrt zur Entstehung der Tiere, welche die Fhig-keit der Ortsbewegung besitzen.1.3. Die drei Naturreiche folgen dem Vorbild der Sphrenwelt, dieaufgrund ihrer hheren Natur die irdischen Vorgnge regelt.l .4. Wie die Sphre anfangs nur eine Kraft besitzt, verfgen auch dieMineralien nur ber eine Dynamis. Entsprechend der Einteilung derSphre in 360 Grade gibt es 360 Arten von Mineralien. Durch die Planetentritt eine zweite Dynamis, die Seele, hinzu, so da die aus Krper und Seelezusammengesetzten Pflanzen in doppelter Zahl (720) erschaffen sind. Dervolle Sphrenumschwung bringt eine dritte Dynamis mit sich, so da dieZahl der aus Krper, Seele und Pneuma gebildeten Tiere das Dreifache(1080) ausmacht.

    2. ber die Metalle

    2.1. Die subtilsten unter den Mineralien sind die Metalle, sieben ander Zahl in Analogie zu den Planeten.2.2-8. [Da die Eigenschaften der Metalle nach einem stereotypenSchema abgehandelt werden, werden sie der besseren bersicht halber ineiner Tabelle zusammengestellt.]

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  • 104 Inhaltsangabe

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  • Buch III. ber die Mineralien 105

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  • 106 Inhaltsangabe

    [Ergnzungen:]

    2.2. Blei ist von trockener Natur, fhlt sich aber feucht an. SeineSchwere beruht auf dem engen Ineinandergreifen seiner Teilchen.2.3. Zinn hlt die Mitte zwischen der Trockenheit des Bleis und derWrme des Eisens, so wie Jupiter zwischen Saturn und Mars ausgleicht.2.4. Eisen ist bermig trocken, die Wirkungen seines Krpers sindstrker als die seines Geistes.2.5. Gold steht als Haupt der Metalle in der Mitte wie sein Planet,die Sonne, unter den Planeten.2.6. Der Grnspan beim Kupfer ist eine Mischung der gelben Farbeseines Krpers mit der Schwrze seines Geistes. Beim Kupfer berwiegendie Wirkungen des Krpers.2.7. Quecksilber ist in Verbindung mit mnnlichen Stoffen mnn-lich, mit weiblichen weiblich, weil in ihm Feuchtigkeit und Trockenheitgleich stark sind. Es ist der Grundstoff aller Metalle, Geist und Krpersind in ihren Wirkungen nicht geschieden.2.8. Silber steht dem Gold am nchsten und lt sich leicht in diesesberfhren.

    3. ber die Entstehung des Quecksilbers

    3.1. Einleitende Themenbersicht

    3.2. Quecksilber, ein Grundstoff aller Metalle, entsteht aus Wasser,das unter Wrmeeinflu verdampft; da es nicht aus der Grube entweichenkann, kondensiert es unter Abkhlung und schlgt sich nieder. Dieser Vor-gang wiederholt sich so lange, bis es subtil genug ist, feste Stoffe zu lsen.3.2. Infolge der fortgesetzten Luterung lst das Quecksilber den inseiner Grube vorhandenen Schwefel und nimmt ihn unter anhaltendem,migem Kochen in sich auf; dessen Trockenheit bildet seinen roten Geist,whrend sein feuchter Krper wei ist. Die innere Trockenheit verleiht ihmeinen starken Zusammenhalt, so da es nicht, wie andere Flssigkeiten,auseinanderfliet.

    4. ber die Ents tehung der Metalle aus Quecksi lber undSchwefel

    4.1. Wenn das Quecksilber weiteren Schwefel aus der Grube auf-nimmt und Kochungswrme die Trockenheit der Mischung vermehrt, so

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  • Buch . ber die Mineralien 107

    da diese manifest wird und die Feuchtigkeit ins Innere verdrngt, ent-steht uerlich kalt-trockenes, innerlich warm-feuchtes Blei, das wegenseiner starken Feuchtigkeit rasch schmilzt.4.2. Die Metalle sind voneinander verschieden je nach Entstehungsortund Qualittenkombination, sie sind aber alle von Goldnatur. An derVerwirklichung dieser Anlage hindern sie lediglich akzidentielle Eigen-schaften wie Farbe, Geruch und Geschmack; denn jedes Geschpf, auchder Mensch, ist vollkommen geschaffen. Die akzidentiellen Vernderungentreten unmittelbar nach Vollendung des Krpers auf; geschhe dies bereitsvor der Konstitution des Krpers, so knnte dieser sich gar nicht bilden.

