Braunkohlesanierung || Gesellschaftliche, natürliche und technische Rahmenbedingungen der Braunkohlesanierung

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  • 7 Gesellschaftliche, natürliche und technische Rahmenbedingungen der Braunkohlesanierung Carsten Drebenstedt, Mahmut Kuyumcu und Thorsten Pietsch Inhalt 2.1 Gesellschaftliche Rahmenbedingungen der Braunkohlesanierung ������������������������������������ 7 2�1�1 Braunkohlenbergbau in der DDR bis 1989 �������������������������������������������������� 8 2�1�2 Veränderung der Stellung der Braunkohlenindustrie im Osten Deutschlands nach 1989 �������������������������������� 11 2�1�3 Herausbildung der Braunkohlesanierung ������������������������������������� 15 2�1�4 Ziele, Umfang und Ausblick der Braunkohlesanierung ������������������������������������� 22 2.2 Naturraum, Geologie, Bergbautechnologie und Eingriff in den Mitteldeutschen und Lausitzer Braunkohlenrevieren ����������������� 31 2�2�1 Allgemeine Kennzeichnung der Reviere ���������������������������������������������������� 31 2�2�2 Das Mitteldeutsche Braunkohlenrevier ��������� 57 2�2�3 Das Lausitzer Braunkohlenrevier ������������������ 66 Literatur �������������������������������������������������������������������� 71 Das Kapitel gliedert sich in zwei Abschnitte� Zunächst wird ein Rückblick auf die Entwick- lung der Braunkohlenindustrie in Ostdeutschland und die Ausgangssituation für die besonderen Herausforderungen der Braunkohlesanierung gegeben� Ziele, Aufgaben, Umfang und Stand der Braunkohlesanierung werden definiert, noch offene Aufgaben benannt� Im zweiten Abschnitt werden die natürlichen und technischen Rahmen- bedingungen der Braunkohlesanierung darge- stellt� Dabei werden die Wechselwirkungen zwi- schen Naturraum, Geologie und Bergbautechnik zunächst allgemein beschrieben� Es schließt sich eine spezifische Untersetzung für die betrachte- ten Braunkohlenreviere in Mitteldeutschland und in der Lausitz an� 2.1 Gesellschaftliche Rahmenbedingungen der Braunkohlesanierung Bei der Sicherung der Energieversorgung der Bevölkerung stehen die Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und die Belange der Umwelt zunehmend im Fokus kontroverser öffentlicher Diskussionen� Für regelmäßige Schlagzeilen in den Medien sorgen der Anstieg der Energie- und Rohstoffpreise, der Klimawandel, die Nutzung erneuerbarer Energien und nachwachsender Roh- stoffe, der Einsatz fossiler Brennstoffe, die Zu- kunft der Atomenergie, die Welternährungskrise u� a� Die Ursachen und Wirkungen dieser Phäno- mene sind naturgemäß komplex und vielfältig� Es C� Drebenstedt () Fakultät für Geowissenschaften, Geotechnik und Bergbau, Institut für Bergbau und Spezialtiefbau, TU Bergakademie Freiberg, Gustav-Zeuner-Straße 1a, 09596 Freiberg, Deutschland E-Mail: Carsten�Drebenstedt@mabb�tu-freiberg�de M� Kuyumcu · T� Pietsch Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau- Verwaltungsgesellschaft mbH, Knappenstraße 1, 01968 Senftenberg, Deutschland E-Mail: mahmut�kuyumcu@lmbv�de T� Pietsch E-Mail: thorsten�pietsch@lmbv�de 2 C� Drebenstedt, M� Kuyumcu (Hrsg�), Braunkohlesanierung, DOI 10�1007/978-3-642-16353-1_2, © Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2014
  • 8 C. Drebenstedt et al. gilt, unter Beachtung der Versorgungssicherheit und der Belange der Umwelt, global und lokal, alle verfügbaren Ressourcen nach dem Stand der Technik im Sinne eines nachhaltigen Wirtschaf- tens heranzuziehen und gleichzeitig für die Ent- wicklung und Etablierung innovativer Techniken sowie erneuerbarer Energien zu sorgen. Die Geschichte des Braunkohlenbergbaus im östlichen Teil Deutschlands ist ein markan- tes Beispiel dafür, welche Folgen eine einseitige und vor allem extensive Nutzung eines einzelnen fossilen Energieträgers mit seiner gleichzeitig in- effizienten Verwertung entfalten kann. Bei den hinterlassenen Gefahren für Menschen und Um- welt und den Dimensionen der Beeinträchtigun- gen gab es keine Alternative zu unverzüglichem und wirkungsvollem Handeln. Die Politik gestal- tete für dieses Handeln zeitnah, unmittelbar nach der Wiedervereinigung Deutschlands, die erfor- derlichen Rahmenbedingungen. In nunmehr zwei Jahrzehnten wurde unter dem Begriff „Braunkohlesanierung“ ein einzig- artiges Umweltprojekt zur Heilung der schwer- wiegenden Folgen des großflächigen Braunkoh- lenabbaus durchgeführt. Die inzwischen erreich- ten sichtbaren Erfolge bei der Verwandlung von Abbau- und Industrieflächen in neue, attraktive und wirtschaftlich chancenreiche Landschaften sind das Gemeinschaftswerk vieler Beteilig- ter, die das Aufwenden erheblicher finanzieller Mittel der öffentlichen Hand von Beginn an als lohnende Investition in die Zukunft betrachtet haben. Bei der Umsetzung dieses einzigartigen Pro- jektes auf der größten Landschaftsbaustelle Europas wurden eine Reihe von neuen Erfah- rungen und Erkenntnisse gewonnen, aus techni- scher, wissenschaftlicher, ökologischer und so- zio-ökonomischer aber auch aus administrativer Sicht. Mit diesem Buch sollen diese Erfahrungen der Allgemeinheit zugänglich gemacht werden. 2.1.1 Braunkohlenbergbau in der DDR bis 1989 Die Suche nach jeweils effizienteren Lösungen für die Energieversorgung ist so alt wie die Ge- schichte der Menschheit. Bereits im ausgehenden Mittelalter kam es in einigen Regionen Deutsch- lands zu einer Verknappung von Holz als dem damals dominierenden Energieträger. Ein alter- nativer Energieträger für die Wärmeerzeugung schien in der Lausitz und in Mitteldeutschland nach schriftlichen Überlieferungen mit der nahe der Erdoberfläche lagernden „Kohlerde“ bzw. „Dorff“ bei Halle (Bilkenroth und Snyder 1998) und der „brennenden Erde“ bei Olbersdorf ge- funden. Die einsetzende Industrialisierung und die Verbreitung von Dampfmaschinen erhöhten den Kohlenbedarf schnell. Die individuellen, kleinen Fundgruben am Ausbiss der Braunkoh- lenflöze an der Tagesoberfläche entwickeln sich ab der Mitte des 19. Jahrhunderts zu Tiefbaugru- ben. Zeitgleich werden mit Trocknung, Pressen und Paraffinölgewinnung die ersten Veredlungs- schritte unternommen. Nach 1900 wird durch die Elektroenergie der Braunkohlenabbau im Tage- bau trotz hoher Abraumbewegung und Wasser- hebung wirtschaftlich. Der Braunkohlenbergbau kann nun mit moderner Entwässerungstechnik und Tagebaugroßgeräten in Beckenlagerstätten und Urstromtäler vordringen (s. Abschn. 2.2). Immer größere Flächen werden vom Bergbau in Anspruch genommen und nach dem damaligen Wissensstand rekultiviert (Drebenstedt 2001). Die Weiterentwicklung der Braunkohlen- veredlungsverfahren steigert die Verwendungs- möglichkeiten und damit auch die Nachfrage der Kohle. Röhrentrockner revolutionieren die Braunkohlenbrikettierung. Aus Braunkohle wer- den Elektroenergie, Gas, Briketts, Koks, Teer, Kraftstoffe, Mineralöl, Phenol und Schwefel her- stellt. Die Karbochemie ist im 2. Weltkrieg ein wichtiger Bestandteil der deutschen Kriegswirt- schaft und demzufolge auch Ziel von Luftangrif- fen der Alliierten. Die durch Kriegseinwirkungen verursachten Schäden führten oft zu zusätzlichen Kontaminationen des Bodens. Nach Kriegsende wurde im Osten Deutschlands ein großer Teil der Tagebaugroßgeräte demontiert und als Repara- tionsleistung in die damalige Sowjetunion ge- bracht. Der Braunkohlenbergbau war vielerorts zum Erliegen gekommen. Viele Tagebaue waren abgesoffen. Die Wiederaufnahme der Förderung war trotz aller Schwierigkeiten jedoch wesent- liche Voraussetzung für einen wirtschaftlichen Wiederaufbau. Deshalb wurde der verbliebene
  • 92 Gesellschaftliche, natürliche und technische Rahmenbedingungen der Braunkohlesanierung Tagebaugerätebestand nach damaligen Möglich- keiten ertüchtigt und der Neubau von Tagebau- großgeräten wieder aufgenommen. Der kalte Krieg hatte für die DDR zur Folge, dass der Erwerb von Rohstoffen auf den inter- nationalen Märkten entweder blockiert oder nur für kaum verfügbare, frei konvertierbare Wäh- rungen möglich war. Die Konsequenz war eine Konzentration auf den Abbau und die Veredlung der reichlich vorhandenen eigenen Braunkohlen- vorkommen. Die Braunkohlenförderung entwi- ckelte sich bereits bis Mitte der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts wieder auf Vorkriegsniveau in Höhe von ca.160 Mio. t/a. Mitte der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts erreichte die Förderung 250 Mio. t/a und stagnierte dann für kurze Zeit, da Erdölimporte aus der Sowjetunion die Braun- kohle langfristig ablösen sollten. Hierzu wurden auch Stilllegungen von Tagebauen und wirt- schaftliche Umstrukturierungsmaßnahmen vor- bereitet. Diese Entwicklung endete jedoch mit der ersten Ölkrise 1973. Infolgedessen hatte die DDR den Bezug von Erdöl und Erdgas aus dem Ostblock nach Weltmarktpreisen zu finanzieren. Danach steigerte die DDR ihre Braunkohlenpro- duktion wieder kontinuierlich bis 1989 auf über 300 Mio. t/a und wurde damit das Land mit der weltweit höchsten Förderung (Abb. 2.1). Für das Land hatte dies schwerwiegende Fol- gen. Unter zunehmend ungünstigeren Abbau- und Verarbeitungsbedingungen (zunehmende Teufe, abnehmende Flözmächtigkeiten, geologische Störungszonen in Abraum und Kohle, schlechte- re Kohlenqualität bezüglich Asche-, Schwefel-, Wasser- und Salzgehalt, veraltete Kraftwerke und Veredlungsanlagen, zunehmende Transport- entfernungen) sollte die Braunkohlenindustrie den wachsenden Energiebedarf der ebenfalls mit Effizienzproblemen behafteten Volkswirtschaft decken. Die Inanspruchnahme von Flächen für die Braunkohlengewinnung steigerte sich auf über 3.000 ha/a und teilweise bis 4.000 ha/a. Ab Mitte der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts wurden die vorhandenen Ressourcen immer stärker im un- mittelbaren Produktionsprozess konzentriert und die Vor- und Nachsorge zunehmend vernachläs- sigt. Infolgedessen wurde u. a. das Defizit der Wiedernutzbarmachung gegenüber der Landin- anspruchnahme immer größer (Abb. 2.2; Stoll et al. 2009; Drebenstedt 1999; Beschow 2012). Weite Teile der Braunkohlenreviere verwandel- ten sich mehr und mehr zu „Mondlandschaften“. Abbildung 2.2 verdeutlicht am Beispiel des Lausitzer Braunkohlenreviers die Dynamik der Landinanspruchnahme und Wiedernutzbarma- chung im Zeitraum von 1945 bis 2010: • Die ersten 20 Jahre standen im Zeichen des Aufbaus des kriegszerstörten Landes. Mit der Kohlenförderung stieg die Landinanspruch- nahme bis auf 1.500 ha/a. Die Wiedernutzbar- machung blieb mit wenigen 100 ha/a deutlich zurück. • Danach folgte eine stabile Phase der Land- inanspruchnahme von 15 Jahren. Die Wie- dernutzbarmachung erfolgte in etwa glei- Abb. 2.1 Braunkohlen- förderung in den ostdeut- schen Revieren von 1880 bis 2010. (DEBRIV 2004; Statistik der Kohlenwirt- schaft e. V. 2011)
  • 10 C. Drebenstedt et al. cher Höhe und legte im Durchschnitt auf ca. 1.500 ha/a zu. Kippen sollten vor allem für die Landwirtschaft nutzbar gemacht werden und die ersten Seen großer, stillgelegter Tagebaue nahmen Gestalt an. • Dann, in den 80er Jahren des 20. Jahrhun- derts, die große Schere. Die Landinanspruch- nahme stieg bis auf ca. 2.000 ha/a an, während die Wiedernutzbarmachung auf ca. 1.000 ha/a zurückfiel. • In den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts redu- ziert sich die Landinanspruchnahme infolge des drastischen Rückgangs in der Kohlenför- derung auf 30 %, auf ca. 500 ha/a. Die Wie- dernutzbarmachung blieb auf dem Niveau von ca. 1.000 ha/a. Die Trendwende nach 50 Jahren. • Seit dem Jahr 2000 hat sich die Situation sta- bilisiert. Die Landinanspruchnahme durch den aktiven Bergbau beträgt ca. 700 ha/a, während vor allem die Braunkohlesanierung die wiedernutzbargemachten Flächen wieder in den Bereich von ca. 1.500 ha/a rückt. Der Handlungsspielraum der Bergbaubetriebe wurde in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts in der DDR immer stärker von zentralen Staats- organen bestimmt. So bekam die Wiedernutz- barmachung von Bergbauflächen aufgrund der angespannten ökonomischen Situation eine zu- nehmend nachgeordnete Bedeutung. Bei der extensiven Braunkohlenförderung und gleich- zeitig abnehmender Flözmächtigkeit wurde der Planungsvorlauf für zukünftige Braunkohlen- tagebaue immer kürzer und konnte bestenfalls als gerade noch ausreichend bezeichnet werden, woraus neue Schwierigkeiten entstanden. Für die vom Bergbau devastierten Infrastruktureinrich- tungen (Straßen, Leitungstrassen, Wasserläufe) mussten oft langfristig unbefriedigende Ersatz- lösungen geschaffen werden. Die steigende berg- bauliche Wasserhebung und -ableitung machte die Erhöhung der Durchlassfähigkeit vieler Vor- fluter erforderlich. Gleichzeitig wurden zahlrei- che kleinere Vorfluter infolge der großräumigen Grundwasserabsenkung auf einer Fläche von ins- gesamt über 300.000 ha trocken gelegt. Vielerorts wurden Flächen mit zuvor flurnahen Grundwas- serständen bebaut, ohne dabei Vorkehrungen auf den späteren Wiederanstieg des Grundwassers zu treffen oder hinreichend Rechnung zu tragen. Des Weiteren führte die mit der Entwicklung der Braunkohlenindustrie verbundene Erhö- hung der Beschäftigtenzahl zu einer steigenden Zuwanderung. Durch die Umsiedlung immer größerer Ortschaften wurde die Bevölkerungs- verdichtung in Städten wie Leipzig, Halle, Bit- terfeld, Cottbus, Hoyerswerda, Senftenberg und Spremberg zusätzlich verstärkt, was wiederum Versorgungsprobleme mit sich brachte (Abb. 2.3; Tab. 2.13 und 2.14). Die Auswirkungen des Braunkohlenbergbaus auf Land-, Forst- und Wasserwirtschaft konnten regional kaum noch kompensiert werden. Darüber hinaus hatten der extensive Abbau und die Nutzung der Braunkohle schwerwiegen- de Auswirkungen auf die Umwelt. Die Emissionen von Schwefeldioxid, Stick- oxiden und Staub sowie Schadstoffe aus Abfäl- Abb. 2.2 Flächenent- zug und Wiedernutz- barmachung im Lausitzer Braunkohlenrevier. (Beschow 2012)
  • 112 Gesellschaftliche, natürliche und technische Rahmenbedingungen der Braunkohlesanierung len und Leckagen der Braunkohlenverarbeitung beeinträchtigten die Schutzgüter Luft, Boden und Wasser nachhaltig (Abb. 2.4). Dies ist neben dem extensiven Einsatz von Braunkohle auch auf die ab Mitte der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts zunehmend fehlende Modernisierung der techni- schen Anlagen wie Kraftwerke und Veredelungs- betriebe zurückzuführen. So lag der Wirkungs- grad der Kraftwerke im Bereich von nur 25 bis 32 %. Abbildung 2.4 zeigt die aus der Nutzung aller fossilen Energieträger resultierenden diesbezüg- lichen Emissionen. Für die alten Bundesländer wurde bereits ab 1980 trotz steigender Strom- erzeugung durch die Umsetzung des Bundes-Im- missionsschutzgesetzes, der Großfeuerungsanla- gen-Verordnung und der Technischer Anleitung – TA-Luft eine Reduzierung der Kraftwerksemis- sionen erreicht. Die sprunghafte Erhöhung im Jahr 1990 ist auf die Hinzuziehung der Emissio- nen aus der Braunkohlenverstromung der neuen Bundesländer zurückzuführen und veranschau- licht eindrucksvoll die Dimensionen der lang- jährigen Umweltbelastung durch Luftschadstoffe (Schönherr und Drebenstedt 1993). 2.1.2 Veränderung der Stellung der Braunkohlenindustrie im Osten Deutschlands nach 1989 Für die deutsche Braunkohlenindustrie bedeutet die Entwicklung zwischen den Jahren 1990 und 2000 wohl das bisher dynamischste Jahrzehnt ihrer Entwicklung (Drebenstedt et al. 2001). Es war durch einschneidende Produktions- und Abb. 2.3 Landschaft im Raum Senftenberg a vor Beginn des Braunkohlenbergbaus im Jahr 1850. b während des Braunkohlenbergbaus im Jahr 1963. (Hermann Haack Geographisch-Kartographische Anstalt 1980) Abb. 2.4 Emission von Schwefeldioxid (SO2) und Stickoxiden (NOx) 1980–2009 aus Kraft- und Fernheizwerken in der Bundesrepublik Deutsch- land. (1980–1990 alte Bundesländer, 1990–2010 Gesamtdeutschland) (Borsch 2001; UBA 2011)
  • 12 C. Drebenstedt et al. Strukturanpassungen sowie einen enormen Ratio- nalisierungsschub gekennzeichnet. Mit der Her- stellung der Einheit Deutschlands am 03.10.1990 durch den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland änderten sich die wirtschaftlichen, rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen für die Entwicklung der Braunkohlenindustrie im Gebiet der DDR grundlegend. Die Wirtschaft der DDR war hauptsächlich auf den Binnenmarkt und den Export nach Ost- europa ausgerichtet. Mit dem Staatsvertrag über die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion beider deutscher Staaten übernahm die DDR ab dem 1.7.1990 die gesetzlichen Regeln des Wirt- schafts- und Sozialrechts der Bundesrepublik Deutschland. Alle damals ca. 15.000 Volkseige- nen Betriebe (VEB) mit etwa 4 Mio. Beschäftig- ten gehörten von diesem Zeitpunkt an der Treu- handanstalt. Ihre Aufgabe war es, die VEB der DDR nach den Grundsätzen der Marktwirtschaft zu privatisieren oder stillzulegen sowie die Effi- zienz und Wettbewerbsfähigkeit der Unterneh- men zu sichern (§ 8 Treuhandgesetz). Im Zuge der Einführung der Deutschen Mark und der Öffnung Ostdeutschlands für den Welt- markt ging die Binnennachfrage nach DDR-Pro- dukten drastisch zurück. Gleiches gilt für die Ex- porte in die Länder des ehemaligen Ostblocks, in denen ein gleichartiger politischer und wirtschaft- licher Umbruch begann. Zudem lag die Produk- tivität der ehemaligen VEB aufgrund der ver- alteten Technik bei etwa einem Drittel vergleich- barer westlicher Konkurrenten. Der Einbruch in der Industrieproduktion hatte u. a. einen starken Rückgang des Energiebedarfs der Wirtschaft zur Folge. Die beim Neuaufbau der Wirtschaft zum Einsatz kommenden modernsten, energieeffizi- enten Technologien trugen ebenfalls zur Senkung des Energiebedarfs bei. Zudem wurde Braun- kohle teilweise durch andere Energieträger wie Erdöl und Erdgas ersetzt. Diese Veränderungen der wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Rahmenbedingungen schlugen direkt bis in die Braunkohlenindustrie durch, die damit vor tief greifenden Veränderungen stand. Der Primärenergieverbrauch reduzierte sich in den neuen Ländern allein in den fünf Jahren von 1989 bis 1994 um 46 % und stieg in den darauf folgenden 15 Jahren nur geringfügig auf knapp 60 % des Niveaus von 1989 an (Tab. 2.1). Der Anteil der Braunkohle an der Primärenergiebe- darfsdeckung verringerte sich bis 1998 mit knapp unter 30 % auf ca. 42 % des Niveaus von 1989 und liegt auch 10 Jahre später bei knapp über 30 %. Grund war die Anpassung der Braunkoh- lenförderung an den Bedarf; sie fiel im gleichen Zeitraum auf unter ein Viertel des Niveaus von 1989 und legte in den darauffolgenden 10 Jahren wieder leicht auf über ein Viertel zu. Verbunden mit der Reduzierung der Braunkohlenförderung war ein Strukturwandel der Braunkohlennut- zung, die nun zu über 90 % zur Stromerzeugung in Großkraftwerken in der Nähe der Tagebaue eingesetzt wurde und wird (Tab. 2.2). Neue Bedingungen ergaben sich insbeson- dere durch den freien Wettbewerb der Primär- energieträger auf dem dezentralen Strom- und Wärmemarkt, an dem nach 1990 verstärkt Erdöl und -gas teilnehmen. Besonders betroffen waren Tab. 2.1 Primärenergieverbrauch der neuen Bundeslän- der 1989 bis 2008 Jahr Insgesamt davon Braunkohle Anteil der Braunkohle am Gesamt- verbrauch Mio. t SKE Mio. t SKE % 1989a 127,80 87,70 68,60 1990b 106,03 73,41 69,24 1991 81,24 52,90 65,12 1992 71,27 40,54 56,88 1993 70,83 35,49 50,10 1994 68,84 30,74 44,65 1995 69,34 26,55 38,29 1996 69,83 23,90 34,22 1997 67,60 22,16 32,78 1998 68,47 19,44 28,39 1999 67,38 19,26 28,58 2000 69,04 21,83 31,62 2001 71,68 23,59 32,92 2002 72,48 24,13 33,29 2003 72,41 24,16 33,37 2004 72,07 24,01 33,31 2005 75,28 23,93 31,79 2006 76,86 23,81 30,98 2007 74,76 23,98 32,08 2008 75,52 23,51 31,13 a Neue Bundesländer inklusive Ostberlin nach DIW 1997 b Neue Bundesländer ohne Berlin nach Länderarbeitskreis Energiebilanzen 2012
