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<ul><li> 1. ReaderArbeitsgruppe 10 Jahre BolognaGipfel in WienGipfelvorbereitungstreffen: Vom 11-12 Mrz findet in Wien und Budapest die Bologna - JubilumsMinister/innen-Konferenz 2010 statt. Gleich der erste Satz des Einladungstextes verdeutlicht den Charakter dieser Konferenz: sterreich war in der Umsetzung der Bolognaziele zum Aufbau eines europischen Hochschulraums von Anfang an eines der pro-aktiven Lnder und hat mit dem Universittsgesetz 2002 ein oft verwendetes Beispiel guter Praxis geschaffen. Angesichts der katastrophalen Zustnde auf den Unis in sterreich, verbunden mit den aktuellen Protesten die diese in die ffentlichkeit gebracht haben, wird dieser Gipfel eine reine Verhhnung aller Universittsangehrigen. Wurde die Bologna-Ausrichtung der nchsten Jahre schon im Frhjahr 2009 in Leuven/Louvain-la- Neuve (Belgien) beschlossen, soll in Wien das 10 jhrige Jubilum gefeiert werden! Eines ist jetzt schon fix: Diese Bologna - Party findet nicht ohne uns statt!Am Freitag (20.11) wollen wir unsere Gipfelvorbereitungen starten: 14:00 16:00 Inhaltliche Ausrichtung 16:00 18:00 Praktische AusrichtungOrt: Hrsaalzentrum (C1) Campus Hof 2 </li></ul><p> 2. Inhaltsverzeichnis Oliver Prausmller, Johannes Schimmerl, Angelika Striedinger (2005): Fit fr den Standort? Zur konomisierung der Bildung im europischen Integrationsprozess, in: Paolo Freire Zentrum/sterreichische HochschlerInnenschaft (Hg.): konomisierung der Bildung, Wien 2005 Keller, Andreas: Chancen und Risiken des Bologna-Prozesses, http://www.rosalux.de/fileadmin/rls_uploads/pdfs/Veranstaltungen/2004/bildung_als_ware /Keller_Bologna.pdf Zusammenfassung der Studie: Keller, Andreas (2004): Alma mater bolognaise; Frankfurt/Main. Online unter: http://www2.studiberatung- potsdam.de/uploads/gew_analysen_und_alternativen_01_keller.pdf Hirsch, Nele (2008): Bologna-Prozess und der Kampf an den Hochschulen, in: Z. Zeitschrift Marxistische Erneuerung 74/2008 Maurer, Sigrid (2009): berblick Bologna, Handout zur Veranstaltung 10 Jahre Bologna ablehnen oder neu definieren?, online unter: http://unsereuni.at/wiki/index.php/Bologna_und_Gipfel_in_Wien_AG Gilles, Markus (2007): Die total verwaltete Uniwelt Zur Auswirkung der Bologna-Reform auf die Mglichkeit eines kritischen Studiums; in: Brchert, Oliver/Wagner, Alexander (Hg.): Kritische Wissenschaft, Emanzipation und die Entwicklung der Hochschulen; Marburg 3. Dr. Andreas Keller Chancen und Risiken des Bologna-Prozesses Als Bologna-Prozess werden die Bestrebungen europischer Regierungen verstanden, bis zum Jahr 2010 einen einheitlichen Europischen Hochschulraum zu realisieren. Ziel des Bologna-Prozesses ist eine Konvergenz in der Entwicklung der europischen Hochschulsysteme, zu der sich die fr das Hochschulwesen zustndigen Ministerinnen und Minister von inzwischen 33 europischen Lndern in der Bologna-Erklrung von 1999, die 2001 in Prag fortgeschrieben wurde, verpflichtet haben.Wesentliche Zielsetzungen der Bologna-Erklrung sind u.a.: die europaweite Einfhrung eines Studiensystems leicht verstndlicher und vergleichbarer Abschlsse; europaweite Gliederung des Studiensystems in zwei Hauptzyklen: der erste Zyklus bis zum ersten Abschluss (blicherweise mit der Bezeichnung Bachelor) mit einer Dauer von mindestens drei Jahren hat in erster Linie Qualifikationen fr den Arbeitsmarkt zu vermitteln, der Zyklus nach dem ersten Abschluss kann entweder zum Master-Abschluss oder direkt zur Promotion fhren; Einfhrung eines Leistungspunktsystems hnlich dem im Rahmen des ERASMUS- Austauschprogramms der EU entwickelten European Credit Transfer System ECTS; die Frderung der Mobilitt von Studierenden und Hochschulpersonal; die Frderung der europischen Zusammenarbeit bei der