Beobachtungen aus der Ornis Mecklenburgs im Jahre 1899

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    Beobaehtungen aus der Ornis Meeklenburgs lm Jahre 1899.

    Yon C. WtistneL

    In den ,,Beitrttgen zur Ornis Mecklenburgs" in diesen Bl~ttern (Jahrgang 1899 S. 125--151) hat der Verfasser iiber einige Vorkommnisse und Beobachtungcn der VSgel Mecklenburgs in dem Beobachtungsjahr 1898 Bericht erstattet. Da derselbe seine Beobachtungen fortsetzte, auch wieder einige gr~ssere Ex- kursionen unternahm, so dtirften einige Mitteilungen aus dem Beobachtungsjahr 1899 dazu beitragen, die deutschen Vogel- kundigen fiber die Vogelfauna des an Landseen so reichen Mecklenburg auf dem Laufenden zu erhalten. Da die Bcobach- tung der Sumpf- und WasservSgel wiederum die Hauptsache sein sollte, so wurde das Ziel der Exkursionen hiernach gewithlt. S'o habe ich die Ostseektiste an verschiedenen Stellen withrend der Brut- und Zugzeit, zum Tell auf litngere Zeit, besueht, auch weilte ich mehrere Tage auf dem lange nicht yon Ornithologen besuchten Fischland, dem nordSstlichsten Teil der mecklen- burgischen Kilste. Hier auf den weiten einsamen Wiesen und Weidefl~chen zwischen der Ostsee und dem Ribnitzer Binnensee land ich ausser zahlreich briitenden StrandvSgeln zu meiner nicht geringen ~berraschung wtthrend der Brutzeit (Anfang Juni) Scharen yon allerhand grossem Gefliigel und zwar Yon Kranichen, Graugitnsen, Reihern und grossen MSven, die sich alle nach Angabe der Hirten den ganzen Sommer hindurch dort aufhalten. Ferner unternahm ich einen mehrtttgigen Ausflug nach dem stidSstlichen Mecklenburg, um auch hier Gebiete zu besuchen, die yon Jagdliebhabern als das Eldorado der Sumpf- und Wasser- vSgel bezeichnet wurden, die aber wohl hie yon einem mecklen- burgischen Ornithologen besucbt worden sind. Es ist dies der sttdliehste Tell unseres grSssten deutschen Landsees, des grossen Mttritzsees, der sich zwickelfSrmig mit Unterbrechung yon halb- inselfSrmigen Mooren bis an die brandenburgische Greuze nach SQden erstreekt, und ferner der eine Meile westlich gelegene MSnchssee beim DorfeWredenhagen, welcher mit seinen morastigen rohrbewachsenen, unzugRnglichen UferumsRumungen einer grossen Anzahl yon Wassergefltigel sieheren Brutaufenthalt gewithrt. Auf beiden Stellen nisten zahlreiche Graug~nse, mehrere Kranich- paare, auch konnte ich zwei neue Brutorte des wilden HScker- schwans hier feststellen. Auch die anders gestaltete Entenfauna

  • Beobaebtungen aus der Ornis Meeklenburgs im Jahre 1899. 815

    dieser ~)stlichen Seen, gegen~ber den westlichen um Schwerin gelegenen ~een, bot manches lntcressante.

    Ferner sind durch die H~Lnde der Pr~paratoren, wenn such keine ftir Mecklenburg neuen, so doch sine Anzah! seltener, erwtLhnenswerter VSgel gegangen, weiche mir zur Untersuchung vorgelegen haben.

    Ru~idUa tith~/s (L.) Hausr0tschwanz. In einem einsam im Walde gelegenen ForstgehSfte fand

    ich am 7. V. 99 ein Nest mit 5 unbebrtiteten Eiern. Es befand sich auf einem Querbalken tiber dem Eingang der vor dem Hause befindlichen offenen Veranda. In der Stadt Schwerin seibst hat eine Einwanderung dieses Vogels in den vierziger und fiinfziger Jahren stattgefunden, er war dann ziemlich hliufig, ist aber jetzt wieder ziemlich selten.

    Turdus m~ula L. Schwarzdrosse l . Die Amsel, welche in Mitteldeutschland selbst in grossen

    St~.dten hiiufiger Gartenvoge! ist und dert auch in den yen Hiiusern umschlossenen G~rten brtitet, meidet hier die St~idte gtinzlich, wenigstens kann man das yon Schwerin sagen. Hier habe ich in den G~rten der Stadt nie eine Amsel gesehen und nur wiihrend der Strichzeit habe ich sie einzeln in den ausser- halb der Stadt belegenen ausgedehnten und waldartigen Anlagen des Schlossgartens bemerkt. Als Brutvogel zieht sie sich in die einsamen Wii.lder zurttck, we sie in den kleinen eiugesprengten Fiehtenpartien nistet.

    T~rd~ ~iscivorus L. Mist e Idrossel. Sie ist bei Schwerin iiusserst selten und kommt sls Brut-

    vogel nur in den sttdlichen Nadelholzpartieen des Bnchholzes etwa 12 Km. yon der Stadt entfernt, vet, woher ich im Friihjahr Eier erhielt. Anderswo, z.B. bei Grabow, ist sie ziemlich hiiufig.

    Turdus pila~s L. Wachho lderdrosse l . In diesem Jahre sowie in den vorhergehenden Jahren bei

    Grabow regelm~issiger Brutvogel, auch in den Kieferwaldungen am Krakauer See land ich sie als Brutvogel. Bei Schwerin wurde sie in den fiinfziger Jahren dutch v. Preen briitend ge- funden, ist hier aber wieder verschwunden.

  • ~16 C. Wllstnoi:

    ~s mus ic~ L. S i n g d r o s s e 1.

    Ira Herbst 99 wurde eine sehr hell isabellfarbene Variet~t mit undeutlicher Fleckenzeichnung etwa 12 Kin. nSrdlich yon Schwerin in Dohnen gefangen. Ffisse und Schnabel waren such heller gef~rbt wie gewShnlich. Eine ~hnlich gef~rbte Varietitt, doch etwas dunkler, ging hier aus der Provinz Posen zum Aus- stopfen ein. Ich m6chte hier gleich bemerken, dass auch eine sehr h~ibsche Variet~t des" Stares, Sturnus vulgaris, silberweiss oder grauweiss mit undeutlicher Fleckenzeichnung, aus der Provinz Ostpreussen naeh hier gelangte.

    An~hu8 cervinus (Pall.). Rotkeh l iger P ieper .

    Wurde nach Clodius in diesem Sommer im mittleren Meck- lenburg beobachtet.

    .Regulus ignioa~iUus Temm. FeuerkSpf iges Goldh~hnchen.

    Am 7. V. 99 land ich ein Nest dieses Goldh~ihnchens in dem slldlich yon Schwerin gelegenen grossen Forste Buchholz und zwar in dcm Garten eines Forstgeh6ftes. Es befand sich in einer Fichte etwa 5 m hoch zwischen den herabh~ngenden Zweigen unterhalb des Astes und war aus feinem Moos und Flechten sehr dickwandig erbaut. Die ungemeinen kleinen rSt- lichen Eierchen, 4 an der Zahl, geh~rteli unbedingt dieser Art an. Der Vogel hatte jedenfalls noch nicht ausgelegt, ich entnahm zwei der Eier, doch wurde das Nest verlassen und das Brutge- schKft in der N~he nochmal vollzogen, wie mir der Forstbeamte sp~ter mitteilte. In der hiesigen Umgegend sind mir im Laufe der Jahre drei Nestfunde dieses Goldh~hnchens'vorgekommen, auch v. Preen land bier frflher ein Nest. Dagegen ist mir yon _lT~gulus crista~us bisher nur ein Nest bekannt geworden, welches aus hiesiger Umgegend stammt, obgleich es auf dem Zuge welt h~ufiger vorkommt sis das feuerkSpfige Goldh~hnchen. Im siid- lichen Mecklenburg, woes gr6ssere NadeLholzwaldungen giebt, soll das gemeine Goldh~hnchen nach Clodius nicht selten briiten.

    Hirundo urbica L. H a u s s c h w a I b e.

    Noch am 4. Nov. sah ich eine Hausschwalbe umherfliegen, welche sich bei dem fiir diese Jahreszeit abnormen warmen Wetter recht wohl zu fiihlen schien.

  • Beobacbtnngcn aus der Ornis Mecklenburgs im Jahre 1899. 817

    l l~zdo r~aria L. Uferschwalbe. Sie nistet in iiusserst zahlreich besetzten Colonicn an vielen

    Stellen in dem hohen Abbruchsufer der Ostseekttste, so dass die steilen Ufer oft wie ein Sieb durehlSchert aussehen, lm Innern des Landes findet sie sich fast in jcder Sand- und Mergelgrube doch meist in kleineren Gesellschaften.

    JM~dca~ atricapilZa L. Trauer f l iegenf t inger . Bei Schwerin iiusserst selten, doch beobachtete ich ihn An-

    fang Mai in den Waldungen stidlich yon Schwerin, wo er auch gebrtitet haben soU. In anderen Gegenden Mecklenburgs steUen- weise nicht selten, so z. B. bei Wittenburg, wo er naeh Clodius allj~hrlich im PfarrgarteK zu Cammin in mehreren Paaren briitet.

    ~luscicapa patna L. Zwerg f l iegenf~nger . Im Sommer 99 besichtigte ich die Eiersammlung des Buch-

    druckereibesitzers Greve in Neubrandenburg, um tiber die Brut- vSgel yon Mecklenburg-Strelitz weitere Aufschltisse zu erhalten. Hier wurden mir mehrere Gelege des Zwergfliegenf~ngers gezeigt, welche nor l~ngeren Jahren bei Neubrandenburg gefunden waren. Aus Mecklenburg-Schwerin ist bisher nur ein Nestfund bekannt, und zwar bei Btttzow aus dem mittleren Mecklenburg. Hier wurde am 12. VI. 62 yon Steenbock und Riefkohl ein Nest 31/2 m hoch in einer 10 Zoll starken Buche gefunden. 1897 beobachtete Clodius ihn bei Cammiu.

    Ampdis garrulus L. Seidenschwanz. Er war in diesem Jahre nicht so h~ufig wie 1898, doch

    sah ich ihn im Januar 99 mehrfach in den Anlagen der hiesigen Stadt. Einen hiibschen Anblick gewEhrte es, auf einem niedrigen beerentragenden Baume gleichzeitig eine Anzahl Seidenschw~nze und Dompfaffen versammelt zu sehen.

    Lanius excubitor L. Grosser Wtirger. Im September und December wurden Exemplare bei Schwerin

    erlegt, und sieht man ihn im Winter hin und wieder umherstreichen, als Brutvogel ist er jedoch in der weiteren Umgebung der Stadt seit vielen Jahren nicht mehr beobachtet. Ich mSchte hier er- w~hnen~ dass auch La~ius minor seltener geworden ist und

    J o .~ ~ ore. XLu Jah~. Jun 1900. 21

  • 818 C. W~tnei:

    I, anius senator, der noch yon v. Preen hier auf dem Schelfwerder und in den funfziger Jahren sogar in einem Garten der Stadt Schwerin briitend festgestellt wurde, schon seit Jahren in Mecklenburg nicht mehr bemerkt worden ist.

    Troglod~es parvulus Koch. Z a u n k t~ n i g. Er ist h~tufig an den mit Gebtisch bewachsenen Seeufern

    und den anschliessenden Erlenbrtichern. In diesem Jahre land ich eine grosse Anzahl fertigor Nester, yon denen die meisten nicht mit Eiern belegt waren. Es handelte sich wohl in den moisten F~llen um sogenannte Spielnester, die das M~tnnchen vielleicht nur aus Zeitvertreib oder um eine Behausung zum Schlafen zu haben, anfertigt. Sic waren, ebenso wie die mit Eiern belegten Nestor, aus frischem Moos gefertigt, hatten aber keine AusfQtterung und befanden sich teils in den Ritzen und L6chern yon hohlen B~umen, auf Erlenstiimpfen odor waren in die vertikalen Ranken am Hopfen und Geisblatt eingeflochten. In einem Neste befand sich ausser 4 Eiern des ZaunkSnigs ein Kukuksei mit br~tunlicher Marmorierung. Dasselbe hatte also nicht die mindeste ~.hnlichkeit mit den Nesteiern.