  • 132 Gesellschaftliche, natürliche und technische Rahmenbedingungen der Braunkohlesanierung Ta b. 2 .2 H er st el lu ng v on B ra un ko hl en ko ks , - br ik et ts , S ta ub -, Tr oc ke n- u nd W irb el sc hi ch tk oh le [1 00 0 t] un d B el eg sc ha ft in B ra un ko hl en re vi er en in D eu ts ch la nd . ( St at is tik d er K oh le n- w irt sc ha ft e. V . 2 01 1) Ja hr B ra un ko hl en ko ks B ra un ko hl en br ik et ts St au bk oh le Tr oc ke nk oh le W irb el sc hi ch t- ko hl e B el eg sc ha fte n Rhein- land Lausitz Mittel- deutschl. Summe Rhein- land Lausitz Mittel- deutschl. Summe Rhein- land Lausitz Mittel- deutschl. Summe Rhein- land Lausitz Mittel- deutschl. Insge- samt Rhein- land Lausitz Summe Rhein- land Lausitz Mittel- deutschl. Summe 19 89 13 5 2. 47 2 2. 48 7 5. 09 4 2. 15 8 24 .6 40 22 .5 96 49 .3 94 2. 50 9 1. 11 1 72 4 4. 34 4 17 2 – 53 3 70 5 67 – 67 15 .5 65 79 .0 16 59 .8 15 15 4. 39 6 19 90 17 4 1. 98 8 1. 19 4 3. 35 6 2. 39 7 22 .1 64 15 .4 84 40 .0 45 2. 48 2 71 6 59 4 3. 79 1 15 8 31 50 6 69 5 26 5 – 26 5 15 .3 16 65 .4 78 46 .7 96 12 7. 59 0 19 91 19 7 66 5 – 86 2 2. 85 1 12 .2 33 5. 96 5 21 .0 49 2. 48 1 25 6 22 3 2. 96 0 17 3 – 1. 16 1 1. 33 5 34 6 – 34 6 15 .4 19 52 .1 89 27 .5 88 95 .1 96 19 92 20 6 73 – 27 9 2. 32 5 6. 50 3 3. 24 4 12 .0 71 2. 39 8 30 2 22 0 2. 92 1 17 0 14 1. 05 3 1. 23 7 40 6 – 40 6 14 .9 66 39 .2 58 17 .4 39 71 .6 63 19 93 18 6 – – 18 6 2. 21 7 5. 26 2 2. 45 4 9. 93 3 2. 17 9 37 8 15 9 2. 71 6 12 7 0 62 9 75 7 46 8 – 46 8 14 .4 54 27 .2 49 10 .4 77 52 .1 80 19 94 17 2 – – 17 2 1. 82 3 3. 87 7 1. 14 9 6. 84 9 2. 13 7 37 7 22 5 2. 73 9 14 0 13 76 3 91 6 45 5 – 45 5 13 .8 46 22 .3 28 8. 14 7 44 .3 21 19 95 19 2 – – 19 2 1. 61 8 2. 78 2 61 1 5. 01 1 2. 11 0 36 4 22 6 2. 70 0 78 7 48 5 57 0 47 1 – 47 1 13 .0 72 19 .2 48 6. 67 5 38 .9 95 19 96 17 8 – – 17 8 1. 71 7 2. 69 3 48 6 4. 89 6 2. 05 1 32 8 27 6 2. 65 5 12 3 3 20 4 33 0 42 3 – 42 3 12 .6 20 13 .8 83 5. 01 3 31 .5 16 19 97 18 5 – – 18 5 1. 49 8 1. 72 8 31 3 3. 53 9 2. 09 1 34 8 29 5 2. 73 4 10 3 4 – 10 7 38 8 – 38 8 11 .9 06 11 .9 79 4. 44 9 28 .3 34 19 98 18 5 – – 18 5 1. 21 5 96 7 16 3 2. 34 5 1. 98 4 44 4 24 0 2. 66 7 – 2 – 2 39 4 7 40 1 11 .6 90 9. 51 7 4. 02 0 25 .2 27 19 99 17 4 – – 17 4 1. 14 6 81 4 11 1 2. 07 2 1. 83 9 48 9 19 8 2. 52 5 – – – – 36 1 10 4 46 5 11 .4 39 7. 71 8 3. 52 3 22 .6 80 20 00 17 9 – – 17 9 1. 06 8 66 3 89 1. 81 9 2. 02 5 48 1 17 3 2. 67 9 – – – – 37 2 18 9 56 1 10 .4 30 7. 08 1 2. 99 6 20 .5 07 20 01 17 7 – – 17 7 1. 01 6 65 4 70 1. 74 0 2. 01 0 49 3 14 9 2. 65 2 – – – – 38 6 18 4 57 0 9. 61 9 6. 75 5 2. 85 9 19 .2 33 20 02 a 18 4 – – 18 4 89 5 59 7 60 1. 55 3 2. 02 7 43 2 19 8 2. 65 7 – – – – 32 9 21 9 54 8 9. 12 1 6. 53 2 2. 74 5 18 .3 98 20 03 b 16 5 – – 16 5 80 7 58 5 73 1. 46 6 1. 98 3 45 6 21 4 2. 65 3 – – – – 32 7 23 2 55 9 11 .8 76 9. 63 2 3. 00 2 24 .5 10 20 04 18 7 – – 18 7 89 0 54 5 – 1. 43 5 2. 24 5 53 0 22 8 3. 00 2 – – – – 39 6 23 5 63 2 11 .1 58 9. 30 0 2. 84 7 23 .3 05 20 05 17 3 – – 17 3 96 4 52 6 – 1. 49 0 2. 23 8 49 3 19 2 2. 92 4 – – – – 40 8 25 2 66 0 11 .1 05 8. 88 1 2. 64 2 22 .6 28 20 06 18 1 – – 18 1 1. 05 6 60 6 – 1. 66 2 2. 33 1 59 7 22 8 3. 15 7 – – – – 41 3 20 6 61 9 11 .1 61 8. 45 6 2. 61 0 22 .2 27 20 07 17 3 – – 17 3 97 7 35 1 – 1. 32 8 2. 31 2 69 0 27 2 3. 27 4 – – – – 38 6 22 1 60 7 11 .4 04 8. 33 4 2. 55 3 22 .2 91 20 08 c 17 7 – – 17 7 1. 16 3 46 8 – 1. 63 1 2. 44 2 82 9 25 9 3. 53 0 – – – – 36 4 22 5 59 0 11 .5 42 7. 86 2 2. 52 5 21 .9 29 20 09 15 3 – – 15 3 1. 18 7 77 2 – 1. 95 9 2. 30 7 70 5 18 3 3. 19 4 – – – – 31 5 12 5 44 0 11 .5 62 7. 98 2 2. 51 3 22 .0 57 20 10 17 6 – – 17 6 1. 16 6 85 8 – 2. 02 4 2. 61 0 81 7 20 5 3. 63 2 – – – – 29 4 12 1 41 5 11 .6 06 8. 04 9 2. 50 8 22 .1 63 20 11 17 1 – – 17 6 1. 20 2 89 3 40 2. 13 6 2. 98 5 89 7 21 0 4. 09 3 – – – – 36 0 15 8 51 8 11 .5 91 8. 12 6 2. 53 1 22 .2 48 a B el eg sc ha fte n bi s 2 00 2: B es ch äf tig te d es B ra un ko hl en be rg ba us (o hn e ei ge ne B ra un ko hl en kr af tw er ke d er a llg em ei ne n Ve rs or gu ng ) b B el eg sc ha fte n ab 2 00 3: e in sc hl . B es ch äf tig te in e ig en en B ra un ko hl en kr af tw er ke n de r a llg em ei ne n Ve rs or gu ng c A uf gr un d de r N eu st ru kt ur ie ru ng im R ev ie r L au si tz is t d ie B el eg sc ha ft m it de m V or ja hr n ic ht v er gl ei ch ba r
  • 14 C. Drebenstedt et al. davon die Brikett-, Koks- und Gaserzeugung auf Braunkohlenbasis, wobei die Produktion von Koks und Gas bereits 1992 eingestellt wurde. Letzte Trockenkohle wird 1996/1997 erzeugt und die Briketterzeugung verringert sich von fast 50 Mio. t im Jahr 1989 auf weniger als 1 Mio. t im Jahr 2000. Zum Ende des darauffolgenden Jahrzehnts steigt das Interesse an Brikett wieder, nicht zuletzt wegen hoher Brennstoffpreise für Alternativen und Lieferengpässen. Einzig Braun- kohlenstaub konnte sich nach 20 Jahren mit ca. 60 % der Erzeugung von 1989 behaupten, nach- dem zwischenzeitlich auch hier die Produktion auf gut ein Drittel schrumpfte. Als neues Produkt kam 1998/1999 Lausitzer Wirbelschichtkohle auf den Markt (Tab. 2.2). Für einige jahrzehntelang mit hohen Kos- ten aus Braunkohle gewonnenen Produkte wie Schwefel, Benzin und weitere Rohstoffe der Kar- bochemie war der Markt größtenteils entfallen. Die Stilllegung dieser Produktionsanlagen war zwangsläufig die Folge. Schließlich erfüllten die technisch veralteten Braunkohlenkraftwerke und Veredlungsanlagen nicht die Forderungen der bundesdeutschen Umweltstandards. Investitio- nen für die Ertüchtigung der oft baufälligen Ge- bäude und Betriebseinrichtungen sowie die Mo- dernisierung der technisch verschlissenen Anla- gen und Technologien erschienen wirtschaftlich nicht vertretbar. So führte die Schließung nicht mehr benötigter Anlagen zu einer deutlichen Ver- ringerung der Umweltbelastungen. Weiter be- nötigte Kapazitäten mussten durch umwelttech- nische Aufrüstung erhalten oder durch Neubau geschaffen werden. Infolge des Produktionsrückgangs in den Lau- sitzer und Mitteldeutschen Braunkohlenrevieren verringerte sich auch die Belegschaft, die 1989 immerhin ca. 150.000 Personen ausmachte, nach zehn Jahren auf noch gut 10.000, d. h. ca. 13 %. Dabei ist zu beachten, dass die Strukturen in den VEB zahlreiche Funktionen umfassten, die heute nicht mehr den Unternehmen zugeordnet sind und durch private oder kommunale Dienstleister erbracht werden. Tabelle 2.3 enthält eine detaillierte Arbeits- kräfteverteilung in der ostdeutschen Braunkoh- lenindustrie 1989. Der Tagebaubetrieb konnte vielerorts den neuen ökologischen und sozialverträglichen An- sprüchen nicht genügen. Im Herbst 1989 richte- ten sich die Proteste der DDR-Bevölkerung in den Braunkohlenrevieren insbesondere gegen den großflächigen Raubbau an Kohle, Natur und Heimat. Neben den ökologischen Schäden und Risiken sowie den unzureichend beachteten so- zialen Folgen waren die Proteste vor allem in der mangelnden Transparenz der diesbezüglichen Tab. 2.3 Arbeitskräfteverteilung in der ostdeutschen Braunkohlenindustrie 1989 1989 Braunkohlen- kombinat Bitterfeld Braun- kohlen- veredlung Espenhain Braunkohlen- kombinat Senftenberg Gas- kombinat Schwarze Pumpe Braunkohlen- veredlung Lauchhammer Kombinat Anlagenbau Braunkohle Summe Gewinnung 20.133 22.234 42.367 Brikettierung 4.228 820 3.065 1.613 1.528 11.254 2. Veredlungsstufe 396 887 0 2.522 862 4.667 Kraftwerke 2.066 546 940 4.165 410 8.127 Instandhaltung 13.701 2.056 13.374 2.220 1.309 4.215 36.875 Sozialökonomie 3.566 318 3.339 884 445 428 8.980 Kombinatsleitung/ Stabsorgane 6.713 774 8.478 2.467 1.000 1.385 20.817 Sonstige 1.288 489 3.259 1.318 99 2.460 8.913 Personal ohne Lehrlinge 52.091 5.890 54.689 15.189 5.653 8.488 142.000 Lehrlinge 1.533 301 2.232 853 400 692 6.011 Personal einschl. Lehrlinge 53.624 6.191 56.921 16.042 6.053 9.180 148.011 Enthalten: Projektierung Braunkohlenbohrungen und Schachtbau Welzow: 594
  • 152 Gesellschaftliche, natürliche und technische Rahmenbedingungen der Braunkohlesanierung Entscheidungsprozesse begründet. Der darauf- hin vom Ministerrat der DDR noch 1989 gefasste Beschluss zur Erarbeitung einer neuen Energie- konzeption, die Aufhebung von Entscheidun- gen zu Bergbauschutzgebieten, die Bildung von Arbeitsgruppen der Bezirke und schließlich der Einsatz von Expertengruppen wurden durch die sich rasant vollziehende politisch-gesellschaft- liche Entwicklung überholt. Ungeachtet dessen war es notwendig, in sehr kurzer Zeit Entschei- dungen vorzubereiten und zu treffen, um • die negativen Folgen der bisherigen Braun- kohlengewinnung zu überwinden • den Demokratisierungsprozess in den Verwal- tungsentscheidungen weiter voran zu bringen • den neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen bei der Planung zu genügen. Im Land Brandenburg z. B. wurde deshalb be- reits 1990 vorgeschlagen, zur Organisation raum- planerischer Aufgaben zur Bergbauentwicklung nach dem Vorbild des Landes Nordrhein-West- falen einen Braunkohlenausschuss zu schaffen, der einen schnellen Übergang von den Planungs- ansätzen der DDR zu einer ökologisch und sozial verträglichen Braunkohlen- und Sanierungspla- nung vollziehen sollte. Braunkohlenplanung und bergrechtliche Betriebsplanung waren in beson- derer Weise gefordert, um einerseits Planungs- sicherheit für den Braunkohlenbergbau und die alternativlose Braunkohlesanierung zu schaffen und andererseits das Vertrauen der Menschen in eine zukunftsweisende, wirtschaftlich chancen- reiche und ökologisch nachhaltige Umstrukturie- rung der Landschaften in den Revieren herzustel- len (Drebenstedt et al. 1998). 2.1.3 Herausbildung der Braunkohle- sanierung Strukturelle Veränderungen in der Braun- kohlenindustrie nach 1989 Mit den politischen Umbrüchen der Jahre 1989 und 1990 begann auch in vielen osteuropäischen Ländern ein ana- loger tiefgreifender wirtschaftlicher Umstruk- turierungsprozess. Die neuen Bundesländer des wiedervereinigten Deutschlands hatten trotz aller Schwierigkeiten jedoch gegenüber den anderen Staaten Osteuropas wesentlich günstigere Vo- raussetzungen für den dringend erforderlichen marktwirtschaftlichen und ökologischen Umbau der monostrukturierten Energiewirtschaft. Hinter dem politischen Willen, die Herausforderungen zu meistern, stand die Finanz- und Wirtschafts- kraft des gesamten Landes. Im Wesentlichen ging es um die Bewältigung von drei Aufgaben: • die marktwirtschaftliche Umstrukturierung der Energiewirtschaft • die Reduzierung von Umweltbelastungen und die Beseitigung von Umweltaltlasten • die Abfederung der sozialen Auswirkungen des Umstrukturierungsprozesses. Die braunkohlenbasierte DDR-Energiewirtschaft bestand aus drei Kombinaten: • dem Braunkohlenkombinat Senftenberg • dem Braunkohlenkombinat Bitterfeld • dem Gaskombinat Schwarze Pumpe und den diesen Kombinaten zugehörigen 39 Ta- gebauen, 45 mittleren und kleinen Braunkohlen- kraftwerken und 49 Veredlungsanlagen. Die wenigen Großkraftwerke der Braunkoh- lenverstromung gehörten zum Kombinat Braun- kohlenkraftwerke und wurden im Zuge der Um- strukturierung gesondert privatisiert (VEAG) bzw. stillgelegt, so dass sie hier nicht näher be- trachtet werden. Am 1. Juli 1990 wurden die drei Kombinate gemäß den Bestimmungen des Kapi- talumwandlungsgesetzes in vier Kapitalgesell- schaften des Bundes umgewandelt (Abb. 2.5). Diese Gesellschaften hatten 1990 etwa 135.000 Beschäftigte. Es war klar, dass auch bei einer opti- mistischen Einschätzung der wirtschaftlichen Ent- wicklung nur wenige der darin enthaltenen Betrie- be eine langfristige wettbewerbsfähige Perspekti- ve haben würden. Daher stand zunächst die Auf- gabe, für die von sofortiger Betriebsteilstilllegung betroffenen Arbeitnehmer andere Beschäftigungs- möglichkeiten zu schaffen. In kurzer Zeit wurden im Zusammenwirken mit den Arbeitsämtern, vor- nehmlich für in jedem Fall notwendige Aufräum- sowie Abbruch- und Demontagearbeiten, Arbeits- beschaffungsmaßnahmen (ABM) organisiert und durchgeführt, die keine lange Vorbereitungsphase erforderten und eine hohe Beschäftigungswirkung hatten. Diese Sofortmaßnahmen in den Jahren 1991 und 1992 können als die erste Phase der
  • 16 C. Drebenstedt et al. Braunkohlesanierung in Ostdeutschland bezeich- net werden. Insgesamt wurden dafür 768 Mio. DM (386 Mio. €) aufgewendet. Des Weiteren haben die vorgenannten Kapi- talgesellschaften neben der rückläufigen aber bedarfsgerechten Weiterführung der Energie- versorgung mit Braunkohle in umfangreichen Variantenuntersuchungen zusammen mit der Treuhandanstalt (THA) den künftigen Bedarf an Braunkohle und ihren Veredlungsprodukten prognostiziert sowie ausgearbeitet, mit welchen privatisierungsfähigen Betrieben dieser Bedarf gedeckt werden könnte. Zu nennen sind z. B. die Studie der Beratungsgesellschaft McKinsey & Company, Inc. „Erarbeitung eines Konzeptes zur Restrukturierung der Braunkohle in den neuen Bundesländern“ (1991) und im Anschluss die Tä- tigkeit der Lausitzer und Mitteldeutschen Braun- kohlen-Beratungsgesellschaft mbH (LMBB) mit dem Ziel der inhaltlichen Konkretisierung der privatisierungswürdigen Betriebsstätten und Anlagen, weitestgehend nach dem Vorbild der Rheinbraun AG. Bereits 1990 wurden in Vorbe- reitung der Privatisierung der Grundlastkraftwer- ke (VEAG) die „Stromverträge“ unterzeichnet. Der nicht privatisierungsfähige Teil der Braunkohlenindustrie mit einer mittelfristig still- zulegenden Produktion wurde im Ergebnis dieser Untersuchungen als so genannter Auslaufbergbau eingestuft. Zusammen mit den bereits stillgeleg- ten Betrieben des Braunkohlenbergbaus wurde dieser Teil bereits der Braunkohlesanierung zu- geordnet. Des Weiteren wurden für die gesamte Braunkohlenindustrie Altlastenkataster aufge- stellt, in denen auf der Grundlage bestehender rechtlicher Verpflichtungen für Bergbauunterneh- men der Sanierungsbedarf erfasst und einer ers- ten Bewertung unterzogen wurde. Die Daten der Altlastenkataster fanden auch bei der Beurteilung der Privatisierungsaussichten Berücksichtigung. Mit dieser Vorbereitung und unter der Begleitung der Treuhandanstalt wurden zum 1.1.1993 die Energiewerke Schwarze Pumpe AG (ESPAG) und die Lausitzer Braunkohle AG (LAUBAG) verschmolzen und zum 1.1.1994 rückwirkend die wirtschaftlich überlebensfähigen Betriebe der LAUBAG unter gleichem Namen an ein Konsortium der westdeutschen Energieversorger privatisiert (PreussenElektra AG (30 %), Bayern- werk AG (15 %), Rheinbraun AG (39,5 %), RWE Energie AG (5,5 %), N-3-Unternehmen (10 %)). Zur LAUBAG wurden fünf von 17 Tagebauen, die 1989 in der Lausitz betrieben wurden sowie eine Brikettfabrik am Standort Schwarze Pumpe als so genannte A-Betriebe zugeordnet. Aus dem abgespaltenen, nicht privatisierungsfähigen Teil der LAUBAG und der Braunkohlenveredlung Lauchhammer (BVL) entstand die Lausitzer Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LBV) mit der Aufgabe, den Auslaufbergbau (B-Betrie- be) und den Sanierungsbergbau (C-Betriebe) zu organisieren. Abb. 2.5 Umstrukturie- rung der Braunkohlen- industrie 1989 bis 1990
  • 172 Gesellschaftliche, natürliche und technische Rahmenbedingungen der Braunkohlesanierung Ebenso zum 1.1.1994 entstand als erste Pri- vatisierung durch ein anglo-amerikanisches Konsortium (zu je 1/3: NRG Energy Inc., USA, Power Gen plc., UK, Morrison Knudsen Corp., USA) aus der MIBRAG die Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft mbH (MIBRAG). Am 9.12.1994 wurde aus der MIBRAG der Tagebau Amsdorf mit seiner bitumenreichen Kohle vor- nehmlich zur Herstellung von Montanwachs zur ROMONTA GmbH privatisiert. Zur privatisier- ten MIBRAG wurden zwei der vormals 18 Tage- baue (Profen, Vereinigtes Schleenhain, Zwenkau wurde bis 1999 gepachtet), zwei Brikettfabriken (Deuben, Phönix) und drei Industriekraftwerke sowie Beteiligungen an Kraftwerken zugeordnet. Aus der MIBRAG abgespalten wurde die Mit- teldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (MBV), die analog der LBV für das mittel- deutsche Braunkohlenrevier die Trägerschaft für den Auslauf- und Sanierungsbergbau wahrneh- men sollte. Die Abgrenzung der Verantwortungsbereiche der privatisierten von den weiterhin bei der THA bzw. beim Bund verbleibenden Unternehmen er- folgte in umfangreichen Spaltungsverträgen. In Schnittstellenverträgen wurde dabei die Durch- führung von Maßnahmen im jeweiligen Verant- wortungsbereich geregelt. Im Anschluss an die Umstrukturierung der Braunkohlesanierung in privatisierte (LAUBAG, MIBRAG und ROMONTA) und nicht privatisie- rungsfähige Teile (LBV, MBV) und Gesellschaf- ten wurde seitens der Treuhandanstalt festgelegt, wie der Auslauf- und Sanierungsbergbau organi- siert und umgesetzt werden soll. Da der Inhalt und Umfang der Verpflichtun- gen des Sanierungsbergbaus gemäß den ein- schlägigen gesetzlichen Bestimmungen z. B. Bundesberggesetz (BBergG) und Umweltgesetze des Bundes und der Länder zu diesem Zeitpunkt nicht hinreichend genau definiert und monetär determiniert werden konnten, wurde entschie- den, diese Aufgaben, die mit öffentlichen Mitteln zu finanzieren waren, über eine Bundesgesell- schaft umzusetzen. Gleichzeitig wurde festge- legt, dass diese Bundesgesellschaft als Rechts- nachfolger der Kombinate der DDR und damit als bergrechtlich verantwortliches Unternehmen, dabei im Wesentlichen das Projektmanagement übernimmt und die physische Umsetzung der Sa- nierungsmaßnahmen über wettbewerbliche Ver- gabe realisiert wird. Zu diesem Zweck erfolgte zum 1.1.1995 aus LBV und MBV heraus die Privatisierung von Sanierungsgesellschaften, die in der Folgezeit im Wettbewerb zunächst vor allem bergbautypische Sanierungsleistungen durchführten, sich in den Folgejahren aber auch erfolgreich auf dem freien Markt z. B. der Umweltschutz- und Landschafts- bauleistungen etabliert haben. Schließlich wurde mit wirtschaftlicher Wirkung zum 1.9.1995 die belegschaftsseitig verkleinerten LBV und MBV auf die Holding Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV) als Projektträger des Auslaufbergbaus und der Braunkohlesanierung verschmolzen (Abb. 2.6), um die anstehenden Aufgaben revierübergrei- fend, einheitlich organisatorisch und straff um- zusetzen. Die Umstrukturierung der Braunkohlenindus- trie in Ostdeutschland ist aufgrund des Umfanges dieser einzigartigen Aufgabe und der kurzfristi- gen Umsetzung beispielgebend für ähnliche an- stehende und zu erwartende Umstrukturierungs- prozesse weltweit. Notwendigkeit der Etablierung der Braun- kohlesanierung Nach der Umstrukturierung der Braunkohlen- und Energiewirtschaft im Osten Deutschlands wurde die schnelle und wirtschaft- liche Sanierung bzw. Auslaufgestaltung der nicht privatisierten 32 Tagebaue sowie 88 Brikettfabri- ken, Kraftwerke, Schwelereien und Kokereien zu einem wesentlichen Arbeitsfeld. Bei der Planung und Abarbeitung der Verpflichtungen, vor allem der berg-, wasser-, abfall- und umweltrechtlich notwendigen Verpflichtungen und Maßnahmen zur Beseitigung der Hinterlassenschaften des Braunkohlenbergbaus der DDR in der Zeit von 1949 bis 1990, mussten auch die sozio-öko- nomischen Wirkungen des unvermeidlichen Strukturwandels in den Revieren Lausitz und Mitteldeutschland in Betracht gezogen werden. Eine Übersichtskarte (Abb. 2.7) veranschaulicht