Qualittssicherung, insbesondere die Erarbeitung vergleichbarer Kriterien und Methoden.Bei der dritten Bolgna-Nachfolge-Konferenz der europischen Hochschulministerinnen und Hochschulminister nach Prag 2001 und Berlin 2003 im Mai 2005 in Bergen (Norwegen) werden entscheidende Weichenstellungen fr die weitere Entwicklung und Ausgestaltung des Bologna-Prozesses bis 2010 erwartet (weitere Informationen und alle wichtigen Dokumente auf der offiziellen Homepage des Berliner Hochschulgipfels: www.bologna-bergen2005.de). Zur Halbzeitbilanz des Bologna-Prozesses kann ein erstaunlich groer Konsens in der politischen Bewertung des Bologna-Prozesses durch europische Interessenorganisationen festgestellt werden. Eine vergleichende Analyse der Stellungnahmen von 17 Organisationen kam 2002 zu dem Ergebnis, dass sieben Organisation dem Bologna-Prozess auf Basis der Bologna-Erklrung und des Prager Kommunikee insgesamt voll zustimmen (full aproval) und weitere neun Organisationen unter ihnen auch die europische Studierendenunion ESIB - dem Bologna-Prozess insgesamt bei einigen Vorbehalten grundstzlich zustimmen (approval with certain reservations) (Christian Tauch /Siegbert Wuttig: Comparative analysis of selected statements on the European Higher Education Area, based on the Bologna Declaration and the Prague Communiqu, 2002). Lediglich einer Organisation, der Europischen Bildungsinternationalen, werden starke Vorbehalte, aber keine Ablehnung, bescheinigt (approval with certain reservations). Grundstzlich abgelehnt (rejection) wird der Bologna-Prozess von keiner Organisation. 4. Dieses hohe Ma an Zustimmung ist einerseits insofern nachvollziehbar, als die Festlegungen der grundlegenden Dokumente von Bologna und Prag durchaus eine Reihe von Chancen fr die Entwicklung der europischen Hochschullandschaft enthalten: Selbstverstndlich hat die Perspektive einer kontinentweiten akademischen Freizgigkeit ein emanzipatorisches Moment: Der Aktionsradius von Studentinnen und Studenten, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wrde erweitert, ihre Mglichkeiten, neue kulturelle, historische und theoretische Kontexte wissenschaftlichen Lernens, Lehrens und Forschens aufzusuchen, vergrert. Die europaweite Gliederung des Studiums in zwei Zyklen sowie die einheitliche Anwendung von Leistungspunktsystemen vermgen nicht nur einen reibungslosen grenzberschreitenden Hochschulwechsel zu gewhrleisten, sondern stellen Anstze fr eine grundlegende Modularisierung von Studienstrukturen dar: Die Mglichkeiten der Studierenden, selbstbestimmt eine individuelle, ihren Erwartungen, Interessen und Planungen entsprechende Gestaltung des Studiums und ihrer Bildungsbiografien vorzunehmen, knnten sich so erweitern. Im Idealfall wrde das Studium aus einer strengen Unterordnung unter wissenschaftliche Einzeldisziplinen gelst und individuell um komplexe Berufs- und Ttigkeitsfelder herum gruppiert. Diese Perspektiven tragen der anerkanntermaen gewachsenen Heterogenitt von Studierenden und Studieninteressen Rechnung. Von der Zweigliedrigkeit des Studiums gehen schlielich auch Impulse fr eine strkere Durchlssigkeit der unterschiedlichen Institutionen des tertiren Bildungssystems mit der Perspektive einer Integration aus sofern Absolventinnen und Absolventen des ersten Zyklus an einer nichtuniversitren Bildungseinrichtung (etwa einer Fachhochschule) der Zugang zur Aufnahme eines zweiten Studienzyklus an einer Universitt offen steht.Andererseits macht die breite Akzeptanz des Bologna-Prozesses stutzig, weil einzelne Elemente des Bologna-Prozess aus einem kritischen Blickwinkel als strukturelle Voraussetzungen fr eine neoliberale Umstrukturierung des europischen Hochschulwesens interpretiert werden knnen. Leitbild der neoliberalen Strukturreform ist die Umwandlung