Braunkohlesanierung || Gesellschaftliche, natrliche und technische Rahmenbedingungen der Braunkohlesanierung

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7Gesellschaftliche, natrliche und technische Rahmenbedingungen der BraunkohlesanierungCarsten Drebenstedt, Mahmut Kuyumcu und Thorsten PietschInhalt2.1 Gesellschaftliche Rahmenbedingungen der Braunkohlesanierung 7211 Braunkohlenbergbau in der DDR bis 1989 8212 Vernderung der Stellung der Braunkohlenindustrie im Osten Deutschlands nach 1989 11213 Herausbildung der Braunkohlesanierung 15214 Ziele, Umfang und Ausblick der Braunkohlesanierung 222.2 Naturraum, Geologie, Bergbautechnologie und Eingriff in den Mitteldeutschen und Lausitzer Braunkohlenrevieren 31221 Allgemeine Kennzeichnung der Reviere 31222 Das Mitteldeutsche Braunkohlenrevier 57223 Das Lausitzer Braunkohlenrevier 66Literatur 71Das Kapitel gliedert sich in zwei AbschnitteZunchst wird ein Rckblick auf die Entwick-lung der Braunkohlenindustrie in Ostdeutschland und die Ausgangssituation fr die besonderen Herausforderungen der Braunkohlesanierung gegeben Ziele, Aufgaben, Umfang und Stand der Braunkohlesanierung werden definiert, noch offene Aufgaben benannt Im zweiten Abschnitt werden die natrlichen und technischen Rahmen-bedingungen der Braunkohlesanierung darge-stellt Dabei werden die Wechselwirkungen zwi-schen Naturraum, Geologie und Bergbautechnik zunchst allgemein beschrieben Es schliet sich eine spezifische Untersetzung fr die betrachte-ten Braunkohlenreviere in Mitteldeutschland und in der Lausitz an2.1 Gesellschaftliche Rahmenbedingungen der BraunkohlesanierungBei der Sicherung der Energieversorgung der Bevlkerung stehen die Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und die Belange der Umwelt zunehmend im Fokus kontroverser ffentlicher Diskussionen Fr regelmige Schlagzeilen in den Medien sorgen der Anstieg der Energie- und Rohstoffpreise, der Klimawandel, die Nutzung erneuerbarer Energien und nachwachsender Roh-stoffe, der Einsatz fossiler Brennstoffe, die Zu-kunft der Atomenergie, die Welternhrungskrise u a Die Ursachen und Wirkungen dieser Phno-mene sind naturgem komplex und vielfltig Es C Drebenstedt ()Fakultt fr Geowissenschaften, Geotechnik und Bergbau, Institut fr Bergbau und Spezialtiefbau,TU Bergakademie Freiberg, Gustav-Zeuner-Strae 1a,09596 Freiberg, DeutschlandE-Mail: CarstenDrebenstedt@mabbtu-freibergdeM Kuyumcu T PietschLausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH, Knappenstrae 1,01968 Senftenberg, DeutschlandE-Mail: mahmutkuyumcu@lmbvdeT PietschE-Mail: thorstenpietsch@lmbvde2C Drebenstedt, M Kuyumcu (Hrsg), Braunkohlesanierung, DOI 101007/978-3-642-16353-1_2, Springer-Verlag Berlin Heidelberg 20148 C. Drebenstedt et al.gilt, unter Beachtung der Versorgungssicherheit und der Belange der Umwelt, global und lokal, alle verfgbaren Ressourcen nach dem Stand der Technik im Sinne eines nachhaltigen Wirtschaf-tens heranzuziehen und gleichzeitig fr die Ent-wicklung und Etablierung innovativer Techniken sowie erneuerbarer Energien zu sorgen.Die Geschichte des Braunkohlenbergbaus im stlichen Teil Deutschlands ist ein markan-tes Beispiel dafr, welche Folgen eine einseitige und vor allem extensive Nutzung eines einzelnen fossilen Energietrgers mit seiner gleichzeitig in-effizienten Verwertung entfalten kann. Bei den hinterlassenen Gefahren fr Menschen und Um-welt und den Dimensionen der Beeintrchtigun-gen gab es keine Alternative zu unverzglichem und wirkungsvollem Handeln. Die Politik gestal-tete fr dieses Handeln zeitnah, unmittelbar nach der Wiedervereinigung Deutschlands, die erfor-derlichen Rahmenbedingungen.In nunmehr zwei Jahrzehnten wurde unter dem Begriff Braunkohlesanierung ein einzig-artiges Umweltprojekt zur Heilung der schwer-wiegenden Folgen des groflchigen Braunkoh-lenabbaus durchgefhrt. Die inzwischen erreich-ten sichtbaren Erfolge bei der Verwandlung von Abbau- und Industrieflchen in neue, attraktive und wirtschaftlich chancenreiche Landschaften sind das Gemeinschaftswerk vieler Beteilig-ter, die das Aufwenden erheblicher finanzieller Mittel der ffentlichen Hand von Beginn an als lohnende Investition in die Zukunft betrachtet haben.Bei der Umsetzung dieses einzigartigen Pro-jektes auf der grten Landschaftsbaustelle Europas wurden eine Reihe von neuen Erfah-rungen und Erkenntnisse gewonnen, aus techni-scher, wissenschaftlicher, kologischer und so-zio-konomischer aber auch aus administrativer Sicht. Mit diesem Buch sollen diese Erfahrungen der Allgemeinheit zugnglich gemacht werden.2.1.1 Braunkohlenbergbau in der DDR bis 1989Die Suche nach jeweils effizienteren Lsungen fr die Energieversorgung ist so alt wie die Ge-schichte der Menschheit. Bereits im ausgehenden Mittelalter kam es in einigen Regionen Deutsch-lands zu einer Verknappung von Holz als dem damals dominierenden Energietrger. Ein alter-nativer Energietrger fr die Wrmeerzeugung schien in der Lausitz und in Mitteldeutschland nach schriftlichen berlieferungen mit der nahe der Erdoberflche lagernden Kohlerde bzw. Dorff bei Halle (Bilkenroth und Snyder 1998) und der brennenden Erde bei Olbersdorf ge-funden. Die einsetzende Industrialisierung und die Verbreitung von Dampfmaschinen erhhten den Kohlenbedarf schnell. Die individuellen, kleinen Fundgruben am Ausbiss der Braunkoh-lenflze an der Tagesoberflche entwickeln sich ab der Mitte des 19. Jahrhunderts zu Tiefbaugru-ben. Zeitgleich werden mit Trocknung, Pressen und Paraffinlgewinnung die ersten Veredlungs-schritte unternommen. Nach 1900 wird durch die Elektroenergie der Braunkohlenabbau im Tage-bau trotz hoher Abraumbewegung und Wasser-hebung wirtschaftlich. Der Braunkohlenbergbau kann nun mit moderner Entwsserungstechnik und Tagebaugrogerten in Beckenlagersttten und Urstromtler vordringen (s. Abschn. 2.2). Immer grere Flchen werden vom Bergbau in Anspruch genommen und nach dem damaligen Wissensstand rekultiviert (Drebenstedt 2001).Die Weiterentwicklung der Braunkohlen-veredlungsverfahren steigert die Verwendungs-mglichkeiten und damit auch die Nachfrage der Kohle. Rhrentrockner revolutionieren die Braunkohlenbrikettierung. Aus Braunkohle wer-den Elektroenergie, Gas, Briketts, Koks, Teer, Kraftstoffe, Minerall, Phenol und Schwefel her-stellt. Die Karbochemie ist im 2. Weltkrieg ein wichtiger Bestandteil der deutschen Kriegswirt-schaft und demzufolge auch Ziel von Luftangrif-fen der Alliierten. Die durch Kriegseinwirkungen verursachten Schden fhrten oft zu zustzlichen Kontaminationen des Bodens. Nach Kriegsende wurde im Osten Deutschlands ein groer Teil der Tagebaugrogerte demontiert und als Repara-tionsleistung in die damalige Sowjetunion ge-bracht. Der Braunkohlenbergbau war vielerorts zum Erliegen gekommen. Viele Tagebaue waren abgesoffen. Die Wiederaufnahme der Frderung war trotz aller Schwierigkeiten jedoch wesent-liche Voraussetzung fr einen wirtschaftlichen Wiederaufbau. Deshalb wurde der verbliebene 92 Gesellschaftliche, natrliche und technische Rahmenbedingungen der BraunkohlesanierungTagebaugertebestand nach damaligen Mglich-keiten ertchtigt und der Neubau von Tagebau-grogerten wieder aufgenommen.Der kalte Krieg hatte fr die DDR zur Folge, dass der Erwerb von Rohstoffen auf den inter-nationalen Mrkten entweder blockiert oder nur fr kaum verfgbare, frei konvertierbare Wh-rungen mglich war. Die Konsequenz war eine Konzentration auf den Abbau und die Veredlung der reichlich vorhandenen eigenen Braunkohlen-vorkommen. Die Braunkohlenfrderung entwi-ckelte sich bereits bis Mitte der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts wieder auf Vorkriegsniveau in Hhe von ca.160 Mio. t/a. Mitte der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts erreichte die Frderung 250 Mio. t/a und stagnierte dann fr kurze Zeit, da Erdlimporte aus der Sowjetunion die Braun-kohle langfristig ablsen sollten. Hierzu wurden auch Stilllegungen von Tagebauen und wirt-schaftliche Umstrukturierungsmanahmen vor-bereitet. Diese Entwicklung endete jedoch mit der ersten lkrise 1973. Infolgedessen hatte die DDR den Bezug von Erdl und Erdgas aus dem Ostblock nach Weltmarktpreisen zu finanzieren. Danach steigerte die DDR ihre Braunkohlenpro-duktion wieder kontinuierlich bis 1989 auf ber 300 Mio. t/a und wurde damit das Land mit der weltweit hchsten Frderung (Abb. 2.1).Fr das Land hatte dies schwerwiegende Fol-gen. Unter zunehmend ungnstigeren Abbau- und Verarbeitungsbedingungen (zunehmende Teufe, abnehmende Flzmchtigkeiten, geologische Strungszonen in Abraum und Kohle, schlechte-re Kohlenqualitt bezglich Asche-, Schwefel-, Wasser- und Salzgehalt, veraltete Kraftwerke und Veredlungsanlagen, zunehmende Transport-entfernungen) sollte die Braunkohlenindustrie den wachsenden Energiebedarf der ebenfalls mit Effizienzproblemen behafteten Volkswirtschaft decken.Die Inanspruchnahme von Flchen fr die Braunkohlengewinnung steigerte sich auf ber 3.000 ha/a und teilweise bis 4.000 ha/a. Ab Mitte der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts wurden die vorhandenen Ressourcen immer strker im un-mittelbaren Produktionsprozess konzentriert und die Vor- und Nachsorge zunehmend vernachls-sigt. Infolgedessen wurde u. a. das Defizit der Wiedernutzbarmachung gegenber der Landin-anspruchnahme immer grer (Abb. 2.2; Stoll et al. 2009; Drebenstedt 1999; Beschow 2012). Weite Teile der Braunkohlenreviere verwandel-ten sich mehr und mehr zu Mondlandschaften.Abbildung 2.2 verdeutlicht am Beispiel des Lausitzer Braunkohlenreviers die Dynamik der Landinanspruchnahme und Wiedernutzbarma-chung im Zeitraum von 1945 bis 2010: Die ersten 20 Jahre standen im Zeichen des Aufbaus des kriegszerstrten Landes. Mit der Kohlenfrderung stieg die Landinanspruch-nahme bis auf 1.500 ha/a. Die Wiedernutzbar-machung blieb mit wenigen 100 ha/a deutlich zurck. Danach folgte eine stabile Phase der Land-inanspruchnahme von 15 Jahren. Die Wie-dernutzbarmachung erfolgte in etwa glei-Abb. 2.1 Braunkohlen-frderung in den ostdeut-schen Revieren von 1880 bis 2010. (DEBRIV 2004; Statistik der Kohlenwirt-schaft e. V. 2011) 10 C. Drebenstedt et al.cher Hhe und legte im Durchschnitt auf ca. 1.500 ha/a zu. Kippen sollten vor allem fr die Landwirtschaft nutzbar gemacht werden und die ersten Seen groer, stillgelegter Tagebaue nahmen Gestalt an. Dann, in den 80er Jahren des 20. Jahrhun-derts, die groe Schere. Die Landinanspruch-nahme stieg bis auf ca. 2.000 ha/a an, whrend die Wiedernutzbarmachung auf ca. 1.000 ha/a zurckfiel. In den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts redu-ziert sich die Landinanspruchnahme infolge des drastischen Rckgangs in der Kohlenfr-derung auf 30 %, auf ca. 500 ha/a. Die Wie-dernutzbarmachung blieb auf dem Niveau von ca. 1.000 ha/a. Die Trendwende nach 50 Jahren. Seit dem Jahr 2000 hat sich die Situation sta-bilisiert. Die Landinanspruchnahme durch den aktiven Bergbau betrgt ca. 700 ha/a, whrend vor allem die Braunkohlesanierung die wiedernutzbargemachten Flchen wieder in den Bereich von ca. 1.500 ha/a rckt.Der Handlungsspielraum der Bergbaubetriebe wurde in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts in der DDR immer strker von zentralen Staats-organen bestimmt. So bekam die Wiedernutz-barmachung von Bergbauflchen aufgrund der angespannten konomischen Situation eine zu-nehmend nachgeordnete Bedeutung. Bei der extensiven Braunkohlenfrderung und gleich-zeitig abnehmender Flzmchtigkeit wurde der Planungsvorlauf fr zuknftige Braunkohlen-tagebaue immer krzer und konnte bestenfalls als gerade noch ausreichend bezeichnet werden, woraus neue Schwierigkeiten entstanden. Fr die vom Bergbau devastierten Infrastruktureinrich-tungen (Straen, Leitungstrassen, Wasserlufe) mussten oft langfristig unbefriedigende Ersatz-lsungen geschaffen werden. Die steigende berg-bauliche Wasserhebung und -ableitung machte die Erhhung der Durchlassfhigkeit vieler Vor-fluter erforderlich. Gleichzeitig wurden zahlrei-che kleinere Vorfluter infolge der grorumigen Grundwasserabsenkung auf einer Flche von ins-gesamt ber 300.000 ha trocken gelegt. Vielerorts wurden Flchen mit zuvor flurnahen Grundwas-serstnden bebaut, ohne dabei Vorkehrungen auf den spteren Wiederanstieg des Grundwassers zu treffen oder hinreichend Rechnung zu tragen.Des Weiteren fhrte die mit der Entwicklung der Braunkohlenindustrie verbundene Erh-hung der Beschftigtenzahl zu einer steigenden Zuwanderung. Durch die Umsiedlung immer grerer Ortschaften wurde die Bevlkerungs-verdichtung in Stdten wie Leipzig, Halle, Bit-terfeld, Cottbus, Hoyerswerda, Senftenberg und Spremberg zustzlich verstrkt, was wiederum Versorgungsprobleme mit sich brachte (Abb. 2.3; Tab. 2.13 und 2.14). Die Auswirkungen des Braunkohlenbergbaus auf Land-, Forst- und Wasserwirtschaft konnten regional kaum noch kompensiert werden.Darber hinaus hatten der extensive Abbau und die Nutzung der Braunkohle schwerwiegen-de Auswirkungen auf die Umwelt.Die Emissionen von Schwefeldioxid, Stick-oxiden und Staub sowie Schadstoffe aus Abfl-Abb. 2.2 Flchenent-zug und Wiedernutz-barmachung im Lausitzer Braunkohlenrevier. (Beschow 2012) 112 Gesellschaftliche, natrliche und technische Rahmenbedingungen der Braunkohlesanierunglen und Leckagen der Braunkohlenverarbeitung beeintrchtigten die Schutzgter Luft, Boden und Wasser nachhaltig (Abb. 2.4). Dies ist neben dem extensiven Einsatz von Braunkohle auch auf die ab Mitte der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts zunehmend fehlende Modernisierung der techni-schen Anlagen wie Kraftwerke und Veredelungs-betriebe zurckzufhren. So lag der Wirkungs-grad der Kraftwerke im Bereich von nur 25 bis 32 %.Abbildung 2.4 zeigt die aus der Nutzung aller fossilen Energietrger resultierenden diesbezg-lichen Emissionen. Fr die alten Bundeslnder wurde bereits ab 1980 trotz steigender Strom-erzeugung durch die Umsetzung des Bundes-Im-missionsschutzgesetzes, der Grofeuerungsanla-gen-Verordnung und der Technischer Anleitung TA-Luft eine Reduzierung der Kraftwerksemis-sionen erreicht. Die sprunghafte Erhhung im Jahr 1990 ist auf die Hinzuziehung der Emissio-nen aus der Braunkohlenverstromung der neuen Bundeslnder zurckzufhren und veranschau-licht eindrucksvoll die Dimensionen der lang-jhrigen Umweltbelastung durch Luftschadstoffe (Schnherr und Drebenstedt 1993).2.1.2 Vernderung der Stellung der Braunkohlenindustrie im Osten Deutschlands nach 1989Fr die deutsche Braunkohlenindustrie bedeutet die Entwicklung zwischen den Jahren 1990 und 2000 wohl das bisher dynamischste Jahrzehnt ihrer Entwicklung (Drebenstedt et al. 2001). Es war durch einschneidende Produktions- und Abb. 2.3 Landschaft im Raum Senftenberg a vor Beginn des Braunkohlenbergbaus im Jahr 1850. b whrend des Braunkohlenbergbaus im Jahr 1963. (Hermann Haack Geographisch-Kartographische Anstalt 1980)Abb. 2.4 Emission von Schwefeldioxid (SO2) und Stickoxiden (NOx) 19802009 aus Kraft- und Fernheizwerken in der Bundesrepublik Deutsch-land. (19801990 alte Bundeslnder, 19902010 Gesamtdeutschland) (Borsch 2001; UBA 2011) 12 C. Drebenstedt et al.Strukturanpassungen sowie einen enormen Ratio-nalisierungsschub gekennzeichnet. Mit der Her-stellung der Einheit Deutschlands am 03.10.1990 durch den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland nderten sich die wirtschaftlichen, rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen fr die Entwicklung der Braunkohlenindustrie im Gebiet der DDR grundlegend.Die Wirtschaft der DDR war hauptschlich auf den Binnenmarkt und den Export nach Ost-europa ausgerichtet. Mit dem Staatsvertrag ber die Whrungs-, Wirtschafts- und Sozialunion beider deutscher Staaten bernahm die DDR ab dem 1.7.1990 die gesetzlichen Regeln des Wirt-schafts- und Sozialrechts der Bundesrepublik Deutschland. Alle damals ca. 15.000 Volkseige-nen Betriebe (VEB) mit etwa 4 Mio. Beschftig-ten gehrten von diesem Zeitpunkt an der Treu-handanstalt. Ihre Aufgabe war es, die VEB der DDR nach den Grundstzen der Marktwirtschaft zu privatisieren oder stillzulegen sowie die Effi-zienz und Wettbewerbsfhigkeit der Unterneh-men zu sichern ( 8 Treuhandgesetz).Im Zuge der Einfhrung der Deutschen Mark und der ffnung Ostdeutschlands fr den Welt-markt ging die Binnennachfrage nach DDR-Pro-dukten drastisch zurck. Gleiches gilt fr die Ex-porte in die Lnder des ehemaligen Ostblocks, in denen ein gleichartiger politischer und wirtschaft-licher Umbruch begann. Zudem lag die Produk-tivitt der ehemaligen VEB aufgrund der ver-alteten Technik bei etwa einem Drittel vergleich-barer westlicher Konkurrenten. Der Einbruch in der Industrieproduktion hatte u. a. einen starken Rckgang des Energiebedarfs der Wirtschaft zur Folge. Die beim Neuaufbau der Wirtschaft zum Einsatz kommenden modernsten, energieeffizi-enten Technologien trugen ebenfalls zur Senkung des Energiebedarfs bei. Zudem wurde Braun-kohle teilweise durch andere Energietrger wie Erdl und Erdgas ersetzt. Diese Vernderungen der wirtschaftlichen, kologischen und sozialen Rahmenbedingungen schlugen direkt bis in die Braunkohlenindustrie durch, die damit vor tief greifenden Vernderungen stand.Der Primrenergieverbrauch reduzierte sich in den neuen Lndern allein in den fnf Jahren von 1989 bis 1994 um 46 % und stieg in den darauf folgenden 15 Jahren nur geringfgig auf knapp 60 % des Niveaus von 1989 an (Tab. 2.1). Der Anteil der Braunkohle an der Primrenergiebe-darfsdeckung verringerte sich bis 1998 mit knapp unter 30 % auf ca. 42 % des Niveaus von 1989 und liegt auch 10 Jahre spter bei knapp ber 30 %. Grund war die Anpassung der Braunkoh-lenfrderung an den Bedarf; sie fiel im gleichen Zeitraum auf unter ein Viertel des Niveaus von 1989 und legte in den darauffolgenden 10 Jahren wieder leicht auf ber ein Viertel zu. Verbunden mit der Reduzierung der Braunkohlenfrderung war ein Strukturwandel der Braunkohlennut-zung, die nun zu ber 90 % zur Stromerzeugung in Grokraftwerken in der Nhe der Tagebaue eingesetzt wurde und wird (Tab. 2.2).Neue Bedingungen ergaben sich insbeson-dere durch den freien Wettbewerb der Primr-energietrger auf dem dezentralen Strom- und Wrmemarkt, an dem nach 1990 verstrkt Erdl und -gas teilnehmen. Besonders betroffen waren Tab. 2.1 Primrenergieverbrauch der neuen Bundesln-der 1989 bis 2008Jahr Insgesamt davon BraunkohleAnteil der Braunkohle am Gesamt-verbrauchMio. t SKE Mio. t SKE %1989a 127,80 87,70 68,601990b 106,03 73,41 69,241991 81,24 52,90 65,121992 71,27 40,54 56,881993 70,83 35,49 50,101994 68,84 30,74 44,651995 69,34 26,55 38,291996 69,83 23,90 34,221997 67,60 22,16 32,781998 68,47 19,44 28,391999 67,38 19,26 28,582000 69,04 21,83 31,622001 71,68 23,59 32,922002 72,48 24,13 33,292003 72,41 24,16 33,372004 72,07 24,01 33,312005 75,28 23,93 31,792006 76,86 23,81 30,982007 74,76 23,98 32,082008 75,52 23,51 31,13a Neue Bundeslnder inklusive Ostberlin nach DIW 1997b Neue Bundeslnder ohne Berlin nach Lnderarbeitskreis Energiebilanzen 2012132 Gesellschaftliche, natrliche und technische Rahmenbedingungen der BraunkohlesanierungTab. 