    4.3. Die ausgewogene Mischung von Quecksilber und Schwefelbringt Gold hervor, bei den brigen Metallen verhindern die Akzidenziendie volle Ausprgung ihrer Goldnatur, so da sie die Eigenschaften derjeweils vorherrschenden Qualitt annehmen. Im Blei dominieren Klteund Trockenheit, weil das Quecksilber reichlich Schwefel aufnimmt,dessen Trockenheit auen manifest wird und die Zufuhr weitererKochungswrme verhindert. Wegen seiner starken inneren Feuchtigkeitschmilzt Blei rasch, wegen seiner geringen Trockenheit fehlt ihm derMetallklang. Mit seinem hohen Schwefelgehalt kann es Metalle und Steineschmelzen und mischt sich aufgrund seiner Trockenheit mit Steinen, derenKrper ebenfalls trocken und kalt ist. Blei ist empfnglich fr Frbungen.

    4.4. Bei der Zinnentstehung wird das Quecksilber von sanfter,miger Wrme gleichmig gekocht, so da es durch die Trockenheit desFeuers uerlich trocken wird. Die sanfte Kochung und der feinere Schwe-fel machen das Zinn feiner, weier und reiner als Blei. Es kreischt wegenseiner starken Feuchtigkeit und riecht faulig. Mit Hilfe seiner Feuchtigkeitverleiht es anderen Metallen eine weie Frbung, zerbricht sie mit seinerTrockenheit und schmilzt sie durch seinen hohen Schwefelgehalt. Obgleiches ein mnnliches Metall ist, gibt es keinen Metallklang, weil sein Krperfeucht und gleichmig erstarrt ist, Metallklang aber beim Zusammen-schlagen trockener Krper entsteht.

    4.5. Eisen ist wie sein Planet Mars warm und trocken, weil das vonstarker Wrme gekochte Quecksilber viel trockenen Schwefel aus seinerGrube aufnimmt. Wenn sich die Feuchtigkeit vor der Wrme ins Innerezurckzieht, nimmt sie die Klte mit, weil diese nicht durch sekundreAbkhlung untersttzt wird. Das dichte Eisen schmilzt langsam, weil seinePoren von Trockenheit zusammengezogen sind, so da das Feuer nurschwer eindringen kann. Im Feuer verbrennen seine ueren Schichten,weil keine Feuchtigkeit die Wrme abhlt, und bilden Rinden. Sein saurerGeschmack ist eine Mischung aus Sem (aus der Wrme des Krpers undder Feuchtigkeit des Geistes) und Salzigem (aus der bitteren Trockenheitdes Krpers und der neutralen Feuchtigkeit des Geistes). Das bermig

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  • 108 Inhaltsangabe

    trockene Eisen besitzt einen lauten Klang; es ist belriechend. Wenn es inder Erde mit Salzigem in Berhrung kommt, zerfllt es, weil das warm-trockene Salz seine eigene Trockenheit verstrkt, bis seine Partikel denZusammenhalt verlieren.

    4.6. Gold entsteht unter idealen Bedingungen: die Grube enthltweder Salziges noch Bitteres noch belriechendes noch Sure, die um-wandelnde Wrme ist sanft und gleichmig und lutert das Quecksilber,ehe es sich verfestigt. Seine rote Farbe beruht auf der Mischung von Feuerund Luft. Sein Geschmack ist s, weil die ausgewogene Se seiner har-monischen Natur entspricht. Es ist schwer, weil seine Teilchen eng in-einandergreifen. Als ganz homogener Krper ist es das vollkommensteMetall, der Herr und das Haupt der brigen.