der Hochschulen in Dienstleistungsunternehmen, die ihre Produkte Ausbildung von Studierenden, Bereitstellung von Forschungsergebnissen in Konkurrenz mit anderen Anbietern auf einem Bildungs- und Wissenschaftsmarkt an kaufkrftige Nachfrager absetzen mssen. Konsequenz aus diesem Modell ist, dass die Studierenden als kaufkrftige Nachfrager der Ware Studium marktgerechte Preise Studiengebhren zu bezahlen haben. Um einen wirksamen Wettbewerb der Hochschulen als Anbieter von Lehr- und Studiendienstleistungen um die Studierenden als Kunden in Gang setzen zu knnen, mssen die Studierenden nicht nur zu Beginn ihres Studium in der Lage sein, sich nach Magabe eines Qualitts- und Kostenvergleichs der unterschiedlichen Anbieter fr einen zu entscheiden, sondern auch whrend ihres Studium und insbesondere beim bergang von einem Studienzyklus in den nchsten den Anbieter zu wechseln. Voraussetzung hierfr 5. wiederum ist die Kompatibilitt der Studienstrukturen sowie die bertragbarkeit der erworbenen Studienleistungen und Abschlsse.Wird der Bildungs- und Wissenschaftsmarkt, auf dem die Hochschulen in einen Wettbewerb um Nachfrager treten, europaweit konstituiert, bedarf es einer europaweiten Kompatibilitt und bertragbarkeit. Zentrales Instrumentarium fr die Herstellung der bertragbarkeit von Studienleistungen ist ein einheitliches Leistungspunktsystem gleichsam die gemeinsame Whrung im europischen Studienraum, die Studienleistungen messbar und vergleichbar macht. Die europaweit einheitliche Messbarkeit von Studienleistungen bzw. den ihnen zugrunde liegenden Studiendienstleistungen knnte in einem weiteren Schritt zur Voraussetzung fr eine international vergleichbare Berechnung von durch die Studierenden zu bezahlenden Gebhren oder fr ein europaweit geltendes Bildungsgutscheinsystem werden. Tatschlich wird in einigen Lndern der Bundesrepublik Deutschland bereits die Verknpfung von Leistungspunktsystemen und Studienkonten konzipiert. Selbst systemimmanent lsst sich dies als wenig durchdacht kritisieren: Die Vergabe von ECTS- Punkten orientieren sich an der studentischen Arbeitsbelastung, nicht an der erbrachten Lehrleistung. Studierende, die lehrextensive Angebote nutzen, wrden demnach ihr Studienkonto schneller aufbrauchen als Studierende, die lehrintensive Angebote in Anspruch nehmen.Diese Entwicklung ist, dies kann nicht nachdrcklich genug betont werden, im Bologna- Prozess keineswegs angelegt. Der Bologna-Prozess knnte eine entsprechende neoliberale Umstrukturierung des europischen Hochschulwesens begnstigen ebenso wie er in der Lage ist, emanzipatorische hochschulpolitische Entwicklungen in Gang zu setzen. Insgesamt ist der Bologna-Prozess insofern als widersprchlich zu bewerten, da er objektiv unterschiedliche Szenarien einer Entwicklung des Europischen Hochschulraums zulsst. Weder eine pauschale Ablehnung noch berschwngliche Zustimmung ist daher eine angemessene Form des Umgangs mit dem Bologna-Prozess.Im Folgenden sollen die wichtigsten Kritikpunkte am bisherigen Verlauf des Bologna- Prozesses zusammengefasst werden, um darauf aufbauend Forderungen fr die weitere Ausgestaltung des Prozesses auf europischer und nationaler Ebene formulieren zu knnen. Problematisch ist zunchst der eingeschrnkte Gegenstandsbereich des Bologna- Prozesses, der auf Fragen des Hochschulstudiums insbesondere Studienstrukturen und bertragbarkeit und Anrechenbarkeit von Studienleistungen - fokussiert. Was einen Europischen Hochschulraum ber einen Europischen Studienraum hinaus tatschlich ausmachte, wren aber darber hinaus europische Grundstze zu Bereichen wie Studienfinanzierung oder Hochschulpersonalstruktur/Wissenschaftlicher Nachwuchs. Die europischen Hochschulministerinnen und Hochschulminister haben zwar angekndigt, in Zukunft auch