2.2 Herstellung von Braunkohlenkoks, -briketts, Staub-, Trocken- und Wirbelschichtkohle [1000 t] und Belegschaft in Braunkohlenrevieren in Deutschland. (Statistik der Kohlen-wirtschaft e. V. 2011)JahrBraunkohlenkoksBraunkohlenbrikettsStaubkohleTrockenkohleWirbelschicht-kohleBelegschaftenRhein-landLausitzMittel-deutschl.SummeRhein-landLausitzMittel-deutschl.SummeRhein-landLausitzMittel-deutschl.SummeRhein-landLausitzMittel-deutschl.Insge-samtRhein-landLausitzSummeRhein-landLausitzMittel-deutschl.Summe19891352.4722.4875.0942.15824.64022.59649.3942.5091.1117244.344172533705676715.56579.01659.815154.39619901741.9881.1943.3562.39722.16415.48440.0452.4827165943.7911583150669526526515.31665.47846.796127.59019911976658622.85112.2335.96521.0492.4812562232.9601731.1611.33534634615.41952.18927.58895.1961992206732792.3256.5033.24412.0712.3983022202.921170141.0531.23740640614.96639.25817.43971.66319931861862.2175.2622.4549.9332.1793781592.716127062975746846814.45427.24910.47752.18019941721721.8233.8771.1496.8492.1373772252.7391401376391645545513.84622.3288.14744.32119951921921.6182.7826115.0112.1103642262.70078748557047147113.07219.2486.67538.99519961781781.7172.6934864.8962.0513282762.655123320433042342312.62013.8835.01331.51619971851851.4981.7283133.5392.0913482952.734103410738838811.90611.9794.44928.33419981851851.2159671632.3451.9844442402.66722394740111.6909.5174.02025.22719991741741.1468141112.0721.8394891982.52536110446511.4397.7183.52322.68020001791791.068663891.8192.0254811732.67937218956110.4307.0812.99620.50720011771771.016654701.7402.0104931492.6523861845709.6196.7552.85919.2332002a184184895597601.5532.0274321982.6573292195489.1216.5322.74518.3982003b165165807585731.4661.9834562142.65332723255911.8769.6323.00224.51020041871878905451.4352.2455302283.00239623563211.1589.3002.84723.30520051731739645261.4902.2384931922.92440825266011.1058.8812.64222.62820061811811.0566061.6622.3315972283.15741320661911.1618.4562.61022.22720071731739773511.3282.3126902723.27438622160711.4048.3342.55322.2912008c1771771.1634681.6312.4428292593.53036422559011.5427.8622.52521.92920091531531.1877721.9592.3077051833.19431512544011.5627.9822.51322.05720101761761.1668582.0242.6108172053.63229412141511.6068.0492.50822.16320111711761.202893402.1362.9858972104.09336015851811.5918.1262.53122.248a Belegschaften bis 2002: Beschftigte des Braunkohlenbergbaus (ohne eigene Braunkohlenkraftwerke der allgemeinen Versorgung)b Belegschaften ab 2003: einschl. Beschftigte in eigenen Braunkohlenkraftwerken der allgemeinen Versorgungc Aufgrund der Neustrukturierung im Revier Lausitz ist die Belegschaft mit dem Vorjahr nicht vergleichbar14 C. Drebenstedt et al.davon die Brikett-, Koks- und Gaserzeugung auf Braunkohlenbasis, wobei die Produktion von Koks und Gas bereits 1992 eingestellt wurde. Letzte Trockenkohle wird 1996/1997 erzeugt und die Briketterzeugung verringert sich von fast 50 Mio. t im Jahr 1989 auf weniger als 1 Mio. t im Jahr 2000. Zum Ende des darauffolgenden Jahrzehnts steigt das Interesse an Brikett wieder, nicht zuletzt wegen hoher Brennstoffpreise fr Alternativen und Lieferengpssen. Einzig Braun-kohlenstaub konnte sich nach 20 Jahren mit ca. 60 % der Erzeugung von 1989 behaupten, nach-dem zwischenzeitlich auch hier die Produktion auf gut ein Drittel schrumpfte. Als neues Produkt kam 1998/1999 Lausitzer Wirbelschichtkohle auf den Markt (Tab. 2.2).Fr einige jahrzehntelang mit hohen Kos-ten aus Braunkohle gewonnenen Produkte wie Schwefel, Benzin und weitere Rohstoffe der Kar-bochemie war der Markt grtenteils entfallen. Die Stilllegung dieser Produktionsanlagen war zwangslufig die Folge. Schlielich erfllten die technisch veralteten Braunkohlenkraftwerke und Veredlungsanlagen nicht die Forderungen der bundesdeutschen Umweltstandards. Investitio-nen fr die Ertchtigung der oft bauflligen Ge-bude und Betriebseinrichtungen sowie die Mo-dernisierung der technisch verschlissenen Anla-gen und Technologien erschienen wirtschaftlich nicht vertretbar. So fhrte die Schlieung nicht mehr bentigter Anlagen zu einer deutlichen Ver-ringerung der Umweltbelastungen. Weiter be-ntigte Kapazitten mussten durch umwelttech-nische Aufrstung erhalten oder durch Neubau geschaffen werden.Infolge des Produktionsrckgangs in den Lau-sitzer und Mitteldeutschen Braunkohlenrevieren verringerte sich auch die Belegschaft, die 1989 immerhin ca. 150.000 Personen ausmachte, nach zehn Jahren auf noch gut 10.000, d. h. ca. 13 %. Dabei ist zu beachten, dass die Strukturen in den VEB zahlreiche Funktionen umfassten, die heute nicht mehr den Unternehmen zugeordnet sind und durch private oder kommunale Dienstleister erbracht werden.Tabelle 2.3 enthlt eine detaillierte Arbeits-krfteverteilung in der ostdeutschen Braunkoh-lenindustrie 1989.Der Tagebaubetrieb konnte vielerorts den neuen kologischen und sozialvertrglichen An-sprchen nicht gengen. Im Herbst 1989 richte-ten sich die Proteste der DDR-Bevlkerung in den Braunkohlenrevieren insbesondere gegen den groflchigen Raubbau an Kohle, Natur und Heimat. Neben den kologischen Schden und Risiken sowie den unzureichend beachteten so-zialen Folgen waren die Proteste vor allem in der mangelnden Transparenz der diesbezglichen Tab. 2.3 Arbeitskrfteverteilung in der ostdeutschen Braunkohlenindustrie 19891989 Braunkohlen-kombinatBitterfeldBraun-kohlen-veredlung EspenhainBraunkohlen-kombinat SenftenbergGas-kombinat Schwarze PumpeBraunkohlen-veredlung LauchhammerKombinat Anlagenbau BraunkohleSummeGewinnung 20.133 22.234 42.367Brikettierung 4.228 820 3.065 1.613 1.528 11.2542. Veredlungsstufe 396 887 0 2.522 862 4.667Kraftwerke 2.066 546 940 4.165 410 8.127Instandhaltung 13.701 2.056 13.374 2.220 1.309 4.215 36.875Sozialkonomie 3.566 318 3.339 884 445 428 8.980Kombinatsleitung/Stabsorgane6.713 774 8.478 2.467 1.000 1.385 20.817Sonstige 1.288 489 3.259 1.318 99 2.460 8.913Personal ohne Lehrlinge52.091 5.890 54.689 15.189 5.653 8.488 142.000Lehrlinge 1.533 301 2.232 853 400 692 6.011Personal einschl. Lehrlinge53.624 6.191 56.921 16.042 6.053 9.180 148.011Enthalten: Projektierung Braunkohlenbohrungen und Schachtbau Welzow: 594152 Gesellschaftliche, natrliche und technische Rahmenbedingungen der BraunkohlesanierungEntscheidungsprozesse begrndet. Der darauf-hin vom Ministerrat der DDR noch 1989 gefasste Beschluss zur Erarbeitung einer neuen Energie-konzeption, die Aufhebung von Entscheidun-gen zu Bergbauschutzgebieten, die Bildung von Arbeitsgruppen der Bezirke und schlielich der Einsatz von Expertengruppen wurden durch die sich rasant vollziehende politisch-gesellschaft-liche Entwicklung berholt. Ungeachtet dessen war es notwendig, in sehr kurzer Zeit Entschei-dungen vorzubereiten und zu treffen, um die negativen Folgen der bisherigen Braun-kohlengewinnung zu berwinden den Demokratisierungsprozess in den Verwal-tungsentscheidungen weiter voran zu bringen den neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen bei der Planung zu gengen.Im Land Brandenburg z. B. wurde deshalb be-reits 1990 vorgeschlagen, zur Organisation raum-planerischer Aufgaben zur Bergbauentwicklung nach dem Vorbild des Landes Nordrhein-West-falen einen Braunkohlenausschuss zu schaffen, der einen schnellen bergang von den Planungs-anstzen der DDR zu einer kologisch und sozial vertrglichen Braunkohlen- und Sanierungspla-nung vollziehen sollte. Braunkohlenplanung und bergrechtliche Betriebsplanung waren in beson-derer Weise gefordert, um einerseits Planungs-sicherheit fr den Braunkohlenbergbau und die alternativlose Braunkohlesanierung zu schaffen und andererseits das Vertrauen der Menschen in eine zukunftsweisende, wirtschaftlich chancen-reiche und kologisch nachhaltige Umstrukturie-rung der Landschaften in den Revieren herzustel-len (Drebenstedt et al. 1998).2.1.3 Herausbildung der Braunkohle-sanierungStrukturelle Vernderungen in der Braun-kohlenindustrie nach 1989 Mit den politischen Umbrchen der Jahre 1989 und 1990 begann auch in vielen osteuropischen Lndern ein ana-loger tiefgreifender wirtschaftlicher Umstruk-turierungsprozess. Die neuen Bundeslnder des wiedervereinigten Deutschlands hatten trotz aller Schwierigkeiten jedoch gegenber den anderen Staaten Osteuropas wesentlich gnstigere Vo-raussetzungen fr den dringend erforderlichen marktwirtschaftlichen und kologischen Umbau der monostrukturierten Energiewirtschaft. Hinter dem politischen Willen, die Herausforderungen zu meistern, stand die Finanz- und Wirtschafts-kraft des gesamten Landes. Im Wesentlichen ging es um die Bewltigung von drei Aufgaben: die marktwirtschaftliche Umstrukturierung der Energiewirtschaft die Reduzierung von Umweltbelastungen und die Beseitigung von Umweltaltlasten die Abfederung der sozialen Auswirkungen des Umstrukturierungsprozesses.Die braunkohlenbasierte DDR-Energiewirtschaft bestand aus drei Kombinaten: dem Braunkohlenkombinat Senftenberg dem Braunkohlenkombinat Bitterfeld dem Gaskombinat Schwarze Pumpeund den diesen Kombinaten zugehrigen 39 Ta-gebauen, 45 mittleren und kleinen Braunkohlen-kraftwerken und 49 Veredlungsanlagen.Die wenigen Grokraftwerke der Braunkoh-lenverstromung gehrten zum Kombinat Braun-kohlenkraftwerke und wurden im Zuge der Um-strukturierung gesondert privatisiert (VEAG) bzw. stillgelegt, so dass sie hier nicht nher be-trachtet werden. Am 1. Juli 1990 wurden die drei Kombinate gem den Bestimmungen des Kapi-talumwandlungsgesetzes in vier Kapitalgesell-schaften des Bundes umgewandelt (Abb. 2.5).Diese Gesellschaften hatten 1990 etwa 135.000 Beschftigte. Es war klar, dass auch bei einer opti-mistischen Einschtzung der wirtschaftlichen Ent-wicklung nur wenige der darin enthaltenen Betrie-be eine langfristige wettbewerbsfhige Perspekti-ve haben wrden. Daher stand zunchst die Auf-gabe, fr die von sofortiger Betriebsteilstilllegung betroffenen Arbeitnehmer andere Beschftigungs-mglichkeiten zu schaffen. In kurzer Zeit wurden im Zusammenwirken mit den Arbeitsmtern, vor-nehmlich fr in jedem Fall notwendige Aufrum- sowie Abbruch- und Demontagearbeiten, Arbeits-beschaffungsmanahmen (ABM) organisiert und durchgefhrt, die keine lange Vorbereitungsphase erforderten und eine hohe Beschftigungswirkung hatten. Diese Sofortmanahmen in den Jahren 1991 und 1992 knnen als die erste Phase der 16 C. Drebenstedt et al.Braunkohlesanierung in Ostdeutschland bezeich-net werden. Insgesamt wurden dafr 768 Mio. DM (386 Mio. ) aufgewendet.Des Weiteren haben die vorgenannten Kapi-talgesellschaften neben der rcklufigen aber bedarfsgerechten Weiterfhrung der Energie-versorgung mit Braunkohle in umfangreichen Variantenuntersuchungen zusammen mit der Treuhandanstalt (THA) den knftigen Bedarf an Braunkohle und ihren Veredlungsprodukten prognostiziert sowie ausgearbeitet, mit welchen privatisierungsfhigen Betrieben dieser Bedarf gedeckt werden knnte. Zu nennen sind z. B. die Studie der Beratungsgesellschaft McKinsey & Company, Inc. Erarbeitung eines Konzeptes zur Restrukturierung der Braunkohle in den neuen Bundeslndern (1991) und im Anschluss die T-tigkeit der Lausitzer und Mitteldeutschen Braun-kohlen-Beratungsgesellschaft mbH (LMBB) mit dem Ziel der inhaltlichen Konkretisierung der privatisierungswrdigen Betriebssttten und Anlagen, weitestgehend nach dem Vorbild der Rheinbraun AG. Bereits 1990 wurden in Vorbe-reitung der Privatisierung der Grundlastkraftwer-ke (VEAG) die Stromvertrge unterzeichnet.Der nicht privatisierungsfhige Teil der Braunkohlenindustrie mit einer mittelfristig still-zulegenden Produktion wurde im Ergebnis dieser Untersuchungen als so genannter Auslaufbergbau eingestuft. Zusammen mit den bereits stillgeleg-ten Betrieben des Braunkohlenbergbaus wurde dieser Teil bereits der Braunkohlesanierung zu-geordnet. Des Weiteren wurden fr die gesamte Braunkohlenindustrie Altlastenkataster aufge-stellt, in denen auf der Grundlage bestehender rechtlicher Verpflichtungen fr Bergbauunterneh-men der Sanierungsbedarf erfasst und einer ers-ten Bewertung unterzogen wurde. Die Daten der Altlastenkataster fanden auch bei der Beurteilung der Privatisierungsaussichten Bercksichtigung. Mit dieser Vorbereitung und unter der Begleitung der Treuhandanstalt wurden zum 1.1.1993 die Energiewerke Schwarze Pumpe AG (ESPAG) und die Lausitzer Braunkohle AG (LAUBAG) verschmolzen und zum 1.1.1994 rckwirkend die wirtschaftlich berlebensfhigen Betriebe der LAUBAG unter gleichem Namen an ein Konsortium der westdeutschen Energieversorger privatisiert (PreussenElektra AG (30 %), Bayern-werk AG (15 %), Rheinbraun AG (39,5 %), RWE Energie AG (5,5 %), N-3-Unternehmen (10 %)). Zur LAUBAG wurden fnf von 17 Tagebauen, die 1989 in der Lausitz betrieben wurden sowie eine Brikettfabrik am Standort Schwarze Pumpe als so genannte A-Betriebe zugeordnet. Aus dem abgespaltenen, nicht privatisierungsfhigen Teil der LAUBAG und der Braunkohlenveredlung Lauchhammer (BVL) entstand die Lausitzer Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LBV) mit der Aufgabe, den Auslaufbergbau (B-Betrie-be) und den Sanierungsbergbau (C-Betriebe) zu organisieren.Abb. 2.5 Umstrukturie-rung der Braunkohlen-industrie 1989 bis 1990 172 Gesellschaftliche, natrliche und technische Rahmenbedingungen der BraunkohlesanierungEbenso zum 1.1.1994 entstand als erste Pri-vatisierung durch ein anglo-amerikanisches Konsortium (zu je 1/3: NRG Energy Inc., USA, Power Gen plc., UK, Morrison Knudsen Corp., USA) aus der MIBRAG die Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft mbH (MIBRAG). Am 9.12.1994 wurde aus der MIBRAG der Tagebau Amsdorf mit seiner bitumenreichen Kohle vor-nehmlich zur Herstellung von Montanwachs zur ROMONTA GmbH privatisiert. Zur privatisier-ten MIBRAG wurden zwei der vormals 18 Tage-baue (Profen, Vereinigtes Schleenhain, Zwenkau wurde bis 1999 gepachtet), zwei Brikettfabriken (Deuben, Phnix) und drei Industriekraftwerke sowie Beteiligungen an Kraftwerken zugeordnet.Aus der MIBRAG abgespalten wurde die Mit-teldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (MBV), die analog der LBV fr das mittel-deutsche Braunkohlenrevier die Trgerschaft fr den Auslauf- und Sanierungsbergbau wahrneh-men sollte.Die Abgrenzung der Verantwortungsbereiche der privatisierten von den weiterhin bei der THA bzw. beim Bund verbleibenden Unternehmen er-folgte in umfangreichen Spaltungsvertrgen. In Schnittstellenvertrgen wurde dabei die Durch-fhrung von Manahmen im jeweiligen Verant-wortungsbereich geregelt.Im Anschluss an die Umstrukturierung der Braunkohlesanierung in privatisierte (LAUBAG, MIBRAG und ROMONTA) und nicht privatisie-rungsfhige Teile (LBV, MBV) und Gesellschaf-ten wurde seitens der Treuhandanstalt festgelegt, wie der Auslauf- und Sanierungsbergbau organi-siert und umgesetzt werden soll.Da der Inhalt und Umfang der Verpflichtun-gen des Sanierungsbergbaus gem den ein-schlgigen gesetzlichen Bestimmungen z. B. Bundesberggesetz (BBergG) und Umweltgesetze des Bundes und der Lnder zu diesem Zeitpunkt nicht hinreichend genau definiert und monetr determiniert werden konnten, wurde entschie-den, diese Aufgaben, die mit ffentlichen Mitteln zu finanzieren waren, ber eine Bundesgesell-schaft umzusetzen. Gleichzeitig wurde festge-legt, dass diese Bundesgesellschaft als Rechts-nachfolger der Kombinate der DDR und damit als bergrechtlich verantwortliches Unternehmen, dabei im Wesentlichen das Projektmanagement bernimmt und die physische Umsetzung der Sa-nierungsmanahmen ber wettbewerbliche Ver-gabe realisiert wird.Zu diesem Zweck erfolgte zum 1.1.1995 aus LBV und MBV heraus die Privatisierung von Sanierungsgesellschaften, die in der Folgezeit im Wettbewerb zunchst vor allem bergbautypische Sanierungsleistungen durchfhrten, sich in den Folgejahren aber auch erfolgreich auf dem freien Markt z. B. der Umweltschutz- und Landschafts-bauleistungen etabliert haben. Schlielich wurde mit wirtschaftlicher Wirkung zum 1.9.1995 die belegschaftsseitig verkleinerten LBV und MBV auf die Holding Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV) als Projekttrger des Auslaufbergbaus