    Parus biarmicus L. Bartmeise. l~ach Zander nur am Conventer See bei Doberan beobachtet

    und erlegt, woher sich auch ausgestopfte Ex. im Museum zu Waren befinden. Bei meiner letzten Anwesenheit bei dem ge- nannten See konnte ich durch den Fischer daselbst feststellen, dass die Bartmeise auch jetzt noch dort vorkommt, sie hat sich dort fast alljtthrlich und mehrfach in den zum Trocknen im Rohr aufgestellten Fischreusen gefangen.

    ~rrhu~a euZgaris. Dompfaff. Der Dompfaff ist in Mecklenburg ein so seltener Brutvogel,

    dass mir Eiergelege yon ihm nicht bekannt sind; nach Zander sell er frfiher einmal bei Penzlin genistet haben. In diesem Jahre hat nach Dr. H~tse ein Paar dieses Vogels im Schtttzengarten zu Grabow seine Brut aufgebracht und ist auch ein ziemlich er- wachsenes Junge davon erlegt worden, welches nach der Unter- suchung yon Clodius zu der mitteleurop~tischen Unterart P. europae~ gehSrt. Als Durchzugsvogel ist er auch in diesem Herbst in den hiesigen Anlagen nicht selten gewesen, diese geh~ren wohl meist

  • Booba&tungon aus dot Orni~ Moeklonburgs im Jahro 1899. 819

    zu der nordischen Form P. ma~or. Da die in Pommern brlitenden VSgel sehon zu major geh~ren sollen, so mag wohl die Grenze der Brutgebiete beider Formen dureh Mecklenburg gehen. Dass die Untersuchung yon Unterarten besonders in Bezug auf dis {~rt- liche Verbreitung for die Wissenschaft hohen Wert hat, ist ja zweifel- los, im Interesse der V{~gel ist jedoch eine zu grosse Findigkeit in dieser Beziehung nicht zu wlinschen, denn ich m~ehte nur daran erinnern, welche Hekatomben yon kleinen Opfern die Aufstellung und Wiederausmerzung der Certhia brschydacty~ Chr. L. Br. erf0rdert hat.

    .Eozia cut, rostra L. F i chtenkreuzschnabeL Ein Ex. wurde im FrUhjahr in der Lewitz erlegt, sonst ist

    mir yon grSsseren Fliigen in diesem Jahre nichts bekannt ge- worden. Ebenso wie yon dem vorigen sind auch yon ibm Eier- gelege aus Mecklenburg nicht bekannt, obgleich nicht zu bezweifeln ist, dass er hier briitet, was ich auch durch Befragen yon Forst- beamten glaube nachweisen zu kgnnen. So sollen im Qualitzer Revier bei Biitzow Nester gefunden sein, ein anderer Beamter, der zugleich ein interessierter Vogelkenner ist, sagte mir, dass er vor Jahren beim F~llen einer Kiefer im Niendorfer Revier bei D~mitz und zwar im Winter, die genaue Zeit war ihm nicht mehr erinnerlich, ein Nest des Kreuzschnabels gefunden habe. Das Nest, welches nach dem F~lleu gefunden wurde, sass oben in der Kiefer und enthielt 4 Eier, welche beim Fall herausrollten und leider zerbrachen. Er beschrleb dieselben ganz richtig als weisslich an Farbe mit kleinen Punkten.

    FringiUa mo~ifr~ngiZ~a L. Bergf ink. Am 15. XII. 99 bei starker K~lte und Schnee traf ich ihn

    in mehreren Ex. in den von H~usern umschlossenen GRrten der Stadt.

    Gorv~ corr162 L. Rab e. Der Rabe ist in Mecklenburg schon ein so seltener Vogel

    geworden, dass jedes Vorkommen sorgf~ltig registriert werden muss. So wurde im Sommer ein Ex. bei Parchim erlegt. Bei Schwerin habe ich ihn seit Jahren nicht mehr beobachtet, sein letzter Horst soil sich nach Angabe des Forstbeamten vor 5 Jahren im sttdlich gelegenen Buchholze befunden haben.

    21.

  • 820 c. W~tnoi:

    ~z~ frugileg~ L. Saatkr~iha

    Die Saatkr~he ist nicht unbedingter Zugvogel, einzeln sieht man sie zwischen andern Kriihen hier den ganzen Winter hin- durch. Am 11. L 99 ging es bei der Colonic am Nordrande des Schweriner Sees recht lebhaft her.

    IVuoifraga cwfyoca~actos L. T a n n e n h ~ h e r. Hat in diesem Jahre auf seinem Herbstzuge auch Mecklen-

    burg besucht, etwa 10 Ex. die ieh untersuchen konnte, gehSrten alle zu der dlinnschn~bligen Unterart~ Ein Forstbeamter eines grossen Forstreviers im SUden yon Schwerin teilte mir mit, dass vor mehreren Jahren, als der Kieferspanner hKufig vorkam, ein Paar sich den ganzen Sommer dort aufnielt, ohne dass es ihm gelingen wollte, ein Nest zu finden oder die Jungen zu beobachten. In der Mitte der funfziger Jahre w~urde der Tannenh~her auch den ganzen Sommer hindureh in Mecfdenburg beobachtet, Dr. Riefkohl in Rostock erhielt im Juni des betreffenden Jahres einen noch nieht fltiggen Vogel dieser Art, der yon einem Holz- aufseher yon einer Kiefer heruntergeschossen war. (Naumannia 858).

    Alcedo ,L~ida L. E isvogel . In einer Mergelgrube des SchelfwerdergehAlzes, welche yon

    Buchenhochwald auf weite Strecken umgeben ist und die etwa 1 1/2 bis 2 km yon den Ufern des Schweriner Sees entfer~t liegt, der hier ttberall yon breiten Rohrwaldungen eingesiiumt ist, kam am 27. April ein Eisvogelpaar aus seiner Behausung herausge- flogen, wenigstens musste man annehmen, dass die betreflende RShre als Brutstittte benutzt wurde. Es ist mir unerfindlich, wie das Paar es unternehmen konnte, an dieser Stelle sich h~uslich einzurichten, da in der N~he auch kleinere GewKsser, die ihm Nahrung bieten konnten, nicht vorhanden waren. Leider habe ich es vers~umt, die SteUe wieder sp~ter zu besuehen. In einem Dorfgarten in der N~he der Stadt hat der Eisvogel in diesem Jahre Junge ausgebracht, auch briitet er mehrfach an geeigneten Ste]len der Seeufer. Der Eisvogel war wRhrend der strengen KKlte im Dezember ein h~ufiger Strichvogel im hiesigen Schlossgarten, auch wurden mehrere tot aufgefunden. Er scheint sich erfreu- licher Weise hier in den letzten Jahren vermehrt zu haben. Unverantwortlich scheint es mir, dass far ihn als den Edelstein

  • Boobachtungeu aus der Ornis Me9 im Jahro 1899. 821

    unserer heimischen V#gel veto Fischereiverein noch eine Fang- priimie ausgesetzt ist.

    Coraei~s g~rrula L. Mandelkr~.he. Die Mandelkr~he ist im westlichen Mecklenburg fast ver-

    schwunden. Der einzigste Belag ihres Vorkommens in letzter Zeit besteht in einem vor zwei Jahren an der Lewitz, 15 km sttdSstlich yon Schwerin erlegten Vogel. Im 8stlichen Mecklen- burg scheint sic sich i~nger zu halten, sie wurde in der Krakower Gegend in diesem Sommer erlegt, im vorigen Jahre beobachtete ich sic dort selbst.

    P/cus mar~/us L. Schwarzspecht . Merkwiirdiger Weise hat sich der Sehwarzspecht in den letzten

    Decennien vermehrt, v. Preen fiihrt ihn noch nicht als Brutvogel der Umgegend Schwerins auf, erw~ihnt ihn selbst nicht bei den DurchzugsvSgeln. Schon seit Jahren ist er jetzt regelmiissiger Brutvogel im Buchholze und hat deft auch in diesem Jahre Junge ausgebracht. In den Nadelholzwaldungen des stidlichen Mecklenburgs ist er stelleuweise ziemlich hitufig, und Erlegte kommen aus allen Teilen Mecklenburgs, auch aus hiesiger Um- gegend recht oft vor.

    P i~ m~ius L. Mi t t lerer Buntspeeht. Den Mittelspecht habe ich nur sparsam in den hiesigen

    Waldungen angetroffen, in diesem Sommer brtitete jedoch ein Pa'ar in einem Garten der Stadt.

    Aqui~z fuZva L. Ste inadler . Ein schSnes M~nnchen des Steinadlers wurde am 9. XI. 99

    in der N~he der Station Leverstorf an der Waren Malchiner Eisenbahn erlegt, nachdem er am Tage vorher in der st~dtischen Buchhorst bei Waren vergeblich verfolgt war. Man w~re ihm auch hier wohl nicht zum Schuss beigekommen, wenn er nicht bereits ein Fangeisen am Fusse trug. Er war, nachdem er die Kette gesprengt, aufgeb~umt und dann durch einen FIQgelsehuss herabgeholt worden. Man sieht hieraus, welchen Gefahren die grossen RaubvSgel ausgesetzt sind. Dieser Vogel, der hier vom Pr~parator Knuth ausgestopft wurde, und welcher mir vorgelegen hat, hatte 0,86 m L&nge, 2 m FIQgelbreite und 0,625 m Fliigel.

  • $flg O. Wlistnei:

    l~ngo. Die F~rbung dcs Hauptgofioders oinschliesslich dot Hosen war ein ziomlich glcichm~sigos Schwarzbraun odor ges~ttigtes Dunkolbraun, die Fedorn des Oborkopfos und dos Hinterhalses rostbriiunlich mit hellen Spitzen, die Fussbefiederung, die Unter- sehwanzdeckfedern und die Wurzelh~lfte des Schwanzes weiss, die Endh~ilfte braunschwarz. Auf der Innenseite der FKigel ist die Wurzelh~lfte de~ Handschwingen weiss, welche Farbe auf der Aussenseite bei ausgespannten Flfigeln etwas durchschoint. Das Auge war gelbbraun.

    Zwei Weibchen derv . Preen'schen Sammlung, die beide aus Mecklenburg stammen, und auch andere hier erlegte VSgel haben ~hnliche F~irbung, doch ist das Gefieder namentlich auf den Fltigeldeckfedern mit hellerem Braun gemischt, ein Ex. hatte eine weissliche Flfigelbinde, auch sind die Unterschwanzdeckfedern zum Teil rostrStlich tiberflogen. Aus Mecklenburg ist mir nur ein Ex. bekannt, welches ausgesprochener Massen auf dem Ge- fieder den goldbraunen Auflug des A. chrysa~tos tr~gt und zwar ein am 30. I. 56 im Jasnitzer Forst erlegtes Miinnchen der v. Preen'sehen Sammlung. Die Fusswurzeln sind bei diesem Ex. rostgelb befiedert mit dunkleren Schaftstrichen, die Hosen braun und etwas geb~ndert. Die mittleren Fliigeldeckfedern sind weisslich gefleckt, doch ist im Schwanz nur wenig Weiss bemerkbar.

    In letzter Zeit ist der Steinadler in Mecklenburg recht selten geworden, im letzten Jahrzehnt sind mir ausser dem oben erw~ihnten Ex. nur noch 2 F~Ile seines Vorkommens bekannt ge- worden, so wurde im Januar 1898 ein Ex. bei Penzlin und im Jahre 1891 ein Ex. in der Gegend yon Wittenburg erlegt. In den funfziger und sechziger Jahren brtiteto er noch vereinzelt sowohl in Mecklenburg-Schwerin wie auch im Strelitzschen, auch sind aus jener Zeit noch Eier in Sammlungen vorhanden mit den Mafsen 69:52; 67:55 ram. Diese sind nur wenig gefleekt und zwar am stumpfen Ende.

