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  • 189BGR 189

    Benutzung von Schutzkleidung

    April 1994

    Fachausschuss Persnliche Schutzaus-rstungen der DGUV

    Aktualisierte Nachdruckfassung Oktober 2007

  • BGR 189

    2

  • Inhaltsverzeichnis

    Seite

    Vorbemerkung .......................................................................................................................................................................... 5

    1 Anwendungsbereich ...................................................................................................................................................... 6

    2 Begriff sbestimmungen ................................................................................................................................................ 7

    3 Gefhrdungsbeurteilung ............................................................................................................................................ 11

    4 Bewertung und Auswahl

    4.1 Allgemeines ..................................................................................................................................................... 12

    4.2 Bewertung ........................................................................................................................................................ 12

    4.3 Ausfhrungsbeispiele .............................................................................................................................. 13

    4.4 Materialien zur Herstellung von Schutzkleidung .................................................................... 40

    4.5 Ergonomische Anforderungen ............................................................................................................. 46

    4.6 Kennzeichnung ............................................................................................................................................. 46

    5 Benutzung

    5.1 Allgemeines ..................................................................................................................................................... 51

    5.2 Tragedauer, Gesundheitsschutz ........................................................................................................ 51

    6 Betriebsanweisung, Unterweisung

    6.1 Betriebsanweisung ..................................................................................................................................... 53

    6.2 Unterweisung ................................................................................................................................................. 53

    7 Ordnungsgemer Zustand

    7.1 Prfung ............................................................................................................................................................... 55

    7.2 Reinigung .......................................................................................................................................................... 55

    7.3 Aufb ewahrung ............................................................................................................................................... 55

    7.4 Reparatur .......................................................................................................................................................... 55

    Anhang 1: Checkliste fr die Spezifi kation der persnlichen Schutzausrstung .................... 57

    Anhang 2: Durch die Verwendung abzudeckende Risiken fr Rumpf, Arme und Beine ............................................................................................................................................ 60

    Anhang 3: Risiken fr den Trger durch die Schutzkleidung .................................................................. 61

    Anhang 4: Risiken durch ungengende Schutzwirkung ............................................................................ 62

    Anhang 5: Vorschrift en und Regeln ......................................................................................................................... 63

    3

  • Berufsgenossenschaft liche Regeln fr Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit (BG-Regeln) sind Zusammenstellungen bzw. Konkretisierungen von Inhalten z.B. aus staatlichen Arbeitsschutzvorschrift en (Gesetze, Verordnungen)

    und/oder

    berufsgenossenschaft lichen Vorschrift en (Unfallverhtungsvorschrift en)und/oder

    technischen Spezifi kationen und/oder

    den Erfahrungen berufsgenossenschaft licher Prventionsarbeit.

    BG-Regeln richten sich in erster Linie an den Unternehmer und sollen ihm Hilfe-stellung bei der Umsetzung seiner Pflichten aus staatlichen Arbeitsschutzvor-schrift en oder Unfallverhtungsvorschrift en geben sowie Wege aufzeigen, wie Arbeitsunflle, Berufskrankheiten und arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren vermieden werden knnen.

    Der Unternehmer kann bei Beachtung der in den BG-Regeln enthaltenen Emp-fehlungen, insbesondere den beispielhaft en Lsungsmglichkeiten, davon aus-gehen, dass er damit geeignete Manahmen zur Verhtung von Arbeitsunfllen, Berufskrankheiten und arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren getroff en hat. Andere Lsungen sind mglich, wenn Sicherheit und Gesundheitsschutz in gleicher Weise gewhrleistet sind. Sind zur Konkretisierung staatlicher Arbeits-schutzvorschrift en von den dafr eingerichteten Ausschssen technische Regeln ermittelt worden, sind diese vorrangig zu beachten.