und der Braunkohlesanierung verschmolzen (Abb. 2.6), um die anstehenden Aufgaben revierbergrei-fend, einheitlich organisatorisch und straff um-zusetzen.Die Umstrukturierung der Braunkohlenindus-trie in Ostdeutschland ist aufgrund des Umfanges dieser einzigartigen Aufgabe und der kurzfristi-gen Umsetzung beispielgebend fr hnliche an-stehende und zu erwartende Umstrukturierungs-prozesse weltweit.Notwendigkeit der Etablierung der Braun-kohlesanierung Nach der Umstrukturierung der Braunkohlen- und Energiewirtschaft im Osten Deutschlands wurde die schnelle und wirtschaft-liche Sanierung bzw. Auslaufgestaltung der nicht privatisierten 32 Tagebaue sowie 88 Brikettfabri-ken, Kraftwerke, Schwelereien und Kokereien zu einem wesentlichen Arbeitsfeld. Bei der Planung und Abarbeitung der Verpflichtungen, vor allem der berg-, wasser-, abfall- und umweltrechtlich notwendigen Verpflichtungen und Manahmen zur Beseitigung der Hinterlassenschaften des Braunkohlenbergbaus der DDR in der Zeit von 1949 bis 1990, mussten auch die sozio-ko-nomischen Wirkungen des unvermeidlichen Strukturwandels in den Revieren Lausitz und Mitteldeutschland in Betracht gezogen werden. Eine bersichtskarte (Abb. 2.7) veranschaulicht 18 C. Drebenstedt et al.Abb. 2.6 Umstrukturierung der Braunkohlenindustrie bis 1998Abb. 2.7 Lage der Braun-kohlenreviere in Ost-deutschland 192 Gesellschaftliche, natrliche und technische Rahmenbedingungen der Braunkohlesanierungdie groe rumliche Dimension der Braunkohle-sanierung.Zu den Aufgaben der Braunkohlesanierung gehren u. a.: ber 100.000 ha bergbaulich beanspruchtes Land wieder nutzbar zu machen ber 200 Tagebaurestlcher neu zu gestalten ca. 1.200 km Tagebaurestlochbschungen zu sichern ber 1.200 Altlastverdachtsflchen zu unter-suchen und zu sanieren mehr als 110 industrielle Altstandorte zu sanieren ca. 13 Mrd. m3 Grundwasserdefizit auszuglei-chen auf ca. 300.000 ha Flche Gefahren im Zusam-menhang mit dem Grundwasserwiederanstieg zu besorgen mehr als 95.000 ha Grundeigentum nach der Sanierung zu verwerten.Dazu sind folgende Leistungen zu bewltigen: Massenbewegung und -verdichtung im Umfang von jeweils mehr als 1 Mrd. m Abbruch von Industrieanlagen und Demon-tage/Verschrottung von Gerten Sanierung von Altlastverdachtsflchen Rekultivierung von sauren Kippenbden fr Forst- und Landwirtschaft Sicherung von Flchen fr den Naturschutz und eine naturnahe Entwicklung Flutung von Tagebaurestlchern und Gewhr-leistung einer akzeptablen Wasserqualitt.Weitere Arbeiten betreffen z. B. das Verfllen von unterirdischen Grubenbauen (s. Kap. 6), den Wegebau und die Errichtung von Flutungs- und Auslaufbauwerken sowie von Zu-, ber- und Ableitern fr die Bergbaufolgeseen.Es wurde deutlich, dass fr die nachhaltige Lsung dieser Aufgaben erhebliche finanziel-le Mittel bereitzustellen sind. Nachdem in den Jahren 1990 bis 1992 erste Sofortmanahmen als Arbeitsbeschaffungsmanahmen der Bundes-anstalt fr Arbeit durchgefhrt wurden, schlos-sen der Bund und die vom Braunkohlenbergbau der ehemaligen DDR betroffenen Bundeslnder Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thringen 1992 das Verwaltungsabkommen fr die Finanzierung der Sanierung kologischer Altlasten (VA, s. Kap. 3). Dieses Abkommen wurde seither fr Zeitrume von jeweils fnf Jahren durch Ergnzungen konkretisiert. Diese Finanzierungsvereinbarung beinhaltet auch eine arbeitsmarktpolitische Komponente, die eine be-fristete Beschftigung von Arbeitslosen frdert. Die LMBV wurde als bergrechtlich verantwort-liches Unternehmen Projekttrger fr die Durch-fhrung der Sanierungsmanahmen. Whrend die vor dem 1.7.1990 entstandenen Rechtsver-pflichtungen als Altlasten vom Bund zu 75 % und von den Lndern zu 25 % finanziert werden, wendet die LMBV fr die nach dem 1.7.1990 entstandenen Verpflichtungen Eigenmittel auf.Darber hinaus haben seit 1998 die ostdeut-schen Braunkohlenlnder zustzlich erhebliche finanzielle Mittel bereitgestellt, um den Nutzungsstandard der neu entstehenden Bergbaufolgelandschaften zu erhhen Gefhrdungen aus dem Altbergbau ohne Rechtsnachfolge vor 1949 zu beseitigen damit zustzlich Beschftigung zu schaffen und den Umstrukturierungsprozess zu fr-dern.Auerdem finanzieren Bund und Lnder seit 2003 zu gleichen Teilen Manahmen zur Abwehr von Gefhrdungen, die aus dem natrlichen Wie-deranstieg des Grundwassers auf sein vorberg-bauliches Niveau resultieren.Die 4. Ergnzung des Verwaltungsabkom-mens (VA V) wurde im Jahr 2012 unterzeich-net und sieht die Bereitstellung finanzieller Mittel fr das Gemeinschaftswerk Braunkoh-lesanierung von 2013 bis zum Jahr 2017 vor (Abb. 2.8).Da die Finanzierung der Braunkohlesanierung mit ffentlichen Mitteln erfolgt, sind dabei die haushaltrechtlichen Bestimmungen des Bundes und der Lnder zu beachten. Die Haushaltsmittel sind zweckentsprechend, wirtschaftlich und spar-sam einzusetzen. Weitere Kriterien fr die Nach-weisfhrung des Mitteleinsatzes sind Lckenlo-sigkeit und Nachvollziehbarkeit.Bund und Braunkohlenlnder haben zur in-ternen Genehmigung der Braunkohlesanierungs-projekte und -manahmen einen Steuerungs- und Budgetausschuss konstituiert, der aus Vertretern der zustndigen Bundes- und Landesministe-20 C. Drebenstedt et al.rien besteht. Die Durchfhrung der Antragspr-fung, der Genehmigungsvorbereitung und des Controllings obliegt der Geschftsstelle dieses Ausschusses. Die Kosten fr die Braunkohle-sanierung betrugen bis 2012 ca. 9,5 Mrd. . Der Sanierungsbergbau sichert mit einem jhrlichen Budget von mehreren hundert Mio. tausende Arbeitspltze in den Revieren und trgt mageb-lich zur Strukturanpassung bei. Im Sanierungs-bergbau ist es beispielhaft gelungen, Mittel der Arbeitsfrderung strukturpolitisch wirksam ein-zusetzen.Mit dem Sanierungsbergbau als grtes Um-weltprojekt Deutschlands wurde vielfach tech-nisch, kologisch und administrativ Neuland be-schritten. Um fr die anspruchsvolle Arbeit der Schaffung einer neuen Lebenswelt fr knftige Generationen aktuelles wissenschaftliches und technologisches Wissen schnell und gezielt fr die Sanierungspraxis verfgbar zu machen, hat das Bundesministerium fr Bildung, Wissen-schaft, Forschung und Technologie 1995 einen Forschungsschwerpunkt Sanierung und kolo-gische Gestaltung der Landschaften des Braun-kohlenbergbaus in den neuen Bundeslndern erffnet (s. Kap. 3). Weitere Forschungsprojekte wurden durch die Bundesstiftung Umwelt und andere Einrichtungen untersttzt. Insgesamt wur-den ca. 50 Mio. in 32 Forschungsprojekte in-vestiert. Die Ergebnisse tragen zur Entwicklung und Einfhrung effizienter Sanierungstechnolo-gien bei.Die Ergebnisse der Braunkohlesanierung sind in den Revieren Lausitz und Mitteldeutschland erkennbar. Die aus Kippenflchen und Industrie-brachen neu geschaffenen Landschaften werden bereits vielfltig wirtschaftlich genutzt. Insge-samt sind bis Ende 2010 bereits ca. 5.900 neue Arbeitspltze auf sanierten Bergbauflchen ent-standen.Auslaufbergbau Unter den als nicht privatisie-rungsfhig bewerteten Teilen der ostdeutschen Braunkohlenindustrie, die der LMBV bzw. ihren Vorgngergesellschaften zur Stilllegung und Sanierung bertragen wurden, befanden sich auch Produktionssttten, die teilweise noch bis 1999 weiter Rohkohle frderten, Brikett und Staub erzeugten sowie Strom produzierten die so genannten B Betriebe.Da die Produkte aus dem Auslaufbergbau auf den gleichen Markt geliefert wurden, den sich bereits der privatisierte Braunkohlenbergbau ge-sichert hatte, wurden Mengen und Preise in (Al-lein)Vertriebsvertrgen mit der MIBRAG und LAUBAG vereinbart. Die Tabellen 2.4, 2.5, 2.6, 2.7 und 2.8 geben die im Rahmen des Auslauf-bergbaus durch die LMBV realisierten Leistun-gen und Produkte wieder. Diese umfassen u. a. 76,6 Mio. t Kohlenfrderung, 2,2 Mio. t Brikett und 8,3 GWh Strom. Neben den dadurch erziel-ten Ertrgen kam der LMBV durch den Auslauf-bergbau zu Gute, dass in den betroffenen Be-trieben wertvolle Zeit gewonnen wurde, um den Abb. 2.8 Finanzierung der Braunkohlesanierung 212 Gesellschaftliche, natrliche und technische Rahmenbedingungen der BraunkohlesanierungTab. 2.4 Rohkohlenfrderung im Rahmen des AuslaufbergbausRohkohlenfrde-rung (kt)1994 1995 1996 1997 1998 1999 Summe AuslaufbergbauEspenhain 3.795 364 486 4.645Zwenkau bis 30.09.1999 an MIBRAG verpachtetDelitzsch-SW 38 15 53 7 113Grbern 430 62 15 24 531Mcheln 8 10 5 23Schadeleben 65 65Summe Mitteldeutsche4.336 451 559 31 5.377Greifenhain 1 936 1.936Seese-Ost 3.946 3.296 919 8.161Meuro 5.313 4.785 5.109 4.807 5.924 5.693 31.631Scheibe 3.989 4.093 3.052 11.134Berzdorf 4.495 4.696 4.719 4.457 18.367Summe Lausitz 19.679 16.870 13.799 9.264 5.924 5.693 71.229Summe LMBV 24.015 17.321 14.358 9.295 5.924 5.693 76.606Tab. 2.5 Abraumgewinnung im Rahmen des AuslaufbergbausAbraumgewinnung (Tm3)- ohne Abraum zur Vorbereitungder Sanierung -1994 1995 1996 1997 1998 1999 Summe AuslaufbergbauEspenhain 8.752 70 8 822Zwenkau bis 30.09.1999 an MIBRAG verpachtetDelitzsch-SW 0Grbern 0Mcheln 0Schadeleben 0Summe MitteIdeutschld. 8.752 70 8.822Greifenhain 112 112Seese-Ost 16.347 10.733 181 27.261Meuro 26.160 22.755 21.285 13.683 83.883Scheibe 13.459 11.895 4.360 29.714Berzdorf 9.244 5.402 5.620 2.255 22.521Summe Lausitz 65.322 50.785 31.446 15.938 163.491Summe LMBV 74.074 50.855 31.446 15.938 0 0 172.313Tab. 2.6 Briketterzeugung im Rahmen des AuslaufbergbausBriketterzeugung (kt) 1994 1995 1996 1997 1998 1999 Summe AuslaufbergbauGrozssen 222 222Summe Mitteldeutschld. 222 222Fortschritt 335 39 374Meurostolln 429 65 494Sonne II 591 270 164 126 1.151Summe Lausitz 1.354 374 164 126 2.018Summe LMBV 1.576 374 164 126 0 0 2.24022 C. Drebenstedt et al.Stilllegungsprozess mehr oder weniger geordnet (sanierungsoptimiert) durchfhren zu knnen, whrend dies bei den sofort stillgelegten (C- Be-trieben) nicht mglich war.Auf der anderen Seite profitierte auch der pri-vatisierte Bergbau vom Auslaufbergbau, da auch hier Neu- und Reorganisationsmanahmen des Betriebsablaufes notwendig waren, die durch die befristete Weiterproduktion in den B-Betrieben berbrckt werden konnten.Die Tabellen 2.9, 2.10, 2.11 und 2.12 geben eine bersicht ber alle 1989 noch in Betrieb befindlichen Tagebaue, Brikettfabriken, Kraft-werke und Veredlungsanlagen mit Angabe des Datums der Stilllegung bzw. der Privatisierung durch Romonta, MIBRAG und LAUBAG.2.1.4 Ziele, Umfang und Ausblick der BraunkohlesanierungTechnische Ziele Die Braunkohlesanierung im Osten Deutschlands zielt primr auf die Er-fllung der rechtlichen Verpflichtungen, die fr Bergbauunternehmen in Deutschland allgemein Gltigkeit besitzen. Die technischen Ziele erge-ben sich im Wesentlichen aus den Bestimmungen des Bundesberggesetzes. Dies gilt insbesonde-re fr die Betriebsplanpflicht. So waren fr die Restlaufzeit der Tagebaue, Kraftwerke und Ver-edlungsbetriebe des Auslaufbergbaus der LMBV gem Bundesberggesetz Rahmen-, Haupt- und Sonderbetriebsplne aufzustellen. Im Idealfall konnte der Auslaufbetrieb dieser Tagebaue hin-sichtlich der Gewinnungs- und Verkippungs-technologie die vorgesehene Stilllegung bereits bercksichtigen.Fr die bereits stillgelegten bzw. noch stillzu-legenden Betriebe waren Abschlussbetriebsplne zu erstellen. Fr diese Plne war dabei die Ab-grenzung von Bergbaubetrieben, die bereits vor 1949 still-gelegt wurden nach 1990 privatisierten Betrieben des Berg-baus bereits gem Berggesetz der DDR nachweis-lich und endgltig wieder nutzbar gemachten Bergbaubetriebsflchennotwendig.Whrend die Abgrenzung der Verpflichtun-gen zu den aktiven privatisierten Bergbaubetrie-ben bereits in den Spaltungsvertrgen erfolgte, waren fr die anderen beiden Punkte historische Recherchen und Abstimmungen mit den Berg-Tab. 2.7 Stauberzeugung im Rahmen des AuslaufbergbausStauberzeugung (kt) 1994 1995 1996 1997 1998 1999 Summe AuslaufbergbauGrozssen 1 1Sonne 234 156 142 200 300 81 1.113Summe LMBV 235 156 142 200 300 81 1.114Tab. 2.8 Stromerzeugung im Rahmen des AuslaufbergbausStromerzeugung (MWh)1994 1995 1996 1997 1998 1999 Summe AuslaufbergbauGrozssen 49.185 49.185Borna 429.441 79.597 509.038Espenhain 1.362.080 905.262 358.218 2.625.560Summe Mitteldeutschld.1.840.706 984.859 358.218 0 0 0 3.183.783Brieske 302.654 247.439 235.017 233.431 228.279 233.052 1.479.872Sonne 207.118 168.055 140.462 147.482 663.117Trattendorf 1.336.598 1.215.130 300.820 2.852.548Lauchhammer 64 68.073 68.073Knappenrode 14.126 14.126Summe Lausitz 1.928.569 1.630.624 676.299 380.913 228.279 233.052 5.077.736Summe LMBV 3.769.275 2.615.483 1.034.517 380.913 228.279 233.052 8.261.519232 Gesellschaftliche, natrliche und technische Rahmenbedingungen der Braunkohlesanierungbehrden erforderlich. Insgesamt hat die LMBV bis 2010 fr die Manahmen, mit denen die An-forderungen des Bundesberggesetzes erfllt wer-den, 177 Abschlussbetriebsplne zur Sicherstellung des Schutzes Dritter vor durch den Bergbaubetrieb verursachten Gefahren auch nach Einstellung des Betriebes zur Wiedernutzbarmachung der vom Bergbau-betrieb in Anspruch genommenen Oberflche unter Beachtung des ffentlichen Interesses zu Angaben ber Beseitigung oder anderwei-tigen Verwendung betrieblicher Anlagen, zur genauen Darstellung der technischen Durchfhrung und zum Schutz der Oberflche im Interesse der persnlichen Sicherheit und des ffentlichen Verkehrserstellt. In diesen Planunterlagen sind die tech-nischen Zielstellungen formuliert und eine um-fassende Beschreibung ihrer sicheren Umsetzung Tab. 2.9 Tagebaulaufzeiten in Ostdeutschland24 C. Drebenstedt et al.Tab. 2.10 Brikettfabrik-Laufzeiten in Ostdeutschland252 Gesellschaftliche, natrliche und technische Rahmenbedingungen der Braunkohlesanierungenthalten. Im Rahmen des Betriebsplanverfah-rens verankert die Bergbehrde bei Notwendig-keit weitergehende Forderungen in Nebenbe-stimmungen ihres Zulassungsbescheides. Nach der Durchfhrung der Abschlussbetriebsplne endet die Bergaufsicht zu dem Zeitpunkt, in dem nach allgemeiner Erfahrung nicht mehr mit Ge-fahren oder gemeinschdlichen Einwirkungen fr Schutzgter zu rechnen ist.Tab. 2.11 Kraftwerkslaufzeiten-Laufzeiten in Ostdeutschland26 C. Drebenstedt et al.Da der LMBV auch die Aufgabe obliegt, ihr Eigentum an Liegenschaften und Anlagever-mgen zu verwerten, hat sie ein vitales Interes-se, diese Vermgensgegenstnde zgig in eine vermarktungsfhige Qualitt zu versetzen (s. Kap. 9).Die durch den Braunkohlenbergbau der DDR entstandenen Gefahrenquellen werden auch als Bergbaualtlasten bezeichnet. Sie lassen sich grob einteilen in geotechnisch nicht dauerhaft standsichere Bereiche Strungen des natrlichen Wasserhaushalts hinsichtlich Menge und Qualitt nicht verwertbare Gerte, Gebude und Anla-gen Schadstoffablagerungen bzw. kontaminatio-nen Wiedernutzbarmachungs- und Rekultivie-rungsrckstnde.Fr die Festlegung der Reihenfolge der Besei-tigung von Gefahrenquellen ist aufgrund der Komplexitt der Zusammenhnge zwischen den stillgelegten Tagebauen und Veredlungsanlagen sowie unter Bercksichtigung der technologisch bedingten Sanierungszeitrume ein durchgehen-des Projektmanagement erforderlich (s. Kap. 7).Die Wiedernutzbarmachung als ordnungsge-me Gestaltung der vom Bergbau in Anspruch genommenen Oberflche hat unter Beachtung des ffentlichen Interesses zu erfolgen. Dieses ffentliche Interesse ist normalerweise bereits in den Dokumenten der Landes-, Regional-, Raum-ordnungs- und Flchennutzungsplanung fest-geschrieben. Die zugehrigen Planverfahren fr den Auslaufbergbau in Form von Braunkohlen-plnen, fr den Sanierungsbergbau in Form von Sanierungsplnen (Brandenburg), Sanierungs-rahmenplnen (Sachsen), Teilgebietsentwick-lungsprogrammen (Sachsen-Anhalt) und Regio-nalen Raumordnungsplnen (Thringen) wurden aufgrund der besonderen Situation im Beitritts-gebiet teilweise parallel zu den bergrechtlichen Betriebsplanverfahren gefhrt. Aufgrund dessen erfolgten im Rahmen der Aufstellung der Plne vielfltige Abstimmungen zwischen den Be-hrden, den Kommunen und der LMBV. Unter Beachtung der technischen Machbarkeit, Wirt-schaftlichkeit und Nachhaltigkeit wurden mg-lichst konfliktarme und vielfltige Nutzungsziele fr die Wiedernutzbarmachung der vom Bergbau beanspruchten Flchen formuliert und festgelegt. Die ausgewogenen und tragfhigen Lsungen bercksichtigen die Interessen von Land-, Forst- und Wasserwirtschaft, Naturschutz, Industrie, Gewerbe und Tourismus sowie kommunaler Ent-wicklung (s. Kap. 8). Inzwischen sind bereits viele dieser insgesamt 52 Raumordnungsplne zu einem hohen Anteil realisiert. Andere wurden aufgrund neuer Erkenntnisse und Entwicklungen in den letzten Jahren fortgeschrieben, przisiert, gendert bzw. ergnzt.Die grten Vernderungen zwischen dem Zustand der Landschaft vor und nach dem Braun-kohlenbergbau ber Tage sind auf die umfangrei-chen Abraumbewegungen und die Gewinnung der Kohle zurckzufhren. Die entstandenen Ta-gebaurestlcher mit einem Gesamtvolumen von ca. 5 Mrd. m lassen sich nicht kologisch ver-tretbar mit Erdmassen auffllen, die weitgehend neue Eingriffe in die Umwelt nach sich gezogen htten und unwirtschaftlich gewesen wren.Zwangslufig nimmt nach der Einstellung der bergbaulichen Smpfungsmanahmen das Wasser die Tagebaurestlcher durch den natr-lichen Zustrom in Besitz (s. Kap. 5). Fr die neu entstehenden Gewsser sind vom Bergbauunter-nehmen die Bschungssysteme fr die geplanten Folgenutzungen dauerhaft stabil zu gestalten und durch eine mehrjhrige Nachsorge so zu unter-halten, dass ihrer knstlichen Entstehung Rech-nung getragen wird (s. Kap. 4). Auerdem sind fr herzustellende Gewsser Planverfahren nach dem Wasserhaushaltsgesetz