    Erw~hnen mSchte ich noch, dass auch aus anderen Gegenden Deutschlands zwei Steinadler in den ersten Monaten des Jahres zum Ausstopfen eingeliefert wurden und zwar 1 Ex. aus Ober- schlesien und 1 Ex. aus Stargard in Pommern.

    Serie

    Aquila na~ia Gin. K le iner Schre iad le r . Wie im vorigen, so wurde auch in diesem Jahre eine ganze des Schreiadlers zum Ausstopfen nach hier eingesandt,

  • Beobachtnngon aus der Ornis Mocklenburgs im Jahre 1899. 828

    auch sind Horste z.B. in der Lewitzwaldung, einige Meilen slid- lich yon Schweriu ausgehoben worden.

    Da neuerdiugs die Schreiadleffrage in den Vordergrund der Discussion getreten ist, und einer Vereinigung des kleinen Schreiadlers mit dem gr~sseren Schelladler das Wort geredct wird, so habe aueh ieh mir diese Frage beztiglieh der meeklen- burgischen ngevia, yon der ich im Laufe der Jahre eine grosse Anzahl vor Augen hatte, vorgelegt. Diese zu dcr westiichsten Form yon naevi~ geh~renden Adler haben alle einen fast konstan- ten Typus. Wean aueh GrSssenunterschiede vorkommen, so sind dieselben doch nicht sehr erheblich, St~rke und GrSssenverh~lt- nisse yon Schnabel und F~ngen sind immer ziemlich genau die- selben, auch die F~rbung des Gefieders ist beinahe konstant. Ein ziemlich lichtes KalTeebraun, das auf dem R~ckcn am dunkel- sten, auf den Flitgeldecken am hellsten ist, giebt (lie Haupt- f~irbung, auch die Kopfbefiederung ist racist etwas belier als (lie t~brigen Teila Der dunkelbraune R|icken hebt sich yon den ziemlich hell gefiirbten Oberfltigeln scharf ab und hieran ist dieser Vogel schon yon Weitem kenntlich. Der Schwanz ist stets, wenn auch oft nur mit sehwacher B~inderung versehen. Das Jugend- kleid hat ein etwas dunkleres, ziemlich gleichm~ssiges Braun, einen oft sehr bervortretenden rostrStlichen Nackenfleck und rostgelbe Tropfenflecke auf den Flttgeln, die reihenf~rmig sich ordnen. So sahen alle Schreiadler aus, und wenn ich aueh die GrSssen und plastischen Verh/iltnisse im Laufe der Jahre nicht immer untersueht habe, so hat doch niemals irgend ein Exem- plar in seiner /iusseren Erscheinung die Vorstellung einer Variation dieser Art bei mir aufkommen lassen. Ich glaube daher a.nnehmen zu kSnnen, dass bei der in Mecklenburg briitenden .4. naet'ia ~bergKnge zu .4. c~anga nicht vorkommen, womit ich jedoch nicht bewiesen haben will, dass derartige ~ber- g~nge in mehr siidlich und ~stlich gelegenen L~ndern ebenfalls nicht vorkommen. Als daher im Sommer des vorigen Jahres (1898) ein wahrscheinlich zusammengeh~riges Brutpaar yon A. d~nga im siidlichen Mecklenburg erlegt wurde, yon welchem die Beschreibung im Journal 1899 S. 125 geliefert wurde, da hatte man beim ersten Anblick dieser VSgel sofort das Gefithl, es hier mit einer anderen Art zu thun zu haben, denn unmSglich k~nnen diese beiden grossen starken V~gel mit dem grossen Schnabel, den hohen starken F~ngen und der ganz anderen

  • 024 C. Wiistnoi:

    schwarzbraunen Ilauptf~rbung des Gefieders und einer anderen Fleckenzeichnung mit dem so oft beobachteten mecklenburgischen Schreiadler als Art identisch sein. Dasselbe Geflihl hatte der Pr~iparator, welchem bislang eine sehr grosse Anzahl unseres Sch~reiadlers durch die H~inde gegangen war. Das M~nnchen dieses Paares war, obgleich es auf Flttgel und Unterk~rper noch weissliehe Tropfenflecke und Fltigelbindcn hatte, also noch ein verh~ltnism~ssig junges Exemplar sein musste, doch gr~sser und" kr~tiger gebaut als die grSssten hier erlegten alten Weibchen yon A. naet~.

    Ich wollte mit Vorstehendem nun nicht den Beweis der Art- selbstiindigkeit yon A. danga erbracht haben, sondern nur den Eindruck wiedergeben, den unbefangene Beobachter gewinnen, weun sie durch 8rtliche Verh~ltnisse beeinflusst, vielleicht nur die beiden Extreme vor Augen gehabt haben. Von Bedeutung scheint mir auch der Umstand zu sein, dass bei diesem in Nord- deutschland nur ausnahmsweise vorkommenden Vogel, der hier in Mecklenburg zum ersten Male sich zeigte, bald hintereinander zwei V~gel erlegt wurden und zwar M~nnchen und Weibchen, die man wohl sicher als ein zusammengehSriges Brutpaar an- sehen kann. Ein solcher Vogel, wahrscheinlich ein Irrgast aus dem siidlichen Russland, hiitte hier in Mecklenburg und auch schon auf seinem Wege durch das 6stliche Deutschland nach hier, sehr leicht einen Gatten aus dem Bestande der deutschen A. n~ia finden k~nnen, wenn er das Brutgesch~ift betreiben wollte. Dass trotzdem sich dem Vogel ein Gatte seiner eigenen Spezies oder wenn man will Subspezies zugesellt hatte, Hisst vermuten, dass er selbst den deutschen Schreiadler nicht fiir ebenbtirtig h~lt und eine Artgemeinschaft nicht mit ihm ein- gehen will.

    Halia~tos albiciZ~a L. S e e a d I e r.

    Der Seeadler hielt sich im Winter 98/99 in mehreren Exemplaren auf dem Schweriner See auf, und auch im Dezember 99 wurde eine Gesellschaft von 3 VSgeln auf dem siidlichen Teil gesehen. Ende Januar wurde ein M~.nnchen im Jugendkleid etwa 3 km yon der Stadt entfernt am Saume des Schelfwerder- geh~lzes, welches bis an das Seeufer herantritt, von einem Forst- beamten in dem Augenblicke erlegt, als er mit einem grossen Brachsen in den F~ngen aufb~umen wollte. Dasselbe war 0,86 m

  • BeobMhtungen aus der Ornis Mocklonburgs im Jahre 1899. 325

    lang, 2,08 m breit, Rllcken und Unterseite waren stark mit Weiss durchschossen. Auch in anderen Gegenden, z. B. iu der Rostockcr Heide, an der Seektiste an mehreren Stellen verschiedene Exem- plare, auf dem Damerower See im Dezember 99 ebenfalls ein junges M~nnchen, welches auf den Jagdhund stiess und hei dieser Gelegenheit in den Schusshereich des J~gers kam. In der Rostocker Heide, einem grossen an der Seekiiste belegenen Forste, hat er noch in den letzten Jahren rcgelm~ssig gebrittet. Vet einigen Jahrzehnten wurden auch noch Horste im lnnern des Landes, selbst im stidlichen Mecklenburg, in der Dobbertiner Heide, bei Rossow und Neubrandenburg gefunden. Mecklen- burgische Eier messen 75:59; 72:56; 70:55; 68:55 ram.

    .Pandion ha~ia~tos L. F i s c h a d 1 e r.

    Seitdem in der Lewitzniederung im Flussgebiete der Elde und StSr grosse kiinstliche Karpfenteiche angelegt worden sind, hat sich auch der Fischadler dort eingefunden und in den an- grenzenden Waldungen Horstpl~tze bezogen.

    Pernis api~orus L. Wespenbussard . Auch in diesem Jahre recht oft erlegt; desgleichen sind

    Horste ausgehoben, z. B. im Banziner GehSlz im sttdwestlichen Mecklenburg.

    l~uteo v uZgaris Bchst. Mi iusebussard. Dass der M~usebussard wiihrend des Winters in grosser

    Zahl hier bleibt, ergeben die vielen w~hrend des ganzen Winters erlegten Exemplare. Recht hiiufig ist die weissliche Abart t~. albidus dazwischen. Einige dieser weisslichen VSgel haben nur wenig Fleckenzeichnung, meist aber auf der Unterseite einen schwachen gelblichen Anflug. Die Krallen sind bei diesen heU gefKrbten Exemplaren oft weisslich.

    MiZvus ater Gin. Schwarzbrauner Milan. Nistet in den meisten grSsseren Waldungen der Umgegend

    Schwerins und ist in der hiesigen wasserreichen Gegend h~ufiger als der rote Milan. Der Horst steht sowohl auf Kiefern wie auf Buchen, meist in ziemlicher HShe. Er bevorzugt die durch Seen begrenzten Waldungen, horstet aber auch regelm~ssig im siidlich belegenen Buehholze, etwa 7 km vom n~chsten Gew~sser entfernt, aber auch hier lagen meist Fischgr~ten unter seinem

  • 826 C. W~tnci:

    llorstc. Mitte Juni erhielt ich ein M~nnchen aus einem Ge- hSlze im Westen Schwerins, dasselbe war 0,59 m lang, 1,40 m breit, bei 0,48 m Flttgelliinge. Das Auge perlweiss. Im Kropfe befanden sich die ~berbleibsel eines neugeborenen Hundes, wahrscheinlich war derselbe tot aus dem Wasser aufgefischt. Ein anderes Exemplar wurde in hiesiger Umgegend lebendig el'-" griffen. Die fast erwachsenen Jungen, yon denen in diesem Jahre ein Exemplar in einem GehSlz am Schweriner See erlegt wurde, haben in der F~rbung grosse .;~hnlichkeit mit dem jungen Schreiadlor, sind jedoch noch mehr gefleckt.

    FalcO perogrinus L. Wander fa lke . Am 7. Mai besuchte ich wieder den im Journal 99 er-

    w~hnten Horstplatz im Buchholze. Der Horst befand sich dies- real auf einem anderen Baume in der Gabel eines Seitenastes einer 150jiihrigen Kiefer, etwa 2 m vom Stature entfernt. Das Paar kreiste hoch fiber dem Horste, unter demselben lagen hauptsiichlich Drossel- und Kibitzfedern. Sptiter hat der Forst- beamte vier Junge abgeschossen. Far die Fltnge erMlt derselbe ebenso wie beim Hfihnerhabicht eine SchussprKmie yon 3 Mk. Dieses Paar horstet schon 15 Jahre regelm~ssig in demselben Bestande, obgleich ihm meist alle Jahre die Jungen abgeschossen werden.

    In diesem Jahre wurde aueh auf einer, anderen Stelle im Friedrichsthaler GehSlze westlich yon Schwerin ein Horst auf- gefunden, ein flfigges Junge, welches hier abgeschossen war, wurde mir am 12. Juni fiberbracht. Dieser Horst befand sich merkwfirdiger Weise auf einer Buche. In der Gegend yon Grabow, woes grSssere KiefernbestKnde giebt, horsteten mehrere Paare, ein Gelege wurde dort ausgehoben.

    Falco subbuteo L. Lerchenfa lke . Auch dieser Falke horstet in den beim Wanderfalken er-

    w~hnten Geh51zen, er scheint nicht allzu selten zu sein, da eine ganze Reihe erlegter V5gel, jung und alt, aus verschiedenen Teilen des Landes zum Ausstopfeu eingingen. Im Sommer wurde er auch in der Stadt Schwalben jagend beobachtet. Drei Eier, aus einem Horste am 27. V. 96 entnommen, messen 43:32,5 und 43: 32 mm,

  • Boobachtungen aus dor Orni8 Mee]denburgs im Jahre 1899. 827

    False ~innun~lus L. Turmfa lke . Nach v. Preen's Erfahrungen sollen nur einzelne Weibchen

    w~hrend des Winters hier zurtickbleiben. Dies trifft jedoch nicht immer zu, denn Ende Januar 99 wurde in der Gegend yon Wittenburg ein M~innchen erlegt, welches mir vorgelegen hat. In den Gebttschen und kleinen Kiefernbest~nden der Ostseektiste zwischen Boltenhagen und Lilbeck ist er besonders h~ufig.