    Werden verbindliche Inhalte aus staatlichen Arbeitsschutzvorschrift en oder aus Unfallverhtungsvorschrift en wiedergegeben, sind sie durch Fettdruck kenntlich gemacht oder im Anhang zusammengestellt. Erluterungen, insbesondere bei-spielhaft e Lsungsmglichkeiten, sind durch entsprechende Hinweise in Kursiv-schrift gegeben.

    BGR 189

    4

  • Vorbemerkung

    Diese BG-Regel erlutert die PSA-Benutzungsverordnung sowie die Unfallverhtungsvor-schrift Grundstze der Prvention (BGV A1) hinsichtlich der Benutzung von Schutzkleidung.

    In dieser BG-Regel sind die Vorschrift en des Gesetzes ber die Durchfhrung von Manah-men des Arbeitsschutzes zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschft igten bei der Arbeit (Arbeitsschutzgesetz ArbSchG), der Verordnung ber Sicher-heit und Gesundheitsschutz bei der Benutzung persnlicher Schutzausrstungen bei der Arbeit (PSA-Benutzungsverordnung PSA-BV) sowie der Achten Verordnung zum Gerte- und Produktsicherheitsgesetz (Verordnung ber das Inverkehrbringen von persnlichen Schutz-ausrstungen 8. GPSGV) bercksichtigt.

    Die in dieser BG-Regel enthaltenen technischen Lsungen schlieen andere, mindestens ebenso sichere Lsungen nicht aus, die auch in technischen Regeln anderer Mitgliedstaaten der Europischen Union oder der Trkei oder anderer Vertragsstaaten des Abkommens ber den Europischen Wirtschaft sraum ihren Niederschlag gefunden haben knnen.

    5

  • 1 Anwendungsbereich

    Diese BG-Regel fi ndet Anwendung auf die Auswahl und die Benutzung von Schutz-kleidung zum Schutz gegen mechanische Einwirkungen, Erfasstwerden durch be-wegte Teile, thermische Einwirkung, Nsse, Wind, Stube, Gase, heie Dmpfe, elektrische Energie, Flammen, Funken, feuerflssige Massen, chemische Stoff e, Mikroorganismen, Gefhrdung durch den Fahrzeug-Verkehr (Warnkleidung) und Kontamination mit radioaktiven Stoff en.

    Thermische Einwirkungen sind z.B. Klte, Wrme.

    Chemische Stoff e sind z.B. Suren, Laugen, Lsemittel, Fette, le und feste Chemikalien.

    6

  • 2 Begriff sbestimmungen

    Im Sinne dieser BG-Regel werden folgende Begriff e bestimmt:

    1. Schutzkleidung ist eine persnliche Schutzausrstung, die den Rumpf, die Arme und die Beine vor schdigenden Einwirkungen bei der Arbeit schtzen soll. Die verschiedenen Ausfhrungen der Schutzkleidung knnen gegen eine oder meh-rere Einwirkungen schtzen.

    2. Schutzkleidung fr den begrenzten Mehrfacheinsatz (Einwegkleidung) ist eine Schutzkleidung, deren Einsatz nach der Kontamination mit Gefahrstoff en endet. In der Umgangssprache wird diese Kleidung auch als Einwegkleidung bezeich-net; es handelt sich in der Regel um nicht gewebtes Material.

    3. Arbeitskleidung ist eine Kleidung, die anstelle, in Ergnzung oder zum Schutz der Privatkleidung bei der Arbeit getragen wird. Sie hat keine spezifi sche Schutz-funktion gegen schdigende Einflsse.

    4. Berufskleidung ist eine berufsspezifi sche Arbeitskleidung, die als Standes- oder Dienstkleidung, z.B. Uniform, getragen wird. Sie ist keine Kleidung mit spezifi -scher Schutzfunktion.

    5. Reinraumkleidung ist eine Arbeitskleidung, die die Umgebung gegen Einflsse, die vom Trger dieser Kleidung ausgehen knnen, z.B. Hautpartikeln, Textilfasern, schtzt; sie ist keine Schutzkleidung.

    Reinraumkleidung wird z.B. in der Pharma- und in der Elek tro nik industrie getragen.