  • 18 C. Drebenstedt et al. Abb. 2.6 Umstrukturierung der Braunkohlenindustrie bis 1998 Abb. 2.7 Lage der Braun- kohlenreviere in Ost- deutschland
  • 192 Gesellschaftliche, natürliche und technische Rahmenbedingungen der Braunkohlesanierung die große räumliche Dimension der Braunkohle- sanierung. Zu den Aufgaben der Braunkohlesanierung gehören u. a.: • über 100.000 ha bergbaulich beanspruchtes Land wieder nutzbar zu machen • über 200 Tagebaurestlöcher neu zu gestalten • ca. 1.200 km Tagebaurestlochböschungen zu sichern • über 1.200 Altlastverdachtsflächen zu unter- suchen und zu sanieren • mehr als 110 industrielle Altstandorte zu sanieren • ca. 13 Mrd. m3 Grundwasserdefizit auszuglei- chen • auf ca. 300.000 ha Fläche Gefahren im Zusam- menhang mit dem Grundwasserwiederanstieg zu besorgen • mehr als 95.000 ha Grundeigentum nach der Sanierung zu verwerten. Dazu sind folgende Leistungen zu bewältigen: • Massenbewegung und -verdichtung im Umfang von jeweils mehr als 1 Mrd. m³ • Abbruch von Industrieanlagen und Demon- tage/Verschrottung von Geräten • Sanierung von Altlastverdachtsflächen • Rekultivierung von sauren Kippenböden für Forst- und Landwirtschaft • Sicherung von Flächen für den Naturschutz und eine naturnahe Entwicklung • Flutung von Tagebaurestlöchern und Gewähr- leistung einer akzeptablen Wasserqualität. Weitere Arbeiten betreffen z. B. das Verfüllen von unterirdischen Grubenbauen (s. Kap. 6), den Wegebau und die Errichtung von Flutungs- und Auslaufbauwerken sowie von Zu-, Über- und Ableitern für die Bergbaufolgeseen. Es wurde deutlich, dass für die nachhaltige Lösung dieser Aufgaben erhebliche finanziel- le Mittel bereitzustellen sind. Nachdem in den Jahren 1990 bis 1992 erste Sofortmaßnahmen als Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen der Bundes- anstalt für Arbeit durchgeführt wurden, schlos- sen der Bund und die vom Braunkohlenbergbau der ehemaligen DDR betroffenen Bundesländer Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen 1992 das Verwaltungsabkommen für die Finanzierung der Sanierung ökologischer Altlasten (VA, s. Kap. 3). Dieses Abkommen wurde seither für Zeiträume von jeweils fünf Jahren durch Ergänzungen konkretisiert. Diese Finanzierungsvereinbarung beinhaltet auch eine arbeitsmarktpolitische Komponente, die eine be- fristete Beschäftigung von Arbeitslosen fördert. Die LMBV wurde als bergrechtlich verantwort- liches Unternehmen Projektträger für die Durch- führung der Sanierungsmaßnahmen. Während die vor dem 1.7.1990 entstandenen Rechtsver- pflichtungen als Altlasten vom Bund zu 75 % und von den Ländern zu 25 % finanziert werden, wendet die LMBV für die nach dem 1.7.1990 entstandenen Verpflichtungen Eigenmittel auf. Darüber hinaus haben seit 1998 die ostdeut- schen Braunkohlenländer zusätzlich erhebliche finanzielle Mittel bereitgestellt, um • den Nutzungsstandard der neu entstehenden Bergbaufolgelandschaften zu erhöhen • Gefährdungen aus dem Altbergbau – ohne Rechtsnachfolge – vor 1949 zu beseitigen • damit zusätzlich Beschäftigung zu schaffen und den Umstrukturierungsprozess zu för- dern. Außerdem finanzieren Bund und Länder seit 2003 zu gleichen Teilen Maßnahmen zur Abwehr von Gefährdungen, die aus dem natürlichen Wie- deranstieg des Grundwassers auf sein vorberg- bauliches Niveau resultieren. Die 4. Ergänzung des Verwaltungsabkom- mens (VA V) wurde im Jahr 2012 unterzeich- net und sieht die Bereitstellung finanzieller Mittel für das Gemeinschaftswerk Braunkoh- lesanierung von 2013 bis zum Jahr 2017 vor (Abb. 2.8). Da die Finanzierung der Braunkohlesanierung mit öffentlichen Mitteln erfolgt, sind dabei die haushaltrechtlichen Bestimmungen des Bundes und der Länder zu beachten. Die Haushaltsmittel sind zweckentsprechend, wirtschaftlich und spar- sam einzusetzen. Weitere Kriterien für die Nach- weisführung des Mitteleinsatzes sind Lückenlo- sigkeit und Nachvollziehbarkeit. Bund und Braunkohlenländer haben zur in- ternen Genehmigung der Braunkohlesanierungs- projekte und -maßnahmen einen Steuerungs- und Budgetausschuss konstituiert, der aus Vertretern der zuständigen Bundes- und Landesministe-
  • 20 C. Drebenstedt et al. rien besteht. Die Durchführung der Antragsprü- fung, der Genehmigungsvorbereitung und des Controllings obliegt der Geschäftsstelle dieses Ausschusses. Die Kosten für die Braunkohle- sanierung betrugen bis 2012 ca. 9,5 Mrd. €. Der Sanierungsbergbau sichert mit einem jährlichen Budget von mehreren hundert Mio. € tausende Arbeitsplätze in den Revieren und trägt maßgeb- lich zur Strukturanpassung bei. Im Sanierungs- bergbau ist es beispielhaft gelungen, Mittel der Arbeitsförderung strukturpolitisch wirksam ein- zusetzen. Mit dem Sanierungsbergbau als größtes Um- weltprojekt Deutschlands wurde vielfach tech- nisch, ökologisch und administrativ Neuland be- schritten. Um für die anspruchsvolle Arbeit der Schaffung einer neuen Lebenswelt für künftige Generationen aktuelles wissenschaftliches und technologisches Wissen schnell und gezielt für die Sanierungspraxis verfügbar zu machen, hat das Bundesministerium für Bildung, Wissen- schaft, Forschung und Technologie 1995 einen Forschungsschwerpunkt „Sanierung und ökolo- gische Gestaltung der Landschaften des Braun- kohlenbergbaus in den neuen Bundesländern“ eröffnet (s. Kap. 3). Weitere Forschungsprojekte wurden durch die Bundesstiftung Umwelt und andere Einrichtungen unterstützt. Insgesamt wur- den ca. 50 Mio. € in 32 Forschungsprojekte in- vestiert. Die Ergebnisse tragen zur Entwicklung und Einführung effizienter Sanierungstechnolo- gien bei. Die Ergebnisse der Braunkohlesanierung sind in den Revieren Lausitz und Mitteldeutschland erkennbar. Die aus Kippenflächen und Industrie- brachen neu geschaffenen Landschaften werden bereits vielfältig wirtschaftlich genutzt. Insge- samt sind bis Ende 2010 bereits ca. 5.900 neue Arbeitsplätze auf sanierten Bergbauflächen ent- standen. Auslaufbergbau Unter den als nicht privatisie- rungsfähig bewerteten Teilen der ostdeutschen Braunkohlenindustrie, die der LMBV bzw. ihren Vorgängergesellschaften zur Stilllegung und Sanierung übertragen wurden, befanden sich auch Produktionsstätten, die teilweise noch bis 1999 weiter Rohkohle förderten, Brikett und Staub erzeugten sowie Strom produzierten – die so genannten B – Betriebe. Da die Produkte aus dem Auslaufbergbau auf den gleichen Markt geliefert wurden, den sich bereits der privatisierte Braunkohlenbergbau ge- sichert hatte, wurden Mengen und Preise in (Al- lein)Vertriebsverträgen mit der MIBRAG und LAUBAG vereinbart. Die Tabellen 2.4, 2.5, 2.6, 2.7 und 2.8 geben die im Rahmen des Auslauf- bergbaus durch die LMBV realisierten Leistun- gen und Produkte wieder. Diese umfassen u. a. 76,6 Mio. t Kohlenförderung, 2,2 Mio. t Brikett und 8,3 GWh Strom. Neben den dadurch erziel- ten Erträgen kam der LMBV durch den Auslauf- bergbau zu Gute, dass in den betroffenen Be- trieben wertvolle Zeit gewonnen wurde, um den Abb. 2.8 Finanzierung der Braunkohlesanierung
  • 212 Gesellschaftliche, natürliche und technische Rahmenbedingungen der Braunkohlesanierung Tab. 2.4 Rohkohlenförderung im Rahmen des Auslaufbergbaus Rohkohlenförde- rung (kt) 1994 1995 1996 1997 1998 1999 Summe Auslaufbergbau Espenhain 3.795 364 486 4.645 Zwenkau bis 30.09.1999 an MIBRAG verpachtet Delitzsch-SW 38 15 53 7 113 Gröbern 430 62 15 24 531 Mücheln 8 10 5 23 Schadeleben 65 65 Summe Mitteldeutsche 4.336 451 559 31 5.377 Greifenhain 1 936 1.936 Seese-Ost 3.946 3.296 919 8.161 Meuro 5.313 4.785 5.109 4.807 5.924 5.693 31.631 Scheibe 3.989 4.093 3.052 11.134 Berzdorf 4.495 4.696 4.719 4.457 18.367 Summe Lausitz 19.679 16.870 13.799 9.264 5.924 5.693 71.229 Summe LMBV 24.015 17.321 14.358 9.295 5.924 5.693 76.606 Tab. 2.5 Abraumgewinnung im Rahmen des Auslaufbergbaus Abraumgewinnung (Tm3) - ohne Abraum zur Vorbereitung der Sanierung - 1994 1995 1996 1997 1998 1999 Summe Auslaufbergbau Espenhain 8.752 70 8 822 Zwenkau bis 30.09.1999 an MIBRAG verpachtet Delitzsch-SW 0 Gröbern 0 Mücheln 0 Schadeleben 0 Summe MitteIdeutschld. 8.752 70 8.822 Greifenhain 112 112 Seese-Ost 16.347 10.733 181 27.261 Meuro 26.160 22.755 21.285 13.683 83.883 Scheibe 13.459 11.895 4.360 29.714 Berzdorf 9.244 5.402 5.620 2.255 22.521 Summe Lausitz 65.322 50.785 31.446 15.938 163.491 Summe LMBV 74.074 50.855 31.446 15.938 0 0 172.313 Tab. 2.6 Briketterzeugung im Rahmen des Auslaufbergbaus Briketterzeugung (kt) 1994 1995 1996 1997 1998 1999 Summe Auslaufbergbau Großzössen 222 222 Summe Mitteldeutschld. 222 222 Fortschritt 335 39 374 Meurostolln 429 65 494 Sonne II 591 270 164 126 1.151 Summe Lausitz 1.354 374 164 126 2.018 Summe LMBV 1.576 374 164 126 0 0 2.240
  • 22 C. Drebenstedt et al. Stilllegungsprozess mehr oder weniger geordnet (sanierungsoptimiert) durchführen zu können, während dies bei den sofort stillgelegten (C- Be- trieben) nicht möglich war. Auf der anderen Seite profitierte auch der pri- vatisierte Bergbau vom Auslaufbergbau, da auch hier Neu- und Reorganisationsmaßnahmen des Betriebsablaufes notwendig waren, die durch die befristete Weiterproduktion in den B-Betrieben überbrückt werden konnten. Die Tabellen 2.9, 2.10, 2.11 und 2.12 geben eine Übersicht über alle 1989 noch in Betrieb befindlichen Tagebaue, Brikettfabriken, Kraft- werke und Veredlungsanlagen mit Angabe des Datums der Stilllegung bzw. der Privatisierung durch Romonta, MIBRAG und LAUBAG. 2.1.4 Ziele, Umfang und Ausblick der Braunkohlesanierung Technische Ziele Die Braunkohlesanierung im Osten Deutschlands zielt primär auf die Er- füllung der rechtlichen Verpflichtungen, die für Bergbauunternehmen in Deutschland allgemein Gültigkeit besitzen. Die technischen Ziele erge- ben sich im Wesentlichen aus den Bestimmungen des Bundesberggesetzes. Dies gilt insbesonde- re für die Betriebsplanpflicht. So waren für die Restlaufzeit der Tagebaue, Kraftwerke und Ver- edlungsbetriebe des Auslaufbergbaus der LMBV gemäß Bundesberggesetz Rahmen-, Haupt- und Sonderbetriebspläne aufzustellen. Im Idealfall konnte der Auslaufbetrieb dieser Tagebaue hin- sichtlich der Gewinnungs- und Verkippungs- technologie die vorgesehene Stilllegung bereits berücksichtigen. Für die bereits stillgelegten bzw. noch stillzu- legenden Betriebe waren Abschlussbetriebspläne zu erstellen. Für diese Pläne war dabei die Ab- grenzung von • Bergbaubetrieben, die bereits vor 1949 still- gelegt wurden • nach 1990 privatisierten Betrieben des Berg- baus • bereits gemäß Berggesetz der DDR nachweis- lich und endgültig wieder nutzbar gemachten Bergbaubetriebsflächen notwendig. Während die Abgrenzung der Verpflichtun- gen zu den aktiven privatisierten Bergbaubetrie- ben bereits in den Spaltungsverträgen erfolgte, waren für die anderen beiden Punkte historische Recherchen und Abstimmungen mit den Berg- Tab. 2.7 Stauberzeugung im Rahmen des Auslaufbergbaus Stauberzeugung (kt) 1994 1995 1996 1997 1998 1999 Summe Auslaufbergbau Großzössen 1 1 Sonne 234 156 142 200 300 81 1.113 Summe LMBV 235 156 142 200 300 81 1.114 Tab. 2.8 Stromerzeugung im Rahmen des Auslaufbergbaus Stromerzeugung (MWh) 1994 1995 1996 1997 1998 1999 Summe Auslaufbergbau Großzössen 49.185 49.185 Borna 429.441 79.597 509.038 Espenhain 1.362.080 905.262 358.218 2.625.560 Summe Mitteldeutschld. 1.840.706 984.859 358.218 0 0 0 3.183.783 Brieske 302.654 247.439 235.017 233.431 228.279 233.052 1.479.872 Sonne 207.118 168.055 140.462 147.482 663.117 Trattendorf 1.336.598 1.215.130 300.820 2.852.548 Lauchhammer 64 68.073 68.073 Knappenrode 14.126 14.126 Summe Lausitz 1.928.569 1.630.624 676.299 380.913 228.279 233.052 5.077.736 Summe LMBV 3.769.275 2.615.483 1.034.517 380.913 228.279 233.052 8.261.519
  • 232 Gesellschaftliche, natürliche und technische Rahmenbedingungen der Braunkohlesanierung behörden erforderlich. Insgesamt hat die LMBV bis 2010 für die Maßnahmen, mit denen die An- forderungen des Bundesberggesetzes erfüllt wer- den, 177 Abschlussbetriebspläne • zur Sicherstellung des Schutzes Dritter vor durch den Bergbaubetrieb verursachten Gefahren auch nach Einstellung des Betriebes • zur Wiedernutzbarmachung der vom Bergbau- betrieb in Anspruch genommenen Oberfläche unter Beachtung des öffentlichen Interesses • zu Angaben über Beseitigung oder anderwei- tigen Verwendung betrieblicher Anlagen, • zur genauen Darstellung der technischen Durchführung und • zum Schutz der Oberfläche im Interesse der persönlichen Sicherheit und des öffentlichen Verkehrs erstellt. In diesen Planunterlagen sind die tech- nischen Zielstellungen formuliert und eine um- fassende Beschreibung ihrer sicheren Umsetzung Tab. 2.9 Tagebaulaufzeiten in Ostdeutschland
  • 24 C. Drebenstedt et al. Tab. 2.10 Brikettfabrik-Laufzeiten in Ostdeutschland
  • 252 Gesellschaftliche, natürliche und technische Rahmenbedingungen der Braunkohlesanierung enthalten. Im Rahmen des Betriebsplanverfah- rens verankert die Bergbehörde bei Notwendig- keit weitergehende Forderungen in Nebenbe- stimmungen ihres Zulassungsbescheides. Nach der Durchführung der Abschlussbetriebspläne endet die Bergaufsicht zu dem Zeitpunkt, in dem nach allgemeiner Erfahrung nicht mehr mit Ge- fahren oder gemeinschädlichen Einwirkungen für Schutzgüter zu rechnen ist. Tab. 2.11 Kraftwerkslaufzeiten-Laufzeiten in Ostdeutschland
  • 26 C. Drebenstedt et al. Da der LMBV auch die Aufgabe obliegt, ihr Eigentum an Liegenschaften und Anlagever- mögen zu verwerten, hat sie ein vitales Interes- se, diese Vermögensgegenstände zügig in eine vermarktungsfähige Qualität zu versetzen (s. Kap. 9). Die durch den Braunkohlenbergbau der DDR entstandenen Gefahrenquellen werden auch als Bergbaualtlasten bezeichnet. Sie lassen sich grob einteilen in • geotechnisch nicht dauerhaft standsichere Bereiche • Störungen des natürlichen Wasserhaushalts hinsichtlich Menge und Qualität • nicht verwertbare Geräte, Gebäude und Anla- gen • Schadstoffablagerungen bzw. –kontaminatio- nen • Wiedernutzbarmachungs- und Rekultivie- rungsrückstände. Für die Festlegung der Reihenfolge der Besei- tigung von Gefahrenquellen ist aufgrund der Komplexität der Zusammenhänge zwischen den stillgelegten Tagebauen und Veredlungsanlagen sowie unter Berücksichtigung der technologisch bedingten Sanierungszeiträume ein durchgehen- des Projektmanagement erforderlich (s. Kap. 7). Die Wiedernutzbarmachung als ordnungsge- mäße Gestaltung der vom Bergbau in Anspruch genommenen Oberfläche hat unter Beachtung des öffentlichen Interesses zu erfolgen. Dieses öffentliche Interesse ist normalerweise bereits in den Dokumenten der Landes-, Regional-, Raum- ordnungs- und Flächennutzungsplanung fest- geschrieben. Die zugehörigen Planverfahren für den Auslaufbergbau in Form von Braunkohlen- plänen, für den Sanierungsbergbau in Form von Sanierungsplänen (Brandenburg), Sanierungs- rahmenplänen (Sachsen), Teilgebietsentwick- lungsprogrammen (Sachsen-Anhalt) und Regio- nalen Raumordnungsplänen (Thüringen) wurden aufgrund der besonderen Situation im Beitritts- gebiet teilweise parallel zu den bergrechtlichen Betriebsplanverfahren geführt. Aufgrund dessen erfolgten im Rahmen der Aufstellung der Pläne vielfältige Abstimmungen zwischen den Be- hörden, den Kommunen und der LMBV. Unter Beachtung der technischen Machbarkeit, Wirt- schaftlichkeit und Nachhaltigkeit wurden mög- lichst konfliktarme und vielfältige Nutzungsziele für die Wiedernutzbarmachung der vom Bergbau beanspruchten Flächen formuliert und festgelegt. Die ausgewogenen und tragfähigen Lösungen berücksichtigen die Interessen von Land-, Forst- und Wasserwirtschaft, Naturschutz, Industrie, Gewerbe und Tourismus sowie kommunaler Ent- wicklung (s. Kap. 8). Inzwischen sind bereits viele dieser insgesamt 52 Raumordnungspläne zu einem hohen Anteil realisiert. Andere wurden aufgrund neuer Erkenntnisse und Entwicklungen in den letzten Jahren fortgeschrieben, präzisiert, geändert bzw. ergänzt. Die größten Veränderungen zwischen dem Zustand der Landschaft vor und nach dem Braun- kohlenbergbau über Tage sind auf die umfangrei- chen Abraumbewegungen und die Gewinnung der Kohle zurückzuführen. Die entstandenen Ta- gebaurestlöcher mit einem Gesamtvolumen von ca. 5 Mrd. m³ lassen sich nicht ökologisch ver- tretbar mit Erdmassen auffüllen, die weitgehend neue Eingriffe in die Umwelt nach sich gezogen hätten und unwirtschaftlich gewesen wären. Zwangsläufig nimmt nach der Einstellung der bergbaulichen Sümpfungsmaßnahmen das Wasser die Tagebaurestlöcher durch den natür- lichen Zustrom in Besitz (s. Kap. 5). Für die neu entstehenden Gewässer sind vom Bergbauunter- nehmen die Böschungssysteme für die geplanten Folgenutzungen dauerhaft stabil zu gestalten und durch eine mehrjährige Nachsorge so zu unter- halten, dass ihrer künstlichen Entstehung Rech- nung getragen wird (s. Kap. 4). Außerdem sind für herzustellende Gewässer Planverfahren nach dem Wasserhaushaltsgesetz zu beantragen. Mit Stand Dezember 2010 sind für die Herstellung der Bergbaufolgegewässer der LMBV mehr als Tab. 2.12 Stilllegungstermine 2. Veredlungsstufe in Ostdeutschland
  • 272 Gesellschaftliche, natürliche und technische Rahmenbedingungen der Braunkohlesanierung 50 wasserrechtliche Planfeststellungsverfahren und 11 Plangenehmigungsverfahren erforderlich gewesen (Abb. 2.9). Im unmittelbaren Zusammenhang mit der Gewässerherstellung steht eine weitere bergbau- verursachte technische Herausforderung. Die entwässerungsbedingte Belüftung tiefer Boden- schichten in den Grundwasserabsenkungsbe- reichen des Bergbaus führt durch Oxydations- und Lösungsprozesse zur erheblichen Senkung des pH-Wertes sowie zur Erhöhung von Stoff- konzentrationen im Grund- und Oberflächen- wasser. Der natürliche, langsame Anstieg des Grundwassers würde nach hydrogeologischen Modellrechnungen in den meisten Fällen lang anhaltend zu einer saureren Wasserqualität mit pH-Werten zwischen 3 und 5 im See führen, so dass die Integration dieser Gewässer in das Ober- flächengewässersystem ohne Behandlung nicht möglich wäre. Eine wirksame Gegenmaßnah- me ist die schnelle Einleitung möglichst großer Mengen neutralen Wassers aus den Vorflutern in die Tagebaurestlöcher. Daher hat die LMBV gemeinsam mit den betreffenden Bundesländern und aktiven Bergbaubetrieben vielfältige organi- satorische und technische Maßnahmen zur Um- setzung dieser Zielstellung vereinbart (s. Kap. 5). In der niederschlagsarmen Lausitz sorgt eine Flutungszentrale mit einer Vielzahl von Daten- anbindungen für kürzeste Reaktionszeiten bei der Steuerung der Wasserzuführung aus den Ein- zugsgebieten von Spree, Schwarzer Elster und Lausitzer Neiße. In Mitteldeutschland wird das ausreichende Wasserdargebot der Vorfluter er- gänzt durch die Bereitstellung von Sümpfungs- wasser aus den Tagebauen der MIBRAG mbH. Insgesamt werden aus etwa einem Viertel der Gesamtfläche des stillgelegten Braunkohlen- bergbaus Wasserflächen von ca. 28.000 ha ent- stehen und die Landschaft um Bitterfeld, Leip- zig, Senftenberg und Hoyerswerda neu prägen (Möckel und Drebenstedt 1998). Für die nach- haltige Entwicklung der Wasserbeschaffenheit in den Bergbaufolgegewässern entsprechend den Vorgaben der Europäischen Wasserrahmen- richtlinie werden gegenwärtig Forschungspro- jekte durchgeführt. Die LMBV kooperiert dabei erfolgreich mit einer Vielzahl von Partnern aus Wissenschaft, Verwaltung und Wirtschaft. Zur Wiederherstellung eines ausgeglichenen, sich weitgehend selbst regulierenden Wasserhaushal- tes gehört es auch, Fließgewässer, die durch oder für den Braunkohlenbergbau direkt verändert oder indirekt in ihrer Funktionsfähigkeit beein- trächtigt wurden, so zu renaturieren, dass sie den Anforderungen des nachbergbaulichen Land- schaftswasserhaushalts gerecht werden. Die planmäßige Umsetzung der technischen Ziele erfolgt im Einklang mit den im Folgenden beschriebenen ökologischen und sozialpoliti- schen Zielen und unter Beachtung der gegensei- tigen Wechselwirkungen. Ökologische Ziele In den Jahren 1989/1990 wurden öffentlich Forderungen erhoben, die laufenden Bergbauaktivitäten schnellstmöglich Abb. 2.9 Genehmigungs- verfahren der Braunkohle- sanierung. (Stand 2010)