    4.7. Kupfer wird durch Akzidenzien daran gehindert, Gold zuwerden. Es ist auch mit dem kalt-feuchten, unter schwacher Kochungshitzegebildeten Silber verwandt und lt sich daher in Gold und Silber um-wandeln, so wie der Mond sein Licht von Sonne und Venus erhlt, welcheihrerseits von der Sonne erleuchtet wird. Kupfer bildet sich durch Wrmeund starke Trockenheit, ist uerlich feucht und innerlich trocken. Seinscharfer Geschmack ist eine Mischung der inneren Bitterkeit mit der Sedes Krpers, seine rote Farbe entsteht aus uerer Wrme und innererTrockenheit. Da es sehr trocken und sprde ist, bildet es Hammerschlag;Grnspan ist eine Mischung der gelben Farbe des Krpers mit der schwar-zen des Geistes. Bringt man Kupfer ins Feuer, so bilden sich blttrigeRinden, weil die uere Feuchtigkeit von der Wrme und Trockenheit desFeuers nach innen verdrngt wird, wodurch die Partikel ihren Zusammen-halt verlieren. In Essig wird es zu brckligem Grnspan zersetzt, weil dieSure des Essigs in Verbindung mit der Schrfe des Kupfers verbrennendwirkt; gleiches geschieht durch Salz.

    4.8. Das dem pneumatischen Merkur zugeordnete Quecksilber istder Grundstoff aller Metalle. Sein warm-feuchtes ueres entspricht demDampf, aus welchem die Sphren entstanden, sein kalt-trockenes Inneresdem in jenem Dampf verborgenen trockenen Rauch.

    4.9. Wie der Mond der Sonne, so steht das Silber dem Gold am nch-sten. Es ist das zweitedelste Metall und unterscheidet sich vom Gold da-durch, da es, weil es unter dem Einflu von Klte und Trockenheit ent-steht, nur innerlich rot, uerlich aber wei ist. Sein Salzgeschmack beruhtauf der Verbindung der Feuchtigkeit seines Krpers mit der Trockenheitseines Geistes, wegen seiner Klte enthlt es etwas Schwrze. Wenn durchErwrmung die uere Klte des Silbers vertrieben wird, verwandelt essich in Gold.

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    5. ber die Metal l t ransmutat ion

    5.1. Bei der Entstehung des Bleis aus Quecksilber berwiegen Klteund Trockenheit. Enthlt die Grube aber zustzlich Feuchtigkeit, wirdbei gleichzeitiger miger Kochung die Trockenheit gemildert und nachinnen verdrngt, so da das uere kalt-feucht, das Innere warm-trockenwird: es bildet sich Silber. Unterbrechung der Feuchtigkeitszufuhr bei an-dauerndem Kochen bewirkt eine Trocknung, die innere Wrme gewinntdie Oberhand, die an die Klte gebundene weie Farbe macht der RtePlatz, und es entsteht Gold.5.2. Wenn Blei Feuchtigkeit aus der Grube aufnimmt und sich mitder Trockenheit auch die Klte vor der Kochungswrme nach innen zu-rckzieht, wird es zu Kupfer, das aufgrund seiner Verdichtung rot ist. Beiweiterer Feuchtigkeitszufuhr und schwacher Erwrmung verschwindetdie Rte, weil nunmehr Klte und Feuchtigkeit berwiegen: es bildet sichSilber, das durch Wrme in Gold umgewandelt wird. Die Umwandlung derMetalle beruht darauf, da sie alle ihrer Anlage nach Gold sind und sichlediglich in Bezug auf Mischung, Ort und Zeit der Entstehung, Dauer derKochung und die Nahrungsmenge in der Grube unterscheiden.

    6. ber die Entstehung des Schwefels

    6.1. Der warm-trockene Schwefel ist dafr verantwortlich, da dieaus Quecksilber entstehenden Metalle fest werden. Wenn das Wasser inder Schwefelgrube durch Erwrmung warm-feucht wird, nimmt die lig-keit seiner Oberflche zu; weitere Wrme wandelt das gesamte Wasser ineinen zhen, lartigen Krper um, der durch fortgesetzte Erwrmung er-starrt. Demnach ist Schwefel erstarrtes l, das gewhnlich von der Luft-klte am Schmelzen gehindert wird, im Feuer aber zu einer ligen Substanzschmilzt.6.2. Bei hohem Feuchtigkeitsgehalt bildet sich gelber Schwefel, weilGelb durch Feuchtigkeit und Wrme entsteht; verflchtigt sich die Feuch-tigkeit durch strkere Erwrmung, wird er rot. Weier Schwefel ist erdigverunreinigt und grob; seine anhaltende, gelinde Kochung reicht nicht aus,die Feuchtigkeit zu berwinden.