zu beantragen. Mit Stand Dezember 2010 sind fr die Herstellung der Bergbaufolgegewsser der LMBV mehr als Tab. 2.12 Stilllegungstermine 2. Veredlungsstufe in Ostdeutschland272 Gesellschaftliche, natrliche und technische Rahmenbedingungen der Braunkohlesanierung50 wasserrechtliche Planfeststellungsverfahren und 11 Plangenehmigungsverfahren erforderlich gewesen (Abb. 2.9).Im unmittelbaren Zusammenhang mit der Gewsserherstellung steht eine weitere bergbau-verursachte technische Herausforderung. Die entwsserungsbedingte Belftung tiefer Boden-schichten in den Grundwasserabsenkungsbe-reichen des Bergbaus fhrt durch Oxydations- und Lsungsprozesse zur erheblichen Senkung des pH-Wertes sowie zur Erhhung von Stoff-konzentrationen im Grund- und Oberflchen-wasser. Der natrliche, langsame Anstieg des Grundwassers wrde nach hydrogeologischen Modellrechnungen in den meisten Fllen lang anhaltend zu einer saureren Wasserqualitt mit pH-Werten zwischen 3 und 5 im See fhren, so dass die Integration dieser Gewsser in das Ober-flchengewssersystem ohne Behandlung nicht mglich wre. Eine wirksame Gegenmanah-me ist die schnelle Einleitung mglichst groer Mengen neutralen Wassers aus den Vorflutern in die Tagebaurestlcher. Daher hat die LMBV gemeinsam mit den betreffenden Bundeslndern und aktiven Bergbaubetrieben vielfltige organi-satorische und technische Manahmen zur Um-setzung dieser Zielstellung vereinbart (s. Kap. 5).In der niederschlagsarmen Lausitz sorgt eine Flutungszentrale mit einer Vielzahl von Daten-anbindungen fr krzeste Reaktionszeiten bei der Steuerung der Wasserzufhrung aus den Ein-zugsgebieten von Spree, Schwarzer Elster und Lausitzer Neie. In Mitteldeutschland wird das ausreichende Wasserdargebot der Vorfluter er-gnzt durch die Bereitstellung von Smpfungs-wasser aus den Tagebauen der MIBRAG mbH.Insgesamt werden aus etwa einem Viertel der Gesamtflche des stillgelegten Braunkohlen-bergbaus Wasserflchen von ca. 28.000 ha ent-stehen und die Landschaft um Bitterfeld, Leip-zig, Senftenberg und Hoyerswerda neu prgen (Mckel und Drebenstedt 1998). Fr die nach-haltige Entwicklung der Wasserbeschaffenheit in den Bergbaufolgegewssern entsprechend den Vorgaben der Europischen Wasserrahmen-richtlinie werden gegenwrtig Forschungspro-jekte durchgefhrt. Die LMBV kooperiert dabei erfolgreich mit einer Vielzahl von Partnern aus Wissenschaft, Verwaltung und Wirtschaft. Zur Wiederherstellung eines ausgeglichenen, sich weitgehend selbst regulierenden Wasserhaushal-tes gehrt es auch, Fliegewsser, die durch oder fr den Braunkohlenbergbau direkt verndert oder indirekt in ihrer Funktionsfhigkeit beein-trchtigt wurden, so zu renaturieren, dass sie den Anforderungen des nachbergbaulichen Land-schaftswasserhaushalts gerecht werden.Die planmige Umsetzung der technischen Ziele erfolgt im Einklang mit den im Folgenden beschriebenen kologischen und sozialpoliti-schen Zielen und unter Beachtung der gegensei-tigen Wechselwirkungen.kologische Ziele In den Jahren 1989/1990 wurden ffentlich Forderungen erhoben, die laufenden Bergbauaktivitten schnellstmglich Abb. 2.9 Genehmigungs-verfahren der Braunkohle-sanierung. (Stand 2010) 28 C. Drebenstedt et al.und umfassend einzustellen, um dadurch wei-tere Beeintrchtigungen von Natur und Umwelt zu stoppen. In sachlichen und offenen Diskus-sionen zwischen den Bergbauunternehmen, den zustndigen Behrden, Forschungseinrichtungen und den Naturschutzverbnden wurde schnell klar, dass man die anstehenden technischen und kologischen Probleme nicht allein den Selbst-heilungskrften der Natur berlassen konnte. Durch die konstruktive Mitwirkung von Natur-schutzverbnden an den Planungen zur Braun-kohlesanierung im Rahmen der ffentlichen Beteiligung sowie in den Gremien der Braun-kohlen- und Sanierungsplanung wurde aber auch deutlich gemacht, dass sich auf den Jahrzehnte alten Hinterlassenschaften des DDR-Bergbaus, insbesondere den ausgedehnten, unzugngli-chen Kippenflchen, selten gewordene Tier- und Pflanzenarten ungestrt entwickeln konnten. Bei der Festlegung der Wiedernutzbarmachungsziele wurden kologisch interessante Flchen identi-fiziert, bewertet und so in die Sanierungspla-nung integriert, dass sowohl den Forderungen des Naturschutzes als auch der Herstellung der ffentlichen Sicherheit auf Bergbaufolgeland-schaften Rechnung getragen wird (Drebenstedt 1996). ber 15 % der bergbaulich beanspruchten Flchen in Verantwortung der LMBV wurden auf diese Weise langfristig fr den Naturschutz gesi-chert. Inzwischen wurde der grte Teil dieser Flchen an Naturschutzorganisationen und -stif-tungen veruert.Auch bei der konventionellen landwirtschaft-lichen und forstlichen Rekultivierung wurden kologische Aspekte in hohem Mae bercksich-tigt. Wo die Bodenqualitt und andere uere Be-dingungen es zulieen, wurden abwechslungsrei-che Mischwlder, Gehlzstreifen, Benjeshecken, Findlingsanordnungen und temporre Feuchtge-biete geschaffen.Auch bei der Gestaltung der Uferzonen von im Entstehen begriffenen Bergbaufolgeseen spielten kologische Gesichtspunkte eine wichtige Rolle. Gezielt wurden Flachwasserzonen hergestellt, in denen sich bei Schilfbewuchs Vogelbrutmglich-keiten und Lebensrume fr Wassertiere und Am-phibien entwickeln knnen. Die fischereiwirt-schaftliche Nutzbarkeit der Bergbaufolgeseen ist ebenfalls ein Ziel der Braunkohlesanierung.Die Einbeziehung kologischer Ziele in die Braunkohlesanierung und die sichtbaren Erfol-ge in den letzten Jahren haben dazu beigetragen, Naturschutz als Wirtschaftsfaktor zu verstehen.Sozialpolitische Ziele Bergbau ist aufgrund der begrenzten Lagersttteninhalte immer endlich. Die unplanmige und gleichzeitige Einstellung einer so groen Zahl von Tagebauen und Ver-edlungsanlagen in den Jahren nach 1990 war jedoch ein radikaler struktureller Umbruch, der Bund und Lnder vor eine besondere Herausfor-derung stellte. Viele der rund 135.000 Beschf-tigten der Braunkohlenindustrie wurden, sofern sie nicht in den Vorruhestand gehen konnten, arbeitslos und hatten anfangs keine alternativen Beschftigungsmglichkeiten. Daher wurde bei der Planung und Realisierung der Arbeitsbe-schaffungsmanahmen bis 1992 und der weite-ren Manahmen der Bergbausanierung eine hohe Beschftigungswirkung angestrebt und durch Zuschsse der Bundesanstalt fr Arbeit aktiv gefrdert. Bei der wettbewerblichen Vergabe der Auftrge fr Braunkohlesanierungsmanahmen wurden die Auftragnehmer zur Beschftigung von frderfhigen Arbeitnehmern verpflichtet. In der ersten Phase der Sanierung bis 1995 stieg die Zahl der Arbeitnehmer auf gefrderten Arbeits-pltzen auf ber 17.000. Weitere 7.000 Arbeits-pltze wurden bei Nachauftragnehmern, durch Kaufkrafterhalt in den Revieren und beim Trger der Bergbausanierung gesichert. Damit wurde ein erheblicher Beitrag zur Abfederung des Rck-gangs von Industriearbeitspltzen in den ost-deutschen Braunkohlenlndern geleistet. Auf den Altstandorten der Braunkohlenveredlung, der Verwaltung und in ehemaligen Werkstattkomple-xen siedelten sich Klein- und Mittelstndische Unternehmen an und sorgten fr die Erhaltung und Entwicklung von Know-how in der Region. Diese hoffnungsvolle Entwicklung veranlasste die LMBV, ab 1999 gemeinsam mit Kommunen ausgewhlte Altstandorte ber eine dafr gegrn-dete Tochtergesellschaft infrastrukturell neu zu erschlieen. Unter Einbeziehung von Frdermit-292 Gesellschaftliche, natrliche und technische Rahmenbedingungen der Braunkohlesanierungteln fr die Bund-Lnder-Gemeinschaftsaufgabe entstanden ohne zustzlichen Flchenverbrauch moderne Industrie- und Gewerbeflchen fr Investitionen. Allein auf diesen 7 Standorten befinden sich 2010 ca. 150 Unternehmen mit fast 5.900 Arbeitspltzen.Des Weiteren wurde der LMBV von ihren Fi-nanziers bereits ber viele Jahre die Mglichkeit eingerumt, junge Menschen fr nachgefragte, zukunftsorientierte Berufe auszubilden. Die Zahl von ber 1.500 erfolgreich abgeschlossenen Aus-bildungen zum Facharbeiter seit 1994 spricht fr sich. Dies ist eine weitere Investition in die Zu-kunft der Regionen. Sie fhrt zu einer Erhhung der Attraktivitt fr Investoren und wirkt damit der Abwanderung entgegen. Mit dem bergang von ca. 75 % der Ausgebildeten in eine Beschf-tigung wurde eine gute Quote erreicht.Die Auswirkungen der vernderten wirtschaft-lichen Rahmenbedingungen in den ostdeutschen Braunkohlenlndern seit 1990 lsst sich an der Bevlkerungsentwicklung verfolgen (Tab. 2.13).Demnach sind die Braunkohlenlnder Sach-sen-Anhalt und Sachsen insbesondere vom Be-vlkerungsrckgang betroffen. Ausgewhlte Stdte in den Braunkohlenrevieren verzeichnen eine differenzierte Bevlkerungsentwicklung (Tab. 2.14).Die Abwanderung im Zeitraum 1990 bis 2010 aus den Kohlen-Energie-Chemie Regionen in der Lausitz und in Mitteldeutschland spiegelt die schrumpfenden Produktions- und Beschf-tigungsmglichkeiten, die in den monostruktu-rieren Industrieregionen nicht gepuffert werden konnten. So weisen mit dem Bergbau gewachse-ne Stdte in Sachsen und Sachsen-Anhalt einen 2 bis 3 fach hheren Rckgang der Bevlkerung auf als der Landesdurchschnitt; im Land Bran-denburg liegt der Faktor zwischen 3 und 10.Tabelle 2.14 verdeutlicht, dass Stdte, die mit der Entwicklung der Braunkohlenwirtschaft zu-nchst einen starken Bevlkerungsanstieg ver-zeichneten, ebenso schnell die Bevlkerung wie-der verloren. Die Motive sind dieselben: arbeits-fhige, mobile Menschen ziehen der Arbeit nach. Da die Standorte der Braunkohlengewinnung standortgebunden sind, entsteht zu deren Er-schlieung neue Infrastruktur und die Menschen werden mit guter Bezahlung und weiteren Ver-gnstigungen an diese Standorte gelockt. Endet der Abbau wegen Lagerstttenerschpfung oder vorfristiger Stilllegung, wie im Fall der Braun-kohlenindustrie im Osten Deutschlands, gibt es in der Regel keine wirtschaftlichen Alternativen und die Menschen ziehen weiter. Zahlreiche Geisterstdte zeugen weltweit von diesem Ph-nomen.Die Braunkohlesanierung ist eine wichtige Manahme zum teilweisen Erhalt von Arbeits-pltzen in der Region und erweitert das Zeitfens-ter fr eine wirtschaftliche Umstrukturierung. Da die Standorte der Kohlen- und assoziierten Energie- und Chemiewirtschaft dabei im freien Wettbewerb mit anderen Standorten stehen und zudem monostrukturiert sind und ber kein gutes Image und geringe Lebensqualitt verfgen, ist der Umstrukturierungsprozess besonders kom-pliziert. Deshalb verlassen trotz vielfltiger Be-mhungen vor allem gut ausgebildete und junge Menschen die Bergbauregion. Die Politik kann Bundesland Bevlkerung1950Bevlkerung1990Bevlkerung2010Vernderung seit 1990%Brandenburg 2.579.675a 2.578.312b 2.507.100c 2,76Sachsen-Anhalt 4.071.856a 2.873.957d 2.343.000c 18,47Sachsen 5.682.802a 4.913.000e 4.152.500f 15,48a Staatliche Zentralverwaltung fr Statistik (1958)b www.statistik.brandenburg.dec Statistische mter des Bundes und der Lnder, Stand 07.2010d www.sachsen-anhalt.de, Stand 31.12.1990e www.demographie.sachsen.de, 01.01.1990f www.statistik.sachsen.de, Stand 07.2010Tab. 2.13 Bevlkerungs-entwicklung in den Braunkohlenlndernwww.statistik.brandenburg.dewww.sachsen-anhalt.dewww.demographie.sachsen.dewww.statistik.sachsen.de30 C. Drebenstedt et al.zwar grundstzlich mit speziellen Frderpro-grammen die Ansiedlung von neuen Firmen len-ken und untersttzen, muss jedoch aufgrund be-grenzter Mittel die Manahmen priorisieren. Die Gebiete der Braunkohlesanierung erhalten dabei nicht immer die erhoffte Bercksichtigung.Unabhngig davon erhht sich mit der Braun-kohlesanierung die Lebensqualitt in der Region und werden neue Mglichkeiten wirtschaftlicher Ttigkeit erffnet.Umfang und Stand der Braunkohlesanie-rung Die bisher dargestellten Ausfhrungen zu den Aufgaben der Braunkohlesanierung haben bereits einen berblick ber die besonderen Her-ausforderungen gegeben. Aufgrund der rum-lichen Ausdehnung, der komplexen Vernetzung einer Vielzahl von Problemen und der Umset-zung der Braunkohlesanierungsvorhaben ber einen relativ langen Zeitraum war es unerlss-lich, eine klare Strukturierung vorzunehmen.Die Inhalte der Braunkohlesanierung wurden in Projekte eingeteilt, die wiederum in Teilobjek-te gegliedert sind. In Abhngigkeit von den Leis-tungsinhalten wurden regelmig Projektstruk-turanpassungen vorgenommen. 2011 befinden sich noch mehr als 100 Projekte fr die Braun-kohlesanierung gem Rechtsverpflichtung der LMBV, fr die Abwehr von Gefhrdungen aus dem Wiederanstieg des Grundwassers und fr die Durchfhrung von Manahmen zur Erhhung des Folgenutzungsstandards in der Umsetzung.Die Planung der notwendigen Leistungen er-folgt nach Hauptgewerken.Die insgesamt mit Stand Ende 2009 fr die Erfllung der Rechtsverpflichtungen der LMBV erforderlichen Leistungen umfassen die Haupt-gewerkegruppen (Tab. 2.15):1,7 Mrd. m3 Massenbewegung23.400 ha Rekultivierung forst- und landwirt-schaftlicher Nutzflchen (Abb. 2.10)11,8 Mio. m3 Abbruch baulicher Anlagen, umbauter Raum12,7 Mrd. m3 Wiederherstellung Wasserhaushalt (Abb. 2.11)1,1 Mrd. m3 Massenverdichtung (Abb. 2.12)28,9 Mio. m3 Altlastensanierung (inkl. Wasserreingung)Die Abbildung 2.13 spiegelt die in der Tabelle 2.15 enthaltenen Daten grafisch wider und gibt zu-stzlich einen Ausblick auf die bis zum Ende der Sanierung geplanten Leistungen. Die zugrunde liegende detaillierte Projektplanung der LMBV wird jhrlich aktualisiert.Insgesamt wird eingeschtzt, dass die Pro-jekte der Braunkohlesanierung bezogen auf die Rechtsverpflichtungen der LMBV finanziell Ende 2010 zu rund 90 % realisiert wurden.Tab. 2.14 Bevlkerungsentwicklung in ausgewhlten Stdten in den BraunkohlenrevierenRevier Bundesland Stadt Bevlke-rung 1950Bevlke-rung 1990Bevlke-rung 2010nderung seit 1990 %Lausitz Brandenburg Cottbus 60.874a 134.781 102.091 24,25Lausitz Brandenburg Senftenberg 18.260a 29.451 26.530 9,92Lausitz Brandenburg Lauchhammer 27.524a 23.882 16.956 29,00Lausitz Sachsen Grlitz 100.147a 76.603b 55.596c 27,4Lausitz Sachsen Hoyerswerda 7.365a 68.982b 37.379c 45,8Lausitz Sachsen Weiwasser 13.844a 35.515b 19.055c 46,3Mitteldeutschland Sachsen Borna 17.807a 27.620b 20.680c 25,1Mitteldeutschland Sachsen-Anhalt Halle 289.119 311.396d 232.963e 25,19Mitteldeutschland Sachsen-Anhalt Bitterfeld-Wolfen 44.564 72.218d 45.171e 37,45Mitteldeutschland Sachsen-Anhalt Zeitz 46.762 48.153d 31.556e 34,47a Staatliche Zentralverwaltung fr Statistik (1958)b Statistisches Landesamt Sachsen,Stand 31.12.1990c Statistisches Landesamt Sachsen, Stand 31.12.2010d Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt, Stand 31.12.1990e Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt,Stand 31.12.2010312 Gesellschaftliche, natrliche und technische Rahmenbedingungen der BraunkohlesanierungDer Schwerpunkt der knftige Arbeiten liegt in der Herstellung der Tagebaufolgeseen, in der Beseitigung von Gefahren im Zusammenhang mit dem Grundwasserwiederanstieg, in den Manah-men zur nachhaltigen Gewhrleistung einer ko-logisch vertretbaren Wasserqualitt in den neuen Seen sowie in der weiteren Beseitigung von lo-kalen Grundwasserkontaminationen. Die erst genannten zwei Aufgabenkomplexe werden um 2020 im Wesentlichen umgesetzt sein, whrend die zuletzt genannten zwei Aufgabenbereiche langfristig anfallende, teilweise bis zum vierten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts andauernde Ma-nahmen ausmachen. Zeitlich immer strker wer-den sie jedoch in Monitoringaufgaben bergehen.2.2 Naturraum, Geologie, Bergbautechnologie und Eingriff in den Mitteldeutschen und Lausitzer Braunkohlenrevieren2.2.1 Allgemeine Kennzeichnung der ReviereGrundstze Die geographische Lage und der geologische Aufbau eines Gebietes prgen we-sentlich seinen landschaftlichen Charakter, sowie die Naturausstattung und natrliche Leistungs-fhigkeit. Gelnderelief sowie Klima, Wasser, Bden u. a. abiotische Standortfaktoren sind fr das Landschaftsbild, die Landnutzung und das Tab. 2.15 Mengenbersicht ausgewhlter Hauptgewerke 1990 bis 2009Hauptgewerk ABM 1990-1993VAI 1993-1997VA II 1998-2002VA III 2003-2007VA IV Sanierung 1990-20092008 2009 SummeMassenbewe-gungMio. m3 140 669 641 201 29 15 44 1.695Herstellung FN/LN-Flchenha 0 5.708 5.554 3.493 722 505 1.227 15.982Herstellung sonstiger Nutzflchenha 27.480 10.660 5.681 2.648 220 149 369 46.838Pflege und Bewirtschaftungha 0 28.715 31.802 13.153 2,875 5.782 8.657 82.327Demontage und VerschrottungTt 1.510 2.127 2.489 465 42 0,41 43 6.634Abbruch von baulichen AnlagenTm3 1.396 5.731 3.449 997 21 66 87 11.660Wasserhebung, Reinigung, Ableitung, PegelkonrolleMio. m3 511 2.105 1.883 1.065 135 86 221 5.785Fremdwasser-zufhrung zur FlutungMio. m3 0 168 639 1.100 137 185 322 2.229Massenverdich-tungMio. m3 5 365 525 174 18 12 31 1.100Sanierung schadstoff-belasteter BereicheTm3 485 5.925 6.590 4.300 832 762 1.595 18.895Beseitigung und Verwertung von AbfllenTt 827 598 4.129 3.433 191 304 495 9.482Verfllen von GrubenrumenTm3 105 457 550 417 14 41 55 1.58432 C. Drebenstedt et al.Leben in der Landschaft bestimmend. Aber auch die Entstehung von Bodenschtzen ist an geoge-ne Prozesse gebunden und stellt den natrlichen Reichtum einer Region dar.Durch die Nutzung der natrlichen Ressour-cen, insbesondere durch den Tagebaubetrieb, wird erheblich in die relativ stabilen, natrlichen Systeme eingegriffen. Es werden Berge versetzt, Flsse verlegt, Grundwasserleiter zerstrt, Deck-gebirgsschichten umgelagert. Doch an den Abbau der Braunkohle schlieen sich Rekultivierungs-manahmen an. Dabei werden die Topographie und auch die Geologie der Bergbaufolgeland-schaft bewusst gestaltet. Fr die Planung der neu zu gestaltenden