    As~ur po~umbarius L. Ht ihnerhab icht . Trotz der hohen Schiesspr~mie yon 3 Mk., die ftir seine

    F~inge gezahlt werden, kommt er doch noch ttberall, wenn auch seltener als frtiher vor. In dem Buchholzer Forste befand sich in diesem Jahre ein Horst. Auch in dem nahe der Stadt be- legenen Schelfwerdergehi~lze machte ein Paar Anstalt zum Brttten, verliess aber sp~tter den Ort.

    Astur nisus L. S p e r b e r. Ich erhielt ein Ei des Sperbers yon intensiv griinblauer

    F~rbung ohne irgend welche Fleckenzeichnung. Die ttbrigen Eier des Geleges hatten die gewShnliche F~rbung.

    Circus dn~rac~ Mont. Wiesenweihe. Ist in Mecklenburg ~tusserst selten, Eier sind mir nur be-

    kannt in Sammlungen aus der Gegend yon Wismar und Gnoien. Es wird daher zu registrieren sein, dass sie in diesem Jahre auf den Lewitzwiesen briitend vorkam, auch wurde mir ein Exemplar im Jugendkleid vorgelegt, welches in der Gegend yon Gadebusch erlegt war.

    Circus ~janeus L. Kornweihe . W~hrend der strengen K~lte um Weihnachten 99 wurde

    ein schSnes M~nnchen in hiesiger Gegend erlegt und gelangte nach hier zum Ausstopfen, sie ist daher nicht unbedingter Sommervogel, wurde auch im Januar und Februar 8fter ge- schossen.

    t~ubo maximus Sibb. Uhu. Wahrscheinlich als letzter seines Stammes in Mecklenburg

    brtet der Uhu noch immer im Specker Forst bei Waren. Er hat seine Existenz dem Umstande zu verdanken, dass die Jungen

  • 828 C. Wflstnoi:

    bchufs Verwendung flir die Kr[ihenhtitte ftir cinch guten Preis zu verkaufen sind. Mecklenburgiscbe Eier messen 61:51; 61:48 mm.

    O~us bracltyotus L. Sumpfohreu le . Die Sumpfohreule, welche auf dem Herbst- und Frtthlings-

    zug, auch im Hochwinter, z. B. im Januar, nicht selten, mitunter sogar in Scharen erscheint, ist als Brutvogel in Mecklenburg iiusserst selten. In diesem Jahre haben nach den Beobachtungen yon Dr. Hitse ein oder zwei Paare auf dem Kolbower Moore boi Grabow ihre Jungen gross gebracht. Ill den Lewitzbrttchern mSchte sie auch jetzt noch brtiten, in frttheren Jahren haben Forstbeamte ihre Nester, welche in Seggenbaschen sich befanden und 4 Eier enthielten, i}fter gefunden und mir auch Eier vor- gezeigt. Diese Eier massen 89:33 ram. Auch im 5stlichen Mecklenburg sind einzelne Gelege gefunden worden mit den Eiermassen 40:31; 36:30 mm. Dagegen massen yon mir ge- sammelte Eier der Waldohreule, yon denen ich einmal 7 Stiick in einem Neste fand, 42:32; 41:33; 40:38 mm. Die Eier haben bei beiden Arten etwas Glanz.

    ,.r flammea L. Sch le iereu le . Eine in den ersten Tagen des Dezembers erlegte Schleier-

    eule hatte noch eine stark mit Dunen durchsetzte Fussbefiederung, so dass man einen noch jungen Vogel vor sich haben musste. Es ist dies wiederum ein Beweis, dass bei dieser Eule oft sehr spKte Bruten vorkommen. Die Eier haben sowohl eine lttng- lich ovale wie auch rundliche Form und messen 43:31; 40:30; 39:29; 38:81 ram. Die Eier sind besonders dadurch leicht unterscheidbar yon anderen Euleneiern, dass sie vollkommen glanzlos sind und eine etwas rauhe Schale haben.

    2'e~rao te~/~ L. B i rkhuhn. Gelegentlich einer Fasanenjagd im Januar 99 in der Stern-

    berger Gegend im mittleren Mecklenburg wurde ein Miinnchen und Weibchen veto Birkhuhn mit erlegt. Die Hauptreviere des- selben liegen im sildlichen Mecklenburg.

    Eyrrhaptes ~arado~'us Pall. S t e p p e n h u h n. Nach einer Zeitungsnachricht ist in diesem Friihjahr das

    Steppenhuhn bei Waren erlegt worden. Genaueres darttber ist mir nicht bekannt geworden.

  • Beobachtungon aus der Ornis Mecklenbnrgs im Jah~ 1899. 329

    ~Bo~aurus s~eaaris L. Grosse Rohrdommel.

    Die Rohdommel scheint sich in neuerer Zeit wieder zu vermehren, auf dem Neumtihler See westlieh yon Schwerin hatte sich in diesem Jahre ein Paar neu angefunden~ auch auf dem Schweriner See hSrte ich ihren Ruf an mehreren Stellen. Die anderen meeklenburgisehen Seen, die ich in den beiden letzten Jahren besuehte, hatten sic Oberall aufzuweisen. Erlegte gingen aus den verschiedensten Teilen Mecklenburgs ein, auch in allen Wintermonaten, sodass recht viele hier zu iiberwintern scheinen.

    Uic~ia alba Bchst. Weisser Storch.

    Das Storchpaar in hiesiger Stadt stellte sich in diesem Jahre erst am 11. April ein, wiihrend am 8. IV. durchziehende St~rche gesehen wurden. Im Dorfe Kleinen am Nordrande des Schweriner Sees war dem Storchpaar, welches seit Jahren auf einer strohgedeckten Scheune nistete, sein Helm wKhrend des Winters durch Abbrennen der Scheune zerst6rt worden. Auf der benachbarten, in demselben Geh6ft befindlichen Scheune, welche jedoch mit einem flachen, geteerten Pappdach versehen war, wurde dem Storchpaar wiederum ein Nistplatz dutch Her- richtung eines runden, mit Korbgeflecht versehenen Unterbaues dargeboten. Dieser Nistplatz wurde jedoch nicht angenommen, denn am 19. IV. fand ich das Storchpaar mit dem Baue eines neuen Nestes auf einer anderen, etwas abseits gelegenen Stroh- dachscheune beschRftigt. Man sieht hieraus die Vorliebe des Storches flir die Strohdiicher. Im Dorfe Redefin im sildwestlichen Mecklenburg wurden in diesem Sommer 25 besetzte Storch- nester gez~hlt.

    Cir~nia nigra L. Schwarzer Sto rch.

    Dass der schwarze Storch soviel seltener geworden ist, bat darin seinen Grund, dass hier aus vielen Horsten die Jungen ausgehoben und an die zoologischen G~rten fiir einen guten Preis verkauft werden. MSchte auch hierin einmal Wandel ge- schafft und einer jetzt schon selten gewordenen Vogelart das Schicksal erspart werden, ganz aus dem Freileben in die Gefangenschaft ~ibergefiihrt zu werden.

  • 880 C. Wlistnei:

    Fu~ic(~

  • Beobacht~ngen au8 der Ornis Me9 im Jahre 1899. 381

    neuerdings diescr Vogel, wie diesj~hrige Beobachtungen ergaben, sich hier sesshaft gemacht zu haben und kann als ein neuer Brutvogel fiir Mecklenburg aufgefiihrt werden. Anfang Mai er- hielt ich ein Ex., welches am westlichen Ufer des Schweriner Sees etwa 5 km nSrdlich yon der Stadt von einem Forstbeamten erlegt wurde und sich in einer Gesellschaft yon 6 Stiick befand. Die Jahreszeit sowie der Umstand, dass an dieser Stelle Wiesen und Moore sich anschliessen, auf welchen Kibitze, Rotschenkel und Beccassinen zahlreich brttten, veranlasste reich, diese Moore zu durchstreifen, ob sich der Vogel hier vieUeicht Brutpl~tze ge- sucht haben mochte. Ich konnte hier nun zwar etwas Sicheres nicht ermitteln, aber etwas sp~ter, Ende Mai, hatte Clodius das Gliick, auf eider anderen Stelle, n~mlich auf den Lewitzwiesen, einige Meilen slidlich yon Schwerin, wo 1qumenius ar~uat~ zahl- reich brtttet, auf einer Tageswanderung etwa 6 Paare zu be- obachten, welche dort ihrem Brutgeschiift oblagen. Wenn auch die Nester nicht gefunden wurden, so liess doch das Benehmen der VSgel und ihr erbarmungswtlrdiges Geschrei unzweifelhaft erkennen, dass sie Nester und vielleicht schon gar Junge haben mussten. Sp~ter sah Clodius noch einen solchen Vogel jenseits der Grenze im HannSverschen. Die Art diirfte daher aus der Provinz Hannover, wo sie stellenweise nicht selten brtttet, ein- gewandert sein, m~chte sie es ebenso machen wie 1Vum~ius und sich hier weiter ausbreiten. Soviel mir bekannt, sind nur in Hannover, Oldenburg und Schlesien Brutsttitten dieser Limosa, nunmehr geh~rt auch Mecklenburg zu ihren Brutltindern.

    Tots,us gtareola L. Bruehwasser l i iufer . Am 25. Juni beobachtete ich eine kleine Gesellschaft auf

    den Lewitzwiesen und vermute, dass er dort Brutvogel ist.

    Machetes pugnax, L. K a m p fh a h n. Man freut sich, wenn man diesen immer seltener werdenden

    Vogel hier und da einmal wieder antrifft. Mitte Mai sah ich mehrfach grSssere Fliige auf Poel, die aber wohl noch auf dem Zuge waren, merkwiirdiger Weise aber eine Richtung yon Ost nach West inne hielten. Auf Poel briiten auf einer SteUe etwa 15 Paare, auf den Lewitzwiesen brittet er noch immer ziemlich hiiufig, und im Juni fand icb ihn als Brutvogel auf den Wiesen des Fischlandes am Ribnitzer Binnensee.

  • 552 C. W~tnei:

    ~ringa ca~u~ L. I s l~nd ischer Strandl~ufer . Schon in den crsten Tagen des August war dieser Vogel

    an der Ostseektiste ziemlich h~.ufig auf dem Herbstzuge und zwar meist im Hochzeitskleide. Zwischen den Aipenstrandlliufern macht er sich durch die doppelte GrSsse und den rostroten UnterkSrper sofort bemerklich, und gew~hren diese VSgel daun tiberhaupt einen pr~chtigen Anblick. Auch auf Poel traf ich am 6. Juni einige Exemplare ebenfalls im Hochzeitskleide, die jedenfalls noch auf dem Fr~hjahrszuge waren. Man ersieht hieraus, dass nur eiue kurze Zeit yon kaum zwei Monaten zwischen der Beendigung des Friihjahrszuges und dem Beginn des Herbstzuges liegt. Da sich diese Zeit durch die Hin- und Rltckreise yon hier nach ihren Brutpliitzen in den Nordpolar- l~ndern noch wesentlich verkilrzt, so ist schwer eine Erkliirung dafiir zu finden, wie es m~glich ist, dass diese und auch andere nordische V0gel in so kurzer Zeit ihre Brut grossziehen kSnnen.

    ~Tringa alpinc~ L. A lpenstrandl~ufer . Am 13. Maid. J. land ich ein htibsches wohlgerundetes

    Nest aus trockenem Seegras erbaut, mit 4 wenig bebrtiteten Eiern unter einer Artemisiapflanze auf dem langen Werder bei Poel. Er war dort als Brutvogel nicht selten in diesem Frtihjahr, auch auf dem sogenannten Fischland am Ribnitzer Binnensee traf ich ihn Anfang Juni als h~ufigen Brutvogel an. Clodius beobachtete ihn Ende Mai tief landeinwitrts auf den Lewitz- wiesen, wo er wohl Brutvogel sein musste, und am Goldberger See, in der Mitte des Landes wurden Anfang September mehrere Exemplare im Jugendkleide erlegt.

