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  • Buddhismus verstehen und leben

    ein Handbuch fr die Menschheit

    von

    Buddhadsa Bhikkhu Herausgeberin: Buddhistische Gesellschaft Mnchen e.V.

  • Buddhismus verstehen und leben ein Handbuch fr die Menschheit von Buddhadsa Bhikkhu Englischer Titel: Handbook for Mankind Ursprngliche bersetzung ins Englische und Vorwort: Rod Bucknell. Deutsche bersetzung: Viriya NUR ZUR FREIEN VERTEILUNG Buddhistische Gesellschaft Mnchen e.V., alle Rechte vorbehalten Kontakt/Bestellungen: bgm@buddhismus-muenchen.de Herausgeberin: Buddhistische Gesellschaft Mnchen e.V., 2006

  • Inhaltsverzeichnis

    Vorwort...................................................................................4 1. Buddhismus genau betrachtet............................................ 5 2. Die wahre Natur der Dinge.............................................. 18 3. Die drei universellen Merkmale ...................................... 28 4. Ergreifen und Festhalten ................................................. 40 5. Das dreifache Training .................................................... 48 6. Die Dinge, die wir festhalten ........................................... 55 7. Einsicht auf natrlichem Wege........................................ 65 8. Einsicht durch systematisches Training........................... 78 9. Freiheit von der Welt....................................................... 92 Der Autor ............................................................................107

    Das Dhamma-Dana-Projekt der BGM................................109

    Buddhistisches Waldkloster e.V. ........................................113

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    Vorwort

    1956 hielt der ehrwrdige Buddhadsa Bhikkhu vor einer Gruppe zuknftiger Richter eine Reihe von Vortrgen, die spter, zusammengefat und geordnet, zum Handbuch fr die Menschheit wurden.1

    Seither hat dieses kleine Buch erstaunlichen Anklang ge-funden und erfreut sich mehr als fnf Jahrzehnte, nachdem die Vortrge gehalten wurden, immer noch groer Beliebtheit in Thailand ebenso wie im europischen Sprachraum. Der Grund dafr ist offensichtlich: Ajahn Buddhadsa erffnet frische Einsichten in die zeitlose Wahrheit des Buddha-Dhamma auf die sehr direkte und einfache Weise, die alle seine Lehren aus-zeichnet. Die Klarheit seiner Einsicht macht das Dhamma fr uns lebendig, so da jede neue Generation von Lesern ihren Nutzen daraus ziehen kann. Als Einfhrung in das Buddha-Dhamma" (die Wahrheit, zu der Buddha erwachte und die er lehrte) ist das Buch von unschtzbarem Wert, da es die grundlegendsten und wichtigsten Lehren des Buddhismus erklrt. Besonders fr jene, die sich der Lehre Buddhas nicht als theoretischem Studium zuwenden, sondern durch ihre praktische Anwendung ihr Leben verstehen und veredeln wollen, ist das Handbuch von grtem Nutzen.

    1Der UNESCO Kalender der Jahrestage bedeutender Persnlichkeiten und historischer Ereignisse gibt den 27. Mai als den hundertsten Geburtstag von Buddhadsa Bhikkhu (Diener des Buddha) an. Umso mehr freut es mich, auf vielfachen Wunsch eine Neubersetzung von Handbook for Mankind in diesem Jahr herausbringen zu knnen. Ich habe mir erlaubt, den etwas unhandlichen Originaltitel in Buddhismus verstehen und leben umzuwandeln, auch um diese Neubersetzung von anderen im Umlauf befindlichen abzugrenzen. Viriya.

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    1. Buddhismus genau betrachtet

    Wenn wir irgendeines der gngigen Bcher aufschlagen, die sich mit der Entstehung der Religionen in der Welt befassen, finden wir eine Gemeinsamkeit: Alle Autoren stimmen in dem Punkt berein, dass Religion aus der Furcht entstanden ist.

    Der primitive, im Wald lebende Mensch frchtete sich vor Blitz und Donner, Dunkelheit und Strmen und vielen ande-ren Dingen, die er nicht verstehen oder kontrollieren konnte. Seine Methode, um den Gefahren, die er in diesen Phnome-nen sah, zu entgehen, war es, ihnen entweder mit Demut und Unterwerfung oder mit Ehrfurcht und Anbetung zu begegnen; je nachdem, welche Verhaltensweise ihm am geeignetsten er-schien. Mit fortschreitender Entwicklung des Wissens und Verstnd-nisses der Menschen wandelte sich diese Furcht vor den Krften der Natur zu einer Furcht vor Phnomenen, die schwerer begreifbar waren. Religionen, die auf der Anbetung von Furcht erregenden Dingen wie Naturgewalten, Geistern und Himmelswesen basierten, wurden geringschtzig als un-vernnftig und lcherlich betrachtet. Schlielich wurde die menschliche Angst noch weiter verfeinert, bis sie zur Angst vor dem Leiden selbst wurde.