Landschaft ist es daher bedeu-tend, die Zusammenhnge zwischen der geologi-schen Situation und den sich auf dieser Basis ein-stellenden natrlichen Gegebenheiten zu kennen, um sie bewusst einzusetzen. Nur so knnen sich wieder stabile landschaftliche Systeme entwi-ckeln. Fehler bei der Landschaftsgestaltung kor-rigiert die Natur selbst, wobei erhebliche Schden entstehen knnen. Um diese zu vermeiden ist ein stndiger Lernprozess von der Natur notwendig. Rutschungen, wie am 18.7.2009 in Nachterstedt, mit Verlusten an Menschenleben, materiellen und kulturellen Gtern lehren uns z. B. bis heute, dass die Wechselwirkungen zwischen Mensch und Abb. 2.10 Rekultivierung im Tagebau Greifenhain 332 Gesellschaftliche, natrliche und technische Rahmenbedingungen der BraunkohlesanierungNatur weiter untersucht werden mssen, um sie vollends zu verstehen und negative Auswirkun-gen zu vermeiden. Abbildung 2.14 verdeutlicht, dass neben dem Faktor Natur und dem Stand der Technik und des Wissens auch die gesell-schaftlichen Rahmenbedingungen zu beachten sind (Drebenstedt 2003). Welche gesetzlichen Rahmenbedingungen sind einzuhalten, und wie werden sie hinsichtlich der betrieblichen und f-fentlichen Sicherheit sowie des Umweltschutzes einschlielich der Anforderungen an die Rekulti-vierung umgesetzt? Da sich die Einflussfaktoren Gesellschaft und Technik/Wissen im stndigen Wandel befinden und unterschiedlich ausgeprgt sind, ist das Ergebnis der Rekultivierung nicht nur durch den Naturraum bestimmt, sondern auch durch die Entwicklung der Gesellschaft. Bei der Planung und Umsetzung der Rekultivierung ist deshalb eine zeitlich und rumlich differenzierte Betrachtungsweise notwendig.In den Abschnitten 2.2.2 und 2.2.3 wird die Geologie des Mitteldeutschen- bzw. Lausitzer Braunkohlenreviers vorgestellt; im Abschnitt 4.8 wird die Geologie ausgewhlter Tagebaue nher beschrieben. Im Abschnitt 5.2 werden die hydro-geologischen Besonderheiten der Reviere nher erlutert.Abb. 2.11 Blick ber das Lausitzer Seenland nach Nordwesten 34 C. Drebenstedt et al.Abb. 2.12 Rtteldruckverdichtung im Tagebau Schlabendorf-Sd Abb. 2.13 Leistungen der Braunkohlesanierung, Stand 2009 und Ausblick 352 Gesellschaftliche, natrliche und technische Rahmenbedingungen der BraunkohlesanierungNaturraum Das Mitteldeutsche und das Lau-sitzer Braunkohlenrevier befinden sich am sd-lichen Rand des Mitteleuropischen Tieflandes, an der Grenze zur Mitteleuropischen Mittelge-birgsschwelle. Gem der naturrumlichen Glie-derung nach Riecken et al. (1994) liegen beide Reviere hauptschlich im Sden der Groland-schaft Nordostdeutsches Tiefland (Abb. 2.15). Sie erstrecken sich ber die naturrumlichen Haupteinheiten Elbe-Mulde-Tiefland (D10), Schsisches Hgelland und Erzgebirgsvorland (D19) und stliches Harzvorland und Brden (D20), sowie ber das Lausitzer Becken und Spreewald (D08) und Oberlausitzer Heide-land (D13). Der sdliche Teil des Lausitzer Reviers befindet sich mit den Tagebauen Berz-dorf und Olbersdorf in der Grolandschaft st-liche Mittelgebirge in der naturrumlichen Haupteinheit Oberlausitz (D14).Die naturrumlichen Verhltnisse in diesem Betrachtungsgebiet sind sehr unterschiedlich. Der Naturraum wird dabei mageblich durch die standortbedingt typische Vegetation gekenn-zeichnet. Fr die naturrumliche Charakteristik sind ursprnglich die vier abiotischen Stand-ortfaktoren Morphologie, Boden, Klima sowie Oberflchen- und Grundwasser entscheidend, die fr die Art der Vegetation verantwortlich sind. Da diese Standortfaktoren darber hinaus die Nut-zungsinteressen der Menschen berhren, kommt der Mensch als wichtiger Einflussfaktor hinzu, der auf das System einwirkt und es in Mittel- und Osteuropa nachhaltig weitestgehend in eine Kul-turlandschaft gewandelt hat (Drebenstedt 2003).Die Standortfaktoren stehen in einer engen Wechselwirkung (Abb. 2.16) und sind sowohl in ihrer Menge und Gte als auch in ihrer Hufig-keit und Dauer bestimmt. So ist z. B. der Boden das Entwicklungsprodukt aus dem anstehenden geologischen Material unter Einwirkung von Klima, Grundwasser und Vegetation sowie der Reliefenergie (Erosion). Die Art der Vegetation wiederum wird bestimmt durch den Boden, das Klima und die Wassersituation. Grund- und Ober-flchenwasser bilden sich unter dem Einfluss von Klima (Niederschlge), Vegetation (Verbrauch, Verdunstung, Oberflchenabfluss) und Boden-beschaffenheit (Versickerung) sowie der Aus-Abb. 2.14 Einflussfaktoren auf die Rekultivierung. (Dre-benstedt 2003) Abb. 2.15 Naturrumliche Lage der Braunkohlenreviere Lausitz und Mitteldeutschland. (nach BfN 2006) 36 C. Drebenstedt et al.bildung der Gelndeoberflche (Abflussbahnen, flurnahe oder -ferne Grundwasserstnde) usw.Das Klima spielt eine entscheidende Rolle fr den Naturraum. Zu den Klimafaktoren gehren insbesondere Temperatur, Niederschlge und Wind, die ebenfalls in Menge, Gte, Hufigkeit und Dauer variieren und dadurch ein komplizier-tes Beziehungsgeflecht in der Wechselwirkung mit den anderen Standortfaktoren bilden, das zur Ausprgung des Naturraumes fhrt. Starke Nie-derschlge knnen z. B. bei fehlender Vegetation ebenso zur Bodenerosion beitragen, wie starker Wind.Klimatische Kennzeichnung Das Mitteldeut-sche und das Lausitzer Braunkohlenrevier werden berwiegend durch die khlgemigte Klimazone der Waldklimate geprgt. In Mitteldeutschland und in der Lausitz bestimmen dabei die nieder-schlagsrmeren und trockeneren subozeanischen Waldklimate die Situation. Der Ostrand der Lau-sitz, insbesondere die Niederlausitz, wird teil-weise durch subkontinentale Klimate beeinflusst (Abb. 2.17 und 2.18).Fr die Niederschlagsverteilung sind in Mit-teldeutschland und in der Lausitz mittlere Jahres-niederschlge von 500 bis 600 mm typisch. In der Oberlausitz werden auch Jahresniederschlge um 650 mm gemessen. Beide Reviere sind den immer feuchten Klimaten zuzuordnen.Die langjhrigen Jahresmitteltemperaturen des Januars betragen zwischen 0 und 5 C, die langjhrigen mittleren Julitemperaturen stellen sich auf bis 20 C ein.Die Klimadiagramme von Leipzig in Mittel-deutschland und von Cottbus und Grlitz in der Lausitz vermitteln einen Eindruck von den dif-ferenzierten Temperatur- und Niederschlagsver-hltnissen im Betrachtungsgebiet (Abb. 2.19; DWD 2010).Aus den Diagrammen wird deutlich, dass Temperaturen und Niederschlagsmengen im Verlauf des Jahres in der Lausitz und in Mittel-deutschland recht hnlich sind. Die durchschnitt-Abb. 2.16 Wechsel-wirkung der abiotischen Standortfaktoren und die Einwirkung des Menschen. (Drebenstedt 2003) 372 Gesellschaftliche, natrliche und technische Rahmenbedingungen der Braunkohlesanierunglichen Monatstemperaturen unterscheiden sich kaum. Die jhrliche Niederschlagsmenge ist im Mitteldeutschen Revier am geringsten. Das ist u. a. auf die geographische Lage im Regen-schatten des Harzes zurckzufhren. In der Oberlausitz ist die jhrliche Niederschlagsmenge mit ber 650 mm am hchsten. Hier wirkt sich u. a. die geographische Lage im Nordwesten des Lausitzer und Zittauer Gebirges aus. Auch fh-ren Unterschiede des Gelndereliefs, der vor-handenen Bodensubstrate und der Landnutzung zu lokal verschiedenen Wasserabflussverhalten, wodurch das jeweilige Mikroklima beeinflusst ist. Zustzlich wird die Lausitz von dem weiter stlich vorherrschenden subkontinentalen Klima beeinflusst. Dieses nur lokal ausgeprgte klima-tische Phnomen fhrt zu einer greren Vielfalt der Flora und Fauna im Gebiet der Lausitz.Abb. 2.17 Klimazonen Europas nach Troll und Pfaffen. (Friese et al. 1996) Abb. 2.18 Klimazonen Europas nach Kppen. (Friese et al. 1996) 38 C. Drebenstedt et al.Bden Bedingt durch die geologisch vorhan-denen Bodensubstrate dominieren in der Lau-sitz Parabraunerden und in Mitteldeutschland auch saure Braunerden, die durch Podsole und Schwarzerde ergnzt werden (Abb. 2.20). Wei-tere vorkommende Bodentypen sind an groe Flussniederungen gebundene Auenbden.Braunerden verdanken ihren Namen der Braunfrbung durch die Eisenfreisetzung bei der Verwitterung des Ausgangsgesteins. Dies kann zum einen in den Mittelgebirgen Schiefer, Grauwacke, Granit oder Basalt sein, aber auch zum anderen fluviatiler oder glazialer Sand der Tiefebenen. Liegt Ton als Ausgangsmaterial vor, bilden sich Pelosole. Mit Abnahme des Basenge-haltes und der Eutrophie verschiebt sich auf den Standorten der Anteil des hufig anzutreffenden Rotbuchenwaldes in Richtung Laub-Mischwl-der. Die Eignung der Braunerden fr den Acker-bau ist ohne Dngung und Bewsserung weniger gut (Hofmeister 1997).Parabraunerden hneln den Braunerden, unter-scheiden sich aber durch eine Tonanreicherung durch Verlagerung aus dem Oberboden (A-Hori-Abb. 2.19 Klimadiagramme ausgewhlter Orte im Lausitzer und Mitteldeutschen Braunkohlenrevier. (DWD 2010) 392 Gesellschaftliche, natrliche und technische Rahmenbedingungen der Braunkohlesanierungzont) in den Unterboden (B-Horizont). Ausgangs-material sind Lockersedimente der L- und Mo-rnengebiete sowie eiszeitlicher Schotterflchen. Auf Lssbasis kann es auch zur Entwicklung von Schwarzerden (Tschernosem) kommen. Fr den Ackerbau sind diese Bden gut geeignet. Wald-gesellschaften sind hufig verarmt.Podsole entstehen vorwiegend aus sandigen (wasserdurchlssigen), basenarmen Sedimenten des Tieflandes sowie in geringerem Mae aus Verwitterungsmaterial in den Mittelgebirgen bei hohen Niederschlgen und niedrigen mittle-ren Jahrestemperaturen. Der Name steht fr den typischen aschfarbenen ausgebleichten (ausge-waschenen) Oberboden. Die Standorte werden durch bodensaure Laub-Mischwlder bevorzugt. Leistungsfhige Ackerstandorte sind durch Dn-gung und Bewsserung mglich.Nhrstoff- und basenreiche Auenbden ent-stehen aus Sedimenten in Tlern von Flssen und Strmen. Neben einem Waldsaum werden sie als Grnland oder fr Ackerbau genutzt.Die Karte (Abb. 2.21) gibt Aufschluss ber den geologischen Ursprung der Bodensubstrate, die die Grundlage der entstandenen Bden bilden.Vegetation Die Floren der nrdlichen Hemi-sphre, einschlielich der Gebietes Mittel-deutschland und Lausitz, werden aufgrund ihrer vielfachen Beziehungen und aufflligen flo-ristischen Einheitlichkeit dem Florenreich der Holarktis, in der weiteren Untergliederung der mitteleuropischen Florenregion und dort der nrdlichen temporaten Florenzone zugeordnet. Weitere Unterscheidungen der Flora ergeben sich aus der Ozeanitt, d. h. dem Einfluss der Ozeane auf Feuchtigkeit und Temperatur. Analog den Kli-mazonen befinden sich die betrachteten Reviere unter subozeanischem Einfluss (subatlantische Provinz), im Osten teilweise unter kontinentalem Einfluss (zentraleuropische Provinz). Ein drit-tes, das Vegetationsareal bestimmendes Merkmal neben dem Breitengrad und der Ozeanitt ist die Hhenstufe, die im Betrachtungsgebiet als planar (bis 300 m) einzustufen ist.Die Biodiversitt, d. h. die Artenzahl der Grogefpflanzen, entspricht im Betrachtungs-gebiet der mittleren Diversittszone 5, d. h. zwi-schen 1.000 und 1.500 auf 10.000 km (Strasbur-ger 1998).Entsprechend der Standortmerkmale las-sen sich typische Vegetationszonen aushalten (Abb. 2.22). Demnach sind fr das Betrachtungs-gebiet sommergrne Laubwlder dominierend.Der sommergrne Laubwald ist standortbe-dingt weiter differenziert und lsst sich verein-facht wie folgt darstellen: Im Mitteleuropischen Tiefland dominieren westlich der Elbe in den re-levanten tieferen Lagen Buchenmischwaldgebie-te und stlich der Elbe Kiefernwaldgebiete mit Eiche auf Sandbden (Abb. 2.23).Abb. 2.20 Bodenkarte Lausitz und Mitteldeutsch-land (Diercke 2007) 40 C. Drebenstedt et al.Im Mitteldeutschen Revier werden im Regen-schatten des Harzes zudem Trockengebiete mit aufgelockerten Eichenmischwaldbestnden ohne Buche ausgewiesen.Ursprnglich war die mitteleuropische Flo-renregion nur dort lokal waldfrei, wo extreme Standortbedingungen vorherrschten (Trocken-heit, Nsse, Salz). Durch Ackerbau ist heute nur noch ein Viertel Europas mit Wald bedeckt und dies vielfach als intensiv bewirtschafteter Forst, berwiegend im Bereich der Mittelgebirge. Bei der Beschreibung der Bodentypen wurde bereits auf die Nutzung der Standorte verwiesen. Abbil-dung 2.24 zeigt, wie sich aufgrund der vorherr-schenden Bodentypen naturbedingte Agrarrume ausbilden.Kohlenbildung Die Kohlenbildung ist ein komplexer Prozess auf den die rtliche Lage, die Sedimentationsbedingungen, die Geotekto-nik und die klimabedingte Biomasseproduktion erheblichen Einfluss ausben. Die Braunkohlen-bildungen in den Mitteldeutschen und Lausitzer Braunkohlenrevieren sind stratigraphisch dem Tertir, in der Lausitz berwiegend dem Miozn, in Mitteldeutschland auch dem Eozn zu zuord-nen (Abb. 2.25 und 2.62).Die Braunkohlenlagersttten Mittel- und Ost-europas knnen palogeographisch generell in zwei Bereiche unterteilt werden: paralische Lagersttten, die aus Kstenrand-mooren entstanden sind (Abb. 2.26) terrestrische Lagersttten die aus limnischen (Swasser) Mooren auf dem Festland her-vorgingenParalische Lagersttten entstanden in der Nord-deutsch-polnischen Senke, zu der die berwie-gende Anzahl der Lagersttten der Lausitzer und Mitteldeutschen Braunkohlenreviere gehren. Im Tertir, beginnend vor ber 40 Mio. Jahren, befanden sich Mitteldeutschland und die Lausitz am Sdrand eines riesigen Sedimentationsbe-ckens, der Nordwesteuropischen Tertirsenke. Der Sdrand dieses Ablagerungsraumes spiegelt mit seinen Sedimenten den Wechsel von Meeres-berflutungen (Transgressionen) aus dem Be-reich der heutigen Nordsee und Meeresrckzgen (Regressionen) wider. Whrend der Regressions-phasen, gleichzusetzen mit Meeresspiegeltief-stnden, entstanden groflchige, kstennahe Vermoorungsgebiete. Bei lang anhaltenden Re-gressionsphasen wurden die Vermoorungsgebie-te von festlndischen Verwitterungsprodukten, berwiegend Tone und Sande, aber auch Kiese, bedeckt. Folgte nach der Vermoorungsphase ein Meeresspiegelhochstand, wurde das Ver-moorungsgebiet erneut berflutet. In Lagunen wurden berwiegend Schluffe und in Bereichen von Strnden und Nehrungen Sande abgelagert. Infolge der Sedimentberdeckung wurden die Abb. 2.21 Geologischer Ursprung der Bodensubstrate. (nach BGR 2007) 412 Gesellschaftliche, natrliche und technische Rahmenbedingungen der BraunkohlesanierungMoorablagerungen (Torfe) im Laufe der Jahr-millionen in Braunkohle umgewandelt. So wur-den in der Lausitz in das etwa 250 m mchtige tertire Sedimentgebirge fnf bedeutende Braun-kohlenflzhorizonte eingelagert, von denen das 2. Lausitzer Flz heute weit berwiegend in den umgehenden Tagebauen gewonnen wird.Nach Art der Absenkung des Untergrundes, die fr eine Akkumulation der organischen Subs-tanz verantwortlich ist, werden drei Entstehungs-typen von Braunkohlenlagersttten unterschie-den (Abb. 2.27; Strzodka et al.1979): tektonische Lagersttten, die sich durch perio-dische Torfanhufung nach pltzlichen gro-en Senkungsphasen bildeten und durch viele kleine, meist unvollstndig ausgebildete und an den Bruchstrukturen zerscherte und gefal-tete Flze mit hohem Aschegehalt und hoher Mchtigkeit (bis 100 m) charakterisiert sind epirogenetische Lagersttten, die auf eine langsame und langanhaltende kontinuierliche Absenkung zurckgehen, in deren Folge sich weitaushaltende Flze mittlerer Mchtigkeit (bis 20 m) und gleichfrmigen Aufbaus bildeten Flzbildung durch Salzabwanderung (Halo-kinetischer Typ) und -auslaugung (Subro-Abb. 2.22 Vegetationszo-nen in Europa. (Strasbur-ger 1998) Abb. 2.23 Ursprngliche Waldgesellschaften. (Friese et al. 1996) 42 C. Drebenstedt et al.sionstyp), die durch eine stetige Senkung mit wechselnder Senkungsrate gekennzeichnet ist und homogene Flze mit oft hoher Mchtig-keit (bis 100 m) im Wechsel mit unvollstndig ausgebildeten Bereichen hervorbrachte (z. B. Geiseltal)Kombinationen der genannten Entstehungstypen sind mglich, z. B. epirogenetische Bildungen, die durch Tektonik oder durch Salzbewegung und Subrosion (Mitteldeutsches Revier) ber-lagert wurden. Abhngig von der Periodizitt der Absenkungsprozesse knnen mehrere Flze bereinander entstanden sein, die unterschied-lichen Absenkungsprozessen zu zuordnen sind. Weiterhin knnen insbesondere eiszeitliche Ein-wirkungen zu Lagevernderungen der Flze bzw. zu deren teilweisen Erosion gefhrt haben, die die Ablagerungsverhltnisse beeinflussen. Die Braunkohlenlagersttten in der Lausitz und in Mitteldeutschland sind den epirogenetischen und salzkinetisch gebildeten Lagerstttentypen der Norddeutsch-polnischen Senke, d. h. den parali-schen Lagersttten, zuzuordnen.Terrestrische Lagersttten sind im Betrach-tungsgebiet nur die Lagersttten der Oberlausitz. Sie entstanden an den Rndern bzw. in Tlern der Mittel- und Hochgebirge in Folge von Absenkun-gen im Zusammenhang mit der alpinen Gebirgs-bildung im Tertir.Technik Der Braunkohlenbergbau in der Lausitz und im Mitteldeutschen Revier begann zunchst im Tiefbau, der teilweise wegen geotechnischer Gefhrdungen fr die Braunkohlesanierung bis heute relevant ist. Auf die Technologien des Braunkohlentiefbaus, der bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts von Bedeutung war, wird in Kap. 6 nher eingegangen.Begnstigt durch die relativ oberflchennahen Ablagerungsverhltnisse der Kohle und lockerer Deckgebirgsschichten ist mit der Entwicklung der Bergbautechnik seit Beginn des 20. Jahrhun-derts der Tagebau die zunehmend bestimmende Abbaumethode der Braunkohle. Abhngig vom Lagerstttentyp ergeben sich Unterschiede in den Abbauverfahren. Auf der Grundlage der Abla-Abb. 2.24 Naturbedingte Agrarrume in Deutsch-land. (Friese et al. 1996) Abb. 2.25 Altersstellung der Braunkohlen im stlichen Deutschland. (Henningsen und Katzung 2006) 432 Gesellschaftliche, natrliche und technische Rahmenbedingungen der BraunkohlesanierungAbb. 