    6. Textile Faserstoff e ist der Sammelbegriff fr faser- und fadenfrmige Gebilde. Man unterscheidet zwischen Natur-, Chemie-, z.B. Polyester, und Spezialfasern.

    Fasern sind meist in der Lnge begrenzt. In der Lnge nicht begrenzte Gebilde auer Seide werden als Filament bezeichnet. Werden Fasern zusammen-gedreht (versponnen), entsteht ein Garn. Werden Garne zusammengedreht (gezwirnt), entsteht ein Zwirn.

    Siehe Anhang 3.

    7

  • 7. Textiles Flchengebilde ist ein Oberbegriff fr alle textilen Flchen erzeugnisse, gleich welcher Herstellungsweise.

    8. Gewebe ist die rechtwinklige Verbindung zweier oder mehrerer Fadensysteme, von denen das eine in der Lngsrichtung des Gewebes, der Kette, das andere in der Querrichtung als Schuss verluft . Man unterscheidet das Gewebe nach den Grundformen der Bindung, z.B. Leinwand-, Krper- und Atlasbindung, und nach dem Zustand, z.B. Rohgewebe und ausgerstetes Gewebe.

    Leinwandbindiges Gewebe hat eine charakteristisch dichte und glatte Ober-flche. Ein krperbindiges Gewebe besitzt scharf hervortretende, in schrger Richtung parallel verlaufende Linien. Artikel in Atlasbindung haben eine glatte, glnzende, scheinbar strukturlose Oberflche. Daneben gibt es noch besondere Bindungen und Varianten der Grundbindungen.

    9. Mischgewebe ist ein Gewebe, das aus mindestens zwei verschiedenen Faser-materialien besteht, die entweder bereits vor dem Verspinnen gemischt wurden oder bei denen die Garne in Kette und Schuss aus unterschiedlichem Faser-material bestehen.

    10. Gewirk ist ein aus Fadensystemen durch Maschenbildung hergestelltes Flchen-gebilde. Durch die gewundene Fadenform (Maschen) erhlt das Gewirk eine groe Elastizitt.

    11. Gestrick ist ein Fadensystem, bei dem die Fadenschleifen (Maschen) nach-einander durch einen einzigen Faden erzeugt werden.

    12. Vlies (Nonwoven) ist ein textiles Flchengebilde aus Fasern, die nicht gesponnen, sondern lose gefgt und mit oder ohne Bindemittel verfestigt sind.

    13. Beschichtung ist das ein- oder beidseitige Aufb ringen eines Beschichtungs-mittels auf ein textiles Flchengebilde. Die Gte hngt weitgehend von der aus-reichenden Haft festigkeit zwischen Trgermaterial und Deckschicht ab.

    Das Beschichtungsmittel kann flssig sein (Gieen, Streichen, Spritzen) oder aus einer Folie (Kaschieren) bestehen.

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  • 14. Ausrstung ist die chemische und physikalische Bearbeitung von Textilien sowie das Aufb ringen oder Einlagern von Zusatzstoff en auf oder in ein textiles Flchenge-bilde zur Verbesserung der Qualittseigenschaft en und der Schutzwirkung.

    Die Ausrstung kann den Tragekomfort negativ beeinflussen.

    Durch Waschen, Reinigen oder Trocknen kann die Ausrstung und damit auch die Schutzwirkung ganz oder teilweise verloren gehen, ohne dass dies fr den Trger erkennbar wird.

    15. Unter Brennverhalten sind alle physikalischen und chemischen Vernderungen zu verstehen, die stattfi nden, wenn Materialien brennen oder dem Feuer ausge-setzt sind. Hierfr sind magebend Entzndbarkeit, Flammenausbreitungsge-schwindigkeit, Wrmeentwicklung, Schrumpfen, Schmelzen, Rauchentwicklung und Bildung toxischer Gase.

    Bei Textilien wird das Brennverhalten unter anderem beeinflusst durch Faser-material, Flchengewicht, Struktur des Materials, Ausrstung, Verschmut-zung, Rckstnde nach Wasch- und Reinigungsbehandlungen.