  • 28 C. Drebenstedt et al. und umfassend einzustellen, um dadurch wei- tere Beeinträchtigungen von Natur und Umwelt zu stoppen. In sachlichen und offenen Diskus- sionen zwischen den Bergbauunternehmen, den zuständigen Behörden, Forschungseinrichtungen und den Naturschutzverbänden wurde schnell klar, dass man die anstehenden technischen und ökologischen Probleme nicht allein den Selbst- heilungskräften der Natur überlassen konnte. Durch die konstruktive Mitwirkung von Natur- schutzverbänden an den Planungen zur Braun- kohlesanierung im Rahmen der öffentlichen Beteiligung sowie in den Gremien der Braun- kohlen- und Sanierungsplanung wurde aber auch deutlich gemacht, dass sich auf den Jahrzehnte alten Hinterlassenschaften des DDR-Bergbaus, insbesondere den ausgedehnten, unzugängli- chen Kippenflächen, selten gewordene Tier- und Pflanzenarten ungestört entwickeln konnten. Bei der Festlegung der Wiedernutzbarmachungsziele wurden ökologisch interessante Flächen identi- fiziert, bewertet und so in die Sanierungspla- nung integriert, dass sowohl den Forderungen des Naturschutzes als auch der Herstellung der öffentlichen Sicherheit auf Bergbaufolgeland- schaften Rechnung getragen wird (Drebenstedt 1996). Über 15 % der bergbaulich beanspruchten Flächen in Verantwortung der LMBV wurden auf diese Weise langfristig für den Naturschutz gesi- chert. Inzwischen wurde der größte Teil dieser Flächen an Naturschutzorganisationen und -stif- tungen veräußert. Auch bei der konventionellen landwirtschaft- lichen und forstlichen Rekultivierung wurden ökologische Aspekte in hohem Maße berücksich- tigt. Wo die Bodenqualität und andere äußere Be- dingungen es zuließen, wurden abwechslungsrei- che Mischwälder, Gehölzstreifen, Benjeshecken, Findlingsanordnungen und temporäre Feuchtge- biete geschaffen. Auch bei der Gestaltung der Uferzonen von im Entstehen begriffenen Bergbaufolgeseen spielten ökologische Gesichtspunkte eine wichtige Rolle. Gezielt wurden Flachwasserzonen hergestellt, in denen sich bei Schilfbewuchs Vogelbrutmöglich- keiten und Lebensräume für Wassertiere und Am- phibien entwickeln können. Die fischereiwirt- schaftliche Nutzbarkeit der Bergbaufolgeseen ist ebenfalls ein Ziel der Braunkohlesanierung. Die Einbeziehung ökologischer Ziele in die Braunkohlesanierung und die sichtbaren Erfol- ge in den letzten Jahren haben dazu beigetragen, Naturschutz als Wirtschaftsfaktor zu verstehen. Sozialpolitische Ziele Bergbau ist aufgrund der begrenzten Lagerstätteninhalte immer endlich. Die unplanmäßige und gleichzeitige Einstellung einer so großen Zahl von Tagebauen und Ver- edlungsanlagen in den Jahren nach 1990 war jedoch ein radikaler struktureller Umbruch, der Bund und Länder vor eine besondere Herausfor- derung stellte. Viele der rund 135.000 Beschäf- tigten der Braunkohlenindustrie wurden, sofern sie nicht in den Vorruhestand gehen konnten, arbeitslos und hatten anfangs keine alternativen Beschäftigungsmöglichkeiten. Daher wurde bei der Planung und Realisierung der Arbeitsbe- schaffungsmaßnahmen bis 1992 und der weite- ren Maßnahmen der Bergbausanierung eine hohe Beschäftigungswirkung angestrebt und durch Zuschüsse der Bundesanstalt für Arbeit aktiv gefördert. Bei der wettbewerblichen Vergabe der Aufträge für Braunkohlesanierungsmaßnahmen wurden die Auftragnehmer zur Beschäftigung von förderfähigen Arbeitnehmern verpflichtet. In der ersten Phase der Sanierung bis 1995 stieg die Zahl der Arbeitnehmer auf geförderten Arbeits- plätzen auf über 17.000. Weitere 7.000 Arbeits- plätze wurden bei Nachauftragnehmern, durch Kaufkrafterhalt in den Revieren und beim Träger der Bergbausanierung gesichert. Damit wurde ein erheblicher Beitrag zur Abfederung des Rück- gangs von Industriearbeitsplätzen in den ost- deutschen Braunkohlenländern geleistet. Auf den Altstandorten der Braunkohlenveredlung, der Verwaltung und in ehemaligen Werkstattkomple- xen siedelten sich Klein- und Mittelständische Unternehmen an und sorgten für die Erhaltung und Entwicklung von Know-how in der Region. Diese hoffnungsvolle Entwicklung veranlasste die LMBV, ab 1999 gemeinsam mit Kommunen ausgewählte Altstandorte über eine dafür gegrün- dete Tochtergesellschaft infrastrukturell neu zu erschließen. Unter Einbeziehung von Fördermit-
  • 292 Gesellschaftliche, natürliche und technische Rahmenbedingungen der Braunkohlesanierung teln für die Bund-Länder-Gemeinschaftsaufgabe entstanden ohne zusätzlichen Flächenverbrauch moderne Industrie- und Gewerbeflächen für Investitionen. Allein auf diesen 7 Standorten befinden sich 2010 ca. 150 Unternehmen mit fast 5.900 Arbeitsplätzen. Des Weiteren wurde der LMBV von ihren Fi- nanziers bereits über viele Jahre die Möglichkeit eingeräumt, junge Menschen für nachgefragte, zukunftsorientierte Berufe auszubilden. Die Zahl von über 1.500 erfolgreich abgeschlossenen Aus- bildungen zum Facharbeiter seit 1994 spricht für sich. Dies ist eine weitere Investition in die Zu- kunft der Regionen. Sie führt zu einer Erhöhung der Attraktivität für Investoren und wirkt damit der Abwanderung entgegen. Mit dem Übergang von ca. 75 % der Ausgebildeten in eine Beschäf- tigung wurde eine gute Quote erreicht. Die Auswirkungen der veränderten wirtschaft- lichen Rahmenbedingungen in den ostdeutschen Braunkohlenländern seit 1990 lässt sich an der Bevölkerungsentwicklung verfolgen (Tab. 2.13). Demnach sind die Braunkohlenländer Sach- sen-Anhalt und Sachsen insbesondere vom Be- völkerungsrückgang betroffen. Ausgewählte Städte in den Braunkohlenrevieren verzeichnen eine differenzierte Bevölkerungsentwicklung (Tab. 2.14). Die Abwanderung im Zeitraum 1990 bis 2010 aus den Kohlen-Energie-Chemie Regionen in der Lausitz und in Mitteldeutschland spiegelt die schrumpfenden Produktions- und Beschäf- tigungsmöglichkeiten, die in den monostruktu- rieren Industrieregionen nicht gepuffert werden konnten. So weisen mit dem Bergbau gewachse- ne Städte in Sachsen und Sachsen-Anhalt einen 2 bis 3 fach höheren Rückgang der Bevölkerung auf als der Landesdurchschnitt; im Land Bran- denburg liegt der Faktor zwischen 3 und 10. Tabelle 2.14 verdeutlicht, dass Städte, die mit der Entwicklung der Braunkohlenwirtschaft zu- nächst einen starken Bevölkerungsanstieg ver- zeichneten, ebenso schnell die Bevölkerung wie- der verloren. Die Motive sind dieselben: arbeits- fähige, mobile Menschen ziehen der Arbeit nach. Da die Standorte der Braunkohlengewinnung standortgebunden sind, entsteht zu deren Er- schließung neue Infrastruktur und die Menschen werden mit guter Bezahlung und weiteren Ver- günstigungen an diese Standorte gelockt. Endet der Abbau wegen Lagerstättenerschöpfung oder vorfristiger Stilllegung, wie im Fall der Braun- kohlenindustrie im Osten Deutschlands, gibt es in der Regel keine wirtschaftlichen Alternativen und die Menschen ziehen weiter. Zahlreiche Geisterstädte zeugen weltweit von diesem Phä- nomen. Die Braunkohlesanierung ist eine wichtige Maßnahme zum teilweisen Erhalt von Arbeits- plätzen in der Region und erweitert das Zeitfens- ter für eine wirtschaftliche Umstrukturierung. Da die Standorte der Kohlen- und assoziierten Energie- und Chemiewirtschaft dabei im freien Wettbewerb mit anderen Standorten stehen und zudem monostrukturiert sind und über kein gutes Image und geringe Lebensqualität verfügen, ist der Umstrukturierungsprozess besonders kom- pliziert. Deshalb verlassen trotz vielfältiger Be- mühungen vor allem gut ausgebildete und junge Menschen die Bergbauregion. Die Politik kann Bundesland Bevölkerung 1950 Bevölkerung 1990 Bevölkerung 2010 Veränderung seit 1990 % Brandenburg 2.579.675a 2.578.312b 2.507.100c − 2,76 Sachsen-Anhalt 4.071.856a 2.873.957d 2.343.000c − 18,47 Sachsen 5.682.802a 4.913.000e 4.152.500f − 15,48 a Staatliche Zentralverwaltung für Statistik (1958) b www.statistik.brandenburg.de c Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Stand 07.2010 d www.sachsen-anhalt.de, Stand 31.12.1990 e www.demographie.sachsen.de, 01.01.1990 f www.statistik.sachsen.de, Stand 07.2010 Tab. 2.13 Bevölkerungs- entwicklung in den Braunkohlenländern www.statistik.brandenburg.de www.sachsen-anhalt.de www.demographie.sachsen.de www.statistik.sachsen.de
  • 30 C. Drebenstedt et al. zwar grundsätzlich mit speziellen Förderpro- grammen die Ansiedlung von neuen Firmen len- ken und unterstützen, muss jedoch aufgrund be- grenzter Mittel die Maßnahmen priorisieren. Die Gebiete der Braunkohlesanierung erhalten dabei nicht immer die erhoffte Berücksichtigung. Unabhängig davon erhöht sich mit der Braun- kohlesanierung die Lebensqualität in der Region und werden neue Möglichkeiten wirtschaftlicher Tätigkeit eröffnet. Umfang und Stand der Braunkohlesanie- rung Die bisher dargestellten Ausführungen zu den Aufgaben der Braunkohlesanierung haben bereits einen Überblick über die besonderen Her- ausforderungen gegeben. Aufgrund der räum- lichen Ausdehnung, der komplexen Vernetzung einer Vielzahl von Problemen und der Umset- zung der Braunkohlesanierungsvorhaben über einen relativ langen Zeitraum war es unerläss- lich, eine klare Strukturierung vorzunehmen. Die Inhalte der Braunkohlesanierung wurden in Projekte eingeteilt, die wiederum in Teilobjek- te gegliedert sind. In Abhängigkeit von den Leis- tungsinhalten wurden regelmäßig Projektstruk- turanpassungen vorgenommen. 2011 befinden sich noch mehr als 100 Projekte für die Braun- kohlesanierung gemäß Rechtsverpflichtung der LMBV, für die Abwehr von Gefährdungen aus dem Wiederanstieg des Grundwassers und für die Durchführung von Maßnahmen zur Erhöhung des Folgenutzungsstandards in der Umsetzung. Die Planung der notwendigen Leistungen er- folgt nach Hauptgewerken. Die insgesamt mit Stand Ende 2009 für die Erfüllung der Rechtsverpflichtungen der LMBV erforderlichen Leistungen umfassen die Haupt- gewerkegruppen (Tab. 2.15): 1,7 Mrd. m3 Massenbewegung 23.400 ha Rekultivierung forst- und landwirt- schaftlicher Nutzflächen (Abb. 2.10) 11,8 Mio. m3 Abbruch baulicher Anlagen, umbauter Raum 12,7 Mrd. m3 Wiederherstellung Wasserhaushalt (Abb. 2.11) 1,1 Mrd. m3 Massenverdichtung (Abb. 2.12) 28,9 Mio. m3 Altlastensanierung (inkl. Wasserreingung) Die Abbildung 2.13 spiegelt die in der Tabelle 2.15 enthaltenen Daten grafisch wider und gibt zu- sätzlich einen Ausblick auf die bis zum Ende der Sanierung geplanten Leistungen. Die zugrunde liegende detaillierte Projektplanung der LMBV wird jährlich aktualisiert. Insgesamt wird eingeschätzt, dass die Pro- jekte der Braunkohlesanierung bezogen auf die Rechtsverpflichtungen der LMBV finanziell Ende 2010 zu rund 90 % realisiert wurden. Tab. 2.14 Bevölkerungsentwicklung in ausgewählten Städten in den Braunkohlenrevieren Revier Bundesland Stadt Bevölke- rung 1950 Bevölke- rung 1990 Bevölke- rung 2010 Änderung seit 1990 % Lausitz Brandenburg Cottbus 60.874a 134.781 102.091 − 24,25 Lausitz Brandenburg Senftenberg 18.260a 29.451 26.530 − 9,92 Lausitz Brandenburg Lauchhammer 27.524a 23.882 16.956 − 29,00 Lausitz Sachsen Görlitz 100.147a 76.603b 55.596c − 27,4 Lausitz Sachsen Hoyerswerda 7.365a 68.982b 37.379c − 45,8 Lausitz Sachsen Weißwasser 13.844a 35.515b 19.055c − 46,3 Mitteldeutschland Sachsen Borna 17.807a 27.620b 20.680c − 25,1 Mitteldeutschland Sachsen-Anhalt Halle 289.119 311.396d 232.963e − 25,19 Mitteldeutschland Sachsen-Anhalt Bitterfeld-Wolfen 44.564 72.218d 45.171e − 37,45 Mitteldeutschland Sachsen-Anhalt Zeitz 46.762 48.153d 31.556e − 34,47 a Staatliche Zentralverwaltung für Statistik (1958) b Statistisches Landesamt Sachsen,Stand 31.12.1990 c Statistisches Landesamt Sachsen, Stand 31.12.2010 d Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt, Stand 31.12.1990 e Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt,Stand 31.12.2010
  • 312 Gesellschaftliche, natürliche und technische Rahmenbedingungen der Braunkohlesanierung Der Schwerpunkt der künftige Arbeiten liegt in der Herstellung der Tagebaufolgeseen, in der Beseitigung von Gefahren im Zusammenhang mit dem Grundwasserwiederanstieg, in den Maßnah- men zur nachhaltigen Gewährleistung einer öko- logisch vertretbaren Wasserqualität in den neuen Seen sowie in der weiteren Beseitigung von lo- kalen Grundwasserkontaminationen. Die erst genannten zwei Aufgabenkomplexe werden um 2020 im Wesentlichen umgesetzt sein, während die zuletzt genannten zwei Aufgabenbereiche langfristig anfallende, teilweise bis zum vierten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts andauernde Maß- nahmen ausmachen. Zeitlich immer stärker wer- den sie jedoch in Monitoringaufgaben übergehen. 2.2 Naturraum, Geologie, Bergbautechnologie und Eingriff in den Mitteldeutschen und Lausitzer Braunkohlenrevieren 2.2.1 Allgemeine Kennzeichnung der Reviere Grundsätze Die geographische Lage und der geologische Aufbau eines Gebietes prägen we- sentlich seinen landschaftlichen Charakter, sowie die Naturausstattung und natürliche Leistungs- fähigkeit. Geländerelief sowie Klima, Wasser, Böden u. a. abiotische Standortfaktoren sind für das Landschaftsbild, die Landnutzung und das Tab. 2.15 Mengenübersicht ausgewählter Hauptgewerke 1990 bis 2009 Hauptgewerk ABM 1990-1993 VAI 1993-1997 VA II 1998-2002 VA III 2003-2007 VA IV Sanierung 1990-20092008 2009 Summe Massenbewe- gung Mio. m3 140 669 641 201 29 15 44 1.695 Herstellung FN/LN-Flächen ha 0 5.708 5.554 3.493 722 505 1.227 15.982 Herstellung sonstiger Nutzflächen ha 27.480 10.660 5.681 2.648 220 149 369 46.838 Pflege und Bewirtschaftung ha 0 28.715 31.802 13.153 2,875 5.782 8.657 82.327 Demontage und Verschrottung Tt 1.510 2.127 2.489 465 42 0,41 43 6.634 Abbruch von baulichen Anlagen Tm3 1.396 5.731 3.449 997 21 66 87 11.660 Wasserhebung, Reinigung, Ableitung, Pegelkonrolle Mio. m3 511 2.105 1.883 1.065 135 86 221 5.785 Fremdwasser- zuführung zur Flutung Mio. m3 0 168 639 1.100 137 185 322 2.229 Massenverdich- tung Mio. m3 5 365 525 174 18 12 31 1.100 Sanierung schadstoff- belasteter Bereiche Tm3 485 5.925 6.590 4.300 832 762 1.595 18.895 Beseitigung und Verwertung von Abfällen Tt 827 598 4.129 3.433 191 304 495 9.482 Verfüllen von Grubenräumen Tm3 105 457 550 417 14 41 55 1.584
  • 32 C. Drebenstedt et al. Leben in der Landschaft bestimmend. Aber auch die Entstehung von Bodenschätzen ist an geoge- ne Prozesse gebunden und stellt den natürlichen Reichtum einer Region dar. Durch die Nutzung der natürlichen Ressour- cen, insbesondere durch den Tagebaubetrieb, wird erheblich in die relativ stabilen, natürlichen Systeme eingegriffen. Es werden Berge versetzt, Flüsse verlegt, Grundwasserleiter zerstört, Deck- gebirgsschichten umgelagert. Doch an den Abbau der Braunkohle schließen sich Rekultivierungs- maßnahmen an. Dabei werden die Topographie und auch die Geologie der Bergbaufolgeland- schaft bewusst gestaltet. Für die Planung der neu zu gestaltenden Landschaft ist es daher bedeu- tend, die Zusammenhänge zwischen der geologi- schen Situation und den sich auf dieser Basis ein- stellenden natürlichen Gegebenheiten zu kennen, um sie bewusst einzusetzen. Nur so können sich wieder stabile landschaftliche Systeme entwi- ckeln. Fehler bei der Landschaftsgestaltung kor- rigiert die Natur selbst, wobei erhebliche Schäden entstehen können. Um diese zu vermeiden ist ein ständiger Lernprozess von der Natur notwendig. Rutschungen, wie am 18.7.2009 in Nachterstedt, mit Verlusten an Menschenleben, materiellen und kulturellen Gütern lehren uns z. B. bis heute, dass die Wechselwirkungen zwischen Mensch und Abb. 2.10 Rekultivierung im Tagebau Greifenhain
  • 332 Gesellschaftliche, natürliche und technische Rahmenbedingungen der Braunkohlesanierung Natur weiter untersucht werden müssen, um sie vollends zu verstehen und negative Auswirkun- gen zu vermeiden. Abbildung 2.14 verdeutlicht, dass neben dem Faktor Natur und dem Stand der Technik und des Wissens auch die gesell- schaftlichen Rahmenbedingungen zu beachten sind (Drebenstedt 2003). Welche gesetzlichen Rahmenbedingungen sind einzuhalten, und wie werden sie hinsichtlich der betrieblichen und öf- fentlichen Sicherheit sowie des Umweltschutzes einschließlich der Anforderungen an die Rekulti- vierung umgesetzt? Da sich die Einflussfaktoren Gesellschaft und Technik/Wissen im ständigen Wandel befinden und unterschiedlich ausgeprägt sind, ist das Ergebnis der Rekultivierung nicht nur durch den Naturraum bestimmt, sondern auch durch die Entwicklung der Gesellschaft. Bei der Planung und Umsetzung der Rekultivierung ist deshalb eine zeitlich und räumlich differenzierte Betrachtungsweise notwendig. In den Abschnitten 2.2.2 und 2.2.3 wird die Geologie des Mitteldeutschen- bzw. Lausitzer Braunkohlenreviers vorgestellt; im Abschnitt 4.8 wird die Geologie ausgewählter Tagebaue näher beschrieben. Im Abschnitt 5.2 werden die hydro- geologischen Besonderheiten der Reviere näher erläutert. Abb. 2.11 Blick über das Lausitzer Seenland nach Nordwesten
  • 34 C. Drebenstedt et al. Abb. 2.12 Rütteldruckverdichtung im Tagebau Schlabendorf-Süd Abb. 2.13 Leistungen der Braunkohlesanierung, Stand 2009 und Ausblick