    Der Mensch begann sich vor dem Leid zu frchten, dem man nicht mit materiellen Opfern und rituellen Handlungen beikommen kann. Er begann sich vor dem Leid zu frchten, das dem Geborenwerden, dem Altwerden, dem krperlichen Schmerz und dem Tod innewohnt. Er empfand Furcht vor dem Leid der Enttuschung und Hoffnungslosigkeit, das durch Begierde, rger und Dummheit entsteht und das weder

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    durch groe Macht noch durch groen Reichtum gelindert werden kann. Der Buddhismus, als eine auf Einsicht beru-hende hhere Religionsform, hat, wie auch alle anderen Reli-gionen, die aus einer intelligenten Betrachtung unseres Lebens entstanden sind, seinen Ursprung in dieser Art Furcht. In Indien, einem Land mit vielen Denkern und Forschern im philosophisch-religisen Bereich, gaben intelligente Men-schen schon vor langer Zeit die Verehrung von bernatrli-chen Wesen auf. Sie begannen stattdessen nach Wegen zur berwindung von Geburt, Altern, Schmerz und Tod zu su-chen, nach Wegen zur Beseitigung von Gier, Hass und Ver-blendung. Aufgrund dieser Suche entstand eine hhere, auf Einsicht gegrndete Religion, eine Methode, wie man das Leid, das der Mensch frchtet, vollkommen und endgltig berwinden kann. Der Buddha entdeckte diese Methode zur berwindung von Geburt, Altern, Schmerz und Tod, zur Ver-nichtung der Herzenstrbungen2, und wir nennen sie heute Buddhismus. Buddhismus ist die Lehre des Erwachten. Ein Buddha ist ein zur Erkenntnis der wahren Natur aller Dinge gelangtes In-dividuum, das in der Lage ist, sich allen Dingen gegenber angemessen zu verhalten. Buddhismus ist eine Religion, die auf Intelligenz, wissenschaftlicher Vorgehensweise und Er-kenntnis aufbaut und deren Ziel die Zerstrung des Leidens und seines Ursprungs ist. Jede Verehrung von heiligen Ob-jekten durch rituelle Handlungen, Darbietung von Gaben oder Beten ist nicht Buddhismus! Der Buddha lehnte all dies als t-richt, absurd und unvernnftig ab. Er lehnte auch die Vereh-rung von Himmelswesen und Gottheiten ab, welche dem

    2 Kilesa: Herzenstrbungen, Beschmutzungen, Unreinheiten des Geistes: alle Dinge, die den Geist abstumpfen, verdunkeln, trben, beflecken und traurig machen. Die drei Hauptkategorien der kilesa sind lobha (Gier), dosa (Hass) und moha (Verblendung).

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    Glauben verschiedener Sekten zufolge die Sterne am Himmel bewohnten und die Schpfer aller Dinge waren. Dementspre-chend finden wir Aussprche des Buddha wie diese: Unabhngig von der Bewegung der Gestirne sind Wissen, Geschick und Fhigkeiten die gnstigen Vorzeichen, die zu Erfolg und Vorteil fhren. Mit dem Nutzen, der sich aus ihnen ziehen lsst, wird man den Toren, die ber ihren astrologi-schen Berechnungen sitzen, immer voraus sein. Und: Wenn die Wasser der heiligen Flsse (wie dem Gan-ges) wirklich Snden und Leiden wegwaschen knnten, dann wren die Schildkrten, Krebse, Fische und Muscheln, die in diesen Flssen leben, wohl schon lngst von ihren Snden und Leiden befreit. Und: Knnte man das Leiden wirklich durch Opfergaben, Verehrung und Beten beseitigen, wre niemand mehr in der Welt dem Leiden unterworfen, denn jeder kann opfern und beten. Da aber die Menschen immer noch dem Leiden unter-worfen sind, sogar whrend sie ihre Verbeugungen, Anbetun-gen und Rituale ausfhren, ist das offensichtlich nicht der Weg, der zur Befreiung fhrt. Um Befreiung zu erreichen, mssen wir erst einmal die Dinge genau betrachten, um ihre wahre Natur zu erkennen und zu verstehen. Dann mssen wir uns auf eine Weise verhalten, die der wahren Natur der Dinge angemessen ist. Das ist die budd-histische Lehre, das mssen wir wissen und im Gedchtnis behalten.

    Buddhismus hat nichts mit der Verbeugung und Verehrung von Furcht einflenden Dingen zu tun. Riten und Zeremo-nien wie das Spritzen von Weihwasser oder andere uer-lichkeiten wie Opfergaben fr Geister und himmlische Wesen haben nichts mit ihm zu tun. Im Gegenteil, Buddhismus grn-det sich auf Vernunft und Einsicht. Nicht der Glaube an Mut-

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    maungen oder Annahmen wird verlangt, sondern dass wir gem unserer eigenen Einsicht handeln und uns nicht mit den Worten anderer zufrieden geben. Wenn uns jemand etwas er-zhlt, drfen wir ihm nicht einfach blindlings glauben. Wir sollten uns das, was er zu sagen hat, anhren und durchden-ken. Falls es uns vernnftig erscheint, sollten wir es vorlufig als Arbeitshypothese annehmen und uns dann daranmachen, ihren Wahrheitsgehalt fr uns selbst herauszufinden. Diese Vorgehensweise ist eines der Hauptmerkmale des Buddhis-mus, das ihn wesentlich von anderen Weltreligionen unter-scheidet. Eine Religion ist eine vielseitige Angelegenheit. Von einem bestimmten Blickwinkel aus betrachtet hat sie eine Erschei-nungsform, von einem anderen Standpunkt aus gesehen eine andere. Viele Menschen betrachten Religion von der falschen Warte aus, und der Buddhismus ist da keine Ausnahme. Ver-schiedene Individuen mit unterschiedlichen geistigen Ein-stellungen gelangen notgedrungen zu unterschiedlichen An-sichten darber. Weil jeder von uns natrlich seine eigene Meinung fr richtig hlt, wird die Wahrheit fr jeden von uns dem eigenen Verstndnis und den besonderen Ansichten entsprechen. Folglich ist die Wahrheit fr jeden etwas an-ders. Jeder

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