der sozialen Dimension studentischer Mobilitt Rechnung zu tragen und die Doktorandenausbildung auf die Agenda des Bologna-Prozesses zu 6. setzen, doch ber die allgemeine Absichtserklrung hinaus ist es bis jetzt nicht zu konkreten Vereinbarungen oder Manahmen gekommen. Der ursprnglich verwendete Begriff der Harmonisierung der europischen Hochschulsysteme wird zwar heute peinlichst vermieden, dennoch konnte die Sorge, dass am Ende des Bologna-Prozesses eine weitgehende Angleichung der Studienstrukturen stehen knnte, nicht ausgerumt werden. Die Bologna-Erklrung von 1999 lsst den Unterzeichnerstaaten und Hochschulen aber einen weiten Gestaltungsspielraum: Weder wird die Einfhrung der Abschlsse Bachelor und Master verlangt, noch werden abgesehen von der dreijhrigen Mindestdauer des ersten Zyklus - konkrete Aussagen zur Studiendauer gemacht, geschweige denn das so genannte 3-5-8-Modell (drei Jahre bis zum Bachelor, weitere zwei Jahre zum Master, weitere drei Jahre zur Promotion) vorgeschrieben. Gleichwohl orientiert sich die tatschliche Ausgestaltung des Bologna- Prozesses in den Einzelstaaten hufig an viel engeren, in der Bologna-Erklrung gar nicht enthaltenen, Vorgaben. Was die Studieninhalte angeht, so gehrt es zur immer wieder hervorgehobenen Philosophie des Bologna-Prozesses, keine Vereinheitlichungen anzustreben, sondern die in den europischen Hochschulsystemen vorhandene Vielfalt zu respektieren. Doch auch dieser Grundsatz droht aufgeweicht zu werden. So geht es z. B. bei dem von der EU- Kommission gefrderten Projekt Tuning Educational Structures in Europe letztlich um die Erarbeitung von inhaltlichen Umrissen europischer Kerncurricula. Auch die Evaluierung und Akkreditierung von Studiengngen, fr die einheitliche europische Richtlinien erarbeitet werden sollen, sollen curriculare Mindeststandards zum Gegenstand haben. Hrden beim bergang vom ersten zum zweiten Studienzyklus sind die gravierendsten Probleme der mit dem Bologna-Prozess verbunden Studienstrukturreform. Denn Grundgedanke der zweigliedrigen Studienstrukturen ist unbestreitbar, dass nicht alle Absolventinnen und Absolventen des ersten Zyklus gleichsam automatisch ihr Studium im zweiten Zyklus fortsetzen, sondern ein Teil ihren berufsqualifizierenden Erstabschluss zur Aufnahme einer beruflichen Ttigkeit nutzt. Da die Hochschuletats einerseits europaweit unter dem Druck finanzieller Stagnationen oder Krzungen stehen, sich andererseits aber die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass die europischen Volkswirtschaften in Zukunft eher mehr als weniger Akademikerinnen und Akademiker bentigen, stellt die Perspektive einer Verkrzung der Studienzeit eines Teils der Studierenden fr die Politik eine interessante Option dar. Diese fiskalisch motivierten berlegungen berlagern sich mit konservativen bildungspolitischen Einwnden, dass unmglich 30, 50 oder gar 70 Prozent eines Alterjahrgangs fr ein wissenschaftliches Studium befhigt sein knnten. Der grundstzliche Anspruch von allen Absolventinnen und Absolventen eines Bachelor-Grades auf direkten Zugang zu mindestens einem Master-Studium stellt im Rahmen der bisherigen Entwicklung des Bologna-Prozesses leider eine Ausnahme dar. In Deutschland bereitet derzeit die Kultusministerkonferenz entsprechende Strukturvorgaben fr Bachelor und Masterstudiengnge vor, die den 7. Bachelor zum Regelabschluss machen sollen und weiteren Restriktionen fr den Zugangzu Master-Studiengngen Tr und Tor ffnen wrden.Insgesamt ist der Bologna-Prozess als ambivalent zu bewerten. Welchen Charakter der Prozess am Ende haben wird, ist sowohl von seiner weiteren Ausgestaltung auf europischer Ebene als auch von seiner konkreten Umsetzung in den Unterzeichnerstaaten abhngig. Es ist daher Aufgabe zivilgesellschaft...</p>