2.27 Bildungstypen der Braunkohlenlagerstt-ten. (Strzodka et al. 1979) Abb. 2.26 Paralische Braunkohlenlagersttten. (nach Thomas 1992) 44 C. Drebenstedt et al.gerungsverhltnisse bieten sich drei wesentliche Abbauverfahren im Tagebau an: Abraumfrderbrcken oder Direktversturz-kombinationen fr groflchige, weitest-gehend ungestrte Lagersttten (epiroge-netischer Typ) mit in der Regel einem Flz mittlerer Mchtigkeit und einem hohen Anteil nichtkohsiver Lockersedimente (Abb. 2.28 und 2.29) Schaufelradbagger-Bandbetrieb fr Mehrflz-lagersttten und Lagersttten mit komplizier-teren Ablagerungsverhltnissen und einem hohen bindigen Anteil bzw. verfestigten Sedi-menten im Abraum (halotektonischer und tektonischer Typ) sowie hohen Leistungsan-forderungen (Abb. 2.30) Mobile Technik fr kleine Lagersttten und extrem gestrte Lagerungsverhltnisse, die einen kontinuierlichen Massenstrom nicht zulassen, z. B. beim tektonischen Lagerstt-tentyp (Abb. 2.31)Der Abbau der Braunkohle erlebte in Deutsch-land seit Mitte des 19. Jahrhunderts seine strks-te Entwicklung und erhielt einen nachhaltigen Schub durch die Einfhrung der kontinuierlichen Tagebautechnik (1885 Eimerkettenbagger, 1897 Direktversturzkombination, 1916 Schaufelrad-Abb. 2.28 Abraumfrderbrcke mit angeschlossenen Eimerkettenbaggern. (Tagebau Nochten, Lausitzer Revier) Abb. 2.29 Direktversturz-kombination mit Schaufel-radbagger und Absetzer. (Tagebau Dreiweibern, Lausitzer Revier) 452 Gesellschaftliche, natrliche und technische Rahmenbedingungen der Braunkohlesanierungbagger und 1924 Abraumfrderbrcke) (Dre-benstedt 2009, Schulz 2005).Ab den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts lste der Bandbetrieb zunehmend den Zugbetrieb als Frdertechnologie ab. Diese Technologie ist bis heute dominierend fr den Braunkohlenbergbau (Fraus 1999; Kremaleck 1998; Kavouridis et al. 2000).Eine besonders effektive Form des Abraum-transports und der Abraumverkippung erfolgt auf krzestem Weg, ber den offenen Tagebau hin-weg, im Direktversturz. Dazu wurden Abraumfr-derbrcken (Abb. 2.28) entwickelt, die zunchst eine relativ weite Verbreitung erhielten, heute aber nur noch unter den speziellen Bedingungen des Lausitzer Reviers eingesetzt werden. Die gr-ten Abraumfrderbrcken vom Typ F60 nehmen den Abraum von in der Regel drei Eimerketten-baggern auf, die in drei Schnitten eine Gesamtab-tragsmchtigkeit von ber 60 m erreichen knnen.Weitere Typenfrderbrcken fr 34 m (ge-steigert bis 42 m) und 45 m (gesteigert bis 54 m) Abtrag wurden in den Mitteldeutschen und Lau-sitzer Braunkohlenrevieren nach 1945 eingesetzt. Bis dahin waren die Frderbrcken Sonderkonst-ruktionen, angepasst an die Lagersttte.Die ber die Abtragsmchtigkeit der Frder-brcke hinaus gehenden Abraummchtigkeiten werden in der Regel mit Schaufelradbagger-Bandbetrieb im Vorschnitt abgetragen.Alternativ zu Abraumfrderbrcken wurde im Einzelfall (z. B. im Tagebau Dreiweibern) auch eine kleinere Schaufelradbagger-Absetzer-Kombination zum Direktversturz eingesetzt (Abb. 2.29), die Abtragsmchtigkeiten bis 20 m gewinnen konnte (Drebenstedt 1997).Der Einsatz mobiler Technik, der Shovel-And-Truck-Betrieb (Abb. 2.31), besetzt ebenfalls eine Nische neben den Grotagebauen, wird aber auch lokal mit der Schaufelradbagger-Band-Technolo-gie kombiniert, z. B. bei der Ausbaggerung tiefer Mulden im Mitteldeutschen Revier (Drebenstedt und Niemann-Delius 2009). Fr eine hochselek-tive Gewinnung werden auch Continuous Sur-face Miner in Verbindung mit SLKW eingesetzt (Abb. 2.32; Drebenstedt 2009).Der historische Einsatz der Technik zur Ab-raumbeseitigung bestimmt wesentliche Aufga-ben der spteren Sanierung und Rekultivierung, da er Einfluss auf die Mglichkeiten der selek-tiven Gewinnung und Verkippung geeigneter Bodensubstrate sowie die Reliefgestaltung und die hydrologischen und hydrogeochemischen Prozesse ausbt (Tab. 2.16). Abbildung 2.33 ver-deutlicht die Mglichkeiten der grundstzlichen Relief- und Nutzungsgestaltung bzw. -vernde-rung mit den wesentlichen Elementen der Berg-baufolgelandschaft Tagebauraum, Aufschttung, Verfllung und Flutung (Drebenstedt 2003).Wegen der Bedeutung der Technik der Ab-raumbeseitigung fr das Verstndnis der Aufga-ben der Bergbausanierung wird im Folgenden die Eignung der verschiedenen eingesetzten Techno-logien fr die Wiedernutzbarmachung grundstz-lich dargestellt:Abb. 2.30 Schaufelradbagger mit Bandaufgabe. (Mittel-deutsches Revier) Abb. 2.31 Mobile Technik. (Tagebau Olbersdorf, Ober-lausitz) 46 C. Drebenstedt et al.Abraumgewinnung Zur Abraumgewinnung im Lockergestein kamen und kommen kontinuier-lich arbeitende, leistungsstarke Schaufelrad- und Eimerkettenbagger zum Einsatz (Abb. 2.34). Eingefbagger mit Lffel oder Zugschaufel (Abb. 2.35) finden nur selten, z. B. zur Beru-mung grobstckigen Baggergutes (Findlinge, Fundamente, gesprengtes Haufwerk) oder zur Kippengestaltung Verwendung.Moderne schwenkbare Eimerkettenbagger knnen, auf Schienen oder Raupen gestellt, im Tief- und Hochschnitt baggern und so eine groe Gesamtabraummchtigkeit bis 50 m bewltigen. Aus Sicht der selektiven Gewinnung von Ab-raumanteilen sind Eimerkettenbagger nur wenig geeignet, da sich die Eimergefe auf der gesam-ten Bschungshhe gleichmig fllen und damit ein Mischsubstrat herstellen. Nur unter speziel-len, homogenen Ablagerungsbedingungen oder durch aufwendige Sondertechnologie ist es mg-lich, gezielt Bodenarten selektiv zu gewinnen.Abb. 2.32 Continuous Surface Miner. (Tagebau Profen, Mitteldeutsches Revier) Tab. 2.16 Eignung von Abbausystemen im Tagebau aus Sicht der Rekultivierung und Landschaftsgestaltung. (Dre-benstedt 1999)Technologische Komplexe Bewertung aus Sicht der WiedernutzbarmachungGewinnung Transport Verkippung Selektive Massendisposition ReliefgestaltungGewinnung VerkippungSchaufelradbagger Frderbrcke + o oAbsetzer + o o oBand/Zug Absetzer + + + +Zug Pflugkippe + + + oZug Splkippe + Eimerkettenbagger Frderbrcke o o oBand/Zug Absetzer o + + +Zug Pflugkippe o + + oZug Splkippe o o Eingefbagger Zug Pflugkippe + + + oLastkraftwagen + + + + nicht geeignet, o bedingt geeignet, + gut geeignet472 Gesellschaftliche, natrliche und technische Rahmenbedingungen der BraunkohlesanierungSchaufelradbagger besitzen ein Graborgan mit bis zu 18 m Durchmesser (SRs 6300). bersteigt die Abraummchtigkeit die Hlfte des Schaufel-raddurchmessers, wird die Bschung in Schei-ben abgebaut. In der Regel knnen max. 4 bis 5 Scheiben von einer Arbeitsebene aus im Hoch-schnitt abgebaggert werden. Die grten Gerte knnen so ebenfalls Gesamtabraummchtigkei-ten bis 50 m allein bewltigen. Eine Tiefschnitt-baggerung ist teilweise realisierbar. Durch die Mglichkeit, die Abraumbschung in Scheiben einzuteilen (Terrassenschnitt), knnen Gesteins-arten selektiert werden (Abb. 2.36).Grenzen der selektiven Gewinnung sind dann gegeben, wenn die Mchtigkeit der zu gewinnen-den Abraumschicht im Verhltnis zum Schaufel-raddurchmesser gering ist bzw. mit der Einteilung der Scheiben der gewnschte Horizont nicht voll erfasst werden kann. Unter diesen Bedingungen kann auch die gezielte Gewinnung von Bodenge-mischen vorteilhaft sein. Kleinere Schaufelrad-durchmesser sind fr eine selektive Gewinnung besser geeignet.Fr die Bewertung der selektiven Gewinnung von Abraum ist nicht nur die Art der Gewinnung in der Bschungshhe, sondern bei wechselnden Abb. 2.34 Schienengebundener Eimerkettenbagger. (Ta-gebau Brwalde, Lausitzer Revier) Abb. 2.35 Eingefbagger mit Zugschaufel. (Tagebau Reichwalde, Lausitzer Revier) Abb. 2.33 Relief- und nutzungsprgende Elemente der Bergbaufolgelandschaft. (Drebenstedt 2003) 48 C. Drebenstedt et al.Bodenarten auch auf der Bschungslnge von Bedeutung.Eimerkettenbagger auf Schienen baggern in der Regel im Frontverhieb, d. h. auf einem lnge-ren Strossenabschnitt durch stndiges Verfahren und Absenken (Abb. 2.37) bzw. durch Schwen-ken der Eimerleiter. Dieser Prozess trgt zur wei-teren Vermischung der herein gewonnenen Subs-trate bei. Schaufelbagger auf Raupenfahrwerken baggern vor Kopf (Blockverhieb, Abb. 2.37), was den Inhalt (Volumen) einer selektiv gewinn-baren Scheibe einschrnkt. Sie wird im Wesent-lichen durch die Lnge des Schaufelradauslegers bestimmt.Die besten Voraussetzungen zur selektiven Gewinnung bestehen im Seitenblockverhieb (Abb. 2.37). Der Schaufelradbagger fhrt parallel zum Sto und baggert die gewnschte (z. B. obere) Scheibe ber die entsprechende Strossen-lnge ab. Allerdings sind mit dieser Technologie Leistungsverluste durch geringere Blockbreite und das Verfahren des Gertes verbunden.Dem Einsatz von Schaufelradbaggern ist aus Sicht der Wiedernutzbarmachung der Vorrang einzurumen.Abraumtransport Der gewonnene Abraum muss zur Kippe transportiert werden. Dazu bestehen im Prinzip zwei grundlegende Techno-logien: mit Transportmitteln, z. B. Bandanlagen (Abb. 2.38) und Zgen (Abb. 2.39) oder im Direktversturz, z. B. Abraumfrderbr-cke (Abb. 2.28), Direktversturzkombination (Abb. 2.29)Der Direktversturz ist die kostengnstigste Varian-te der Abraumbeseitigung. Er wird mit Abraum-frderbrcken oder Bagger-Absetzer-Kombina-tionen realisiert. Bis zu 60 m Abraummchtigkeit lassen sich auf krzeste Entfernung quer ber den Tagebau transportieren und unmittelbar hinter der Auskohlung verkippen. Der Abraum muss dazu weitgehend rollig und die Kippenbasis shlig sein. Mit Abraumfrderbrcken lassen sich jedoch Bodenarten kaum selektiv transportieren und ver-kippen, insbesondere dann nicht, wenn mehrere Bagger den Abraum gewinnen. Da dies zudem Eimerkettenbagger sind, entsteht ein Mischboden. Abraum kann nur dann selektiv transportiert wer-den, wenn einheitlicher Boden an allen Baggern ansteht oder nur bestimmte Bagger im Einsatz sind. In der Vergangenheit wurden auch Schaufel-rder in Verbindung mit Frderbrcken eingesetzt (AFB Meurostolln 1940 und Hostens 1932). Direktversturzkombinationen Schaufelradbagger-Absetzer besitzen gegenber Frderbrcken den Vorteil, dass Abraum selektiv gewonnen und zur Kippe transportiert werden kann.Ein selektiver Massentransport lsst sich aber am effektivsten mit Transportmitteln realisieren. Abb. 2.36 Schaufelrad-bagger im Terrassenschnitt, Blockverhieb. (Tagebau Vereinigtes Schleenhain, Mitteldeutsches Revier) 492 Gesellschaftliche, natrliche und technische Rahmenbedingungen der BraunkohlesanierungDabei gilt insbesondere fr geringmchtige Ab-schlussschttungen: Je kleiner die Transportein-heit ist, desto genauer lsst sich die Qualitt dis-ponieren. Aufgrund der hohen Frderleistungen und Massenstrme sowie aus Kostengrnden kommt heut fast ausschlielich die kontinuier-liche Bandfrderung in Betracht. Mehrere Kilo-meter lange Bandanlagen nehmen das Baggergut kontinuierlich auf und bringen es zum Absetzer. Sollen einzelne Bodenarten selektiv verkippt werden, mssen sie in greren Mengen und fr lngere Zeit angeliefert werden.Der Abraumzugbetrieb hatte bis in die 70er und teilweise 80er Jahre des 20. Jahrhunderts wesentliche Bedeutung fr den Abraumtransport, spielt in den Zukunftstagebauen allerdings keine Rolle mehr, obwohl er aus Sicht der Wiedernutz-barmachung sehr gute Voraussetzungen bietet, um das selektiv gewonnene Bodensubstrat por-tionsweise zur Verkippung zu bringen.Abraumverkippung Entsprechend dem Fr-dermittel wird der Abraum mit geeigneten Ger-ten verkippt. Beim Direktversturz erfolgt die Verkippung direkt ber Abwrfe und frher auch Abb. 2.37 Schematische Darstellung Frontverhieb, Blockverhieb, Seitenblockverhieb (v. l.). (Strzodka et al. 1979) Abb. 2.38 Bandbeladung. (Tagebau Vereinigtes Schleenhain, Mitteldeut-sches Revier) Abb. 2.39 a Zugbeladung. b Zugentladung mittels Kipp-graben 50 C. Drebenstedt et al.Schurren. Der entscheidende Nachteil bei dieser Art der Verkippung besteht in den rumlichen Zwngen. Die Position des gesamten Frdersys-tems und damit auch der Bereich der Verkippung sind rumlich fixiert. Eine gezielte Massendis-position auf der Kippe ist nicht mglich. Das Baggergut wird in der Regel als Mischsubstrat verkippt (Abb. 2.40).Frderbrcken hinterlassen die bekannten Mondlandschaften (Abb. 2.41). In Abhngig-keit von technologischen Zwangspunkten, wie dem Offenhalten von Ausfahrten an den Mark-scheiden oder Strossenverkrzungen oder -auf-weitungen, entstehen zudem Massenzusammen-drngungen oder Restlcher.Da die Abwurfausleger der Frderbrcke nicht schwenkbar sind, entsteht eine Rippenkip-pe, denn nach jeder Rckung der Frderbrcke ergibt sich ein neuer Auftreffpunkt (Abb. 2.42).Unter bestimmten Voraussetzungen, wenn homogenes, kulturfreundliches Material in aus-reichender Mchtigkeit durch eine Frderbrcke in eine endgltige Hhenlage, dem geforderten Relief angepasst, geschttet werden kann, sind nach Planierung Voraussetzungen zur Rekulti-vierung solcher Kippen gegeben. Frderbrcken-kippen knnen sonst im Nachgang nur mit viel Aufwand planiert (Abb. 2.43) oder mit einer Ab-setzerkippe berzogen und ausgeglichen werden (Abb. 2.45).Im Tagebau Reichwalde wurden vor der gleichnamigen Ortschaft 1991/1992 umfangrei-che Arbeiten zur Kippenregulierung einer Fr-derbrckenkippe durchgefhrt. Dabei kamen u. a. Groplanieraupen, ein Schrfkbelbagger und Schaufelradbagger-Bandwagen-Kombina-tionen zum Einsatz. Bei Hhenunterschieden bis 20 m und erforderlichen Transportwegen bis Abb. 2.40 Betrachtung a einzelner Spne bei der Gewinnen mit Eimerket-tenbagger im Frontverhieb, und b beim Verkippen als Mischsubstrat im Frder-brckenbetrieb Abb. 2.41 Vegetations-lose Rippenkippe durch Verkippung mittels Ab-raumfrderbrcke, so ge-nannte Mondlandschaft. (Tagebau Reichwalde, Lausitzer Revier) 512 Gesellschaftliche, natrliche und technische Rahmenbedingungen der Braunkohlesanierung300 bis 400 m erwiesen sich die Schaufelrad-bagger-Bandwagen-Kombinationen zur Grob-ausformung der Kippenoberflche als geeignete Lsung (Drebenstedt 1994).Direktversturzkombinationen Schaufelrad-bagger-Absetzer besitzen gegenber Frder-brcken den Vorteil des schwenkbaren Ausle-gers am Absetzer. Dieser kann jedoch nur dann wirkungsvoll fr die selektive Verkippung an die Kippenoberflche genutzt werden, wenn die Absetzerkippe die endgltige Hhenlage auf-weist und als glatte Kippe geschttet wird (Abb. 2.44). Die Beweglichkeit derartiger Ger-tekombinationen zur Massendisposition ist etwas gnstiger, aber immer noch stark eingeschrnkt (Drebenstedt 1997, 2009).Im Band- und Zugbetrieb werden Absetzer zur Verkippung eingesetzt. Mittels schwenkbarer Ausleger wird in der Regel die Tiefschttung vor-genommen (Abb. 2.45a). Durch Schwenken des Auslegers um 180 kann hinter dem Frdermittel das zur Rekultivierung geeignete Bodenmaterial selektiv in der erforderlichen Mchtigkeit scho-nend abgesetzt werden (Rckwrtsschttung, Abb. 2.45b). Die Massendisposition ist ber die gesamte Verkippungslnge mglich und es kann fast nahezu jedes gewnschte Relief ausgeformt werden. Ungnstiger sind Absetzerhochscht-tungen, wenn ein selektiver Auftrag von Substra-ten auf die Hochschttung erfolgen soll.Bei der Verkippung von Abraum mit Ab-setzern entsteht durch den scheibenweisen kon-Abb. 2.44 Schttung einer glatten Kippe durch schwenkbaren Ausleger des Absetzers einer Direkt-versturz-Kombination Abb. 2.43 a Planieren einer Brckenkippe mit Planierraupen. b heterogene Kippsubstrate an der Kippenoberflche nach der Planierung. (Tagebau Jnschwalde, Lausitzer Revier) Abb. 2.42 Ablagerung einzelner Gewinnungs-spne als Rippenkippe, typisch fr Direktversturz 52 C. Drebenstedt et al.tinuierlichen Kippenaufbau, abhngig von dem angelieferten Material, ein vertikal und hori-zontal differenzierter Kippenkrper (Abb. 2.46).Die verkippten Substrate haben mit ihren phy-sikalischen und chemischen Eigenschaften einen Einfluss auf die Bodenbildung und damit auch auf den Erfolg der Rekultivierung. Der innere Kippenaufbau kann somit auch noch an der re-kultivierten Oberflche sichtbar sein (Abb. 2.47). Unterschiedliche Permeabilitten knnen zu Ver-nssungsgebieten fhren.Neben der Verkippungsreihenfolge bt die Verkippungstechnologie Einfluss z. B. auf die Verdichtung und Entmischung der Kippsubstrate aus (Abb. 2.48).In der Vergangenheit haben sich im Zu-sammenhang mit dem Zugbetrieb vor allem Pflugkippen bewhrt (Abb. 2.49). hnlich den Rckwrtskippen der Absetzer wurde hinter der eigentlichen Massenverkippung ein gesondertes Gleis gefhrt, von dem aus das kulturfreund-liche Bodenmaterial so verkippt wurde, dass es anschlieend nicht mehr technologisch mit den Gleisanlagen berrckt werden musste. Das Bo-denmaterial wird dabei mit einer Mchtigkeit von ca. 1 m verkippt.Splkippen in Kombination mit dem Zugbe-trieb sollen als Verkippungstechnologie nicht un-erwhnt bleiben (Abb. 2.50), haben fr die Wie-dernutzbarmachung jedoch keine direkte Bedeu-tung. Whrend des Einsplprozesses entmischt sich das Splgut von grob nach fein. In der Regel erfolgt die Einsplung in Restlcher, deren Ober-flche abschlieend mit Pflugkippen berzogen wird. Um die Oberflche einer Kippe fr die Ge-staltung der Bergbaufolgelandschaft und fr die Rekultivierung vorzubereiten, werden hufig verschiedene Verkippungstechnologien mitein-ander kombiniert (Abb. 2.51).Einen Sonderfall stellen die nachtrglichen Massenbewegungen in den Tagebauen der Braunkohlesanierung dar. Hier fehlten bzw. feh-Abb. 2.45 Absetzer beim Verkippen auf Brckenkip-pe. a in Tiefschttung (Ta-gebau Nochten, Lausitzer Revier). b mit Rckwrts-kippe (Tagebau Welzow Sd, Lausitzer Revier) 532 Gesellschaftliche, natrliche und technische Rahmenbedingungen der Braunkohlesanierunglen teilweise die notwendigen Abraummassen zur Gelndegestaltung und Aufschttung kul-turfreundlicher Bden aus einem Regelbetrieb. Als Lsung mssen hier teilweise Kippenberei-che wieder abgetragen oder Abraum zwischen noch aktiven und bereits stillgelegten Tagebauen transportiert werden. Dabei wird die vorhandene Technik weiter genutzt. Es kommt zur Erdbewe-gung auch mobile Technik mit Dumpern, LKW und SKW zum Einsatz, in Einzelfllen auch Schwimmbagger. In Sonderfllen wurden im groen Umfang Fremdmassen (z. B. Abbruch) in Tagebaue verstrzt, die mit Bahn oder mit LKW von Grobaustellen, wie z. B. dem Spreebogen oder dem Potsdamer Platz in Berlin angeliefert wurden.Bei der Sanierung von frhzeitig stillgeleg-ten Tagebauen mssen die Bschungsbereiche von Kippen und an den Tagebaurndern abge-flacht und zum Teil stabilisiert werden. Durch umfangreiche Massenbewegungen wird ein ausgeglichenes Gelnderelief hergestellt. Dabei ist der Grundwasserstand zu beachten, der sich nach dem Wiederanstieg dauerhaft einstellt. Auf-grund des Massendefizits durch die Entnahme der Braunkohle verbleiben Restrume, die zu Seen oder feuchten Niederungen umgestaltet werden und somit verschiedene Lebensrume fr unterschiedliche Tier- und Pflanzenarten bieten. In Abbildung 2.52 wird schematisch dargestellt, wie die Betriebs- und Rekultivierungsflche eines Tagebaues zu einer Bergbaufolgelandschaft umgestaltet werden kann.Auenkippen Whrend zuvor berwiegend auf Innenkippen eingegangen wurde, sollen die Abb. 2.46 Betrachtung einzelner Spne. a bei der Gewinnung mit Schaufelradbagger. b bei der Bandfrderung. c nach dem Vermischen durch mehrfache Bandbergaben, und d beim Verkippen mittels Absetzer Abb. 2.47 Vertikal und horizontal differenzierter Aufbau einer Absetzerkippe, farblich sichtbar. a an der Bschung (Tagebau Reichwalde, Lausitzer Revier), und b an der Oberflche (Tagebau Greifenhain, Lausitzer Revier) 54 C. Drebenstedt et al.Auenkippen nicht unerwhnt bleiben. Grund-stzlich kommen zur Herstellung von Auenkip-pen die gleichen Verkippungstechnologien mit Band- und Zugfrderung zum Einsatz, wie auf Innenkippen, mit Ausnahme der Splkippe.Typischerweise werden Auenkippen im Zu-sammenhang mit dem Aufschluss von neuen Tagebauen angelegt. Entsprechend den topogra-phischen Gegebenheiten knnen Auenkippen auf ebenem Gelnde angelegt werden, auf bereits vorhandene Innenkippen aufgebaut werden, zum Verfllen von Restlchern frherer Tagebaue oder zum Auffllen bei unebenem Gelnde ge-nutzt werden (Abb. 2.53).Das Abraumvolumen und die in Anspruch genommene Flche fr den Tagebauaufschluss und die Auenkippe hngen neben der Abraum-mchtigkeit auch von den Lockergesteinseigen-schaften des Abraums ab. Bei rolligem Abraum knnen die Bschungen des Tagebauaufschlus-ses und der Auenkippe steiler angelegt werden. Entsprechend geringer sind das Aufschlussvolu-men und die bentigten Flchen fr Aufschluss und Auenkippe (Abb. 2.54a). Mit zunehmenden Abb. 2.48 Aufbau einer Schttung am Beispiel einer Absetzerkippe. a Aufbau des Schttkegels. b Zonierung der Material-eigenschaften Abb. 2.49 Pflug zum Anlegen einer Pflugkippe. (Fahr-zeugausstellung MIBRAG) Abb. 2.50 Entladen eines Zuges an einer Splkippe. (Ta-gebau Lohsa, Lausitzer Revier) 552 Gesellschaftliche, natrliche und technische Rahmenbedingungen der BraunkohlesanierungAnteil bindigen Abraums (Ton, Schluff) neh-men die Bschungswinkel ab. Aufschlussvolu-men und Auenkippe nehmen entsprechend zu (Abb. 2.54b). Ist die Braunkohlenlagersttte so ausgeprgt, dass ein Abbau in die Teufe statt-finden muss, wird nicht nur der Aufschluss-abraum sondern auch der Abraum whrend des Tagebaubetriebes auf die Auenkippe verbracht (Abb. 2.54c).Der Tagebauaufschluss erfolgt von oben nach unten, whrend das Material auf der Auenkip-pe umgekehrt verkippt wird. So befinden sich meist kulturfreundliche obere Abraumschichten an der Kippenbasis, whrend tertire Schichten des Kohlenhangenden an der Kippenoberflche geschttet sind. Oft ergeben sich daraus nicht ge-ringe Probleme mit Inkulturnahme und Erosions-sicherung, insbesondere in Bschungsbereichen (Abb. 2.55).Neben den chemischen Eigenschaften haben auch die physikalischen Lockergesteins-eigenschaften des Abraums Einfluss auf die Bodenbildung und somit auf den Erfolg der Re-kultivierung. Wenn verschiedenes Abraummate-rial zur Verfgung steht, kann durch gezielte Mi-schung ein Bodensubstrat hergestellt werden, das die Rekultivierung begnstigt. Abbildung 2.56 stellt die Eignung vorkommender Abraumarten und mglicher Mischungen fr die Rekultivie-rung dar.Whrend der Zeit von der Freilegung und Ge-winnung bis zur Verkippung der geologischen Ausgangssubstrate kann es zu deren chemischer Vernderung kommen, insbesondere wenn sie Sulfidschwefel enthalten, der oxydiert und in Abb. 2.51 a Absetzer-kippe in Hoch und Tiefschttung. b Absetzer-kippe in Tiefschttung mit Rckwrtskippe auf Brckenkippe. c Pflugkip-pe mit Rckwrtskippe auf Splkippe 56 C. Drebenstedt et al.Wasser gelst fr niedrige pH-Werte des Mate-rials an der Kippenoberflche und im Kippenkr-per verantwortlich ist. Whrend der pH-Wert an der Kippenoberflche durch Zugabe von Basen-trgern relativ einfach neutralisiert werden kann, fhrt die Durchstrmung des tiefen Kippenkr-pers zu einer langanhaltenden Versauerung des Grundwassers. Nachtrgliche Manahmen wie in der Bergbausanierung sind sehr aufwndig (Dre-benstedt und Struzina 2008).Abb. 2.52 Umgestaltung einer Tagebauflche zu einer Bergbaufolgelandschaft (Drebenstedt 1999), S1- B-schungsgestaltung (Herstellung Standsicherheit, berg-mnnische Rekultivierung, Wiedernutzbarmachung), S2- Restseegestaltung/geotechnische Sicherheit (Abtrag der Hochkippe mind. 2 m unter Endwasserspiegelni-veau), S3- bergmnnische Rekultivierung/geotechnische Sicherheit (Hochkippenregulierung zur Gewhrleistung von Mindestberdeckungshhen zum Endwasserstand), S4- bergmnnische Rekultivierung/geotechnische Sicher-heit (Herstellung geotechnischer Sicherheit/Ufersanie-rung und Ufergestaltung), S5- Wiedernutzbarmachung Festlandsanteil der ehemaligen Betriebsflche, S6-Sa-nierungsmanahmen in Wiedernutzbarmachungsflchen (Beseitigung Qualittsmngel, kologisierung, Aufwer-tung), S7- Sanierungsmanahmen in Wiedernutzbarma-chungsflchen (Umgestaltung potentieller Vernssungs-gebiete, kologisierung, Vorflutregulierung), S8- Be-rumung und Renaturierung Tagebauvorfeld, S9- Beru-mung und Renaturierung Randflchen Abb. 2.53 Schematische Darstellung von Auenkip-pen. a auf Gelnde. b auf Innenkippe. c Restloch-verfllung. d Gelndeaus-gleich 572 Gesellschaftliche, natrliche und technische Rahmenbedingungen der Braunkohlesanierung2.2.2 Das Mitteldeutsche Braunkoh-lenrevierDas Mitteldeutsche Braunkohlenrevier erstreckt sich hauptschlich ber die Leipziger Tieflands-bucht. Die dortigen Braunkohlenvorkommen sind schon seit dem 14. Jahrhundert bekannt (Bilken-roth 1999). Ab der ersten Hlfte des 19. Jahrhun-derts wurde Braunkohle in vielen kleinen Gru-ben, zum Teil auch im Tiefbau gewonnen, doch bereits zum Ende des 19. Jahrhunderts bildeten sich mehrere Grobetriebe. Im 20. Jahrhundert bestimmten die Grogerte den groflchigen Abbau in mehr als 40 Tagebauen, von denen die Abb. 2.55 Rekultivierte Auenkippe Brenbrcker Hhe (Lausitzer Revier) mit Ausfallstellen. (Foto: LAUBAG/Vattenfall) Abb. 2.54 Schematische Darstellung von Tagebau-aufschlssen mit Auen-kippen. a bei rolligem Abraum. b bei bindigen Abraum. c beim Abbau in die Teufe. (Drebenstedt 1999) 58 C. Drebenstedt et al.meisten heute stillgelegt sind (Abb. 2.57). Der-zeit wird nur noch in drei Tagebauen Braunkoh-le gefrdert. Davon betreibt die Mitteldeutschen Braunkohlen Gesellschaft mbH (MIBRAG) zwei Tagebaue im Sdraum von Leipzig (Tagebau Profen, Tagebau Vereinigtes Schleenhain) und die ROMONTA GmbH einen Tagebau westlich von Halle (Tagebau Amsdorf). Die jhrliche Frderleistung im Mitteldeutschen Revier be-trgt ca. 20 Mio. t Rohbraunkohle, das entsprach 2010 einem Anteil von ca. 11 % an der deutschen Braunkohlenfrderung. Die geologischen Vorr-te des Reviers umfassen ca. 10 Mrd. t, wobei ca. 2 Mrd. t unter heutigen Bedingungen wirtschaft-lich gewinnbar sind (DEBRIV 2010). Die Quali-ttsparameter sind in Tabelle 2.17 dargestellt.Naturraum Die Leipziger Tieflandsbucht, in der sich der Groteil des Mitteldeutschen Braun-kohlenreviers befindet, liegt im Sden des Nord-ostdeutschen Tieflandes an der Grenze zu den stlichen Mittelgebirgen. Das Braunkohlenre-vier berhrt dabei die naturrumlichen Hauptein-heiten Schsisches Hgelland/Leipziger Land, Elbe-Mulde-Tiefland und stliches Harzvorland und Brden (s. Abschn. 2.2.1). Die Leipziger Tieflandsbucht ist Altmornenland (Abb. 2.58). Sie ist eine ebene Flche mit nur geringen Erhe-bungen und fllt leicht nach Nordost ab. Die Flsse Saale, Weie Elster, Pleie und Mulde prgen die Morphologie mit ihren meist breiten und flachen Tler. Die Leipziger Tieflandsbucht liegt im Bereich der subozeanen Waldklimate, wobei der Regenschatten des Harzes vergleichs-weise niedrige Niederschlagsmengen von 450 bis 550 mm/a bewirkt. Durch die fruchtbaren Lss-bden herrscht Landwirtschaft und zum gerin-geren Anteil Forstwirtschaft vor. Naturnaher Wald ist nur noch stellenweise, hauptschlich in Flussauen und auf Pleistoznplatten anzutreffen. Dabei handelt es sich um Holunder-Ulmen-Au-enwlder (z. B. Fluhnetal) bzw. um Subkontinen-talen Laubwald mit Traubeneichen, Hainbuchen und Winterlinden. Die Tagebaue westlich der Saale sowie einige Tagebaue im Zeitz-Weien-fels-Hohenmlsener Revier sind dem Brdeland zu zuordnen.Die heutigen Bodensubstrate sind whrend der Eiszeiten abgelagert worden. ber den Grund- und Endmornen und Sandern liegt eine Lssschicht, die im Norden nur einige Dezimeter betrgt und mit Sand vermischt ist, zum Sden hin aber bis zu 20 m mchtig wird (Abb. 2.59 und 2.60).So befindet sich heute im Nordosten der Leip-ziger Tieflandsbucht die waldreiche Landschaft Dahlen-Dbener-Heide, die ein Endmornenge-biet der Saaleeiszeit ist und ein kuppiges Glazial-relief besitzt. Auf den nhrstoffarmen sandigen Bden (Sand-Braunerden und -podsole) sind so-wohl naturnahe Wlder als auch Forstwirtschaft zu finden.Im Osten der Leipziger Tieflandsbucht be-findet sich die gehlz- und waldreiche, acker-geprgte Kulturlandschaft Grimma-Wurzener-Porphyrhgelland. Hier werden die glazialen und glaziofluvialen Ablagerungen von Durchragun-gen des Grundgebirges unterbrochen. Dabei han-delt es sich um verschiedene Porphyrvarietten und tuffe, die zum Nordschsischen Vulkanit-becken zhlen und als Einzelerhebungen hervor-Abb. 2.56 Eignung vorkommender Abraum-krnungen und mglicher Mischungen fr die Re-kultivierung592 Gesellschaftliche, natrliche und technische Rahmenbedingungen der Braunkohlesanierungtreten. Die Sandlsslage ist in dieser Landschaft nur gering. Die landwirtschaftliche Nutzung findet hauptschlich auf den ebenen Pleistozn-platten statt. Grere zusammenhngende Wl-der sind auf die porphyrischen Durchragungen beschrnkt. Meist sind es Nadelforsten, die all-mhlich zu Mischwldern umstrukturiert werden.Im Zentrum der Leipziger Tieflandsbucht befindet sich die ackergeprgte, offene Kultur-landschaft Halle-Leipziger Land. Das weit ver-breitete Mornenmaterial und die eiszeitlichen Schotterterrassen sind von einer bis zu 1 m mch-tigen Sandlsslage bedeckt. Die gering reliefier-te Landschaft wird hauptschlich ackerbaulich genutzt. Zusammenhngende Wald- und Grn-landflchen sind in der ausgerumten Agrarland-schaft nur noch vereinzelt zu finden.Durchzogen wird das Halle-Leipziger-Land vom Saale- und Elstertal, wobei im Saaletal Kalklehm-Vega und Vega-Halbgley vorherr-schen, whrend im Elstergebiet kalkarme Lehm-Vega und Lehm-Halbgley dominieren. Hier fin-den sich neben der landwirtschaftlichen Nutzung auch unter Schutz stehende Auenwlder.Im Westen geht die Leipziger Tieflandsbucht in die ebenfalls ackergeprgte aber wellighge-lige Landschaft stliches Harzvorland ber. Auf den Hngen findet zudem Obst- und Weinanbau statt.Im Sdwesten liegt die Landschaft Querfurter Platte, die dem Halle-Leipziger-Land sehr h-Abb. 2.57 Mitteldeut-sches Braunkohlenrevier. (Eimann 2000) Tab. 2.17 Mittlere Kohlenqualittsparameter der der-zeit gefrderten Mitteldeutschen Braunkohle. (DEBRIV 2010)Heizwert, roh, MJ/kg 9,011,3Wassergehalt, roh, % 4953Aschegehalt, roh, % 5,310,0Schwefelgehalt, roh, % 1,52,160 C. Drebenstedt et al.nelt und fast ausschlielich ackerbaulich genutzt wird. Auch das im Sden der Leipziger Tieflands-bucht liegende Altenburg-Zeitzer-Lssgebiet ist eine ackergeprgte offene Kulturlandschaft. Hier ist die abgelagerte Lschicht am mchtigsten. In weiten Bereichen befinden sich daher Lss-Schwarzerden, in den sdlich Randbereichen (auf Buntsandsteinplatten) aber auch Lss-Fahl-erden und Stau-Fahlerden sowie Parabraunerden.Einen groen Teil der Leipziger Bucht neh-men heute die Bergbaubereiche und Bergbau-folgelandschaften ein. Teile des Gebietes werden land- und forstwirtschaftlich genutzt. Die neuen entstehenden Restlochseen machen eine touris-tische Nutzung mglich. Besonders im Grfen-hainichen-Bitterfeld-Delitzscher Revier und im Geiseltal-Amsdorfer Revier konnten durch Suk-zession auch bereits hochwertige Sekundrbioto-pe fr eine groe Zahl schutzwrdiger und vom Aussterben bedrohter Tier- und Pflanzenarten entstehen.In der Acker- und Bergbaulandschaft sd-lich Leipzig (Weielsterbecken) befinden sich die beiden Grotagebaue Profen und Vereinig-tes Schleenhain. Die ehemals leicht ansteigende Ebene wird heute durch Halden und Restloch-seen geprgt. Die Flsse Weier Elster, Pleie und deren Zuflsse sind z. T. kanalisiert. Nur vereinzelt ist der ursprngliche subkontinentale Laubwald zu finden.Abb. 2.58 Rumliche Gliederung im Bereich des Mitteldeutschen und Lausitzer Braunkohlenreviers nach dem geo-logischen Ursprung. (Friese et al. 1996) Abb. 2.59 bersicht ber die Landschaften in der Leipziger Tieflandsbucht. (BfN 2010) 612 Gesellschaftliche, natrliche und technische Rahmenbedingungen der BraunkohlesanierungGeologie Das Mitteldeutsche Braunkohlenrevier befindet sich in der Leipziger Tieflandsbucht, die im bergangsbereich zwischen der Norddeut-schen Senke und dem Bhmisch-Mitteldeutschen Festlandsgebiet entstanden ist. Heute sind hier an der Oberflche hauptschlich quartre Lockerge-steine anzutreffen (Abb. 2.61).Whrend des Tertirs fhrten groflchige Hebungen und Senkungen (epirogenetische Be-wegungen) und zeitweise Meeresberflutungen zu ausgebreiteten Sedimentationsbereichen, in denen die Braunkohlenvorkommen entstehen konnten. Zwischenzeitlich kam es mehrfach zu Sedimentationsunterbrechungen und auch zu Ab-tragungen des bereits sedimentierten Materials. Durch die berlagerung der epirogenen Sen-kungen mit Auslaugungssenkungen bildeten sich zudem rtlich tiefe Kessel, in denen die Kohlen-flze besonders groe Mchtigkeiten bis ca. 75 m erreichten (Pegauer Kessel, Profener Kessel). Im Verlauf des Tertirs verlagerte sich die Sedimen-tation von Sd-West nach Nord-Ost und mit ihr Abb. 2.61 Geologische bersichtskarte Mitteldeutschland. (nach Khler 1989) Abb. 2.60 Bden in der Leipziger Tieflandsbucht. (nach BGR 2007) 62 C. Drebenstedt et al.auch die Bedingungen fr die Kohlenbildung. Die Bildung der bauwrdigen Braunkohlenflze erstreckte sich entsprechend der geographischen Lage vom mittleren Eozn bis zum unteren Mio-zn. So ist im Geieltal und im Weielsterbecken die ltere Subherzyne Braunkohlenformation und im Grfenheinichen-Bitterfeld-Delitzscher Gebiet die wesentlich jngere Lausitzer Braun-kohlenformation anzutreffen (s. Abb. 2.25).Das Mitteldeutsche Braunkohlenrevier lsst sich demnach in drei Teilreviere gliedern (Abb. 2.62): Grfenhainichen-Bitterfeld-Delitzscher Revier, in dem das unter-miozne Bitterfelder Flz mit einer Mchtigkeit von 10 bis 14 m bauwrdig ist. Weielsterbecken, das sich in den Sdraum Leipzig und das Zeitz-Weienfels-Hohenml-sener Revier gliedert. Hier werden Flze vom Mittel-Eozn bis zum Unter-Oligozn abge-baut. das Bhlener Oberflz mit einer Mchtig-keit von ca. 10 m das Thringer Hauptflz (Bornaer Haupt-flz) mit einer Mchtigkeit von ca. 15 m, in Auslaugungskesseln bis zu 30 m das Schsisch-Thringische Unterflz, das eigentlich nur 2 bis 4 m mchtig ist, in Aus-laugungskesseln aber bis zu 75 m Mchtig-keit erreicht. Geieltal-Amsdorfer-Revier, in dem sich im Geiseltal durch eine besonders intensive Absenkung ein 60 bis 80 m, stellenweise sogar ber 100 m mchtiges Flz im mittleren Eozn bildete.Nach Abschluss der Kohlenbildung wurden die Flze zum Teil stark berprgt. Bereits zum Ende des Miozns wird durch weitrumige Hebungen Abb. 2.62 Braunkohlen-vorkommen im Mittel-deutschen und Helmstedter Braunkohlenrevier, 1 eozne Flze, 2 miozne Flze, 3 epirogenetische Bildung, 4 Salzabwan-derungstyp, 5 Salzaus-laugungstyp. (Krumbiegel et al. 1983) 632 Gesellschaftliche, natrliche und technische Rahmenbedingungen der Braunkohlesanierungauch die Grundwasserdynamik angeregt, wo-durch Auswaschungen der zechsteinlichen An-hydritkrper begnstigt wurden, die tief unter den Kohlenflzen lagen. So entstanden die so genannten Lcher in denen die Kohlenflze rtlich bis zu 50 m abgesenkt sind (Abb. 2.63).Im Quartr wurde die heutige Landschaft der Leipziger Bucht geprgt. Durch Frostver-witterung entstand so viel Gerllmaterial, dass es nicht durch die Flsse abtransportiert werden konnte, und es bildeten sich groe Schotterter-rassen. Whrend der