  • 352 Gesellschaftliche, natürliche und technische Rahmenbedingungen der Braunkohlesanierung Naturraum Das Mitteldeutsche und das Lau- sitzer Braunkohlenrevier befinden sich am süd- lichen Rand des Mitteleuropäischen Tieflandes, an der Grenze zur Mitteleuropäischen Mittelge- birgsschwelle. Gemäß der naturräumlichen Glie- derung nach Riecken et al. (1994) liegen beide Reviere hauptsächlich im Süden der Großland- schaft „Nordostdeutsches Tiefland“ (Abb. 2.15). Sie erstrecken sich über die naturräumlichen Haupteinheiten „Elbe-Mulde-Tiefland“ (D10), „Sächsisches Hügelland und Erzgebirgsvorland“ (D19) und „Östliches Harzvorland und Börden“ (D20), sowie über das „Lausitzer Becken und Spreewald“ (D08) und „Oberlausitzer Heide- land“ (D13). Der südliche Teil des Lausitzer Reviers befindet sich mit den Tagebauen Berz- dorf und Olbersdorf in der Großlandschaft „Öst- liche Mittelgebirge“ in der naturräumlichen Haupteinheit „Oberlausitz“ (D14). Die naturräumlichen Verhältnisse in diesem Betrachtungsgebiet sind sehr unterschiedlich. Der Naturraum wird dabei maßgeblich durch die standortbedingt typische Vegetation gekenn- zeichnet. Für die naturräumliche Charakteristik sind ursprünglich die vier abiotischen Stand- ortfaktoren Morphologie, Boden, Klima sowie Oberflächen- und Grundwasser entscheidend, die für die Art der Vegetation verantwortlich sind. Da diese Standortfaktoren darüber hinaus die Nut- zungsinteressen der Menschen berühren, kommt der Mensch als wichtiger Einflussfaktor hinzu, der auf das System einwirkt und es in Mittel- und Osteuropa nachhaltig weitestgehend in eine Kul- turlandschaft gewandelt hat (Drebenstedt 2003). Die Standortfaktoren stehen in einer engen Wechselwirkung (Abb. 2.16) und sind sowohl in ihrer Menge und Güte als auch in ihrer Häufig- keit und Dauer bestimmt. So ist z. B. der Boden das Entwicklungsprodukt aus dem anstehenden geologischen Material unter Einwirkung von Klima, Grundwasser und Vegetation sowie der Reliefenergie (Erosion). Die Art der Vegetation wiederum wird bestimmt durch den Boden, das Klima und die Wassersituation. Grund- und Ober- flächenwasser bilden sich unter dem Einfluss von Klima (Niederschläge), Vegetation (Verbrauch, Verdunstung, Oberflächenabfluss) und Boden- beschaffenheit (Versickerung) sowie der Aus- Abb. 2.14 Einflussfaktoren auf die Rekultivierung. (Dre- benstedt 2003) Abb. 2.15 Naturräumliche Lage der Braunkohlenreviere Lausitz und Mitteldeutschland. (nach BfN 2006)
  • 36 C. Drebenstedt et al. bildung der Geländeoberfläche (Abflussbahnen, flurnahe oder -ferne Grundwasserstände) usw. Das Klima spielt eine entscheidende Rolle für den Naturraum. Zu den Klimafaktoren gehören insbesondere Temperatur, Niederschläge und Wind, die ebenfalls in Menge, Güte, Häufigkeit und Dauer variieren und dadurch ein komplizier- tes Beziehungsgeflecht in der Wechselwirkung mit den anderen Standortfaktoren bilden, das zur Ausprägung des Naturraumes führt. Starke Nie- derschläge können z. B. bei fehlender Vegetation ebenso zur Bodenerosion beitragen, wie starker Wind. Klimatische Kennzeichnung Das Mitteldeut- sche und das Lausitzer Braunkohlenrevier werden überwiegend durch die kühlgemäßigte Klimazone der Waldklimate geprägt. In Mitteldeutschland und in der Lausitz bestimmen dabei die nieder- schlagsärmeren und trockeneren subozeanischen Waldklimate die Situation. Der Ostrand der Lau- sitz, insbesondere die Niederlausitz, wird teil- weise durch subkontinentale Klimate beeinflusst (Abb. 2.17 und 2.18). Für die Niederschlagsverteilung sind in Mit- teldeutschland und in der Lausitz mittlere Jahres- niederschläge von 500 bis 600 mm typisch. In der Oberlausitz werden auch Jahresniederschläge um 650 mm gemessen. Beide Reviere sind den immer feuchten Klimaten zuzuordnen. Die langjährigen Jahresmitteltemperaturen des Januars betragen zwischen 0 und − 5 °C, die langjährigen mittleren Julitemperaturen stellen sich auf bis 20 °C ein. Die Klimadiagramme von Leipzig in Mittel- deutschland und von Cottbus und Görlitz in der Lausitz vermitteln einen Eindruck von den dif- ferenzierten Temperatur- und Niederschlagsver- hältnissen im Betrachtungsgebiet (Abb. 2.19; DWD 2010). Aus den Diagrammen wird deutlich, dass Temperaturen und Niederschlagsmengen im Verlauf des Jahres in der Lausitz und in Mittel- deutschland recht ähnlich sind. Die durchschnitt- Abb. 2.16 Wechsel- wirkung der abiotischen Standortfaktoren und die Einwirkung des Menschen. (Drebenstedt 2003)
  • 372 Gesellschaftliche, natürliche und technische Rahmenbedingungen der Braunkohlesanierung lichen Monatstemperaturen unterscheiden sich kaum. Die jährliche Niederschlagsmenge ist im Mitteldeutschen Revier am geringsten. Das ist u. a. auf die geographische Lage im Regen- schatten des Harzes zurückzuführen. In der Oberlausitz ist die jährliche Niederschlagsmenge mit über 650 mm am höchsten. Hier wirkt sich u. a. die geographische Lage im Nordwesten des Lausitzer und Zittauer Gebirges aus. Auch füh- ren Unterschiede des Geländereliefs, der vor- handenen Bodensubstrate und der Landnutzung zu lokal verschiedenen Wasserabflussverhalten, wodurch das jeweilige Mikroklima beeinflusst ist. Zusätzlich wird die Lausitz von dem weiter östlich vorherrschenden subkontinentalen Klima beeinflusst. Dieses nur lokal ausgeprägte klima- tische Phänomen führt zu einer größeren Vielfalt der Flora und Fauna im Gebiet der Lausitz. Abb. 2.17 Klimazonen Europas nach Troll und Pfaffen. (Friese et al. 1996) Abb. 2.18 Klimazonen Europas nach Köppen. (Friese et al. 1996)
  • 38 C. Drebenstedt et al. Böden Bedingt durch die geologisch vorhan- denen Bodensubstrate dominieren in der Lau- sitz Parabraunerden und in Mitteldeutschland auch saure Braunerden, die durch Podsole und Schwarzerde ergänzt werden (Abb. 2.20). Wei- tere vorkommende Bodentypen sind an große Flussniederungen gebundene Auenböden. Braunerden verdanken ihren Namen der Braunfärbung durch die Eisenfreisetzung bei der Verwitterung des Ausgangsgesteins. Dies kann zum einen in den Mittelgebirgen Schiefer, Grauwacke, Granit oder Basalt sein, aber auch zum anderen fluviatiler oder glazialer Sand der Tiefebenen. Liegt Ton als Ausgangsmaterial vor, bilden sich Pelosole. Mit Abnahme des Basenge- haltes und der Eutrophie verschiebt sich auf den Standorten der Anteil des häufig anzutreffenden Rotbuchenwaldes in Richtung Laub-Mischwäl- der. Die Eignung der Braunerden für den Acker- bau ist ohne Düngung und Bewässerung weniger gut (Hofmeister 1997). Parabraunerden ähneln den Braunerden, unter- scheiden sich aber durch eine Tonanreicherung durch Verlagerung aus dem Oberboden (A-Hori- Abb. 2.19 Klimadiagramme ausgewählter Orte im Lausitzer und Mitteldeutschen Braunkohlenrevier. (DWD 2010)
  • 392 Gesellschaftliche, natürliche und technische Rahmenbedingungen der Braunkohlesanierung zont) in den Unterboden (B-Horizont). Ausgangs- material sind Lockersedimente der Löß- und Mo- ränengebiete sowie eiszeitlicher Schotterflächen. Auf Lössbasis kann es auch zur Entwicklung von Schwarzerden (Tschernosem) kommen. Für den Ackerbau sind diese Böden gut geeignet. Wald- gesellschaften sind häufig verarmt. Podsole entstehen vorwiegend aus sandigen (wasserdurchlässigen), basenarmen Sedimenten des Tieflandes sowie in geringerem Maße aus Verwitterungsmaterial in den Mittelgebirgen bei hohen Niederschlägen und niedrigen mittle- ren Jahrestemperaturen. Der Name steht für den typischen aschfarbenen ausgebleichten (ausge- waschenen) Oberboden. Die Standorte werden durch bodensaure Laub-Mischwälder bevorzugt. Leistungsfähige Ackerstandorte sind durch Dün- gung und Bewässerung möglich. Nährstoff- und basenreiche Auenböden ent- stehen aus Sedimenten in Tälern von Flüssen und Strömen. Neben einem Waldsaum werden sie als Grünland oder für Ackerbau genutzt. Die Karte (Abb. 2.21) gibt Aufschluss über den geologischen Ursprung der Bodensubstrate, die die Grundlage der entstandenen Böden bilden. Vegetation Die Floren der nördlichen Hemi- sphäre, einschließlich der Gebietes Mittel- deutschland und Lausitz, werden aufgrund ihrer vielfachen Beziehungen und auffälligen flo- ristischen Einheitlichkeit dem Florenreich der Holarktis, in der weiteren Untergliederung der mitteleuropäischen Florenregion und dort der nördlichen temporaten Florenzone zugeordnet. Weitere Unterscheidungen der Flora ergeben sich aus der Ozeanität, d. h. dem Einfluss der Ozeane auf  Feuchtigkeit und Temperatur. Analog den Kli- mazonen befinden sich die betrachteten Reviere unter subozeanischem Einfluss (subatlantische Provinz), im Osten teilweise unter kontinentalem Einfluss (zentraleuropäische Provinz). Ein drit- tes, das Vegetationsareal bestimmendes Merkmal neben dem Breitengrad und der Ozeanität ist die Höhenstufe, die im Betrachtungsgebiet als planar (bis 300 m) einzustufen ist. Die Biodiversität, d. h. die Artenzahl der Großgefäßpflanzen, entspricht im Betrachtungs- gebiet der mittleren Diversitätszone 5, d. h. zwi- schen 1.000 und 1.500 auf 10.000 km² (Strasbur- ger 1998). Entsprechend der Standortmerkmale las- sen sich typische Vegetationszonen aushalten (Abb. 2.22). Demnach sind für das Betrachtungs- gebiet sommergrüne Laubwälder dominierend. Der sommergrüne Laubwald ist standortbe- dingt weiter differenziert und lässt sich verein- facht wie folgt darstellen: Im Mitteleuropäischen Tiefland dominieren westlich der Elbe in den re- levanten tieferen Lagen Buchenmischwaldgebie- te und östlich der Elbe Kiefernwaldgebiete mit Eiche auf Sandböden (Abb. 2.23). Abb. 2.20 Bodenkarte Lausitz und Mitteldeutsch- land (Diercke 2007)
  • 40 C. Drebenstedt et al. Im Mitteldeutschen Revier werden im Regen- schatten des Harzes zudem Trockengebiete mit aufgelockerten Eichenmischwaldbeständen ohne Buche ausgewiesen. Ursprünglich war die mitteleuropäische Flo- renregion nur dort lokal waldfrei, wo extreme Standortbedingungen vorherrschten (Trocken- heit, Nässe, Salz). Durch Ackerbau ist heute nur noch ein Viertel Europas mit Wald bedeckt und dies vielfach als intensiv bewirtschafteter Forst, überwiegend im Bereich der Mittelgebirge. Bei der Beschreibung der Bodentypen wurde bereits auf die Nutzung der Standorte verwiesen. Abbil- dung 2.24 zeigt, wie sich aufgrund der vorherr- schenden Bodentypen naturbedingte Agrarräume ausbilden. Kohlenbildung Die Kohlenbildung ist ein komplexer Prozess auf den die örtliche Lage, die Sedimentationsbedingungen, die Geotekto- nik und die klimabedingte Biomasseproduktion erheblichen Einfluss ausüben. Die Braunkohlen- bildungen in den Mitteldeutschen und Lausitzer Braunkohlenrevieren sind stratigraphisch dem Tertiär, in der Lausitz überwiegend dem Miozän, in Mitteldeutschland auch dem Eozän zu zuord- nen (Abb. 2.25 und 2.62). Die Braunkohlenlagerstätten Mittel- und Ost- europas können paläogeographisch generell in zwei Bereiche unterteilt werden: • paralische Lagerstätten, die aus Küstenrand- mooren entstanden sind (Abb. 2.26) • terrestrische Lagerstätten die aus limnischen (Süßwasser) Mooren auf dem Festland her- vorgingen Paralische Lagerstätten entstanden in der Nord- deutsch-polnischen Senke, zu der die überwie- gende Anzahl der Lagerstätten der Lausitzer und Mitteldeutschen Braunkohlenreviere gehören. Im Tertiär, beginnend vor über 40 Mio. Jahren, befanden sich Mitteldeutschland und die Lausitz am Südrand eines riesigen Sedimentationsbe- ckens, der Nordwesteuropäischen Tertiärsenke. Der Südrand dieses Ablagerungsraumes spiegelt mit seinen Sedimenten den Wechsel von Meeres- überflutungen (Transgressionen) aus dem Be- reich der heutigen Nordsee und Meeresrückzügen (Regressionen) wider. Während der Regressions- phasen, gleichzusetzen mit Meeresspiegeltief- ständen, entstanden großflächige, küstennahe Vermoorungsgebiete. Bei lang anhaltenden Re- gressionsphasen wurden die Vermoorungsgebie- te von festländischen Verwitterungsprodukten, überwiegend Tone und Sande, aber auch Kiese, bedeckt. Folgte nach der Vermoorungsphase ein Meeresspiegelhochstand, wurde das Ver- moorungsgebiet erneut überflutet. In Lagunen wurden überwiegend Schluffe und in Bereichen von Stränden und Nehrungen Sande abgelagert. Infolge der Sedimentüberdeckung wurden die Abb. 2.21 Geologischer Ursprung der Bodensubstrate. (nach BGR 2007)
  • 412 Gesellschaftliche, natürliche und technische Rahmenbedingungen der Braunkohlesanierung Moorablagerungen (Torfe) im Laufe der Jahr- millionen in Braunkohle umgewandelt. So wur- den in der Lausitz in das etwa 250 m mächtige tertiäre Sedimentgebirge fünf bedeutende Braun- kohlenflözhorizonte eingelagert, von denen das 2. Lausitzer Flöz heute weit überwiegend in den umgehenden Tagebauen gewonnen wird. Nach Art der Absenkung des Untergrundes, die für eine Akkumulation der organischen Subs- tanz verantwortlich ist, werden drei Entstehungs- typen von Braunkohlenlagerstätten unterschie- den (Abb. 2.27; Strzodka et al.1979): • tektonische Lagerstätten, die sich durch perio- dische Torfanhäufung nach plötzlichen gro- ßen Senkungsphasen bildeten und durch viele kleine, meist unvollständig ausgebildete und an den Bruchstrukturen zerscherte und gefal- tete Flöze mit hohem Aschegehalt und hoher Mächtigkeit (bis 100 m) charakterisiert sind • epirogenetische Lagerstätten, die auf eine langsame und langanhaltende kontinuierliche Absenkung zurückgehen, in deren Folge sich weitaushaltende Flöze mittlerer Mächtigkeit (bis 20 m) und gleichförmigen Aufbaus bildeten • Flözbildung durch Salzabwanderung (Halo- kinetischer Typ) und -auslaugung (Subro- Abb. 2.22 Vegetationszo- nen in Europa. (Strasbur- ger 1998) Abb. 2.23 Ursprüngliche Waldgesellschaften. (Friese et al. 1996)
  • 42 C. Drebenstedt et al. sionstyp), die durch eine stetige Senkung mit wechselnder Senkungsrate gekennzeichnet ist und homogene Flöze mit oft hoher Mächtig- keit (bis 100 m) im Wechsel mit unvollständig ausgebildeten Bereichen hervorbrachte (z. B. Geiseltal) Kombinationen der genannten Entstehungstypen sind möglich, z. B. epirogenetische Bildungen, die durch Tektonik oder durch Salzbewegung und Subrosion (Mitteldeutsches Revier) über- lagert wurden. Abhängig von der Periodizität der Absenkungsprozesse können mehrere Flöze übereinander entstanden sein, die unterschied- lichen Absenkungsprozessen zu zuordnen sind. Weiterhin können insbesondere eiszeitliche Ein- wirkungen zu Lageveränderungen der Flöze bzw. zu deren teilweisen Erosion geführt haben, die die Ablagerungsverhältnisse beeinflussen. Die Braunkohlenlagerstätten in der Lausitz und in Mitteldeutschland sind den epirogenetischen und salzkinetisch gebildeten Lagerstättentypen der Norddeutsch-polnischen Senke, d. h. den parali- schen Lagerstätten, zuzuordnen. Terrestrische Lagerstätten sind im Betrach- tungsgebiet nur die Lagerstätten der Oberlausitz. Sie entstanden an den Rändern bzw. in Tälern der Mittel- und Hochgebirge in Folge von Absenkun- gen im Zusammenhang mit der alpinen Gebirgs- bildung im Tertiär. Technik Der Braunkohlenbergbau in der Lausitz und im Mitteldeutschen Revier begann zunächst im Tiefbau, der teilweise wegen geotechnischer Gefährdungen für die Braunkohlesanierung bis heute relevant ist. Auf die Technologien des Braunkohlentiefbaus, der bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts von Bedeutung war, wird in Kap. 6 näher eingegangen. Begünstigt durch die relativ oberflächennahen Ablagerungsverhältnisse der Kohle und lockerer Deckgebirgsschichten ist mit der Entwicklung der Bergbautechnik seit Beginn des 20. Jahrhun- derts der Tagebau die zunehmend bestimmende Abbaumethode der Braunkohle. Abhängig vom Lagerstättentyp ergeben sich Unterschiede in den Abbauverfahren. Auf der Grundlage der Abla- Abb. 2.24 Naturbedingte Agrarräume in Deutsch- land. (Friese et al. 1996) Abb. 2.25 Altersstellung der Braunkohlen im östlichen Deutschland. (Henningsen und Katzung 2006)
  • 432 Gesellschaftliche, natürliche und technische Rahmenbedingungen der Braunkohlesanierung Abb. 2.27 Bildungstypen der Braunkohlenlagerstät- ten. (Strzodka et al. 1979) Abb. 2.26 Paralische Braunkohlenlagerstätten. (nach Thomas 1992)
  • 44 C. Drebenstedt et al. gerungsverhältnisse bieten sich drei wesentliche Abbauverfahren im Tagebau an: • Abraumförderbrücken oder Direktversturz- kombinationen für großflächige, weitest- gehend ungestörte Lagerstätten (epiroge- netischer Typ) mit in der Regel einem Flöz mittlerer Mächtigkeit und einem hohen Anteil nichtkohäsiver Lockersedimente (Abb. 2.28 und 2.29) • Schaufelradbagger-Bandbetrieb für Mehrflöz- lagerstätten und Lagerstätten mit komplizier- teren Ablagerungsverhältnissen und einem hohen bindigen Anteil bzw. verfestigten Sedi- menten im Abraum (halotektonischer und tektonischer Typ) sowie hohen Leistungsan- forderungen (Abb. 2.30) • Mobile Technik für kleine Lagerstätten und extrem gestörte Lagerungsverhältnisse, die einen kontinuierlichen Massenstrom nicht zulassen, z. B. beim tektonischen Lagerstät- tentyp (Abb. 2.31) Der Abbau der Braunkohle erlebte in Deutsch- land seit Mitte des 19. Jahrhunderts seine stärks- te Entwicklung und erhielt einen nachhaltigen Schub durch die Einführung der kontinuierlichen Tagebautechnik (1885 Eimerkettenbagger, 1897 Direktversturzkombination, 1916 Schaufelrad- Abb. 2.28 Abraumförderbrücke mit angeschlossenen Eimerkettenbaggern. (Tagebau Nochten, Lausitzer Revier) Abb. 2.29 Direktversturz- kombination mit Schaufel- radbagger und Absetzer. (Tagebau Dreiweibern, Lausitzer Revier)
  • 452 Gesellschaftliche, natürliche und technische Rahmenbedingungen der Braunkohlesanierung bagger und 1924 Abraumförderbrücke) (Dre- benstedt 2009, Schulz 2005). Ab den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts löste der Bandbetrieb zunehmend den Zugbetrieb als Fördertechnologie ab. Diese Technologie ist bis heute dominierend für den Braunkohlenbergbau (Fraus 1999; Kremaleck 1998; Kavouridis et al. 2000). Eine besonders effektive Form des Abraum- transports und der Abraumverkippung erfolgt auf kürzestem Weg, über den offenen Tagebau hin- weg, im Direktversturz. Dazu wurden Abraumför- derbrücken (Abb. 2.28) entwickelt, die zunächst eine relativ weite Verbreitung erhielten, heute aber nur noch unter den speziellen Bedingungen des Lausitzer Reviers eingesetzt werden. Die größ- ten Abraumförderbrücken vom Typ F60 nehmen den Abraum von in der Regel drei Eimerketten- baggern auf, die in drei Schnitten eine Gesamtab- tragsmächtigkeit von über 60 m erreichen können. Weitere Typenförderbrücken für 34 m (ge- steigert bis 42 m) und 45 m (gesteigert bis 54 m) Abtrag wurden in den Mitteldeutschen und Lau- sitzer Braunkohlenrevieren nach 1945 eingesetzt. Bis dahin waren die Förderbrücken Sonderkonst- ruktionen, angepasst an die Lagerstätte. Die über die Abtragsmächtigkeit der Förder- brücke hinaus gehenden Abraummächtigkeiten werden in der Regel mit Schaufelradbagger- Bandbetrieb im Vorschnitt abgetragen. Alternativ zu Abraumförderbrücken wurde im Einzelfall (z. B. im Tagebau Dreiweibern) auch eine kleinere Schaufelradbagger-Absetzer- Kombination zum Direktversturz eingesetzt (Abb. 2.29), die Abtragsmächtigkeiten bis 20 m gewinnen konnte (Drebenstedt 1997). Der Einsatz mobiler Technik, der Shovel-And- Truck-Betrieb (Abb. 2.31), besetzt ebenfalls eine Nische neben den Großtagebauen, wird aber auch lokal mit der Schaufelradbagger-Band-Technolo- gie kombiniert, z. B. bei der Ausbaggerung tiefer Mulden im Mitteldeutschen Revier (Drebenstedt und Niemann-Delius 2009). Für eine hochselek- tive Gewinnung werden auch Continuous Sur- face Miner in Verbindung mit SLKW eingesetzt (Abb. 2.32; Drebenstedt 2009). Der historische Einsatz der Technik zur Ab- raumbeseitigung bestimmt wesentliche Aufga- ben der späteren Sanierung und Rekultivierung, da er Einfluss auf die Möglichkeiten der selek- tiven Gewinnung und Verkippung geeigneter Bodensubstrate sowie die Reliefgestaltung und die hydrologischen und hydrogeochemischen Prozesse ausübt (Tab. 2.16). Abbildung 2.33 ver- deutlicht die Möglichkeiten der grundsätzlichen Relief- und Nutzungsgestaltung bzw. -verände- rung mit den wesentlichen Elementen der Berg- baufolgelandschaft Tagebauraum, Aufschüttung, Verfüllung und Flutung (Drebenstedt 2003). Wegen der Bedeutung der Technik der Ab- raumbeseitigung für das Verständnis der Aufga- ben der Bergbausanierung wird im Folgenden die Eignung der verschiedenen eingesetzten Techno- logien für die Wiedernutzbarmachung grundsätz- lich dargestellt: Abb. 2.30 Schaufelradbagger mit Bandaufgabe. (Mittel- deutsches Revier) Abb. 2.31 Mobile Technik. (Tagebau Olbersdorf, Ober- lausitz)