    7. ber die Ents tehung der Steine

    7.1. Die Arten der Steine unterscheiden sich in Farbe, Transparenz,Hrte, Brckeligkeit, Schmelzbarkeit und Kalzinierbarkeit.7.2. Alle Steine, Schwefel, Arsene, Alaune, Glasarten und Salze bildensich aus Wasser und Erde. Ihre Unterschiede beruhen auf der Verschieden-

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    heit der Quantitten in der Mischung, der Entstehungsorte und der Dauerder Sonneneinstrahlung.

    8. ber die Entstehung der Goldsteine

    8.1. Wenn die Sonnenstrahlen die Erde erwrmen, verleihen sie demWasser der Grube die Fhigkeit, Trockenheit in sich aufzunehmen, bisdiese die Oberhand gewinnt und nun ihrerseits Trockenheit und Wrmeanzieht: Das Wasser erstarrt zum Yqt. Seine Poren ziehen sich wegen derstarken Trockenheit zusammen; seine Teilchen greifen ineinander, so dader Yqt schwer wird.8.2. Die Farben des Yqt werden von seinem Herkunftsort, dasheit der Verschiedenartigkeit der aufgenommenen Erde, beeinflut. Beistarker Sonnenwrme wird der Stein rot, bei schwacher Hitze und reich-licher Feuchtigkeit gelb, bei mittlerer Wrme und reinem Wasser transpa-rent, bei Durchmischung mit grober Erde und starker Wrme schwarz,weil die verdichtende Trockenheit Klte mit sich fhrt. Da aber die mit derWrme verbundene inwendige Rte nach auen strahlt, hellt sich dieSchwrze zu Blau auf.8.3. Der warme, rote Yqt zhlt zu den Goldsteinen. Wenn beiseiner Erstarrung Feuchtigkeit auftritt, wird er akzidentiell wei, dochlt sich seine im Inneren verborgene, wesensmige Rte durch Behand-lung mit Feuer zum Vorschein bringen. Die gelbe Farbe tritt auf, wenn sichdie Feuchtigkeit wegen der Klte des Wassers weder verflchtigt und soRte bewirkt noch den Stein in Verbindung mit Klte wei frbt. Gelb istnmlich eine Mischung aus Feuchtigkeit und Wrme. Dies ist auch derGrund, warum dem aus der Feuchtigkeit des Winters und der Wrme desSommers gemischten Frhling die gelbe Galle zugeordnet ist. GelbenYqt kann man im Feuer zu rotem umfrben. Sind Wrme und Erd-anteil mig, wird der Yqt kalt und wei, enthalten die trockenen Erd-teilchen Schwrze, whrend die Feuchtigkeit im Verein mit Wrme Gelberzeugt, mischen sich Gelb (Feuchtigkeit) und Schwarz (Trockenheit) zuBlau.8.4. Der Smaragd gleicht im Wesen dem Yqt. Seine Rte verdichtetsich jedoch akzidentiell zu Schwarz, so da er blau erscheint, doch ver-birgt sich die blaue Farbe wegen seiner schweren, groben Trockenheit imInnern, whrend an der Oberflche die lichte Komponente von Rot, Gelb,auftritt. Unter Wrmeeinflu mischen sich Blau und Gelb zu Grn.8.5. Als Goldstein nimmt der Yqt unter den Steinen den gleichenPlatz ein wie das Gold unter den Metallen. Weder Yqt noch Smaragdsind schmelzbar oder mit dem Eisen ritzbar, weil sie durch und durchgleichmig, fest und trocken sind.

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    8.6. Smaragd ist leichter als Yqt, weil seine gleichmig gelstentrockenen Teilchen bei miger Wrme erstarren, so da er weniger dichtwird. Seine Poren ziehen sich beim Erstarren aber stark genug zusammen,da er nicht schmelzbar ist.