Elstervereisung bedeckte das Eis die gesamte Leipziger Bucht wodurch eine 5 bis 15 m mchtige Grundmornenplatte aufgeschttet wurde (Abb. 2.64). Das Eis form-te auch tiefe, mit Schotter und Gerll gefllte Rinnen und ausgedehnte Senken, in denen sich whrend der anschlieenden Holsteinwarmzeit das Schmelzwasser und fluviatile Sedimente sammelten. Zu Beginn der zweiten Vereisungs-periode (Saalevereisung) lagerten die Flsse groflchig Sande und Kiese ab, es bildete sich die 515 m mchtige Haupt- und Mittelterrasse. Whrend der Saaleeiszeit wechselten sich kltere und wrmere Phasen ab, so dass sich der Eisrand innerhalb Mitteldeutschlands mehrfach verschob. Es bildeten sich im Sden der Leipziger Bucht bis zu drei Grundmornen, whrend nrdlich von Leipzig nur eine entstand, da dieses Gebiet durchgngig eisbedeckt war. Mit dem Abtauen des Eises entstand das heutige Gewssersystem. Das Eis der folgenden Weichseleiszeit erreichte Mitteldeutschland nicht. Der Permafrostbereich reichte jedoch zwischenzeitlich mehr als 100 m tief, wodurch es zu Frostbodenzerfall und somit zu Strungen in den Deckschichten kam. rtlich stieg Braunkohle spieartig auf, es bildeten sich sog. Mollisoldiapire. Zwischen der Linie Bern-burg-Halle-Pegau-Grimma und dem Erzgebirge lagerten sich groflchig olische Sedimente ab. Die dadurch entstandene Lssdecke erreicht eine Mchtigkeit von bis zu 20 m, nur rtlich ragen ltere Bden durch. In der im Holozn folgen-den Warmzeit breiteten sich darauf Wlder aus, wobei zuerst Birken und Kiefern auf den teils sandigen Lbden ansiedelten, die spter von Eichen verdrngt wurden.Die geologischen Idealschnitte des Grfenhai-nichen-Bitterfeld-Delitzscher Reviers (Abb. 2.65) und das Weielsterbeckens (Abb. 2.66) zeigen die Lage der Braunkohlenflze und die Position einiger Tagebaue.Durch den Tagebaubetrieb sind heute zustz-lich zu den gewachsenen geologischen Schichten auch groe Bereiche mit Kippenmaterial vorhan-den. Die Art und Eigenschaften dieser Locker-gesteinsmassen werden mageblich von dem in diesem Bereich beseitigten Abraum bestimmt. Grundstzlich kennzeichnen im Mitteldeutschen Revier die anstehenden bindigen Horizonte Abb. 2.63 Schematischer Faziesschnitt des Mitteldeutschen Braunkohlenreviers. (Eimann 2000) 64 C. Drebenstedt et al.die Eigenschaften der Kippenbden. Durch die hier angewandte Verkippungstechnologie mit Absetzern und Frderbrcken kam es zu einer lamellenartigen Schrgschichtung der eingebau-ten Massen. Der Winkel dieser Schrgstellung ergibt sich aus dem Schttwinkel der jeweiligen Lockergesteinskomponenten (Abb. 2.40 und 2.46). Der Aufbau der Kippen wirkt sich auch auf ihre hydraulischen Eigenschaften und somit auf den Grundwasserhaushalt aus. Hufig wurden Frderbrckenkippen mittels Absetzern ber-schttet, so dass es zu einer Kombination beider Kippentypen kam. Letztlich handelt es sich bei den meisten Kippen des Mitteldeutschen Braun-kohlenreviers um Mischbodenkippen.Vertiefende Ausfhrungen zur Hydrogeo-logie enthlt der Abschnitt 5.2, weitere geolo-gische Details zu ausgewhlten Tagebauen der Abschnitt 4.8.Technik Die Braunkohlenvorkommen des Mit-teldeutschen Braunkohlenreviers weisen kompli-zierte geologische Verhltnisse auf. Sowohl die halokinetisch gebildeten Lagersttten als auch die epirogenetischen Lagersttten, die durch Subrosion und Erosion berprgt wurden, besit-zen Flze, deren Lage und Mchtigkeit sehr ungleichmig ist. Bei der Kohlengewinnung muss daher die Anzahl der Strossen und die Strossenhhe stets an die wechselnden Ablage-rungsverhltnisse angepasst werden. Trotz die-ses Umstandes wurden besonders in der ersten Hlfte des 20. Jahrhunderts Abraumfrderbr-cken eingesetzt. Die zu dieser Zeit noch eigens fr jeden Tagebau individuell konstruierten Frderbrcken kamen in den Tagebauen Bruck-dorf, Bergwitz, Bhlen, und in den Zwei-Flz-Tagebauen Golpa, Zwenkau und Espenhain zum Einsatz. Die Konstruktionen in den Zwei-Flz-Tagebauen waren bereits mit Zubringerfrderer ausgestattet und erreichten die Dimensionen der spteren Typenfrderbrcke F45. In der zweiten Hlfte des 20. Jahrhunderts wurden keine weite-ren Frderbrcken fr das Mitteldeutsche Revier Abb. 2.64 Eisrandlagen und die dadurch bedingte morphologische Gliede-rung. (Henningsen und Katzung 2006) 652 Gesellschaftliche, natrliche und technische Rahmenbedingungen der Braunkohlesanierungproduziert, jedoch wurden Frderbrcken vom Typ F34 von den Lausitzer Tagebauen Sedlitz, Schlabendorf-Nord und Scado in die Tagebaue Delitzsch Sdwest und Profen Nord umgesetzt. Seit den 1990er Jahren werden keine Frderbr-cken mehr im Mitteldeutschen Revier eingesetzt. Die Abraumfrderung fand bis 1990 vermehrt mit Zugbetrieb, heute jedoch ausschlielich mit Bandbetrieb statt.Abb. 2.65 Normalprofil des Mitteldeutschen Braunkohlenreviers im Bereich des Grfenhainichen-Bitterfeld-Delitz-scher Reviers. (Eimann 2000) Abb. 2.66 Normalprofil des Mitteldeutschen Braunkohlenreviers im Bereich des Weielsterbeckens. (Eimann 2000) 66 C. Drebenstedt et al.2.2.3 Das Lausitzer BraunkohlenrevierDie Tagebaue des Lausitzer Braunkohlenreviers befinden sich hauptschlich in der Niederlausitz. Sie liegen grtenteils im Lausitzer Urstromtal. Zu ihnen gehren die heute noch aktiven Tage-baue Nochten und Reichwalde. Weitere Tagebaue befinden sich auf dem Niederlausitzer Grenzwall (u. a. Tagebau Welzow-Sd) und im Baruther Ur-stromtal (Tagebau Cottbus-Nord und Tagebau Jnschwalde). In der Oberlausitz befinden sich die stillgelegten Tagebaue Berzdorf nahe Grlitz und Olbersdorf nahe Zittau. Abbildung 2.67 gibt einen berblick ber das Lausitzer Braunkohlenrevier.Naturraum Lausitz Lausitz bedeutet so viel wie Sumpfland; sie befindet sich im ber-gangsbereich des Nordostdeutschen Tieflandes zum Ostschsischem Hgel- und Bergland. Die Lausitz berhrt dabei die naturrumlichen Haupt-einheiten Lausitzer Becken und Spreewald (D08), Oberlausitzer Heideland (D13) und Oberlausitz (D14) (s. Abschn. 2.2.1). Es herr-schen Waldgesellschaften dominiert durch Kiefer und Traubeneiche vor. Das Klima ist kontinental beeinflusst mit trockenen, heien Sommern und sehr kalten Wintern; die Jahresdurchschnittstem-peratur betrgt 8,5 C; die Niederschlge nehmen nach Sden bis ca. 650 mm/a zu. Das Oberfl-chenrelief der Lausitz ist durch die Eiszeiten geprgt, d. h. durch Grund- und Endmornen, Becken sowie Sander, Urstromtler und Dnen. Hydrographisch wird das Gebiet durch die drei Flusssysteme von Neie, Spree und Schwarzer Elster beherrscht. Zahlreiche Teichgebiete zeu-gen von grundwassernahen Lagen, einige ent-standen durch den mittelalterlichen Abbau von Raseneisenerz. Als Bden kommen entsprechend geologischem Ausgangsmaterial, Relief, Klima, Wasserhaushalt und Bewuchs Gley-, Auen- und Staugley-Bodengesellschaften sowie Fahlerden, Sand-Braunerden und -podsole vor (Abb. 2.68). Durch den Bergbau sind Kippsubstrate an der Bodenbildung beteiligt. Das Gebiet der Lausitz ist weitestgehend urbanisiert, d. h. Naturland-schaften sind nur selten anzutreffen. Die Lausitz ist in ihrer heutigen Struktur eine Kulturland-schaft (Drebenstedt 1999).Auf einer thematischen Satellitenkarte der Lausitz zur Vitalitt der Vegetation (Abb. 2.69) sind groe, zusammenhngende Waldgebiete mit dazwischen eingestreuten landwirtschaftlichen Abb. 2.67 Kohlenfelder im Niederlausitzer Braun-kohlenrevier. (DEBRIV 2009) 672 Gesellschaftliche, natrliche und technische Rahmenbedingungen der BraunkohlesanierungNutzflchen und die Gewsser zu erkennen sowie die groen Gebiete, in denen die Braunkohle ab-gebaut wurde und wird. Die bisher zum Abbau beanspruchte Flche betrgt ca. 80.000 ha, davon wurde ein Teil fr den Abbau des tiefer liegen-den Flzes bereits ein zweites Mal abgegraben. Auf den Kippen und Halden der Tagebaue gibt es ausgedehnte rekultivierte Bereiche, die auf dieser Karte gar nicht mehr als Bergbaugebiete identi-fiziert werden knnen, weil sie sich harmonisch in die Kulturlandschaft einfgen.Geologie der Lausitz Die landschaftliche Pr-gung verdankt die Lausitz in besonderem Mae dem quartren Eiszeitalter, dessen Gletscher 6-mal bis hierher vorstieen (Nowel et al. 1995).An der Oberflchengestalt der Lausitz sind daher die morphologischen Formen der glazialen Serie mageblich beteiligt (Abb. 2.70). Dies sind: Endmornen, d. h. aufgestauchte und aufge-schttete Wlle an der Stirnseite der Endlage einer Inlandvereisung Sander, die durch Sedimentation der Schmelz-wsser, die von den Endmornen abflossen, entstanden sind Urstromtler, die den Endmornen vorgela-gert sind und die als Abflussbahnen fr die Schmelzwsser dienten glaziale Hochflchen im Hinterland der End-mornen, auf denen die ausgetauten Grund-mornen lagern und in denen sich spter eis-zeitliche Seen oder Becken herausbildeten.Von Nord nach Sd lsst sich das Lausitzer Braunkohlenrevier quartr geologisch-morpho-logisch in nachstehende Strukturen untergliedern: Das Jungmornengebiet der letzten Vereisung, die das Gebiet im Nordosten erreichte (Bran-denburger Stadium der Weichselkaltzeit) mit Endmorne, weiten Sandern und Grundmor-nenplatte, fr die zahlreiche Seen charakteris-tisch sind Das Baruther Urstromtal, als Schmelzwasse-rabflubahn der Weichselkaltzeit Der Niederlausitzer Grenzwall, das geomor-phologische Hauptelement im Zentrum der Niederlausitz, das mit Endmornen und San-derbildungen die Haupteisrandlage der Saale III Vereisung (Lausitz-Kaltzeit) markiert. Im nrdlichen Hinterland befinden sich glaziale Abb. 2.68 Bden in der Lausitz. (nach BGR 2007) 68 C. Drebenstedt et al.Abb. 2.69 Satellitenkarte der Lausitz zur Vitalitt der Vegetation (LAUBAG/ Vattenfall, 1994) Abb. 2.70 Geologische bersichtskarte der Lausitz (Nowel et al. 1995), 1 Holozne Ablagerungen in T-lern und Flussauen, 2 Binnendnen, 3 Weichselglazia-le Hochflchen, 4 jngere Saaleglaziale Hochflchen, 5 ltere Saaleglaziale Hochflchen, 6 Endmornen, 7 angenommener Verlauf des Eisrandes, 8 Wallberge, 9 Sanderflchen, 10 markante Grenzen, 11 Fluss-ablagerungen, Terrassen, Schwemmsandfcher, 12 Be-ckenartige Niederungsgebiete, 13 Prtertire Durch-ragungen, 14 Braunkohlentagebaue, 15 Tagebaue in Betrieb, Stand 1990, 16 Tagebau auer Betrieb, Stand 1990, 17 Auenkippen, Stand 1990, 18 Gewssernetz 692 Gesellschaftliche, natrliche und technische Rahmenbedingungen der BraunkohlesanierungHochflchen und Beckenniederungen, die in das Baruther Urstromtal einmnden Das Altmornengebiet der Saale II Ver-eisung sdwestlich des Niederlausitzer Land-rckens mit quartren und tertiren Hochfl-chen sowie Beckenniederungen Das Lausitzer Urstromtal, die Abflussbahn der saalekaltzeitlichen Schmelzwsser Das Altmornengebiet sdlich des Lausitzer Urstromtales mit berleitung zum Oberlausit-zer Berg- und Hgelland.Als weitere morphologische Besonderheiten in der Lausitz sind zu erwhnen: der weite Schwemmkegel der Spree von Sden in das Baruther Urstromtal, mit der Herausbildung des Spreewaldes die Binnendnenaufwehungen im Baruther- und insbesondere im Osten des Lausitzer Urstromtales (u. a. Muskauer Heide) die Moorbildungen (u. a. Dubringer Moor) die Durchragungen des Prtertiar, sdlich des Lausitzer Urstromtales, aus Lausitzer Grau-wacke und Granodiorit, als einer der nrd-lichsten, der Koschenberg.Das Gelnde fllt generell mit dem prtertiren Untergrund nach Norden ein. Als Hauptflsse folgen dieser Richtung im Westen die Schwar-ze Elster, stlich Spree und Neie. Whrend die Schwarze Elster bereits im Lausitzer Urstromtal nach Westen zur Elbe abbiegt, folgt die Spree dieser Richtung im Baruther Urstromtal, nach-dem sie den Lausitzer Grenzwall passierte. Die Neie fliet nach Norden ber die Oder in die Ostsee ab.Die quartren Ablagerungen bestehen aus Ge-schiebemergel, Schmelzwassersanden und -kie-sen sowie glazilimnischen Schluffen und Tonen, seltener aus Flusssanden und -kiesen, sowie lim-nischen Schluffen, Tonen, Mudden, Torfen u. a.Unter dem teilweise nur wenige Meter mch-tigen Quartr lagert das, den Hauptteil am Lo-ckergestein bildende, 150200 m mchtige Ter-tir mit einer Folge von Feinsanden, Schluffen, Tonen und den Braunkohlenflzen. Insgesamt sind in der Niederlausitz 7 Braunkohlenflze vorhanden.Das oberflchennahe, nur im Bereich tertirer Hochflchen innerhalb und sdlich des Nieder-lausitzer Landrckens inselartig erhalten geblie-bene 1. Lausitzer Flz ist bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts bereits weitgehend abgebaut wor-den, z. B. in Klettwitz, Rauno, Welzow, Treben-dorf und Stannewisch.Von wirtschaftlichem Interesse ist seit dem Tagebauaufschluss der Grube Marga bei Senften-berg im Jahre 1908 das im gesamten Niederlau-sitzer Lagerstttenrevier verbreitete 2. Lausitzer Flz, auf dem bereits im ausgehenden 19. Jahr-hundert vereinzelt Tiefbau umging (z. B. 18861904 Grube Guerrini bei Vetschau).Das im zentralen Revier um Klettwitz- Senf-tenberg- Welzow- Nochten eine Mchtigkeit von 10 bis 14 m erreichende 2. Lausitzer Flz be-inhaltet ca. 13 Mrd. t wirtschaftlich gewinnbarer Kohle, d. h. ein Viertel der Braunkohlenvorrte in der Bundesrepublik Deutschland, wovon der-zeit ca. 2 Mrd. t zum Abbau geplant sind. Das Flz ist groflchig verbreitet und weitestgehend shlig abgelagert. Die Abraumberdeckung be-trgt 50 bis 100 m, lokal etwas darber. Tektoni-sche Prozesse im Untergrund sowie eiszeitliche Krfte an der Oberflche haben das Flz lokal deformiert. Im Bereich des Muskauer Faltenbo-gens wurde das Flz z. B. bis an die Oberflche aufgeschoben. Die Wirkung der eiszeitlichen Prozesse reicht stellenweise bis auf den prter-tiren Untergrund. So ist auch der vormals zu-sammenhngende Komplex des 2. Lausitzer Fl-zes durch tiefe Erosionsrinnen in einzelne Felder zergliedert. Die Rinnenstrukturen verlaufen in der Vorstorichtung des Eises und quer dazu (Abb. 2.70 und 2.71).Die Oberlausitzer Tagebaue Berzdorf und Olbersdorf in der Nhe von Grlitz bzw. Zittau nehmen als Beckenlagersttten mit nur geringer Ausdehnung eine Sonderstellung ein. Sie ver-danken ihre Entstehung tektonischen Senkungs-vorgngen im Tertir. Charakteristisch ist die groe Mchtigkeit des Flzkomplexes (stellen-weise ber 100 m), deren einzelne Schichten sehr unterschiedlich einfallen und mchtig sind. Das geringmchtige, quartre Deckgebirge im Zittau-er Becken besteht aus L- und Gehngelehm.Die durchschnittlichen Qualittsparameter der Braunkohle in der Lausitz sind in Tabelle 2.18 zusammengefasst.70 C. Drebenstedt et al.Vertiefende Angaben zur Hydrogeologie sind in Abschnitt 5.2 dargestellt, weitere Details zur Geologie ausgewhlter Tagebaue in Abschnitt 4.8.Bergbautechnik in der Lausitz Die Abraum-gewinnung im Lausitzer Braunkohlenrevier erfolgte und erfolgt berwiegend mit Abraum-Abb. 2.71 Regionalgeologischer Schnitt durch das Ter-tir und Quartr des Niederlausitzer Braunkohlenreviers (Nowel et al. 1995), 1 Oberflche der prtertiren Fest-gesteine, 2 Obere Schnwalder Folge und Rupel-Folge, 3 Cottbuser Folge, 4 Spremberger Folge, 5 Untere und Obere Briesker Folge, 6 Raunoer Folge, 7 Schich-ten von Weiwasser, 8 Grenze Tertir/Quartr, 9 Quar-tr, 10 Braunkohle, 11 tertire Tone und Schluffe, 12 tertire Sande, 13 Grundmorne Elster I, 14 Grund-morne Elster II, 15 Grundmorne Saale I, 16 Grund-morne Saale II, 17 Grundmorne Saale III, 18 glazi-limnische Tone und Schluffe, 19 Schmelzwassersande und kiese, 20 Steine (Grogeschiebe), 21 Kies- und Sandablagerungen (nachgewiesen und wahrscheinlich), 22 pollenanalytisch datierte Warmzeitsedimente (iE Eem-Warmzeit, iHD Holstein-Warmzeit), 23 Fund-stelle warmzeitlicher Wirbeltiere, 24 Bergbaukippen, 25 endogen-tektonische Strungen, 26 glazigen-tek-tonische Aufschiebungen Tab. 2.18 Mittlere Kohlenqualittsparameter der Lau-sitzer Braunkohle. (DEBRIV 2010)Heizwert, roh, MJ/kg 7,89,5Wassergehalt, roh, % 4858Aschegehalt, roh, % 2,516,0Schwefelgehalt, roh, % 0,31,5Abb. 2.72 Frderbr-ckentagebau Jnschwalde im Lausitzer Revier. (Foto: LAUBAG/Vattenfall) 712 Gesellschaftliche, natrliche und technische Rahmenbedingungen der Braunkohlesanierungfrderbrcken im kohlenfreilegenden Schnitt und mit Strossenfrderung unter Verwendung von Schaufelradbaggern und Bandanlagen in den darber liegenden Vorschnitten (Abb. 2.72). Gegenber einem hufigeren Einsatz in Verbin-dung mit dem Zugbetrieb in der Vergangenheit, sind bis auf einen Einsatzfall (mit Bandbetrieb, Tagebau Welzow-Sd), Eimerkettenbagger nur noch fr die Abraumgewinnung in Verbindung mit Frderbrcken im Einsatz.Whrend die Typenfrderbrcke F34 auch vereinzelt im Mitteldeutschen Braunkohlenrevier zum Einsatz kam, erfolgte der Einsatz der zwei Frderbrcken vom Typ F 45 und der fnf Br-cken vom Typ F 60 ausschlielich in der Lausitz. Heute sind hier noch eine F 34 und vier F 60 im Einsatz.Fr die Braunkohlesanierung sind teilweise auch die Altkippen der Frderbrcken mit dem Baujahr vor 1945 relevant.In der Lausitz erfolgte der einzige deut-sche Einsatzfall einer Direktversturzkombina-tion Schaufelradbagger-Absetzer, von 1984 bis 1988 im Tagebau Dreiweibern (Abb. 2.29; Breitkreutz und Gruhlke 1984).Einige wenige Tagebaue (z. B. Grbendorf, Greifenhain) wurden ausschlielich mit Stros-senfrderung betrieben. In der Lausitz wurde be-reits in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts bei Tagebauneuaufschlssen auf Bandbetrieb orien-tiert. Der Zugbetrieb spielte eine zunehmend ge-ringere Bedeutung.LiteraturBeschow R (2012) bersicht zur Entwicklung Landin-anspruchnahme/Wiedernutzbarmachung im Lausit-zer Braunkohlenrevier nach 1945. Vattenfall Europe Mining AG (PL-PRN3), CottbusBfN (2006) Karte Naturrumliche Grolandschaften. 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