    In der ersten H~lfte des August d. J. befand ich mich in dem einige Meilen westlich yon der Wismar'schen Bucht be- legenen Seebade Boltenhagen und hatte hier Gelegenheit, den beginnenden Zug der StrandvSgel und besonders auch den des Alpenstrandl~ufers zu beobachten. Etwas 5stlich yon diesem Ort liegt der Insel Poel gegenliber eine halbkreisfSrmige Ein- buchtung, das Wohlenberger Wiek. An der Westecke dieses Wieks, dem sogenaunten Tarnewitzer Ort, befinden sich welt in die See hineintretende Sandb~nke, welche bei stidlichen Winden frei yon Wasser werden und zu solchen Zeiten oft ein buntes Gewimmel yon Strand- und Seev~geln beherbergen, welche hier ~hnlich wie auf den schleswigschen Watten stets ihren Tisch

  • Boobaehtungen aus der Omis Moeklonburgs im Jahro 1899. 888

    gcdeckt finden. Das griisste Kontingent zu diesen Versammlungen stellt Anfangs August dot Alpenstrandl~ufer, aber auch kleinere GeseUschaften yon Trbzga canu~us und sub~r~uata, Tota~z~ ca|idris, Char~drius hi~ic~l~, Squat~rola hdvetica einzelne Hacmatop~ ostrab~gus und 8trepsilas ~n~erpres, Scharen yon _Numcniv~s ar~uat~, Limos~ ruff, .rinser o inks , Anas bosohas, auch die grossen M6ven Larus marinus und ~zrgenta~us, oanus, ferner Egcrna macr,~ra und minuta sind da, und halten sich in etwas gr6sserer Entfernung in der See wie das Strandgefltigel auf. Alle diese VOgel, yon denen viele schon zu so frtiher Zeit aus dem hohen Norden heruntergekommen sind, bilden ein buntes Durcheinander, dessen Beobaehtung aus ziemlieher N~he und dann noch mit einem Fernrohr fur jeden Ornithologen ein anziehendes Bild liefert. Tringa minuta, die sieh spitter den Alpenstrandl~tufern zugesellt, war bis zum 14. August noch nicht dabei. Die Beobachtung der Strandv0gel um diese Zeit hat den Vorzug, dass dieselben dann noch das ansehnliche Sommerkleid tragen und sofort sieher erkannt werden k6nnen, auch ohne Erlegte in H~nden zu haben, wS.hrend sp~tter, wenn diese V6gel im Jugend- und Winterkleid erscheinen, beim Voritberfliegen alles in einem schwer bestimmbaren Grau erscheint. Die Scharen der Alpenstrandl~ufer halten sich bei niedrigem Wasserstande auf den oben beschriebenen Sandb~.nken eine Weile auf, um dann westwS.rts weiter zu ziehen. Diesen Weiterzug, der nahe der Kttste vor sich geht, konnte man in dem westlich gelegenen Badeort gut beobachten. Derselbe erfolgte nicht gleichm~sig die ganze Zeit hindurch, sondern nur an gewissen Tagen in einzelnen dichtgescharten Trupps yon 80 bis 40 StOck, etwa alle 5 Minuten folgte ein solcher Trupp dem anderen, und habe ich an einzelnen Tagen wohl 20 bis 30 soleher Trupps in den entspreehenden Abst~nden sich folgen sehen. An diesen yon der Sonne beschienenen VSgeln konnte man deutlich an dem schwarzen Unterk6rper sehen, dass um diese Zeit (Anfang August) nur alte V6gei ziehen. Leider konnte ich ihre Wanderung nicht weiter verfolgen, denn yon hier gelangen dieselben sehr bald in die Lttbecker Bucht, undes w~.re interessant zu untersuchen, ob sie nunmehr den kttrzeren Weg quer durch Holstein w~hlen, um dann an der Nordseekttste weiter zu wandern, oder ob sie nach Norden sich wenden, ihre Kttstenwanderung fortsetzen und die ganze schleswig-jtttische Halbinsel umfliegen. Ich glaube,

    Joum. f, Ox.n. XhVXIX. JaJaxg. Juli 1900. 22

  • b~4 c. w~tnoi:

    dass sic das letztere .thun und mit den erforderlichen Stationen die weite Ktistenreise machen, um dann auf der Westkliste Schleswigs in den Watten liingeren Aufenthalt zu nehmen, bis unfreundliches Wetter sie zum Weiterzuge nach Siiden zwingt.

    Tringa subarqua~ Gliid. Bogenschn~bl . S t rand l~ufer . Am Tarnewitzer Ort ebenfalls beobachtet, so z. B. am 10.

    August mehrere im Hochzeitskleide, welche sich mit ihrer roten Brust pritchtig gegen die Alpenstrandl~ufer abhoben.

    GaZZinago gallinula L. Kleine Beccass ine. Auch yon der kleinen Sumpfschnepfe sind Anzeichen vor-

    handen, dass dieselbe nunmehr zu den mecklenburgischen Brut- vSgeln gerechnet werden muss. Es sind zwar schon einige Male Exemplare im Mai erlegt worden, und einmal am 30. IV. 59 schoss v. Preen ein Weibchen mit einem grossen, jedoch schalen- losen El. In diesem Jahre erhielt ich am 26. IV. aus der Gegend yon Wismar zwischen anderen Eiern yon Kiebitzen, Rot -~ schenkeln und gemeinen Beccassinen zwei zu einem Gelege ge- hSrige Beccassineneier, welche nach ihrer GrSsse 38: 27; 36: 27ram unbedingt zu der kleineren Art gerechnet werden mttssen. AuS Lappland bezogene Eier yon gaUinu~a haben dieselben Mal"se, auch sind mir niemals so kleine Eier vonder gemeinen Beccassine vorgekommen. Da dieser Vogel in anderen LKndern Nord- deutschlands vereinzelt briitend gefunden ist, so hat sein Briiten in Mecl~lenburg ja nichts Auff~lliges an sich.

    l{ecurrirOstra avoc~tta L. S ~ b e I s c h n ~ b I e r. In diesem Frtihjahre hielten sich zwei Exemplare ltingere

    Zeit auf Poel auf, waren aber zu der Brutzeit wieder ver- schwunden.

    G~'us eincrea Bechst. Kranich. Bei einer ornithologischen Exkursion im Ma id . J. nach

    dem sfidSstlichen Mecklenburg konnte ich noch zwei weitere Brutplittze des Kranichs ermitteln und zwar auf den inselartigen Mooren im siidlichen Tell des grossen Mtiritzsees, und an dem mit unzug~nglichen Siimpfen versehenen MSnchssee, zwei Meilen siidwestlich yon der kleinen Stadt RSbel, an jeder dieser Stellen braten mehrere Paare. Auf einer anderen Exkursion in

  • Boobachtungon aus dot Ornis~Iecklonburgs im Jahre 1899. 885 ~

    der Zeit veto 8. bis I1. Juni nach dem zwischen dcr Ostscc und dem Ribnitzer Binnensee belcgenen Fischlandc be im Dorfc Wustrow fand ich bier auf den weiten Wiesen und Weidefl~chcn zu meiner ~berraschung an verschiedenen Stellen grfisscre Scharcn yon Kranichgn, so dass man wohl gleichzeitig 80 bis 100 dieser grossen V6gel tibersehen konnte. Nach Aussage der Hirten sollen sich diese Kraniche den ganzen Sommer dort aufhalten. An verschiedenen Stellen sah man gleichzeitig Herden yon 13 bis 25 Stfick, die ab- und zuflogen, interessant war es auch zu beobachtcn, wie diese Kraniche unter sich K~mpfe unter lautem ,,krtikrtih" Geschrei aufflihrten, yon denen man nicht sagen konnte, ob Ernst oder $cherz die Triebfeder bildete. Ob und in welchcr Beziehung diese Herden zu den in der Rostocker Heide und auf dem Dars briitenden Kranichen stehen, ist schwer zu entscheiden, vielleicht waren es j|lngere, noch nicht brutflthige u aber immerhin steht ihre Zahl zu den Brutpaaren in der Nachbarschaft in keinem rechten Verh~ltnis. Auch Clodius sah im Maid . J. auf den Lewitzwiesen bei Neustadt einmal eine Herde yon 27 Sttick versammelt, die wohl in einer ~hnlichcn Beziehung zu den in den LewitzbrQchern nistenden Kranichcn stehen mtissen. Die erw~hnten weiten Wiesenfl~chen auf Fisch- land, die keine Deckung bieten, we eine Annltherung bis auf Schussweite so leicht nicht erreichbar ist, scheinen auch fr anderes grosses Geflfigel eine gleiche Anziehung zu bieten, denn auch Scharen yen Graugiinsen, viele Reiher und StSrche, auch grosse M~ven halten sich den ganzen Sommer dort auf, so dass man in der Ferne immer eine Menge grossen Gefliigels gleichzeitig versammelt sieht.

    Der Kranichzug ring in diesem Herbst recht frilh an, so sah ich schon am 6. Oktober mehrere Zlige.

    Ot~ tarda L. Grosse Trappe. Yon meinem alten $trandj~ger auf Peel, der seine Strand,

    und Seev~ge! sehr genau kennt, erhielt ich am Schluss des Jahres ein grosses etwa 20 Pfund schweres Packet~ auf der Begleit- adresse stand die Bemerkung: ,,Einen Vogel wie den beifolgen- den habe ich bisher noch nicht geschossen und weiss ich auch nicht seinen Namen". Diese Bemerkung und das riesige Packet spannten racine Neugierde aufs hSchste, und ich wagte schon meinen Gedankenflug auf einen nach unserem kalten Norden ver-

    22*

  • 836 C. Wtistnoi:

    irrten Pelikan, oder gar auf einen n0u erstandenen ~41~ impcnnis zu richten, war aber nicht wenig erstaunt, anstatt eines Schwimm- vogels, eine mitnnliche Grosstrappe in dem Packet vorzufinden. Bedeutete diese Sendung nun gerade keine grosse Errungenschaft flir die mecklenburgische Fauna, so war mir das Vorkommen auf Poel doch recht interessant, da die Grosstrappe wohl im slid- lichen und mittleren Mecklenburg vorkommt, aber als Stand- vogel keine grSssere Reisen unternimmt, am wenigsten wohl im Winter nach Norden zu. l)er 16 Pfund schwere Vogel wurde merkwiirdiger Weise auf oftener See yon Nordwesten, also yon Holstein kommend vom Eise der Ostsee aus erlegt. Auch in anderen Teilen des n0rdlichen Mecklenburgs wurden w~thrend der Schneeperiode mehdaeh Trappen erlegt. Ein Exemplar sah ich fiber don Schweriner See fliegen.

    /3tre~sila~ interprea L. S t e i n w ~ I z e r.

    Auch in diesem Jahre bemerkte ich den Steinw~lzer mehr- fach auf Poel und den gegentiberliegenden Ktisten, auch wurde mir ein dort erlegtes Exemplar im Jugendkleid vorgezeigt, sodass er sicher dort gebriitet haben musste. Anfang August sah ich vier zusammengeh0rige Exemplare alle im Jugendkleide, die stets zusammen hielten, also wohl zweifellos ein Gehecke ausmachten.

    P'~nd~us crY.status L. K i e b i t z.

    Trotz des strengen Nachwinters Ende Mt~rz 99, durch den eine grosse Zahl Kiebitze einging, sehr viele wurden tot auf den Wiesen gefunden, waren Kiebitzbruten zahlreicher vorhanden, wie in den Vorjahren, ich fand eine grosse Anzahl Nester auf Poel, dem langen Werder und Fischland, in einem Neste sogar ein Gelege yon 5 Stilck, was mir bisher noch nie vorgekommen war. Die Nester auf den Seestrandswiesen waren mit trockenem See- grase ausgelegt. Ebenso waren die auf derselben Wiese befind- lichen Nester yon Tot~nus ca~idris, yon denen ich 4 Stack fand, gebaut, waren aber stets unter einem Grasbilschel versteckt.