    8.7. Smaragd lt sich in Yqt umwandeln wie Silber in Gold oderKupfer in Silber, weil sie aus demselben Stoff entstanden sind und sich nurdurch akzidentielle Farbgebung unterscheiden, die sich leicht verndernlt. Das Experiment hat der Autor nach den Anweisungen der TabulaSmaragdina selbst ausgefhrt.

    8.8. Ein weiterer Goldstein ist der Diamant, der als einziger vonanderen Steinen nicht gespalten wird, weil er am metallhnlichsten ist;nur das Blei beschdigt ihn. Wenn das Wasser in der DiamantengrubeWrme aufnimmt und austrocknet, wird es klebrig wie Quecksilber. Ausder Feuchtigkeit und der Trockenheit der Grube geht bei gelindem Kocheneine salzige Substanz hervor, welche das klebrige Wasser grob macht unddie Kochungswrme an sich zieht, bis die Trockenheit in dem zhflssigenWasser dominiert und es in Stein verwandelt.

    8.9. Weil der Diamant durch bermige Hitze erstarrt, wird er nichtzu sem, mig trockenem Gold, sondern zu einem salzigen, extremtrockenen, harten Stein, der andere Steine verzehrt. Ihn selbst zerstrt nurdas Blei, das auch Gold angreift, weil sein Schwefelanteil mit der Salzigkeitdes Diamanten eine Verbindung eingeht. Die weie Frbung kommt da-durch zustande, da die Feuchtigkeit seiner Grube die starke Feuerhitzemildert.

    8.10. Alle roten und rtlichen Steine wie Karneol und Granat sindihrer Natur nach Yqte, die durch akzidentielle Einflsse wie bermigeFeuchtigkeit oder Trockenheit an der Verwirklichung dieser Anlagegehindert wurden.

    9. ber die Entstehung der Silbersteine

    9.1. Der Bergkristall ist ein klarer, weier Silberstein. Seine Feuchtig-keit lst unter dem Einflu der Grubenwrme die Trockenheit so gleich-mig und langsam, da sie zu einem ausgewogenen, weien Stein erstarrt,weil die Feuchtigkeit und die mige Wrme die Rte nicht zum Durch-bruch kommen lassen.

    9.2. Bergkristall zerfllt im Feuer, weil er wegen seiner Klte undseines geringen lanteils Salz enthlt. Wegen seiner Feuchtigkeit ist erweich und wenig verdichtet, so da ihn die Eisenfeile ritzt.

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  • 112 Inhaltsangabe

    9.3. Alle weien Steine, darunter auch nicht transparente wie Kiesel,entstehen bei geringer Wrme aus Feuchtigkeit, in der viel Trockenesgelst ist. Farbwechsel erfolgt stets unter dem Einflu von Wrme.

    10. ber die Entstehung der Kupfers te ine

    10.1. Alle Kupfersteine wie Malachit, Lapislazuli, Hmatit und Marka-sit sind als Kupfer angelegt, werde aber aufgrund ihrer luftartigen Wrmeund Feuchtigkeit zu Steinen, welche metallisches Kupfer enthalten.

    10.2. Erstarren sie durch starke Wrme, werden sie rot, herrschtFeuchtigkeit vor, grn; bei bermiger Trockenheit tritt Schwrze auf,die durch das inwendige Rot zu Blau aufgehellt wird.

    10.3. Kupfersteine sind brcklig und daher spaltbar. Durch fach-kundige Behandlung kann man aus ihnen metallisches Kupfer gewinnen.

    11. ber die Ents tehung der Eisensteine

    Die Eisensteine Magnesia, Magnet und Eisenmarkasit bildensich, wenn in der Mischung aus Wasser und Erde Trockenheit und Wrmevorherrschen, so da kein Metall entsteht, sondern ein aufgrund der Ver-dunstung der Feuchtigkeit harter schwarzer Stein. Schwrze entsteht nm-lich, wenn die Trockenheit nicht von Feuchtigkeit gegen die Wrme ge-schtzt wird. Diese Steine ziehen das ihnen verwandte Eisen an undenthalten selbst Eisenmetall.