    16. Tragekomfort ist eine Bewertung der Schutzkleidung, die im Wesent lichen vom Wrme- und Feuchtedurchgang sowie der Luft durchlssigkeit des Kleidungsma-terials bestimmt wird. Hierdurch kommt zum Ausdruck, dass die Schutzkleidung den Wrmehaushalt des Krpers so wenig wie mglich behindert. Darber hinaus wird der Tragekomfort auch durch geeignete Schnittgestaltung (Bewegungsfrei-heit, Passform) beeinflusst.

    17. Penetration ist der Durchtritt von festen, flssigen oder gasfrmigen Stoff en durch makroskopische Lcher (Fehler, Nhte).

    18. Permeation ist der Durchtritt von festen, flssigen oder gasfrmigen Stoff en im molekularen Bereich.

    19. Degradation ist die Verschlechterung des Materials durch Einwirkung von Chemi-kalien.

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  • 20. Der Wasserdampfdurchgangswiderstand Ret ist eine Materialeigenschaft textiler Flchengebilde, die bestimmt, wie gro in einem gegebenen Partialdruckfeld der latente Verdampfungswrmestrom (zusammengesetzt aus Diff usions- und Konvektionsanteilen) ist, der das Flchengebilde unter der Wirkung eines in Richtung der Flchennormalen bestehenden Partialdruckgradienten im statio-nren Zustand durchstrmt. Der ermittelte Wasserdampfdurchgangswiderstand Ret ist damit ein Ma fr das stationre Wasserdampft ransportvermgen.

    21. Der Wrmedurchgangswiderstand Rct ist eine Materialeigenschaft textiler Flchen-gebilde, die bestimmt, wie gro in einem gegebenen Temperaturfeld der fhl-bare Wrmefluss (zusammengesetzt aus Konduktions-, Konvektions- und Strah-lungsanteilen) ist, der das Flchengebilde unter der Wirkung eines in Richtung der Flchennormalen bestehenden Temperaturgradienten im stationren Zu-stand durchstrmt.

    22. IREQ ist die Bewertung der erforderlichen resultierenden thermischen Isolation, die auf der Basis thermischer Parameter der Umgebung, z.B. Luft temperatur, mittlere Strahlungstemperatur, Luft geschwindigkeit, relative Feuchtigkeit und Krperstoff wechsel berechnet wird.

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  • 3 Gefhrdungsbeurteilung

    Vor der Auswahl und dem Einsatz von Schutzkleidung hat der Unternehmer eine Gefhrdungsbeurteilung durchzufhren, die insbesondere beinhaltet: Art und Umfang der Risiken am Arbeitsplatz,

    Arbeitsbedingungen und persnliche Konstitution des Trgers.

    Die zu bercksichtigenden Risiken sind in den Anhngen 2 bis 4 aufgefhrt.

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  • 4 Bewertung und Auswahl

    4.1 Allgemeines

    4.1.1 Bei der Auswahl von Schutzkleidung sind die Forderungen nach bestmglichem Schutz einerseits und nach Tragekomfort andererseits abzuwgen. Die zu verwen-dende Schutzkleidung sollte daher je nach Anwendungsfall den in Abschnitt 4.3 beschriebenen Ausfhrungsbeispielen sowie den jeweiligen EN-Normen entspre-chen.

    Es ist insbesondere zu beachten, dass Schutzkleidung entsprechend der Art und Gre der Risiken und der betrieblichen Beanspruchung unter Beachtung der Herstellerinformationen (Gebrauchsanleitung), der Kennzeichnung der Aus rstung (z.B. Schutzklassen, spezielle Einsatzbereiche), der ergonomi-schen Anforderungen und den gesundheitlichen Erfordernissen des Benutzers angepasst werden muss.

    Da Schutzkleidung selbst nicht Ursache eines Unfalles werden darf, sollte sie so ausgefhrt sein, dass...