    Charadrius pluvialis L. Go ldregenpfe i fe r . Der Goldregenpfeifer, der in friiheren Jahren einige Male

    im siidlichen Mecklenburg briitend gefunden wurde, hat als Brut- vogel in Decennien nichts yon sich vernehmen lassen. Es giebt iibrigens Gebiete, z. B. die Mosterniederung siid~stlich yon

  • Boobachtungen au der Omis Meeklonburgs im Jahro 1899. 837

    Parchim, wo v. Preen ihn friiber mit Jungen antraf, die lange nicht ornithologisch durchforscht women sind, so dass er vielleicht in manchen Gegenden regelmiissiger Brutvogel geblieben ist, hierfiir spricht ein in diesem Jahre am 16. Juli im mittleren Mecklenburg erlegter Vogel im Jugendkleid, der mir vorgelegt wurde, und der dort unzweifelhaft ausgebriitet sein musste.

    Uharadrius hic~ieu~ L. Sandregenpfe i fer . Bisher hatte ich seine Nester nur auf dem Kiesdamm des

    Ufers der Ostseekiiste gefunden, oder vielmehr lagen die Eier ohne aUe Unterlage auf dem blossen Sand oder Kies, oft zwisehen kleinen Steinchen. Abweichend yon dieser seiner gewohnten Nistweise fand ich am 14. Maid. J. weit ab vom Wasser, auf den kurzgrasigen Wiesen der Insel Poe1, vier Nester. Diese Nester bestanden aus kleinen Vertiefungen, welche mit trockenem See- gras ausgelegt waren und enthielten trotz der frtthen Jahreszeit schon 2 bis 4 Eier. Sic waren in verkleinertem Mafsstabe genau ebenso gebaut, wie die auf derselben Wiese befindlichen zahl- reichen Kiebitznester.

    Charadrius minor M. et. W. F luss regenpfe i fe r . Hatte sich auch in diesem Jahre wiederum am Seestrande

    angefunden, um deft zu brliten.

    .4riser oinereus M. G r a u g a n s.

    Wenn man den grSsseren VSgeln, die nach und nach in den bewohnteren Gegenden immer seltener werden und stellen- weise ganz verschwunden sind, in ihren noch ttbrig bleibenden Verstecken nachgeht, so findet man, dass es doch noch manche Orte giebt, wo dieselben gute Lebensbedingungen finden und sogar noch recht h~.ufig vorkommen, sodass ein g~nzliches Ver- schwinden sobald nicht zu erwarten ist, ja es liegen Griinde vor, anzunehmen, dass an gewissen Orten derartige V6gel sich ver- mehrt haben, weil die aus den lebhafteren Gegenden vertriebenen V6gel sich an solchen Orten mit ansiedeln und die Best~nde vermehren, an anderen SteUen scheint ferner nur eine Uber- siedelung von einem Orte zum anderen stattgefunden zu haben. Diese Betrachtungen gelten auch fiir die Graugans, die ich auf meinen diesjKhrigen Ausfliigen stellenweise recht h~ufig antraf. Unter Zuziehung der betreffenden J~ger und Fischer konnte ich

  • 338 C. ~ Wlistnoi:

    feststellen, dass auf dem siidlichen Teil des Mfiritzsees wohl an 100 Paare, auf dem MSnchssee etwa 50 Paare brtlteten. Auch auf dem Schweriner See mit der benachbarten D~pe wurde der Bestand in diesem Jahre auf mindestens 50 Paare geschKtzt, und so giebt' es in Mecklenburg doch noch eine ganze Reihe yon anderen Seen, wo sic in grSsserer oder geringercr Anzahl noch ein ziemlich ungestSrtes Dasein ffihrt. Auf den Wiesen des Fischlandes hielten sich Scharen nichtbrfitender G~nse den ganzen 8ommer hindurch auf, und die Anzahl der auf die Ost- see gehenden G~nse, die auf hoher See die Mauser durchmachen, ist eine nicht geringe, ich sah gr~ssere Gesellschaften derselben z. B. bei Poel, bei 13oltenhagen, und der Strand beim Kirchdorf .Wustrow war mit den angett~ebenen abgemauserten Federn der GraugSnse wie besiiet. Eine am 24. X. yon Poel erhaltene und in der Kfiche verbrauchte Gans wog 3,30 kg bei 75 cm L~inge und 132 cm Fltigelbreite. Eine im vorigen Jahr erhaltene 4,20 kg bei 86 cm Liinge und 152 cm Breite.

    ~tnser segdum Gin. Saatgans. Saatg~nse zogen mehrfach in den l~ionaten November,

    Dezember und auch noch im Januar in grSsseren Trupps tiber die hiesige Gegend in sildlicher Richtung. An geeigneten Stellen im sfidwestlichen Mecklenburg haiten sich grSssere Scharen oft den ganzen Winter durch auf. Zwei Exemplare, die kurz vor Weihnachten einige Meilen yon hier erlegt wurden, und die ich in H~nden hatte, gehSrten nach der Schnabelzeichnung zu der Form arvensis, es waren VSgel im Jugendkleid. Das Gelb des Schnabels zog sich fiber das Nasenloch bis an den Mundwinkel. Die frfiher dutch v. Preen und yon Mllller untersuchten und zu verschiedenen Zeiten und in verschiedenen Teilen Mecklenburgs erlegten SaatgKnse gehSrten ebenfalls zu der Form arwns/s, so dass die eigentliche Saatgans recht selten zu sein scheint. Zander wirft beide Formen zusammen und itussert sich nicht fiber das spezielle Vorkommen beider Formen.

    Hier mSge mir "ein kleiner Exkurs auf alas Gebiet der Volkssage, welche ja auch das Verh~ltnis yon Mensch zum Tier vielfach beriihrt, gestattet sein. Als ich reich an einem dunklen Novemberabend mit einem Begleiter in einem EichengehSlz der hiesigen Umgegend befand, vernahmen wir plStzlich aus hoher

  • Beobachtungcn a~ der Ornis Meck|onburgs im Jahre 1899. 339

    Luft ein unendliches Stimmengewirr, verbunden mit einem IL*tuschen und gleichzeitig ertSnten in dem Forste die jauchzenden Rule des Waldkauzes. Wenn mir nun auch sofort klar wurde, dass es sich hier um grosse Ztige yon Saatg~nscn handelte, die tiber den Wald hin ihre Strasse zogen, so war mein Begleiter doch nicht so- gleieh fiber den Ursprung dieses Vorganges aufgekl~rt. Dies erinnerte reich an eine Erki~rung der Sage yon der wilden Jagd, die yon dem mecklenburgischen Gutsbesitzer Pogge auf Zierzow im ,Freimtithigen Abendblatt" im Jahre 1832 ver0tfcntlicht wurdc. Dieser hatte als Knabe yon den Leuten seines Vaters oft geh~rt, dass die wilde Jagd, oder wie sie auf Plattdeutsch genannt wurde ,,de Waur" (Wodan), im Spiitherbst auf ihrem Zuge in der Luft zu- weilen eine Ecke des Roggower Feldes in der Gtistrower Gegend bertihre; viele yon den alten Tagel~hnern hatten sie des Abends split beim Binden des Korns gehSrt und erz~hlten den jtingeren schauerliche Gesehiehten davon. Die Erkliirung, dass der Uhu der Urheber sei, fand bei den Leuten keinen Glauben. Einige Jahre sp~ter hatte er Gelegenheit das Jagen der Waur selbst mit anzuhSren. A|s wieder einmal Abends split Gerste und Hafer gebunden werden sollte, wurde schon auf dem Hinweg e viel yon der wilden Jagd gesprochen, und die Frauen und M~d- chen ~ngstigten sich nicht wenig. Es waren bereits mehrere Ziige aufgebunden und nichts geh~rt, als es mit einem Male hiess: ,,Dor ktimmt de Waurl" Wie im Nu warren alle Binderinnen ihre Harken weg und verbargen sich in den Hocken, nur einige ~ltere Arbeiter blieben stehen. Das GerKusch war noch sehr entfernt und hSrte sieh ungef~hr so an, als wenn in dem ziemlieh entlegenen Walde viele Jagdhunde laut jagten, - - ailmiihlich kam aber die Erscheinung immer n~her und deutlieh hSrte man ein lautes, dumpf und schauerlich klingendes Jagen und Sausen in der Luft, iihnlich dem lauten Jagen yon 'vielen Jagdhunden mit verschiedenen feinen und groben Stimmen. So ging der Zug in einiger Entfernung vortiber, sehen konnte man jedoch nichts. Der Zug ging yon Osten nach Westen und die Leute sagten, es sei der Teufel aus dem Morgenlande mit seiner ganzen Jagd gewesen. Der Referent gab den Leuten gegentiber zu, dass der Uhu nicht der Urheber gewesen sein konnte~ wusste aber flit diesmal selbst keine Erkl~rung dafiir. Erst einige Jahre sp~ter, als er wiederum genau dasselbe Ger~usch hSrte und bald darauf einen Zug yon 50 bis 60 Wildg~nsen dutch die

  • 840 O. Wlistnei:

    Luft steueru sah, hatte cr die lango gcwtinschte Erkl~rung ftir diesen bisher so r~tselhaften Vorgang gefunden.

    .dnscr le~opsis Bchst. We isswangengans . Am 6. April d. J. erhiolt ich yon Peel drei G&nse dieser

    Art, welche aus einer Schar yon 17 Sttick auf dem nahe ge- legenen Werder herausgeschossen waren. Diese Gans, welche die Westkfiste yon Schleswig hiiufig besucht, kommt iiusserst selten an die mecklenburgische Kttste. Der betreffende Schfitze, welcher seit vielen Jahren als guten Nebenerwerb Grau-, Saat- und Ringelg~tnse jagt, auch er war es, der vor vielen Jahren die einzige in Mecklenburg erlegte A. rufico~lis schoss, hatte bisher niemals die Weisswangengans dort gesehen oder zu Schuss be- kommen. Die Exemplare waren 0,66 m iang, 1,30 m breit und wogen 1,75 bis 1,90 kg.

    (~gnus olor Gin. HSckerschwan. Bei einer Exkursion nach einem bisher kaum yon Ornitho-

    logen besuchten Gebiete des sttdSstlichen Mecklenburg konnte ich zwei neue Brutpl~tze des wilden HSckerschwans feststellen. In der &ussersten Stidspitze des Mttritzsees bei den D~rfern Vipperow und Vietzen, we es halbinselfSrmige Moore und unzu- giingliche Rohrpartien giebt, brtttet er in mehreren Paaren, ebenso auf dem westlich gelegenen M~nchssee. Im Friihjahre sind auch hier grSssere Gesellschaften versammelt, die sich wego begeben oder nicht mehr geduldet werden, wenn das Brutgesch&ft beginnt. Am 25. Maid. J. waren hier schon Paare mit Jungen gesehen worden. Von dem Fischer daselbst wurde mir erz&hlt, dass im vorigen Jahre der Hund eines Hofbesitzers yon einem Schwan get~tet worden sei. Dieser Hund kam in die N&he eines Junge ftthrenden Schwanenpaares, es mag auch sein, dass er auf die Jungen vielleicht nur spielender Weise Jagd machte, dann aber sofort yon dem mitnnlichen Schwan angenommen und dul'ch wuchtige Fliigel-und Schnabelhiebe get~tet wurde, worauf der Besitzer des Hundes sich eine Flinte holte und das Ver- geltungsrecht ttbend, wiederum den Schwan erlegte.