    12. ber die Ents tehung der Zinnsteine

    12.1. Zu den Zinnsteinen gehren neben den bereits besprochenenSchwefeln die Arsene, die ebenfalls die Metalle verbrennen. Wenn dasWasser in der Grube Trockenheit aufnimmt und Feuchtigkeit und Trocken-heit einander durchdringen, wird die Mischung wie bei den Metallen grobund infolge des Kochens zhflssig, weil sich durch den Wrmeeinflu dieFeuchtigkeit in l umwandelt. Dieses l erstarrt schichtweise.

    12.2. Gelbes Arsen entsteht, wenn sich die Feuchtigkeit bei gelinderKochung mit der Wrme mischt, ohne zu verdampfen, rotes Arsen beistarker Hitze und bermiger Trockenheit. Beide Arten, aus denen manauch metalliches Zinn gewinnen kann, finden sich nebeneinander inderselben Grube.

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  • Buch III. ber die Mineralien 113

    13. ber die Ents tehung der Bleisteine

    Die schwarzen Bleisteine Antimon, Bleigltte und dergleichensind ihrer Natur nach Blei. Da sie jedoch viele grobe Erdpartikel enthaltenund infolgedessen Klte und Trockenheit die Wrme berwiegen, ent-wickeln sie sich nicht zum Metall, doch kann man Blei aus ihnen gewinnen.

    14. ber die Verwandtschaf t der Metalle

    Die Mineralien sind den Metallen zugeordnet; diese wiederumsind dem Golde verwandt, welches seinerseits aus Quecksilber und Schwe-fel, den Grundstoffen aller Metalle, besteht. Akzidentielle Eigenschaftenhindern die Metalle daran, allesamt zu Gold zu werden. Gold ist der Herrder Metalle; es gehrt zur Sonne, die wie ein Knig inmitten seines Heeresin der Mitte der Sphren unter den Planeten ihre Bahn zieht und dieWelt erhlt, indem sie Licht und Wrme spendet.

    15. ber die Ents tehung der Salze

    15.1. Alaun, Salz, Glas und Borax gehren einer Klasse an; sie unter-scheiden sich aufgrund ihrer verschiedenen Entstehungsorte und der unter-schiedlichen Intensitt der Wrme bei ihrer Bildung im Geschmack. DieSonnenwrme mischt das Wasser mit feinen Erdpartikeln, welche sich er-wrmen und weitere Wrme und Trockenheit anziehen, bis die Masse zuSteinen erstarrt, welche bei bermiger Trockenheit hart, bei geringerTrockenheit und Wrme weich werden.

    15.2. Die rote Frbung entsteht durch starke Hitze, die schwarzedurch Beimischung grober Erdteilchen, die grne bei uerlicher Feuchtig-keit, die weie bei miger Kochung, die gelbe durch Wrme und Feuchtig-keit zu gleichen Teilen, die schwarze durch bermige Wrme und starkeTrockenheit, die grne als Mischfarbe aus Rot (innen) und Schwarz(auen).

    15.3. Die Geschmcke werden durch Feuchtigkeit (neutral) undTrockenheit (bitter) bestimmt, deren Geschmcke rein auftreten, wenndie jeweilige Qualitt vorherrscht. Sind beide gemischt und berwiegt dieFeuchtigkeit, schmeckt der Stein s, sind sie ausgewogen, salzig, weil dasBittere vom neutralen Geschmack gemildert wird. S und salzig-neutralergibt Sure, sauer und salzig-bitter Schrfe, sauer und scharf Herbe.

    15.4. Die beiden Grundgerche sind der auf Wrme beruhende Schwe-felgestank und der auf Klte beruhende schwarze Gestank. Ferner gibt es

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  • l14 Inhaltsangabe

    Mischgerche, die je nach ihrer quantitativen Zusammensetzung mehrzum einen oder zum ndern neigen.15.5. Die Transparenz hngt ab von der in der Feuchtigkeit gelstenTrockenheitsmenge. Bei durchsichtigen Salzen werden feine Erdpartikellangsam gelst und durch mige Wrme verfestigt. Enthlt das Salz vielegrobe Erdpartikel und ist die Kochungswrme heftig, setzt sich dieSchwrze der Erde durch.