  • 46 C. Drebenstedt et al. Abraumgewinnung Zur Abraumgewinnung im Lockergestein kamen und kommen kontinuier- lich arbeitende, leistungsstarke Schaufelrad- und Eimerkettenbagger zum Einsatz (Abb. 2.34). Eingefäßbagger mit Löffel oder Zugschaufel (Abb. 2.35) finden nur selten, z. B. zur Beräu- mung grobstückigen Baggergutes (Findlinge, Fundamente, gesprengtes Haufwerk) oder zur Kippengestaltung Verwendung. Moderne schwenkbare Eimerkettenbagger können, auf Schienen oder Raupen gestellt, im Tief- und Hochschnitt baggern und so eine große Gesamtabraummächtigkeit bis 50 m bewältigen. Aus Sicht der selektiven Gewinnung von Ab- raumanteilen sind Eimerkettenbagger nur wenig geeignet, da sich die Eimergefäße auf der gesam- ten Böschungshöhe gleichmäßig füllen und damit ein Mischsubstrat herstellen. Nur unter speziel- len, homogenen Ablagerungsbedingungen oder durch aufwendige Sondertechnologie ist es mög- lich, gezielt Bodenarten selektiv zu gewinnen. Abb. 2.32 Continuous Surface Miner. (Tagebau Profen, Mitteldeutsches Revier) Tab. 2.16 Eignung von Abbausystemen im Tagebau aus Sicht der Rekultivierung und Landschaftsgestaltung. (Dre- benstedt 1999) Technologische Komplexe Bewertung aus Sicht der Wiedernutzbarmachung Gewinnung Transport Verkippung Selektive Massendisposition Reliefgestaltung Gewinnung Verkippung Schaufelradbagger Förderbrücke + o − o Absetzer + o o o Band/Zug Absetzer + + + + Zug Pflugkippe + + + o Zug Spülkippe + − − − Eimerkettenbagger Förderbrücke o o − o Band/Zug Absetzer o + + + Zug Pflugkippe o + + o Zug Spülkippe o − o − Eingefäßbagger Zug Pflugkippe + + + o Lastkraftwagen + + + + − nicht geeignet, o bedingt geeignet, + gut geeignet
  • 472 Gesellschaftliche, natürliche und technische Rahmenbedingungen der Braunkohlesanierung Schaufelradbagger besitzen ein Graborgan mit bis zu 18 m Durchmesser (SRs 6300). Übersteigt die Abraummächtigkeit die Hälfte des Schaufel- raddurchmessers, wird die Böschung in Schei- ben abgebaut. In der Regel können max. 4 bis 5 Scheiben von einer Arbeitsebene aus im Hoch- schnitt abgebaggert werden. Die größten Geräte können so ebenfalls Gesamtabraummächtigkei- ten bis 50 m allein bewältigen. Eine Tiefschnitt- baggerung ist teilweise realisierbar. Durch die Möglichkeit, die Abraumböschung in Scheiben einzuteilen (Terrassenschnitt), können Gesteins- arten selektiert werden (Abb. 2.36). Grenzen der selektiven Gewinnung sind dann gegeben, wenn die Mächtigkeit der zu gewinnen- den Abraumschicht im Verhältnis zum Schaufel- raddurchmesser gering ist bzw. mit der Einteilung der Scheiben der gewünschte Horizont nicht voll erfasst werden kann. Unter diesen Bedingungen kann auch die gezielte Gewinnung von Bodenge- mischen vorteilhaft sein. Kleinere Schaufelrad- durchmesser sind für eine selektive Gewinnung besser geeignet. Für die Bewertung der selektiven Gewinnung von Abraum ist nicht nur die Art der Gewinnung in der Böschungshöhe, sondern bei wechselnden Abb. 2.34 Schienengebundener Eimerkettenbagger. (Ta- gebau Bärwalde, Lausitzer Revier) Abb. 2.35 Eingefäßbagger mit Zugschaufel. (Tagebau Reichwalde, Lausitzer Revier) Abb. 2.33 Relief- und nutzungsprägende Elemente der Bergbaufolgelandschaft. (Drebenstedt 2003)
  • 48 C. Drebenstedt et al. Bodenarten auch auf der Böschungslänge von Bedeutung. Eimerkettenbagger auf Schienen baggern in der Regel im Frontverhieb, d. h. auf einem länge- ren Strossenabschnitt durch ständiges Verfahren und Absenken (Abb. 2.37) bzw. durch Schwen- ken der Eimerleiter. Dieser Prozess trägt zur wei- teren Vermischung der herein gewonnenen Subs- trate bei. Schaufelbagger auf Raupenfahrwerken baggern vor Kopf (Blockverhieb, Abb. 2.37), was den Inhalt (Volumen) einer selektiv gewinn- baren Scheibe einschränkt. Sie wird im Wesent- lichen durch die Länge des Schaufelradauslegers bestimmt. Die besten Voraussetzungen zur selektiven Gewinnung bestehen im Seitenblockverhieb (Abb. 2.37). Der Schaufelradbagger fährt parallel zum Stoß und baggert die gewünschte (z. B. obere) Scheibe über die entsprechende Strossen- länge ab. Allerdings sind mit dieser Technologie Leistungsverluste durch geringere Blockbreite und das Verfahren des Gerätes verbunden. Dem Einsatz von Schaufelradbaggern ist aus Sicht der Wiedernutzbarmachung der Vorrang einzuräumen. Abraumtransport Der gewonnene Abraum muss zur Kippe transportiert werden. Dazu bestehen im Prinzip zwei grundlegende Techno- logien: • mit Transportmitteln, z. B. Bandanlagen (Abb. 2.38) und Zügen (Abb. 2.39) oder • im Direktversturz, z. B. Abraumförderbrü- cke (Abb. 2.28), Direktversturzkombination (Abb. 2.29) Der Direktversturz ist die kostengünstigste Varian- te der Abraumbeseitigung. Er wird mit Abraum- förderbrücken oder Bagger-Absetzer-Kombina- tionen realisiert. Bis zu 60 m Abraummächtigkeit lassen sich auf kürzeste Entfernung quer über den Tagebau transportieren und unmittelbar hinter der Auskohlung verkippen. Der Abraum muss dazu weitgehend rollig und die Kippenbasis söhlig sein. Mit Abraumförderbrücken lassen sich jedoch Bodenarten kaum selektiv transportieren und ver- kippen, insbesondere dann nicht, wenn mehrere Bagger den Abraum gewinnen. Da dies zudem Eimerkettenbagger sind, entsteht ein Mischboden. Abraum kann nur dann selektiv transportiert wer- den, wenn einheitlicher Boden an allen Baggern ansteht oder nur bestimmte Bagger im Einsatz sind. In der Vergangenheit wurden auch Schaufel- räder in Verbindung mit Förderbrücken eingesetzt (AFB „Meurostolln“ 1940 und „Hostens“ 1932). Direktversturzkombinationen Schaufelradbagger- Absetzer besitzen gegenüber Förderbrücken den Vorteil, dass Abraum selektiv gewonnen und zur Kippe transportiert werden kann. Ein selektiver Massentransport lässt sich aber am effektivsten mit Transportmitteln realisieren. Abb. 2.36 Schaufelrad- bagger im Terrassenschnitt, Blockverhieb. (Tagebau Vereinigtes Schleenhain, Mitteldeutsches Revier)
  • 492 Gesellschaftliche, natürliche und technische Rahmenbedingungen der Braunkohlesanierung Dabei gilt insbesondere für geringmächtige Ab- schlussschüttungen: Je kleiner die Transportein- heit ist, desto genauer lässt sich die Qualität dis- ponieren. Aufgrund der hohen Förderleistungen und Massenströme sowie aus Kostengründen kommt heut fast ausschließlich die kontinuier- liche Bandförderung in Betracht. Mehrere Kilo- meter lange Bandanlagen nehmen das Baggergut kontinuierlich auf und bringen es zum Absetzer. Sollen einzelne Bodenarten selektiv verkippt werden, müssen sie in größeren Mengen und für längere Zeit „angeliefert“ werden. Der Abraumzugbetrieb hatte bis in die 70er und teilweise 80er Jahre des 20. Jahrhunderts wesentliche Bedeutung für den Abraumtransport, spielt in den Zukunftstagebauen allerdings keine Rolle mehr, obwohl er aus Sicht der Wiedernutz- barmachung sehr gute Voraussetzungen bietet, um das selektiv gewonnene Bodensubstrat „por- tionsweise“ zur Verkippung zu bringen. Abraumverkippung Entsprechend dem För- dermittel wird der Abraum mit geeigneten Gerä- ten verkippt. Beim Direktversturz erfolgt die Verkippung direkt über Abwürfe und früher auch Abb. 2.37 Schematische Darstellung Frontverhieb, Blockverhieb, Seitenblockverhieb (v. l.). (Strzodka et al. 1979) Abb. 2.38 Bandbeladung. (Tagebau Vereinigtes Schleenhain, Mitteldeut- sches Revier) Abb. 2.39 a Zugbeladung. b Zugentladung mittels Kipp- graben
  • 50 C. Drebenstedt et al. Schurren. Der entscheidende Nachteil bei dieser Art der Verkippung besteht in den räumlichen Zwängen. Die Position des gesamten Fördersys- tems und damit auch der Bereich der Verkippung sind räumlich fixiert. Eine gezielte Massendis- position auf der Kippe ist nicht möglich. Das Baggergut wird in der Regel als Mischsubstrat verkippt (Abb. 2.40). Förderbrücken hinterlassen die bekannten „Mondlandschaften“ (Abb. 2.41). In Abhängig- keit von technologischen Zwangspunkten, wie dem Offenhalten von Ausfahrten an den Mark- scheiden oder Strossenverkürzungen oder -auf- weitungen, entstehen zudem Massenzusammen- drängungen oder Restlöcher. Da die Abwurfausleger der Förderbrücke nicht schwenkbar sind, entsteht eine Rippenkip- pe, denn nach jeder Rückung der Förderbrücke ergibt sich ein neuer Auftreffpunkt (Abb. 2.42). Unter bestimmten Voraussetzungen, wenn homogenes, kulturfreundliches Material in aus- reichender Mächtigkeit durch eine Förderbrücke in eine endgültige Höhenlage, dem geforderten Relief angepasst, geschüttet werden kann, sind nach Planierung Voraussetzungen zur Rekulti- vierung solcher Kippen gegeben. Förderbrücken- kippen können sonst im Nachgang nur mit viel Aufwand planiert (Abb. 2.43) oder mit einer Ab- setzerkippe überzogen und ausgeglichen werden (Abb. 2.45). Im Tagebau Reichwalde wurden vor der gleichnamigen Ortschaft 1991/1992 umfangrei- che Arbeiten zur Kippenregulierung einer För- derbrückenkippe durchgeführt. Dabei kamen u. a. Großplanieraupen, ein Schürfkübelbagger und Schaufelradbagger-Bandwagen-Kombina- tionen zum Einsatz. Bei Höhenunterschieden bis 20 m und erforderlichen Transportwegen bis Abb. 2.40 Betrachtung a einzelner Späne bei der Gewinnen mit Eimerket- tenbagger im Frontverhieb, und b beim Verkippen als Mischsubstrat im Förder- brückenbetrieb Abb. 2.41 Vegetations- lose Rippenkippe durch Verkippung mittels Ab- raumförderbrücke, so ge- nannte „Mondlandschaft“. (Tagebau Reichwalde, Lausitzer Revier)
  • 512 Gesellschaftliche, natürliche und technische Rahmenbedingungen der Braunkohlesanierung 300 bis 400 m erwiesen sich die Schaufelrad- bagger-Bandwagen-Kombinationen zur Grob- ausformung der Kippenoberfläche als geeignete Lösung ( Drebenstedt 1994). Direktversturzkombinationen Schaufelrad- bagger-Absetzer besitzen gegenüber Förder- brücken den Vorteil des schwenkbaren Ausle- gers am Absetzer. Dieser kann jedoch nur dann wirkungsvoll für die selektive Verkippung an die Kippenoberfläche genutzt werden, wenn die Absetzerkippe die endgültige Höhenlage auf- weist und als „glatte“ Kippe geschüttet wird (Abb. 2.44). Die Beweglichkeit derartiger Gerä- tekombinationen zur Massendisposition ist etwas günstiger, aber immer noch stark eingeschränkt ( Drebenstedt 1997, 2009). Im Band- und Zugbetrieb werden Absetzer zur Verkippung eingesetzt. Mittels schwenkbarer Ausleger wird in der Regel die Tiefschüttung vor- genommen (Abb. 2.45a). Durch Schwenken des Auslegers um 180 ° kann hinter dem Fördermittel das zur Rekultivierung geeignete Bodenmaterial selektiv in der erforderlichen Mächtigkeit scho- nend abgesetzt werden (Rückwärtsschüttung, Abb. 2.45b). Die Massendisposition ist über die gesamte Verkippungslänge möglich und es kann fast nahezu jedes gewünschte Relief ausgeformt werden. Ungünstiger sind Absetzerhochschüt- tungen, wenn ein selektiver Auftrag von Substra- ten auf die Hochschüttung erfolgen soll. Bei der Verkippung von Abraum mit Ab- setzern entsteht durch den scheibenweisen kon- Abb. 2.44 Schüttung einer glatten Kippe durch schwenkbaren Ausleger des Absetzers einer Direkt- versturz-Kombination Abb. 2.43 a Planieren einer Brückenkippe mit Planierraupen. b heterogene Kippsubstrate an der Kippenoberfläche nach der Planierung. (Tagebau Jänschwalde, Lausitzer Revier) Abb. 2.42 Ablagerung einzelner Gewinnungs- späne als Rippenkippe, typisch für Direktversturz
  • 52 C. Drebenstedt et al. tinuierlichen Kippenaufbau, abhängig von dem „angelieferten“ Material, ein vertikal und hori- zontal differenzierter Kippenkörper (Abb. 2.46). Die verkippten Substrate haben mit ihren phy- sikalischen und chemischen Eigenschaften einen Einfluss auf die Bodenbildung und damit auch auf den Erfolg der Rekultivierung. Der innere Kippenaufbau kann somit auch noch an der re- kultivierten Oberfläche sichtbar sein (Abb. 2.47). Unterschiedliche Permeabilitäten können zu Ver- nässungsgebieten führen. Neben der Verkippungsreihenfolge übt die Verkippungstechnologie Einfluss z. B. auf die Verdichtung und Entmischung der Kippsubstrate aus (Abb. 2.48). In der Vergangenheit haben sich im Zu- sammenhang mit dem Zugbetrieb vor allem Pflugkippen bewährt (Abb. 2.49). Ähnlich den Rückwärtskippen der Absetzer wurde hinter der eigentlichen Massenverkippung ein gesondertes Gleis geführt, von dem aus das kulturfreund- liche Bodenmaterial so verkippt wurde, dass es anschließend nicht mehr technologisch mit den Gleisanlagen überrückt werden musste. Das Bo- denmaterial wird dabei mit einer Mächtigkeit von ca. 1 m verkippt. Spülkippen in Kombination mit dem Zugbe- trieb sollen als Verkippungstechnologie nicht un- erwähnt bleiben (Abb. 2.50), haben für die Wie- dernutzbarmachung jedoch keine direkte Bedeu- tung. Während des Einspülprozesses entmischt sich das Spülgut von grob nach fein. In der Regel erfolgt die Einspülung in Restlöcher, deren Ober- fläche abschließend mit Pflugkippen überzogen wird. Um die Oberfläche einer Kippe für die Ge- staltung der Bergbaufolgelandschaft und für die Rekultivierung vorzubereiten, werden häufig verschiedene Verkippungstechnologien mitein- ander kombiniert (Abb. 2.51). Einen Sonderfall stellen die nachträglichen Massenbewegungen in den Tagebauen der Braunkohlesanierung dar. Hier fehlten bzw. feh- Abb. 2.45 Absetzer beim Verkippen auf Brückenkip- pe. a in Tiefschüttung (Ta- gebau Nochten, Lausitzer Revier). b mit Rückwärts- kippe (Tagebau Welzow Süd, Lausitzer Revier)
  • 532 Gesellschaftliche, natürliche und technische Rahmenbedingungen der Braunkohlesanierung len teilweise die notwendigen Abraummassen zur Geländegestaltung und Aufschüttung kul- turfreundlicher Böden aus einem Regelbetrieb. Als Lösung müssen hier teilweise Kippenberei- che wieder abgetragen oder Abraum zwischen noch aktiven und bereits stillgelegten Tagebauen transportiert werden. Dabei wird die vorhandene Technik weiter genutzt. Es kommt zur Erdbewe- gung auch mobile Technik mit Dumpern, LKW und SKW zum Einsatz, in Einzelfällen auch Schwimmbagger. In Sonderfällen wurden im großen Umfang Fremdmassen (z. B. Abbruch) in Tagebaue verstürzt, die mit Bahn oder mit LKW von Großbaustellen, wie z. B. dem Spreebogen oder dem Potsdamer Platz in Berlin angeliefert wurden. Bei der Sanierung von frühzeitig stillgeleg- ten Tagebauen müssen die Böschungsbereiche von Kippen und an den Tagebaurändern abge- flacht und zum Teil stabilisiert werden. Durch umfangreiche Massenbewegungen wird ein ausgeglichenes Geländerelief hergestellt. Dabei ist der Grundwasserstand zu beachten, der sich nach dem Wiederanstieg dauerhaft einstellt. Auf- grund des Massendefizits durch die Entnahme der Braunkohle verbleiben Resträume, die zu Seen oder feuchten Niederungen umgestaltet werden und somit verschiedene Lebensräume für unterschiedliche Tier- und Pflanzenarten bieten. In Abbildung 2.52 wird schematisch dargestellt, wie die Betriebs- und Rekultivierungsfläche eines Tagebaues zu einer Bergbaufolgelandschaft umgestaltet werden kann. Außenkippen Während zuvor überwiegend auf Innenkippen eingegangen wurde, sollen die Abb. 2.46 Betrachtung einzelner Späne. a bei der Gewinnung mit Schaufelradbagger. b bei der Bandförderung. c nach dem Vermischen durch mehrfache Bandübergaben, und d beim Verkippen mittels Absetzer Abb. 2.47 Vertikal und horizontal differenzierter Aufbau einer Absetzerkippe, farblich sichtbar. a an der Böschung (Tagebau Reichwalde, Lausitzer Revier), und b an der Oberfläche (Tagebau Greifenhain, Lausitzer Revier)
  • 54 C. Drebenstedt et al. Außenkippen nicht unerwähnt bleiben. Grund- sätzlich kommen zur Herstellung von Außenkip- pen die gleichen Verkippungstechnologien mit Band- und Zugförderung zum Einsatz, wie auf Innenkippen, mit Ausnahme der Spülkippe. Typischerweise werden Außenkippen im Zu- sammenhang mit dem Aufschluss von neuen Tagebauen angelegt. Entsprechend den topogra- phischen Gegebenheiten können Außenkippen auf ebenem Gelände angelegt werden, auf bereits vorhandene Innenkippen aufgebaut werden, zum Verfüllen von Restlöchern früherer Tagebaue oder zum Auffüllen bei unebenem Gelände ge- nutzt werden (Abb. 2.53). Das Abraumvolumen und die in Anspruch genommene Fläche für den Tagebauaufschluss und die Außenkippe hängen neben der Abraum- mächtigkeit auch von den Lockergesteinseigen- schaften des Abraums ab. Bei rolligem Abraum können die Böschungen des Tagebauaufschlus- ses und der Außenkippe steiler angelegt werden. Entsprechend geringer sind das Aufschlussvolu- men und die benötigten Flächen für Aufschluss und Außenkippe (Abb. 2.54a). Mit zunehmenden Abb. 2.48 Aufbau einer Schüttung am Beispiel einer Absetzerkippe. a Aufbau des Schüttkegels. b Zonierung der Material- eigenschaften Abb. 2.49 Pflug zum Anlegen einer Pflugkippe. (Fahr- zeugausstellung MIBRAG) Abb. 2.50 Entladen eines Zuges an einer Spülkippe. (Ta- gebau Lohsa, Lausitzer Revier)
  • 552 Gesellschaftliche, natürliche und technische Rahmenbedingungen der Braunkohlesanierung Anteil bindigen Abraums (Ton, Schluff) neh- men die Böschungswinkel ab. Aufschlussvolu- men und Außenkippe nehmen entsprechend zu (Abb. 2.54b). Ist die Braunkohlenlagerstätte so ausgeprägt, dass ein Abbau in die Teufe statt- finden muss, wird nicht nur der Aufschluss- abraum sondern auch der Abraum während des Tagebaubetriebes auf die Außenkippe verbracht (Abb. 2.54c). Der Tagebauaufschluss erfolgt von oben nach unten, während das Material auf der Außenkip- pe umgekehrt verkippt wird. So befinden sich meist kulturfreundliche obere Abraumschichten an der Kippenbasis, während tertiäre Schichten des Kohlenhangenden an der Kippenoberfläche geschüttet sind. Oft ergeben sich daraus nicht ge- ringe Probleme mit Inkulturnahme und Erosions- sicherung, insbesondere in Böschungsbereichen (Abb. 2.55). Neben den chemischen Eigenschaften haben auch die physikalischen Lockergesteins- eigenschaften des Abraums Einfluss auf die Bodenbildung und somit auf den Erfolg der Re- kultivierung. Wenn verschiedenes Abraummate- rial zur Verfügung steht, kann durch gezielte Mi- schung ein Bodensubstrat hergestellt werden, das die Rekultivierung begünstigt. Abbildung 2.56 stellt die Eignung vorkommender Abraumarten und möglicher Mischungen für die Rekultivie- rung dar. Während der Zeit von der Freilegung und Ge- winnung bis zur Verkippung der geologischen Ausgangssubstrate kann es zu deren chemischer Veränderung kommen, insbesondere wenn sie Sulfidschwefel enthalten, der oxydiert und in Abb. 2.51 a Absetzer- kippe in Hoch und Tiefschüttung. b Absetzer- kippe in Tiefschüttung mit Rückwärtskippe auf Brückenkippe. c Pflugkip- pe mit Rückwärtskippe auf Spülkippe