    Auf dem Schweriner See hielten sich den ganzen Winter hindurch eine Anzahl Wildschw&ne auf, noch am 6. Mai sah ich einen Flug yon 3 Stiick und einige Tage sp~ter ebenfalls 3 Stiick, wohl dieselben V~gei, auf einem benachbarten See. Es

  • Beobaehtungen aus der Ornis Mecklenburgs im 3ahre 1899. 841

    waren Exemplare ira Jugendkleid, doch scbon fast weiss, abet wohl noch nicht brut~hig. ~berhaupt ist mir yon einem Brtiten des wilden Schwans auf dem Schweriner See noch nichts bekannt geworden, es brtiten dort aber eine grosse Anzahl halbwilder Schwiine ganz nach Art der wilden im Rohr, denen die Fliigel gel~hmt sind, die aber im Herbst bevor sich der See mit Eis belegt, eingefangen werden. Am 18. November sah ich wiederum mehrere WildschwKne fliegend auf dem See, auch bei Peel wurden in diesem Winter sowohl HScker- wie Singschw~ne erlegt.

    Tadorna cornuta Gin. Brandente . Sie war in diesem Jahre recht h~ufig auf Peel, die in Erd-

    15chern befindlichen Nester waren jedoch nicht zug~inglich, ich erhielt ein im Freien gefundenes weggelegtes Ei und eins, welches dem erlegten Weibchen zum Legen reif aus dem Leibe ge- schnitten war. Die Mafse derselben sind 64:47; 63:48 mm. Auf dem Sehweriner See wurden im Friihjahre mehrere Brand- enten gesehen, die aber bald wieder verschwanden, sie kommen im Cbrigen fast nie in das Innere des Landes.

    Mareca pendope L. Pfe i fente. Wie im Juni des v. J. (Journal 99 S. 142) auf dem

    Krakower See ein M~nnchen der Pfeifente erlegt wurde, so wurde aueh in diesem Jahre in den letzten Tagen des August ein im Sommerkleid befindliches MKnnchen auf dem nahe bei Krakow belegenen Damerower See geschossen. Es ist dies wohl ein weiterer Beweis far das Brtiten dieser fiir Deutschland ~usserst seltenen Brutente in jener Gegend.

    Da~z acu~a L. Sp iessente . Nach Aussagen der PSler legt diese Ente ihre Nester oft-

    reals ganz often und frei auf einer kurz begrasten Viehweide an, sodass die Eier Khnlich wie bei Kiebitznestern frei in einer kleinen Vertiefung liegen und schon yon Weitem zu sehen sind.

    Arias bosch~ L. M~rzente. Das bekannte Verh~ltnis zwischen Brandente und Fuehs,

    welcher das B~ten dieser Ente in seinem Baue duldet, scheint auch auf die M~rzente zuweilen Anwendung zu finden. So

  • 342 C., W~tnei-

    wurde naeh der Ver~icherung eines Forstbeamten an dem steilcn mit Geh~lz bewachsenen Ufer des Neumtihler Sees ein Entennest, wenn auch nicht innerhalb, so doch in unmittelbarer N~he eines besetzten Fuchsbaues gefundezi. Der interessante Fall wurde weiter verfolgt und ermittelt, dass die Ente ihre Jungen sicher ausbraehte. In diesem Falle kann der Grund, dass dem Fuchs wie bei der Brandente das thranig schmeckende Fleisch nicht behagt, als stichhaltig nieht anerkannt werden, da die Miirzeute flir den Fuchs bekanntlich ein Leckerbissen ist.

    Hier noch eine Bemerkung. Vonder Marzente wurden 8fter einzelne Eier gefunden, welche in einem frischen Maulwurfs- haufen soweit eingegraben waren, dass entweder nichts oder nur ein kleines Polstfickchen der Schale von ih[len zu sehen war. Ein Chausseew~rter, dessert Chaussee fiber eine Insel des Schweriner Sees ffihrt, auf welcher mehrfacb Wildenten britten, machte reich ill diesem Frfihjahr hierauf aufmerksam, da ihm wiederholt bei seinen Handtierungen in den neben der Chaussee herlaufen- den Gr~ben dieser Fail vorgekommen sei. Ein Gleiches berichtete mir ein PSler Jitger, ohne dass yon mir eine Anregung dazu kam, auch er hatte 8fter auf den Seestrandswiesen derartig ver- grabeno Enteneier gefunden, jedoch nur dane, wenn noch ein wenig vonder Schale frei blieb. Obgleich man zuweilen einzelne weggelegte Eier der MRrzente findet, so lRsst sich doch wohl nieht annehmen, dass das Entenweibchen solehe Eier, die ffir die Erzeugung yon Nachkommenschaft wertlos sind, in dieser Weise vergrKbt, um sie gcgen Kr~.henfrass zu sichern. Wenn ieh nun zwar eine bestimmte Erkliirung ftlr diesen Fall nicht weiss, so glaube ich, dass irgend ein kleines Raubtier es ist, vielleicht der IgeI oder das grosse Wiesel (beide sah ich auf jener Insel), welche die aus dem Nest geraubten Eier in der lockeren Erde des Maulwurfshaufen vergrabefi, um sie ffir sp~tere Mahlzeiten aufzubewahren. Wie fibrigens KrKhen und RaubvSgel die Nester yon Enten und anderen WasservSgeln ausrauben, konnte ich in diesem Frfihjahr an einer einsamen Stelle am Schweriner See ersehen, hier lagen ganze Berge yon Eiersehalen der Enten, Steissffisse und Wasserhfihner, die hier nach und nach zusammengetragen und verzehrt waren. Die im Rohr be- findlichen Nester wurden durch Sammler leicht dadurch gefunden, dass auf die senkrecbt ins Rohr einfallenden KrRhen geachtet wurde, an einer solchen Stelle land man stets ein Nest mit Eiern.

  • Beobachtungon au dor Ornis Mocklonburgs im Jahro 1899. 343

    Auf den Inseln suchen die Enten sich aueh unter dora Schutze einer MSvenkolonie anzusiedein. Zwischen einer aus etwa 150 Paaren bestehenden Kolonie yon Larus ridibundus fand ich ein halbes Dutzend Entennester, die hier volikommen sicher sind, keine Kr~he, kein nicht allzugrosser Raubvogel darf sich hier sehen lassen. Doch wissen sich die Enten auch beherzt zu ver- teidigen, so sah ich ein Weibehen dot Tafelente, welches gegen eine Kriihe, die sich in der N~he des Nestes niedergelassen hatte, so lange wtitend ansprang, bis die Kr~he davonflog.

    An~ s~rcpora L. Mi t te lente. Wie verschieden die Entenfauna auf den Seen Mecklcnburgs

    ist, habe ich wieder in diesem Sommer erfahren kSnnen. Wfihrend ich seit Decennien trotz eifriger Nachforschungen yon einem Vorkommen der Mittelente auf den bei Schwerin belegenen Seen nichts mehr ermitteln konnte, fand ich sie im Maid. J. auf dem stidlichen Tell des M{iritzsees garnicht selten auch als Brute vogel vor. Da ich sie im vorigen Jahre auf dem Krakower See briitend fand, so hat diese Ente im stidSstlichen Mecklenburg ihr Hauptgebiet, kommt auch einzeln an einigen Stellen der Kttste vor, w~hrend sie im westlichen Mecklenburg fast ganz fehlt. Veto Schweriner See sind mir nur aus den fiinfziger und sechziger Jahren vereinzelte F~lle ihres Vorkommens bekannt.

    Querquedula circia L. Kn~kente. Ich fand am 14. V. 99 auf Peel in einem Kleesttiek ein

    Nest der Kniikente mit 5 Eiern. Das Gelege war demnach noch nicht voUst~tndig, auch war das Weibchen nicht auf dem Neste, es hatte aber die Eier sorgfitltig mit abgerupftem frischen Grase zugedeckt, sodass sie unmSglich hitten gefunden werden k~nnen, wenn nicht die Stelle des Nestes vorher schon bekannt ge- wesen wttre.

    Bpatu#a cbypeata L. LSf fe lente . In diesem Sommer konnte ich das Vorkommen der LSifel-

    ente feststellen auf dem Miiritzsee, dem MSnchssee und dem Damerower See, sowie auf Fischland. Sie ist daher nach meinen Beobachtungen im 8stlichen Mecklenburg h~ufiger, wie im west- lichen. Auf dem Schweriner See kommt sie z. B. nur ganz sporadisch vor, zwischen Hunderten yon erlegten M~rzenten war

  • 344 C. Wtistnei:

    nur ein Exemplar dieser Ente. Mehrere Jahre hindurch ist sic bier tiberhaupt nicht geschossen worden.

    .Fuligula c~stata L. Reiherente. Nach einer Mitteilung im Juliheft 1899 der Ornithologischen

    Monatsberichtv wurden yon Hocke im Havelland einige Meilen yon Berlin mehrere Nester der Reiherente gefunden. Wenn nun auch das Vorkommen dieser Ente als Brutvogel daselbst gerade nichts Auff'~lliges an sich hat, da bereits nach Naumann einmal in jener Gegend Dunenjunge gefunden wurden, so sind mir doch dabei die frflhen Funddaten atffgefallen. Es sollen gefunden sein frische Eier am 21. April und 12. Mai, bebriitete Eier am 28. Mai, w~hrend in Mecklenburg, wo die Reiherente yon allen deutschen Gebieten am h~ufigsten und zwar auf dem Sehweriner und Krakower See brfltet, yon mir und anderen Sammlern nie- reals vor Mitte Juni voUe Gelege gefunden wurden, ja es kamen noch oft frische Gelege Anfang und Mitte Juli vor, wobei ich erw~hnen m~chte, dass schon in friiheren Jahren auf dem Krakower See eine grosse Anzahl Gelege gesammelt wurde. Es scheint mir dies auch ganz nat~rlich, da die Reiherente als nordischer Vogel selbst in hiesigen Breiten gewohnheitsgem~ss erst sp~t zum Brtiten kommt. Naeh Angabe des Referenten sttttzen sich die Beobachtungen teilweise auf die Aussagen eines Fischers und da w~re es doch wohl nicht unm~glieh, dass hier eine Verwechs- lung mit einer anderen Art vorliegen k~nnte, namentlich wenn man weiss, wie sehwer es schon fitr einen Sammler ist, in alien F~ll.en ein flfichtig yore Nest flatterndes Entenweibchen sicher zu erkennen.

    ~uliguZa marila L. Bergente . Zander sagt in seiner ~bersicht der VSgel Mecklenburgs

    yon der Bergente: ,,b~tet vermutlich einzeln bei uns". Bisher ist zwar kein sicher bestimmtes Nest yon ihr gefunden, doch glaube ich, dass sie in diesem Jahre auf dem ~ttritzsee gebriitet hat, dort wurde bei meiner Anwesenheit noch am 28. Mai ein Paar dieser Ente gesehen, bei welchem das M~nnchen das Weib- chen pl~tschernd verfolgte und dann im Rohr verschwand. Leider konnte ich sp~ter die Gegend nach dem Nest nicht a~suchen. Die Ente wurde dort des weissgeperlteu Riickens wegen ,Perl- ente" genannt, auf Peel ebenfalls der weisslichen Rilckenfarbe wegen aber ,,Schimmeld~ker".

  • Boobachtungon aus dor Ornis Moeklsnburgs im Jahro 1899. 345

    Die Bergente, die w~hrend des Winters in sehr grossen Scharen auf der Ostsee, z. B. bei Peel vorkommt, i~st sich nur selten auf den hiesigen Landseen blicken und dann nur in kleinen Gesellschaften. Vergeblich habe ich die ungeheuren Scharen der Reiher- und Schellente gemustert, um diese Ente als Gesell- schafterin zu finden, jedoch traf ich sie schon mehrere Jahre hintereinander in kleinen Vereinen yon 6 bis 12 Exemplaren auf dem Schweriner See in der N~he des Grossherzoglichen Schlosses an und merkwtirdiger Weiss in den verschiedenen Jahren genau an derselben Stelle, wiihrend ich sis anderswo nur ganz aus- nahmsweise sah. Ich mSchte hier annehmen, dass dies immer dieselben V~gel wieder sind, die sine lieb gewordene StKtte, auf der sis vielleicht einmal gute Nahrung gefunden haben, alljiihr- lich wieder aufsuchen und dieser zu lieb einen Abstecher yon der allgemeinen Zugstrasse machen.