    16. ber die Ents tehung der ligen Substanzen

    lige Substanzen wie Naphtha, Pech und dergleichen entstehenin den Gruben aus ligem Wasser, wenn die Sonnenwrme seine Kltevertreibt, so da es warm-feucht wird und sich in zhes l umwandelt.Der Festigkeitsgrad dieser Stoffe ist abhngig von der Wrme in der Grube.Bei starker Hitze bilden sich dicke, bei geringer Hitze dnnflssige ligeSubstanzen.

    17. ber die Ents tehung des Glases

    Wenn das Wasser Trockenheit in sich lst und diese Masse durchErwrmung erstarrt, zerfallen ihre Teile infolge der Klte. Es entstehtSand, dessen Steinnatur nicht manifest wird. Man kann aber die Sand-krner durch Schmelzen zu einem durchsichtigen Stein, dem Glas, ver-einigen, da die Feuerhitze die Klte vertreibt. Das Glas reift aber wegen deshemmenden Einflusses der Klte nicht vllig aus, so da es im Feuer wiederweich wird.

    18. ber das Schmelzen

    18.1. Warum schmelzen Metalle im Feuer? Metalle bilden sich ausQuecksilber und Schwefel, wenn unter Wrmeeinflu die Feuchtigkeit vonder Trockenheit ins Innere verdrngt wird. Beim Schmelzvorgang erscheintsie wieder an der Oberflche, um die Trockenheit gegen die Feuersglut ab-zuschirmen. Sobald die Wrme wieder nachlt, zieht sich die Feuchtigkeitzurck, die Trockenheit kommt wieder zur Geltung, und das Metall er-starrt.18.2. Warum schmelzen die Metalle unterschiedlich rasch? Metalle,die bei bermiger Trockenheit durch starke Kochung entstanden sind,haben enge Poren, so da die Wrme nur langsam nach innen zur Feuchtig-keit vordringt. Bei bermiger Feuchtigkeit hingegen sind die Poren weit,so da die Feuchtigkeit rasch an die Oberflche gelangt.

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  • Buch . ber die Mineralien 115

    18.3. Warum trennen sich in den Metallen Trockenheit und Feuchtig-keit nicht? In den Metallen gehen Trockenheit und Feuchtigkeit, Krperund Geist, eine innige Verbindung miteinander ein; daher hindert dieTrockenheit die nach innen verdrngte Feuchtigkeit am Entweichen.

    19. ber das Verkalken

    19.1. Warum werden die Steine im Feuer verkalkt? Bei der Entstehungder Steine mischen sich Wasser und Erde, Trockenes und Feuchtes, zuLehm, ohne da dabei ein homogener Krper entstnde, weil sich dietrockenen Teilchen nicht im Wasser lsen. Wird dem durch migeWrme erstarrten Stein im Feuer das Wasser entzogen, welches vorherseine Teile zusammenhielt, zerfllt er zu Kalk.19.2. Warum schmelzen die Steine nicht im Feuer? Weil in den Steinendie Trockenheit berwiegt, sind ihre Poren so eng, da das Feuer nurschwer in sie eindringt. berdies enthalten sie zu wenig Feuchtigkeit.

    20. ber die Paarung der Elemente

    Alle Dinge im Kosmos sind aus den vier Elementen gebildet.Zwei von ihnen, Feuer und Luft, sind mnnlich, fein, aktiv, unkrperlichund transparent, die beiden anderen, Wasser und Erde, sind weiblich,grob, passiv, krperlich und trb. Wenn die mnnlichen Elemente in dieweiblichen eindringen, entstehen neue, von den Elementen verschiedeneDinge. Von den leuchtenden, klaren Elementen stammt die Klarheit, vonden groben die Trbheit und Dunkelheit der Kreaturen.

    21. Schluwort

    Die Ursachen der in der Erde zu verschiedenen Zeiten an ver-schiedenen Orten gebildeten Mineralien wurden besprochen in ihrer Be-ziehung zur Bewegung der Sphren und Tierkreisabschnitte; denn dasObere ist verbunden mit dem Unteren.

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