  • 56 C. Drebenstedt et al. Wasser gelöst für niedrige pH-Werte des Mate- rials an der Kippenoberfläche und im Kippenkör- per verantwortlich ist. Während der pH-Wert an der Kippenoberfläche durch Zugabe von Basen- trägern relativ einfach neutralisiert werden kann, führt die Durchströmung des tiefen Kippenkör- pers zu einer langanhaltenden Versauerung des Grundwassers. Nachträgliche Maßnahmen wie in der Bergbausanierung sind sehr aufwändig (Dre- benstedt und Struzina 2008). Abb. 2.52 Umgestaltung einer Tagebaufläche zu einer Bergbaufolgelandschaft (Drebenstedt 1999), S1- Bö- schungsgestaltung (Herstellung Standsicherheit, berg- männische Rekultivierung, Wiedernutzbarmachung), S2- Restseegestaltung/geotechnische Sicherheit (Abtrag der Hochkippe mind. 2 m unter Endwasserspiegelni- veau), S3- bergmännische Rekultivierung/geotechnische Sicherheit (Hochkippenregulierung zur Gewährleistung von Mindestüberdeckungshöhen zum Endwasserstand), S4- bergmännische Rekultivierung/geotechnische Sicher- heit (Herstellung geotechnischer Sicherheit/Ufersanie- rung und Ufergestaltung), S5- Wiedernutzbarmachung Festlandsanteil der ehemaligen Betriebsfläche, S6-Sa- nierungsmaßnahmen in Wiedernutzbarmachungsflächen (Beseitigung Qualitätsmängel, Ökologisierung, Aufwer- tung), S7- Sanierungsmaßnahmen in Wiedernutzbarma- chungsflächen (Umgestaltung potentieller Vernässungs- gebiete, Ökologisierung, Vorflutregulierung), S8- Be- räumung und Renaturierung Tagebauvorfeld, S9- Beräu- mung und Renaturierung Randflächen Abb. 2.53 Schematische Darstellung von Außenkip- pen. a auf Gelände. b auf Innenkippe. c Restloch- verfüllung. d Geländeaus- gleich
  • 572 Gesellschaftliche, natürliche und technische Rahmenbedingungen der Braunkohlesanierung 2.2.2 Das Mitteldeutsche Braunkoh- lenrevier Das Mitteldeutsche Braunkohlenrevier erstreckt sich hauptsächlich über die Leipziger Tieflands- bucht. Die dortigen Braunkohlenvorkommen sind schon seit dem 14. Jahrhundert bekannt (Bilken- roth 1999). Ab der ersten Hälfte des 19. Jahrhun- derts wurde Braunkohle in vielen kleinen Gru- ben, zum Teil auch im Tiefbau gewonnen, doch bereits zum Ende des 19. Jahrhunderts bildeten sich mehrere Großbetriebe. Im 20. Jahrhundert bestimmten die Großgeräte den großflächigen Abbau in mehr als 40 Tagebauen, von denen die Abb. 2.55 Rekultivierte Außenkippe Bärenbrücker Höhe (Lausitzer Revier) mit Ausfallstellen. (Foto: LAUBAG/Vattenfall) Abb. 2.54 Schematische Darstellung von Tagebau- aufschlüssen mit Außen- kippen. a bei rolligem Abraum. b bei bindigen Abraum. c beim Abbau in die Teufe. ( Drebenstedt 1999)
  • 58 C. Drebenstedt et al. meisten heute stillgelegt sind (Abb. 2.57). Der- zeit wird nur noch in drei Tagebauen Braunkoh- le gefördert. Davon betreibt die Mitteldeutschen Braunkohlen Gesellschaft mbH (MIBRAG) zwei Tagebaue im Südraum von Leipzig (Tagebau Profen, Tagebau Vereinigtes Schleenhain) und die ROMONTA GmbH einen Tagebau westlich von Halle (Tagebau Amsdorf). Die jährliche Förderleistung im Mitteldeutschen Revier be- trägt ca. 20 Mio. t Rohbraunkohle, das entsprach 2010 einem Anteil von ca. 11 % an der deutschen Braunkohlenförderung. Die geologischen Vorrä- te des Reviers umfassen ca. 10 Mrd. t, wobei ca. 2 Mrd. t unter heutigen Bedingungen wirtschaft- lich gewinnbar sind (DEBRIV 2010). Die Quali- tätsparameter sind in Tabelle 2.17 dargestellt. Naturraum Die Leipziger Tieflandsbucht, in der sich der Großteil des Mitteldeutschen Braun- kohlenreviers befindet, liegt im Süden des Nord- ostdeutschen Tieflandes an der Grenze zu den Östlichen Mittelgebirgen. Das Braunkohlenre- vier berührt dabei die naturräumlichen Hauptein- heiten Sächsisches Hügelland/Leipziger Land, Elbe-Mulde-Tiefland und Östliches Harzvorland und Börden (s. Abschn. 2.2.1). Die Leipziger Tieflandsbucht ist Altmoränenland (Abb. 2.58). Sie ist eine ebene Fläche mit nur geringen Erhe- bungen und fällt leicht nach Nordost ab. Die Flüsse Saale, Weiße Elster, Pleiße und Mulde prägen die Morphologie mit ihren meist breiten und flachen Täler. Die Leipziger Tieflandsbucht liegt im Bereich der subozeanen Waldklimate, wobei der Regenschatten des Harzes vergleichs- weise niedrige Niederschlagsmengen von 450 bis 550 mm/a bewirkt. Durch die fruchtbaren Löss- böden herrscht Landwirtschaft und zum gerin- geren Anteil Forstwirtschaft vor. Naturnaher Wald ist nur noch stellenweise, hauptsächlich in Flussauen und auf Pleistozänplatten anzutreffen. Dabei handelt es sich um Holunder-Ulmen-Au- enwälder (z. B. Fluhnetal) bzw. um Subkontinen- talen Laubwald mit Traubeneichen, Hainbuchen und Winterlinden. Die Tagebaue westlich der Saale sowie einige Tagebaue im Zeitz-Weißen- fels-Hohenmölsener Revier sind dem Bördeland zu zuordnen. Die heutigen Bodensubstrate sind während der Eiszeiten abgelagert worden. Über den Grund- und Endmoränen und Sandern liegt eine Lössschicht, die im Norden nur einige Dezimeter beträgt und mit Sand vermischt ist, zum Süden hin aber bis zu 20 m mächtig wird (Abb. 2.59 und 2.60). So befindet sich heute im Nordosten der Leip- ziger Tieflandsbucht die waldreiche Landschaft Dahlen-Dübener-Heide, die ein Endmoränenge- biet der Saaleeiszeit ist und ein kuppiges Glazial- relief besitzt. Auf den nährstoffarmen sandigen Böden (Sand-Braunerden und -podsole) sind so- wohl naturnahe Wälder als auch Forstwirtschaft zu finden. Im Osten der Leipziger Tieflandsbucht be- findet sich die gehölz- und waldreiche, acker- geprägte Kulturlandschaft Grimma-Wurzener- Porphyrhügelland. Hier werden die glazialen und glaziofluvialen Ablagerungen von Durchragun- gen des Grundgebirges unterbrochen. Dabei han- delt es sich um verschiedene Porphyrvarietäten und – tuffe, die zum Nordsächsischen Vulkanit- becken zählen und als Einzelerhebungen hervor- Abb. 2.56 Eignung vorkommender Abraum- körnungen und möglicher Mischungen für die Re- kultivierung
  • 592 Gesellschaftliche, natürliche und technische Rahmenbedingungen der Braunkohlesanierung treten. Die Sandlösslage ist in dieser Landschaft nur gering. Die landwirtschaftliche Nutzung findet hauptsächlich auf den ebenen Pleistozän- platten statt. Größere zusammenhängende Wäl- der sind auf die porphyrischen Durchragungen beschränkt. Meist sind es Nadelforsten, die all- mählich zu Mischwäldern umstrukturiert werden. Im Zentrum der Leipziger Tieflandsbucht befindet sich die ackergeprägte, offene Kultur- landschaft Halle-Leipziger Land. Das weit ver- breitete Moränenmaterial und die eiszeitlichen Schotterterrassen sind von einer bis zu 1 m mäch- tigen Sandlösslage bedeckt. Die gering reliefier- te Landschaft wird hauptsächlich ackerbaulich genutzt. Zusammenhängende Wald- und Grün- landflächen sind in der ausgeräumten Agrarland- schaft nur noch vereinzelt zu finden. Durchzogen wird das Halle-Leipziger-Land vom Saale- und Elstertal, wobei im Saaletal Kalklehm-Vega und Vega-Halbgley vorherr- schen, während im Elstergebiet kalkarme Lehm- Vega und Lehm-Halbgley dominieren. Hier fin- den sich neben der landwirtschaftlichen Nutzung auch unter Schutz stehende Auenwälder. Im Westen geht die Leipziger Tieflandsbucht in die ebenfalls ackergeprägte aber wellighüge- lige Landschaft Östliches Harzvorland über. Auf den Hängen findet zudem Obst- und Weinanbau statt. Im Südwesten liegt die Landschaft Querfurter Platte, die dem Halle-Leipziger-Land sehr äh- Abb. 2.57 Mitteldeut- sches Braunkohlenrevier. (Eißmann 2000) Tab. 2.17 Mittlere Kohlenqualitätsparameter der der- zeit geförderten Mitteldeutschen Braunkohle. (DEBRIV 2010) Heizwert, roh, MJ/kg 9,0–11,3 Wassergehalt, roh, % 49–53 Aschegehalt, roh, % 5,3–10,0 Schwefelgehalt, roh, % 1,5–2,1
  • 60 C. Drebenstedt et al. nelt und fast ausschließlich ackerbaulich genutzt wird. Auch das im Süden der Leipziger Tieflands- bucht liegende Altenburg-Zeitzer-Lössgebiet ist eine ackergeprägte offene Kulturlandschaft. Hier ist die abgelagerte Lößschicht am mächtigsten. In weiten Bereichen befinden sich daher Löss- Schwarzerden, in den südlich Randbereichen (auf Buntsandsteinplatten) aber auch Löss-Fahl- erden und Stau-Fahlerden sowie Parabraunerden. Einen großen Teil der Leipziger Bucht neh- men heute die Bergbaubereiche und Bergbau- folgelandschaften ein. Teile des Gebietes werden land- und forstwirtschaftlich genutzt. Die neuen entstehenden Restlochseen machen eine touris- tische Nutzung möglich. Besonders im Gräfen- hainichen-Bitterfeld-Delitzscher Revier und im Geiseltal-Amsdorfer Revier konnten durch Suk- zession auch bereits hochwertige Sekundärbioto- pe für eine große Zahl schutzwürdiger und vom Aussterben bedrohter Tier- und Pflanzenarten entstehen. In der „Acker- und Bergbaulandschaft süd- lich Leipzig“ (Weißelsterbecken) befinden sich die beiden Großtagebaue Profen und Vereinig- tes Schleenhain. Die ehemals leicht ansteigende Ebene wird heute durch Halden und Restloch- seen geprägt. Die Flüsse Weißer Elster, Pleiße und deren Zuflüsse sind z. T. kanalisiert. Nur vereinzelt ist der ursprüngliche subkontinentale Laubwald zu finden. Abb. 2.58 Räumliche Gliederung im Bereich des Mitteldeutschen und Lausitzer Braunkohlenreviers nach dem geo- logischen Ursprung. (Friese et al. 1996) Abb. 2.59 Übersicht über die Landschaften in der Leipziger Tieflandsbucht. (BfN 2010)
  • 612 Gesellschaftliche, natürliche und technische Rahmenbedingungen der Braunkohlesanierung Geologie Das Mitteldeutsche Braunkohlenrevier befindet sich in der Leipziger Tieflandsbucht, die im Übergangsbereich zwischen der Norddeut- schen Senke und dem Böhmisch-Mitteldeutschen Festlandsgebiet entstanden ist. Heute sind hier an der Oberfläche hauptsächlich quartäre Lockerge- steine anzutreffen (Abb. 2.61). Während des Tertiärs führten großflächige Hebungen und Senkungen (epirogenetische Be- wegungen) und zeitweise Meeresüberflutungen zu ausgebreiteten Sedimentationsbereichen, in denen die Braunkohlenvorkommen entstehen konnten. Zwischenzeitlich kam es mehrfach zu Sedimentationsunterbrechungen und auch zu Ab- tragungen des bereits sedimentierten Materials. Durch die Überlagerung der epirogenen Sen- kungen mit Auslaugungssenkungen bildeten sich zudem örtlich tiefe Kessel, in denen die Kohlen- flöze besonders große Mächtigkeiten bis ca. 75 m erreichten (Pegauer Kessel, Profener Kessel). Im Verlauf des Tertiärs verlagerte sich die Sedimen- tation von Süd-West nach Nord-Ost und mit ihr Abb. 2.61 Geologische Übersichtskarte Mitteldeutschland. (nach Köhler 1989) Abb. 2.60 Böden in der Leipziger Tieflandsbucht. (nach BGR 2007)
  • 62 C. Drebenstedt et al. auch die Bedingungen für die Kohlenbildung. Die Bildung der bauwürdigen Braunkohlenflöze erstreckte sich entsprechend der geographischen Lage vom mittleren Eozän bis zum unteren Mio- zän. So ist im Geißeltal und im Weißelsterbecken die „Ältere Subherzyne Braunkohlenformation“ und im Gräfenheinichen-Bitterfeld-Delitzscher Gebiet die wesentlich jüngere „Lausitzer Braun- kohlenformation“ anzutreffen (s. Abb. 2.25). Das Mitteldeutsche Braunkohlenrevier lässt sich demnach in drei Teilreviere gliedern (Abb. 2.62): • Gräfenhainichen-Bitterfeld-Delitzscher Revier, in dem das unter-miozäne Bitterfelder Flöz mit einer Mächtigkeit von 10 bis 14 m bauwürdig ist. • Weißelsterbecken, das sich in den Südraum Leipzig und das Zeitz-Weißenfels-Hohenmöl- sener Revier gliedert. Hier werden Flöze vom Mittel-Eozän bis zum Unter-Oligozän abge- baut. − das Böhlener Oberflöz mit einer Mächtig- keit von ca. 10 m − das Thüringer Hauptflöz (Bornaer Haupt- flöz) mit einer Mächtigkeit von ca. 15 m, in Auslaugungskesseln bis zu 30 m − das Sächsisch-Thüringische Unterflöz, das eigentlich nur 2 bis 4 m mächtig ist, in Aus- laugungskesseln aber bis zu 75 m Mächtig- keit erreicht. • Geißeltal-Amsdorfer-Revier, in dem sich im Geiseltal durch eine besonders intensive Absenkung ein 60 bis 80 m, stellenweise sogar über 100 m mächtiges Flöz im mittleren Eozän bildete. Nach Abschluss der Kohlenbildung wurden die Flöze zum Teil stark überprägt. Bereits zum Ende des Miozäns wird durch weiträumige Hebungen Abb. 2.62 Braunkohlen- vorkommen im Mittel- deutschen und Helmstedter Braunkohlenrevier, 1 – eozäne Flöze, 2 – miozäne Flöze, 3 – epirogenetische Bildung, 4 – Salzabwan- derungstyp, 5 – Salzaus- laugungstyp. (Krumbiegel et al. 1983)
  • 632 Gesellschaftliche, natürliche und technische Rahmenbedingungen der Braunkohlesanierung auch die Grundwasserdynamik angeregt, wo- durch Auswaschungen der zechsteinlichen An- hydritkörper begünstigt wurden, die tief unter den Kohlenflözen lagen. So entstanden die so genannten „Löcher“ in denen die Kohlenflöze örtlich bis zu 50 m abgesenkt sind (Abb. 2.63). Im Quartär wurde die heutige Landschaft der Leipziger Bucht geprägt. Durch Frostver- witterung entstand so viel Geröllmaterial, dass es nicht durch die Flüsse abtransportiert werden konnte, und es bildeten sich große Schotterter- rassen. Während der Elstervereisung bedeckte das Eis die gesamte Leipziger Bucht wodurch eine 5 bis 15 m mächtige Grundmoränenplatte aufgeschüttet wurde (Abb. 2.64). Das Eis form- te auch tiefe, mit Schotter und Geröll gefüllte Rinnen und ausgedehnte Senken, in denen sich während der anschließenden Holsteinwarmzeit das Schmelzwasser und fluviatile Sedimente sammelten. Zu Beginn der zweiten Vereisungs- periode (Saalevereisung) lagerten die Flüsse großflächig Sande und Kiese ab, es bildete sich die 5–15 m mächtige Haupt- und Mittelterrasse. Während der Saaleeiszeit wechselten sich kältere und wärmere Phasen ab, so dass sich der Eisrand innerhalb Mitteldeutschlands mehrfach verschob. Es bildeten sich im Süden der Leipziger Bucht bis zu drei Grundmoränen, während nördlich von Leipzig nur eine entstand, da dieses Gebiet durchgängig eisbedeckt war. Mit dem Abtauen des Eises entstand das heutige Gewässersystem. Das Eis der folgenden Weichseleiszeit erreichte Mitteldeutschland nicht. Der Permafrostbereich reichte jedoch zwischenzeitlich mehr als 100 m tief, wodurch es zu Frostbodenzerfall und somit zu Störungen in den Deckschichten kam. Örtlich stieg Braunkohle spießartig auf, es bildeten sich sog. Mollisoldiapire. Zwischen der Linie Bern- burg-Halle-Pegau-Grimma und dem Erzgebirge lagerten sich großflächig äolische Sedimente ab. Die dadurch entstandene Lössdecke erreicht eine Mächtigkeit von bis zu 20 m, nur örtlich ragen ältere Böden durch. In der im Holozän folgen- den Warmzeit breiteten sich darauf Wälder aus, wobei zuerst Birken und Kiefern auf den teils sandigen Lößböden ansiedelten, die später von Eichen verdrängt wurden. Die geologischen Idealschnitte des Gräfenhai- nichen-Bitterfeld-Delitzscher Reviers (Abb. 2.65) und das Weißelsterbeckens (Abb. 2.66) zeigen die Lage der Braunkohlenflöze und die Position einiger Tagebaue. Durch den Tagebaubetrieb sind heute zusätz- lich zu den gewachsenen geologischen Schichten auch große Bereiche mit Kippenmaterial vorhan- den. Die Art und Eigenschaften dieser Locker- gesteinsmassen werden maßgeblich von dem in diesem Bereich beseitigten Abraum bestimmt. Grundsätzlich kennzeichnen im Mitteldeutschen Revier die anstehenden bindigen Horizonte Abb. 2.63 Schematischer Faziesschnitt des Mitteldeutschen Braunkohlenreviers. (Eißmann 2000)
  • 64 C. Drebenstedt et al. die Eigenschaften der Kippenböden. Durch die hier angewandte Verkippungstechnologie mit Absetzern und Förderbrücken kam es zu einer lamellenartigen Schrägschichtung der eingebau- ten Massen. Der Winkel dieser Schrägstellung ergibt sich aus dem Schüttwinkel der jeweiligen Lockergesteinskomponenten (Abb. 2.40 und 2.46). Der Aufbau der Kippen wirkt sich auch auf ihre hydraulischen Eigenschaften und somit auf den Grundwasserhaushalt aus. Häufig wurden Förderbrückenkippen mittels Absetzern über- schüttet, so dass es zu einer Kombination beider Kippentypen kam. Letztlich handelt es sich bei den meisten Kippen des Mitteldeutschen Braun- kohlenreviers um Mischbodenkippen. Vertiefende Ausführungen zur Hydrogeo- logie enthält der Abschnitt 5.2, weitere geolo- gische Details zu ausgewählten Tagebauen der Abschnitt 4.8. Technik Die Braunkohlenvorkommen des Mit- teldeutschen Braunkohlenreviers weisen kompli- zierte geologische Verhältnisse auf. Sowohl die halokinetisch gebildeten Lagerstätten als auch die epirogenetischen Lagerstätten, die durch Subrosion und Erosion überprägt wurden, besit- zen Flöze, deren Lage und Mächtigkeit sehr ungleichmäßig ist. Bei der Kohlengewinnung muss daher die Anzahl der Strossen und die Strossenhöhe stets an die wechselnden Ablage- rungsverhältnisse angepasst werden. Trotz die- ses Umstandes wurden besonders in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Abraumförderbrü- cken eingesetzt. Die zu dieser Zeit noch eigens für jeden Tagebau individuell konstruierten Förderbrücken kamen in den Tagebauen Bruck- dorf, Bergwitz, Böhlen, und in den Zwei-Flöz- Tagebauen Golpa, Zwenkau und Espenhain zum Einsatz. Die Konstruktionen in den Zwei-Flöz- Tagebauen waren bereits mit Zubringerförderer ausgestattet und erreichten die Dimensionen der späteren Typenförderbrücke F45. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden keine weite- ren Förderbrücken für das Mitteldeutsche Revier Abb. 2.64 Eisrandlagen und die dadurch bedingte morphologische Gliede- rung. (Henningsen und Katzung 2006)
  • 652 Gesellschaftliche, natürliche und technische Rahmenbedingungen der Braunkohlesanierung produziert, jedoch wurden Förderbrücken vom Typ F34 von den Lausitzer Tagebauen Sedlitz, Schlabendorf-Nord und Scado in die Tagebaue Delitzsch Südwest und Profen Nord umgesetzt. Seit den 1990er Jahren werden keine Förderbrü- cken mehr im Mitteldeutschen Revier eingesetzt. Die Abraumförderung fand bis 1990 vermehrt mit Zugbetrieb, heute jedoch ausschließlich mit Bandbetrieb statt. Abb. 2.65 Normalprofil des Mitteldeutschen Braunkohlenreviers im Bereich des Gräfenhainichen-Bitterfeld-Delitz- scher Reviers. (Eißmann 2000) Abb. 2.66 Normalprofil des Mitteldeutschen Braunkohlenreviers im Bereich des Weißelsterbeckens. (Eißmann 2000)
  • 66 C. Drebenstedt et al. 2.2.3 Das Lausitzer Braunkohlenrevier Die Tagebaue des Lausitzer Braunkohlenreviers befinden sich hauptsächlich in der Niederlausitz. Sie liegen größtenteils im Lausitzer Urstromtal. Zu ihnen gehören die heute noch aktiven Tage- baue Nochten und Reichwalde. Weitere Tagebaue befinden sich auf dem Niederlausitzer Grenzwall (u. a. Tagebau Welzow-Süd) und im Baruther Ur- stromtal (Tagebau Cottbus-Nord und Tagebau Jänschwalde). In der Oberlausitz befinden sich die stillgelegten Tagebaue Berzdorf nahe Görlitz und Olbersdorf nahe Zittau. Abbildung 2.67 gibt einen Überblick über das Lausitzer Braunkohlenrevier. Naturraum Lausitz ‚Lausitz‘ bedeutet so viel wie ‚Sumpfland‘; sie befindet sich im Über- gangsbereich des Nordostdeutschen Tieflandes zum Ostsächsischem Hügel- und Bergland. Die Lausitz berührt dabei die naturräumlichen Haupt- einheiten „Lausitzer Becken und Spreewald“ (D08), „Oberlausitzer Heideland“ (D13) und „Oberlausitz“ (D14) (s. Abschn. 2.2.1). Es herr- schen Waldgesellschaften dominiert durch Kiefer und Traubeneiche vor. Das Klima ist kontinental beeinflusst mit trockenen, heißen Sommern und sehr kalten Wintern; die Jahresdurchschnittstem- peratur beträgt 8,5 °C; die Niederschläge nehmen nach Süden bis ca. 650 mm/a zu. Das Oberflä- chenrelief der Lausitz ist durch die Eiszeiten geprägt, d. h. durch Grund- und Endmoränen, Becken sowie Sander, Urstromtäler und Dünen. Hydrographisch wird das Gebiet durch die drei Flusssysteme von Neiße, Spree und Schwarzer Elster beherrscht. Zahlreiche Teichgebiete zeu- gen von grundwassernahen Lagen, einige ent- standen durch den mittelalterlichen Abbau von Raseneisenerz. Als Böden kommen entsprechend geologischem Ausgangsmaterial, Relief, Klima, Wasserhaushalt und Bewuchs Gley-, Auen- und Staugley-Bodengesellschaften sowie Fahlerden, Sand-Braunerden und -podsole vor (Abb. 2.68). Durch den Bergbau sind Kippsubstrate an der Bodenbildung beteiligt. Das Gebiet der Lausitz ist weitestgehend urbanisiert, d. h. Naturland- schaften sind nur selten anzutreffen. Die Lausitz ist in ihrer heutigen Struktur eine Kulturland- schaft (Drebenstedt 1999). Auf einer thematischen Satellitenkarte der Lausitz zur Vitalität der Vegetation (Abb. 2.69) sind große, zusammenhängende Waldgebiete mit dazwischen eingestreuten landwirtschaftlichen Abb. 2.67 Kohlenfelder im Niederlausitzer Braun- kohlenrevier. (DEBRIV 2009)
  • 672 Gesellschaftliche, natürliche und technische Rahmenbedingungen der Braunkohlesanierung Nutzflächen und die Gewässer zu erkennen sowie die großen Gebiete, in denen die Braunkohle ab- gebaut wurde und wird. Die bisher zum Abbau beanspruchte Fläche beträgt ca. 80.000 ha, davon wurde ein Teil für den Abbau des tiefer liegen- den Flözes bereits ein zweites Mal abgegraben. Auf den Kippen und Halden der Tagebaue gibt es ausgedehnte rekultivierte Bereiche, die auf dieser Karte gar nicht mehr als Bergbaugebiete identi- fiziert werden können, weil sie sich harmonisch in die Kulturlandschaft einfügen. Geologie der Lausitz Die landschaftliche Prä- gung verdankt die Lausitz in besonderem Maße dem quartären Eiszeitalter, dessen Gletscher 6-mal bis hierher vorstießen (Nowel et al. 1995). An der Oberflächengestalt der Lausitz sind daher die morphologischen Formen der glazialen Serie maßgeblich beteiligt (Abb. 2.70). Dies sind: • Endmoränen, d. h. aufgestauchte und aufge- schüttete Wälle an der Stirnseite der Endlage einer Inlandvereisung • Sander, die durch Sedimentation der Schmelz- wässer, die von den Endmoränen abflossen, entstanden sind • Urstromtäler, die den Endmoränen vorgela- gert sind und die als Abflussbahnen für die Schmelzwässer dienten • glaziale Hochflächen im Hinterland der End- moränen, auf denen die ausgetauten Grund- moränen lagern und in denen sich später eis- zeitliche Seen oder Becken herausbildeten. Von Nord nach Süd lässt sich das Lausitzer Braunkohlenrevier quartär geologisch-morpho- logisch in nachstehende Strukturen untergliedern: • Das Jungmoränengebiet der letzten Vereisung, die das Gebiet im Nordosten erreichte (Bran- denburger Stadium der Weichselkaltzeit) mit Endmoräne, weiten Sandern und Grundmorä- nenplatte, für die zahlreiche Seen charakteris- tisch sind • Das Baruther Urstromtal, als Schmelzwasse- rabflußbahn der Weichselkaltzeit • Der Niederlausitzer Grenzwall, das geomor- phologische Hauptelement im Zentrum der Niederlausitz, das mit Endmoränen und San- derbildungen die Haupteisrandlage der Saale III – Vereisung (Lausitz-Kaltzeit) markiert. Im nördlichen Hinterland befinden sich glaziale Abb. 2.68 Böden in der Lausitz. (nach BGR 2007)
  • 68 C. Drebenstedt et al. Abb. 2.69 Satellitenkarte der Lausitz zur Vitalität der Vegetation (LAUBAG/ Vattenfall, 1994) Abb. 2.70 Geologische Übersichtskarte der Lausitz (Nowel et al. 1995), 1 – Holozäne Ablagerungen in Tä- lern und Flussauen, 2 – Binnendünen, 3 – Weichselglazia- le Hochflächen, 4 – jüngere Saaleglaziale Hochflächen, 5 – ältere Saaleglaziale Hochflächen, 6 – Endmoränen, 7 – angenommener Verlauf des Eisrandes, 8 – Wallberge, 9 – Sanderflächen, 10 – markante Grenzen, 11 – Fluss- ablagerungen, Terrassen, Schwemmsandfächer, 12 – Be- ckenartige Niederungsgebiete, 13 – Prätertiäre Durch- ragungen, 14 – Braunkohlentagebaue, 15 – Tagebaue in Betrieb, Stand 1990, 16 – Tagebau außer Betrieb, Stand 1990, 17 – Außenkippen, Stand 1990, 18 – Gewässernetz
  • 692 Gesellschaftliche, natürliche und technische Rahmenbedingungen der Braunkohlesanierung Hochflächen und Beckenniederungen, die in das Baruther Urstromtal einmünden • Das Altmoränengebiet der Saale II – Ver- eisung südwestlich des Niederlausitzer Land- rückens mit quartären und tertiären Hochflä- chen sowie Beckenniederungen • Das Lausitzer Urstromtal, die Abflussbahn der saalekaltzeitlichen Schmelzwässer • Das Altmoränengebiet südlich des Lausitzer Urstromtales mit Überleitung zum Oberlausit- zer Berg- und Hügelland. Als weitere morphologische Besonderheiten in der Lausitz sind zu erwähnen: • der weite Schwemmkegel der Spree von Süden in das Baruther Urstromtal, mit der Herausbildung des Spreewaldes • die Binnendünenaufwehungen im Baruther- und insbesondere im Osten des Lausitzer Urstromtales (u. a. Muskauer Heide) • die Moorbildungen (u. a. Dubringer Moor) • die Durchragungen des Prätertiar, südlich des Lausitzer Urstromtales, aus Lausitzer Grau- wacke und Granodiorit, als einer der nörd- lichsten, der Koschenberg. Das Gelände fällt generell mit dem prätertiären Untergrund nach Norden ein. Als Hauptflüsse folgen dieser Richtung im Westen die Schwar- ze Elster, östlich Spree und Neiße. Während die Schwarze Elster bereits im Lausitzer Urstromtal nach Westen zur Elbe abbiegt, folgt die Spree dieser Richtung im Baruther Urstromtal, nach- dem sie den Lausitzer Grenzwall passierte. Die Neiße fließt nach Norden über die Oder in die Ostsee ab. Die quartären Ablagerungen bestehen aus Ge- schiebemergel, Schmelzwassersanden und -kie- sen sowie glazilimnischen Schluffen und Tonen, seltener aus Flusssanden und -kiesen, sowie lim- nischen Schluffen, Tonen, Mudden, Torfen u. a. Unter dem teilweise nur wenige Meter mäch- tigen Quartär lagert das, den Hauptteil am Lo- ckergestein bildende, 150–200 m mächtige Ter- tiär mit einer Folge von Feinsanden, Schluffen, Tonen und den Braunkohlenflözen. Insgesamt sind in der Niederlausitz 7 Braunkohlenflöze vorhanden. Das oberflächennahe, nur im Bereich tertiärer Hochflächen innerhalb und südlich des Nieder- lausitzer Landrückens inselartig erhalten geblie- bene 1. Lausitzer Flöz ist bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts bereits weitgehend abgebaut wor- den, z. B. in Klettwitz, Rauno, Welzow, Treben- dorf und Stannewisch. Von wirtschaftlichem Interesse ist seit dem Tagebauaufschluss der Grube Marga bei Senften- berg im Jahre 1908 das im gesamten Niederlau- sitzer Lagerstättenrevier verbreitete 2. Lausitzer Flöz, auf dem bereits im ausgehenden 19. Jahr- hundert vereinzelt Tiefbau umging (z. B. 1886– 1904 Grube Guerrini bei Vetschau). Das im zentralen Revier um Klettwitz- Senf- tenberg- Welzow- Nochten eine Mächtigkeit von 10 bis 14 m erreichende 2. Lausitzer Flöz be- inhaltet ca. 13 Mrd. t wirtschaftlich gewinnbarer Kohle, d. h. ein Viertel der Braunkohlenvorräte in der Bundesrepublik Deutschland, wovon der- zeit ca. 2 Mrd. t zum Abbau geplant sind. Das Flöz ist großflächig verbreitet und weitestgehend söhlig abgelagert. Die Abraumüberdeckung be- trägt 50 bis 100 m, lokal etwas darüber. Tektoni- sche Prozesse im Untergrund sowie eiszeitliche Kräfte an der Oberfläche haben das Flöz lokal deformiert. Im Bereich des Muskauer Faltenbo- gens wurde das Flöz z. B. bis an die Oberfläche aufgeschoben. Die Wirkung der eiszeitlichen Prozesse reicht stellenweise bis auf den präter- tiären Untergrund. So ist auch der vormals zu- sammenhängende Komplex des 2. Lausitzer Flö- zes durch tiefe Erosionsrinnen in einzelne Felder zergliedert. Die Rinnenstrukturen verlaufen in der Vorstoßrichtung des Eises und quer dazu (Abb. 2.70 und 2.71). Die Oberlausitzer Tagebaue Berzdorf und Olbersdorf in der Nähe von Görlitz bzw. Zittau nehmen als Beckenlagerstätten mit nur geringer Ausdehnung eine Sonderstellung ein. Sie ver- danken ihre Entstehung tektonischen Senkungs- vorgängen im Tertiär. Charakteristisch ist die große Mächtigkeit des Flözkomplexes (stellen- weise über 100 m), deren einzelne Schichten sehr unterschiedlich einfallen und mächtig sind. Das geringmächtige, quartäre Deckgebirge im Zittau- er Becken besteht aus Löß- und Gehängelehm. Die durchschnittlichen Qualitätsparameter der Braunkohle in der Lausitz sind in Tabelle 2.18 zusammengefasst.
  • 70 C. Drebenstedt et al. Vertiefende Angaben zur Hydrogeologie sind in Abschnitt 5.2 dargestellt, weitere Details zur Geologie ausgewählter Tagebaue in Abschnitt 4.8. Bergbautechnik in der Lausitz Die Abraum- gewinnung im Lausitzer Braunkohlenrevier erfolgte und erfolgt überwiegend mit Abraum- Abb. 2.71 Regionalgeologischer Schnitt durch das Ter- tiär und Quartär des Niederlausitzer Braunkohlenreviers (Nowel et al. 1995), 1 – Oberfläche der prätertiären Fest- gesteine, 2 – Obere Schönwalder Folge und Rupel-Folge, 3 – Cottbuser Folge, 4 – Spremberger Folge, 5 – Untere und Obere Briesker Folge, 6 – Raunoer Folge, 7 – Schich- ten von Weißwasser, 8 – Grenze Tertiär/Quartär, 9 – Quar- tär, 10 – Braunkohle, 11 – tertiäre Tone und Schluffe, 12 – tertiäre Sande, 13 – Grundmoräne Elster I, 14 – Grund- moräne Elster II, 15 – Grundmoräne Saale I, 16 – Grund- moräne Saale II, 17 – Grundmoräne Saale III, 18 – glazi- limnische Tone und Schluffe, 19 – Schmelzwassersande und – kiese, 20 – Steine (Großgeschiebe), 21 – Kies- und Sandablagerungen (nachgewiesen und wahrscheinlich), 22 – pollenanalytisch datierte Warmzeitsedimente (iE – Eem-Warmzeit, iHD – Holstein-Warmzeit), 23 – Fund- stelle warmzeitlicher Wirbeltiere, 24 – Bergbaukippen, 25 – endogen-tektonische Störungen, 26 – glazigen-tek- tonische Aufschiebungen Tab. 2.18 Mittlere Kohlenqualitätsparameter der Lau- sitzer Braunkohle. (DEBRIV 2010) Heizwert, roh, MJ/kg 7,8–9,5 Wassergehalt, roh, % 48–58 Aschegehalt, roh, % 2,5–16,0 Schwefelgehalt, roh, % 0,3–1,5 Abb. 2.72 Förderbrü- ckentagebau Jänschwalde im Lausitzer Revier. (Foto: LAUBAG/Vattenfall)
  • 712 Gesellschaftliche, natürliche und technische Rahmenbedingungen der Braunkohlesanierung förderbrücken im kohlenfreilegenden Schnitt und mit Strossenförderung unter Verwendung von Schaufelradbaggern und Bandanlagen in den darüber liegenden Vorschnitten (Abb. 2.72). Gegenüber einem häufigeren Einsatz in Verbin- dung mit dem Zugbetrieb in der Vergangenheit, sind bis auf einen Einsatzfall (mit Bandbetrieb, Tagebau Welzow-Süd), Eimerkettenbagger nur noch für die Abraumgewinnung in Verbindung mit Förderbrücken im Einsatz. Während die Typenförderbrücke F34 auch vereinzelt im Mitteldeutschen Braunkohlenrevier zum Einsatz kam, erfolgte der Einsatz der zwei Förderbrücken vom Typ F 45 und der fünf Brü- cken vom Typ F 60 ausschließlich in der Lausitz. Heute sind hier noch eine F 34 und vier F 60 im Einsatz. Für die Braunkohlesanierung sind teilweise auch die Altkippen der Förderbrücken mit dem Baujahr vor 1945 relevant. In der Lausitz erfolgte der einzige deut- sche Einsatzfall einer Direktversturzkombina- tion Schaufelradbagger-Absetzer, von 1984 bis 1988 im Tagebau „Dreiweibern“ (Abb. 2.29; Breitkreutz und Gruhlke 1984). Einige wenige Tagebaue (z. B. Gräbendorf, Greifenhain) wurden ausschließlich mit Stros- senförderung betrieben. In der Lausitz wurde be- reits in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts bei Tagebauneuaufschlüssen auf Bandbetrieb orien- tiert. Der Zugbetrieb spielte eine zunehmend ge- ringere Bedeutung. Literatur Beschow R (2012) Übersicht zur Entwicklung Landin- anspruchnahme/Wiedernutzbarmachung im Lausit- zer Braunkohlenrevier nach 1945. Vattenfall Europe Mining AG (PL-PRN3), Cottbus BfN (2006) Karte Naturräumliche Großlandschaften. Bundesamt für Naturschutz, Bonn BfN (2010) Landschaften in Deutschland, aus Datenan- gebot der Internetseite des Bundesamtes für Natur- schutz. http://www.bfn.de Zugegriffen: 10. April 2010 BGR (2007) Bodenübersichtskarte für Deutschland. Bun- desamt für Geologie und Rohstoffe, Hannover Bilkenroth KD (1999) Geschichte des Braunkohlenberg- baus in Mitteldeutschland bis 1989. Montanhistori- sches Kolloquium. Hrsg. Magistrat der Stadt Borken, S 227–272 Bilkenroth KD, Snyder DO (1998) Der Mitteldeutsche Braunkohlenbergbau – Geschichte, Gegenwart und Zukunft. Veröffentlichung zum Montanhistorischen Festkolloquium, Borken Borsch P (2001) Welche Emissionen von Schwefeldioxid, Stickoxiden und Staub entstehen bei der Stromerzeu- gung? Energie-Fakten e. V., Karlsruhe Breitkreutz E, Gruhlke P (1984) Entwicklung der Direkt- versturztechnik und der DV-Technologie am Beispiel des Tagebaues Dreiweibern. In: Neue Bergbautechnik, Nr. 9. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie, Leip- zig DEBRIV (2004) Kennziffernübersicht Lausitzer Revier. Übersichten/Zeitreihen, Statistik der Kohlewirtschaft, Köln DEBRIV (2009) Revierkarte Lausitz Stand 04/2009. Deutscher Braunkohlen-Industrie-Verein e. V., Köln DEBRIV (2010) Braunkohle in Deutschland 2009 (Statis- tikfaltblatt). Deutscher Braunkohlen-Industrie-Verein e. V., Köln Diercke C (2007) Diercke Weltatlas, 5. Aufl. Westermann Verlag, Braunschweig DIW (1997) Primärenergieverbrauch in Deutschland nach Energieträgern nach dem Wirkungsgradansatz von 1980 bis 1996. Arbeitsgemeinschaft Energiebi- lanzen e. V. beim Deutschen Institut für Wirtschafts- forschung, Berlin Drebenstedt C (1994) Erfahrungen bei der Wiedernutz- barmachung von Förderbrückenkippen am Beispiel des Tagebaues Reichwalde. Braunkohle 46(5):19–24 (ISSN 0341–1060) Drebenstedt C (1996) Bergbau und Naturschutz – Anfor- derungen, Möglichkeiten und Grenzen am Beispiel des Lausitzer Braunkohlenreviers. Braunkohle Sur- face Mining 48(5):517–526 (ISSN 1431–2719) Drebenstedt C (1997) 100 Jahre Direktversturzkombina- tionen im Bergbau – Entwicklung, Stand und Perspek- tiven. Braunkohle Surface Mining 49(6):611–620 Drebenstedt C (1999) Planungsgrundlagen der Wieder- nutzbarmachung im Lausitzer Revier. In: Pflug W (Hrsg) Handbuch „Braunkohlentagebau und Rekul- tivierung – Landschaftsökologie, Folgenutzung und Naturschutz“. Springer, S 487–512 (ISBN 3-540- 60092–2) Drebenstedt C (2001) Bergbau und Umweltschutz – Zur Entwicklung der Wiedernutzbarmachung und Rekulti- vierung in der deutschen Braunkohlenindustrie. In: 4. Montanhistorisches Kolloquium. Magistrat der Stadt Borken (Hrsg), S 93–114 Drebenstedt C (2003) Rekultivierung im Braunkohlen- bergbau Mittel- und Osteuropas – eine vergleichende Betrachtung (dt. und engl.). Surface mining, Braun- kohle & other minerals, Clausthal-Zellerfeld, No. 1(2003):70–89 (ISSN 0931–3990) Drebenstedt C (2009) Kontinuierliche Abbausysteme im Tagebaubetrieb. In: Stoll RD et al (Hrsg) Der Braun- kohlentagebau. Springer, S 203–261 (ISBN 978-3- 540-78400–5) Drebenstedt C, Niemann-Delius C (2009) Diskontinuier- liche Abbausysteme im Tagebaubetrieb. In: Stoll RD http://www.bfn.de Stand 10.04.2010
  • 72 C. Drebenstedt et al. et al. (Hrsg) Der Braunkohlentagebau. Springer, S 263–288 (ISBN 978-3-540-78400–5) Drebenstedt C, Struzina M (2008) Overburden Manage- ment for formation of internal dumps in coal mines. In: Fourie A (Hrsg) Rock Dumps 2008 Australian Centre for Geomechanics, Perth, S 139–146 Drebenstedt C et al. (1998) Braunkohlen- und Sanie- rungsplanung im Land Brandenburg. Umweltministe- rium Land Brandenburg, S 110 Drebenstedt C, Meyer B, Naundorf W (2001) Entwick- lung der Braunkohlenindustrie und – forschung seit 1990 und Ausblick. Braunkohle in Forschung und Lehre an der Bergakademie Freiberg, TU Bergakade- mie Freiberg, S 205–233 (ISBN 3-86012-142–1) DWD (2010) Klimadaten aus Datenangebot der Internet- seite. https://www.dwd.de. Zugegriffen: 10. April 2010 Eißmann L (2000) Die Erde hat ein Gedächtnis – 50 Mil- lionen Jahre im Spiegel mitteldeutscher Tagebaue. Sax-Verlag, Beucha Fraus F (1999) Braunkohlenförderung in der Aktienge- sellschaft Sololovska Uhelna, Tschechische Republik. Braunkohle Surface Mining 51(3):333–338 Friese HW, Kaulfuß W, Richter D, Saupe G (1996) GEOS Lehrbuch Geographie, Band: Landschaften und Res- sourcen. Volk und Wissen GmbH, Berlin Henningsen D, Katzung G (2006) Einführung in die Geo- logie Deutschlands, 7. Aufl. Elsevier – Spektrum Aka- demischer, München Hermann Haack Geographisch-Kartographische Anstalt (1980) Schulatlas. VEB Hermann Haack Geogra- phisch-Kartographische Anstalt, Gotha Hofmeister H (1997) Lebensraum Wald – Pflanzengesell- schaften und ihre Ökologie, 4. Aufl. Parey Buchver- lag, Berlin Kavouridis M et al. (2000) Effect of dilution on lignite reserves estimation – application in the Ptolemais multi-seam deposit. Braunkohle Surface Mining 52(3):37–45 Köhler F (1989) Atlas für Jedermann, 5. Aufl. Haack, Geographisch-Kartographische Anstalt, Gotha Kremlacek V (1998) Stellung der Aktiengesellschaft Severoceske doly Chormutov in der Braunkohlen- industrie der Tschechischen Republik. Braunkohle Surface Mining 50(4):385–389 Krumbiegel G, Rüffle L, Haubold H (1983) Das eozäne Geiseltal. A. Ziemsen Verlag, Wittenberg Lutherstadt Länderarbeitskreis Energiebilanzen (2012) Länder- arbeitskreis Energiebilanzen, aktuelle Ergebnisse und Zeitreihen. Statistisches Landesamt, Bremen Möckel R, Drebenstedt C (1998) Gewässer in der Berg- baufolgelandschaft. In: Pflug W (Hrsg) Handbuch Braunkohlentagebau und Rekultivierung – Land- schaftsökologie, Folgenutzung und Naturschutz. Springer, S 487–512. (ISBN 3-540-60092–2) Nowel W, Bönisch R, Schneider W, Schulze H (1995) Geologie des Lausitzer Braunkohlenreviers, Lausitzer Braunkohle Aktiengesellschaft & Lausitzer Bergbau- Verwaltungsgesellschaft mbH Brieske. 2. Aufl. Senf- tenberg Riecken U, Ries U, Ssymank A (1994) Rote Liste der gefährdeten Biotoptypen der Bundesrepublik Deutschland. – Schr.R. f. Landschaftspfl. u. Natursch. 41. Kilda-Verlag, Greven Schönherr D, Drebenstedt C (1993) Fortschritte bei der Verminderung der Umwelteinwirkungen durch den Lausitzer Braunkohlenbergbau. Energieanwendung + Energietechnik 8:413–416. Leipzig (ISSN 0944– 3169) Schulz F (2005) Drei Jahrhunderte Lausitzer Bergbau, 2. Aufl. Lusatia-Verlag, Bautzen Staatliche Zentralverwaltung für Statistik (1958) Sta- tistisches Jahrbuch der Deutschen Demokratischen Republik 1957. VEB Deutscher Zentralverlag, Berlin (ISSN 0323–4258) Statistik der Kohlenwirtschaft e. V. (2011) Der Kohlen- bergbau in der Energiewirtschaft der Bundesrepublik Deutschland im Jahre 2010. Statistik der Kohlenwirt- schaft e. V. Herne, Köln Stoll RD, Niemann-Delius C, Drebenstedt C, Müllen- siefen K (2009) Der Braunkohlentagebau. Springer, Berlin Strasburger E (1998) Lehrbuch der Botanik, 34. Aufl. Spektrum Akademischer, Heidelberg Strzodka K, Sajkiewicz J, Dunikowski A (1979) Tagebau- technik, Bd 1. VEB Deutscher Verlag für Grundstoff- industrie, Leipzig Thomas L (1992) Handbook of practical coal geology. Wiley, Chichester UBA (2011) Nationale Trendtabellen für die deutsche Berichterstattung atmosphärischer Emissionen. Umweltbundesamt, Dessau VE BKK Senftenberg (1990) Wirtschaftliche Jahresbe- richte für den Braunkohlenbergbau der DDR. Zeitreihe 1970 bis 1989, Senftenberg https://www.dwd.de Kapitel 2 Gesellschaftliche, natürliche und technische Rahmenbedingungen der Braunkohlesanierung 2.1 Gesellschaftliche Rahmenbedingungen der Braunkohlesanierung 2.1.1 Braunkohlenbergbau in der DDR bis 1989 2.1.2 Veränderung der Stellung der Braunkohlenindustrie im Osten Deutschlands nach 1989 2.1.3 Herausbildung der Braunkohlesanierung 2.1.4 Ziele, Umfang und Ausblick der Braunkohlesanierung 2.2 Naturraum, Geologie, Bergbautechnologie und Eingriff in den Mitteldeutschen und Lausitzer Braunkohlenrevieren 2.2.1 Allgemeine Kennzeichnung der Reviere 2.2.2 Das Mitteldeutsche Braunkohlerevier 2.2.3 Das Lausitzer Braunkohlerevier Literatur

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