    Clanguls glaucion L. S c h e I I e n t e. Merkwilrdig ist es, dass man das eigentiimliche Balzspiel

    der Schellente hier, we sich diese V~gel auf der Wanderung bezw. in den Winterquartieren befinden, beobachten kann. Wieder- holt habe ich in den Herbst- und Wintermonaten auf dem Schweriner See beobachtet, wie das M~innchen hinter das Weib- chen herschwimmt, yon Zeit zu Zeit Kopf und Hals pl~tzlich zuriickschnellt, sodass der Hals wagerecht auf dem Rilcken zu liegen kommt, der Schnabel senkrecht nach oben steht und hier- bei wiederholt ,,ki klirr" ruft, um dann in ein stilrmisches Ver- folgen tiberzugehen, welches das Weibchen sich anscheinend gerne gefallen l~sst. Auf Poe! heisst diese Ente ,,Vierogen-" oder ,,Klimperdiiker".

    Oed~ia nigra und fusca L. Trauer- und Sammetente . Beide Arten wurden recht oft bei Peel, sowohl in den

    ersten wie auch in den letzten Monaten des Jahres gefangen und kommen auch auf den hiesigen Markt, we sis trotz des kaum geniessbaren Fleisches noch ihre Abnehmer finden. Die PSler J~ger, die beide Arten recht gut unterscheiden, haben auch recht drastische Bezeichnungen fiir diese Enten. Auf meine Frage nach den Benennungen wurde mir erwidert, dass igra als ~,Swart Ant mit en Knust" und fu.sca als ,,Swart Ant mit Witt in de Fliinken" benannt und unterschieden wiirden. Man kann wohl behaupten,

  • 846 C. W~tnei:

    dass diese Namen gleichzeitig eine recht treffende Diagnose ent- halten.

    M~g~ a~bdlus L. K le iner S~ger. War sowohl im Januar wie im Dezember 99 recht h/iufig,

    ich sah Scharen bis zu 30 Stiick. Auch hier kann man seine Zuneigung zur Schellente recht deutlich bemerken, fast immer sieht man ihn bei den Scharen der letzteren. Fast habe ich gehofft, einmal den ominSsen Mcfgus anatarius dazwischen zu erblicken und habe deshalb Tausende yon SchellentenmKnnchen mit dem Fernrohr genau untersucht, weft eine abweichende Kopfzeichnung yon den weithin sichtbaren runden weissen Kopf- flecken sich sofort bemerkbar machen wtirde, aber vergebens. Das frither auf Poel erlegte Exemplar dieses interressanten Bastardes wird ftir Mecklenburg wohl noch lange seinen einsamen Platz behaupten. Auch in Gesellsehaft des grossen Siigers sieht man unsern Vogel recht oft, ja am 8. Dez. d. J. hatte ich sogar alle drei Arten gleichzeitig im Gesichtsfelde des Fernrohres, was vielleicht nicht oft vorkommen mSehte. Wtthrend zwei Paare yon M. ~wrgaz~f gravit~tisch hinter einander her schwammen, tiberholte ein M~nnchen yon M. s~rat~ diese vier grossen Vettern mit schnellen RuderstSssen, und ganz in der N~he ging ein Mlinnchen yon M. a~bdlus mit Tauchen seiner ~glichen Nahrung nach.

    S~erna caspia Pall. Raubseeschwalba Yon einem Vogelkenner wurde in der zweiten H~lfte des

    April d. J. bei Poel eine grosse Seeschwalbe beobachtet, welche nach der Beschreibung nichts anderes sein konnte, als die bisher in Mecklenburg noch nicht bemerkte Raubseeschwalbe, das Exemplar konnte jedoch nicht erlegt werden. Fast zur Gewiss- heit wurde mir diese Beobachtung, als ich im Januarheft 1900 dieses Journals S. 125 land, dass auch an der pommerschen Kliste sich kurz vorher, am 13. April ein Flug yon 20 Stttck ge. zeigt hatte, yon dem ein junges M~tnnchen erlegt wurde. Dieser Flug diirfte dann welter nach Westen gewandert sein und die mecklenburgisehe Ktiste berflhrt haben.

    Lar~ minutus Pall. Z w e r g m 5 ve. Von demselben Kenner und J~ger erhielt icham 20. Dez.

    ein Exemplar tier ZwergmSve, welches er ebenfalls beiPoel des-

  • Beobachtungen aus der Ornis Mecklenburgs im Jahro 1899. 347

    halb erlegt hatte, weft ihm eine so kleine M~ve noch niemals deft vorgekommen sei. Es ist das zweite in Mecklenburg er- legte Exemplar und daher fiir uns eine grosse Scltenheit. Die Liinge betrug 28 era, die Fltigelbreite 70 cm und die Fltigcli~nge 23 cm. Der Schnabel des kleinen htibschen Vogels, dcr selbst- verst~tndlich das Winterkleid trug, war schwarz, die F~isse dunkel fleischrot. Der OberkSrper war hell mSvengraublau, ebenso und zwar abweichend yon den Naumann'schen Zeichnungen die Kropfseiten, auf denen sich, yore Hinterhals ausgehend, ein grosser m~venblauer Fleck fast bis auf die Kropfmitte erstreckte. Eine andere Abweichung yon den genannten Abbildunge'n bestand darin, dass auf den Schwungfedern die schwarzen Zeichnungen vor den weissen Ends~tumen fehlten, ~lberhaupt war der Flttgel ohnc irgend weiche schwarze Zeichnung, selbst die yon Naumann als Artkenezeichen angegebenen schwarzen Aussenfahnen der itussersten Schwungfedern fehlten. Der Unterflttgel dunkelgrau, die grossen Schwungfedern am dunkelsten, fast schw~irzlich. Der Schwanz rein weiss ohne Endbinde. Im ~brigen stimmte das Exemplar mit der Naumann'schen Abbildung vom Winterkleide iiberein. Diese kleine M~ve, die in den russischen Ostseeprovinzen recht h~iufig sein soil, mttsste hier eigentlich auf dem Zuge gar- nicht selten angetroffen werden, wenn sie die Ostseekttste als Zugstrasse benutzen wttrde. Da sie hier aber nur ganz aus- nahmsweise vorgekommen ist, so muss sie doch wohl den grossen StrSmen als Zugstrassen den Vorzug geben.

    L~rus eanus L. S turmmSve. Auf den Dungablagerungsstellen der hiesigen Umgegend,

    auf denen sich im Winter immer grosse Scharen yon Nebel-, Raben- und SaatkrRhen einfinden, stellen sich auch grSssere und kleinere Gesellschaften yon Miiven, namentlieh yon L. mnus ein, die hier ebenfalls etwas Geniessbares zu finden hoR'en. Dane giebt es fast immer Streitigkeiten zwischen dem schwarzen und weissen Heerlager, die oft interessant zu beobachten sled. Ich muss jedoch den Kr~hen, die sonst hinter jedem Raubvogel her sind, zum Ruhme nachsagen, hier sind sic nicht die St~renfriede, hier sind es ausschliesslich die M~ven. Diese stossen mit durch- dringendem Geschrei auf die Kriihen los, m~gen diese mit einem Bissen beschRftigt sein, oder sonst friedlich umherfliegen, oder irgendwo zwecklos auf dem Felde sitzen, die M~ven lassen ihnen

  • 848 G. W~stnei:

    keine Ruhe. An eine ernste Wiedervergeltung scheinen die Kr~hen nicht zu denken, nut wenn ihnen eine freche MSve.einen Bissen vor dem Schnabel weggeschnappt hat, reisst ihnen die Geduld und sic verfolgen dann die mit der Beute davoneilende M~ve, denen sich noch andere VSgel yon beiden Parteien an- schliessen. Nun giebt es auf einer anderen Stelle eine Balgerei, bis irgend ein Glticklicher mit dem erhaschten Stficke wieder davonfliegt. Aber auch hier sind die Kriihen meist im Nachteil, denn w~hrend diese sich die Zeit nehmen mfissen, ein grSsseres StrUck mit dem Schnabel zu zersttickeln, kSnnen die MSven schon ein gutes Stiick ohne Weiteres wegschlucken und dann mitssen selbst die berechtigsten Ansprflche der Kr~he aufhSren.

    8~da alba M. u. W. Gemeiner T01pel. Im verflossenen Winter zeigte sich nach einem starken

    Nordweststurm bei Poel ein solcher Vogel fliegend auf der See.

    l~odice~s cr/staJ~ L. Grosset Steissfuss. Auf dem Conventer See bei Doberan, der eine reiche Enten-

    fauna besitzt und der als Brutrevier des wilden Schwans bekannt ist, war der grosse Haubentaucher, der sonst tiberall gemein ist, bis vor wenigen Jahren ein unbekannter Vogel, erst vor wenigen Jahren zeigten sich einzelne Paare und nunmehr ist er garnicht selten dort. Auf der Insel im Pinnower See nistete er wieder in mehreren Paaren auf dem festen Ufer, ein solches Nest war sogar fast zwei Meter vom Wasser entfernt. Der mich begleitende Fischer, der seine WasservSgel ziemlich kennt, hierQber erstaunt, ~iusserte sich in seinem Plattdeutsch tiber diesen Fall wie folgt: ,,Sowat is mie noch nich vSrkamen, woans dat wol utstiht, wenn he stief as ne Popp dorhen watschelt, he kann jo egentlich gor- nich gahn".

    Podiceps rubricoUis L. R o t h a I s t a u c h e r.

    Auch auf dem Settiner See, etwa 20 km siidSstlich yon Schwerin briitet er, wo auch in diesem Friihjahre mehrere Exem- plare erlegt wurden, auf dem Schweriner See scheint er nicht mehr vorhanden zu sein, dagegen muss er auf dem Miiritz- und MSnchssee nach meinen Erfahrungen im Friihjahre 99 nicht gerade selten sein.

  • Boobachtungon aus der Ornis Mecklenburgs im Jahro 1899. 349

    Podic~ps a~r /~ L. Der Sehwarzha ls taucher . Dieser flir Mecklenburg als Brutvogcl ~usserst seltene

    Taucher hat wieder ein Lebenszeichen yon sich gegeben. Auf einem Wasserloche 15 km nSrdlieh yon Sehwerin, wurde in diesem Friihjahre ein Paar im Hochzeitskleide erlegt, yon dem ich dass Weibehen erhielt. Ferner brtitete er auf dem Schweriner See etwa 3 km n~rdlich yon der Stadt an einer Stclle, we er bereits vor zwei Jahren beobachtet wurde. Es wurden hier aus einer Familie Ende August zwei eben erwaehsene Junge abgeschossen, yon denen ich ein Exemplar erhielt. Von einem in anderen Litndern bemerkten kolonieweisen Brtiten dieses Tauchers kann jedoch in Mecklenburg bei seincr grossen Seltenheit nicht die Rede sein.

    Podiceps minor L. Zwergste iss fuss . Bei der strengen K~lte im Dezember 99 wurden zwei

    Exemplare in sehr heruntergekommenen Zustande in der Stadt ergritfen.

    Alca torda L. Torda lk . Ein ~grosses ausgewachsenes Exemplar dieses Vogels wurde

    im verflossenen Winter gelegentlich einer Hasenjagd etwa zwei Meilen nSrdlich yon Schwerin auf freiem Felde lebendig ergriffen und mir sp~ter ausgestopft vorgezeigt~

    N a c h s c h ri f t: Es sind auch aus anderen Gegenden Deutsch- lands einige seltene VSgel nach hier zum Ausstopfen eingeliefert worden, und ich mSchte ausser den beiden bereits genannten Steinadlern aus Pommern und Oberschlesien nech erwi~hnen: Tetrao uroga~lus M~nnchen aus Hinterpommern, ~z~te~ arcticus ein MKnnchen im [4ochzeitskleide ebenfalls aus Hinterpommern im Juni d. J. dort erlegt, C~rchnds rufipes ein schSnes M~nn- chen aus Pommern, ]~astor roscus von Reichenau in Oberschlesien und Pic~ canus yon Bonn am Rhein.

    Joum. f, Ore. IX'fILL Jahr~. Juli 1900. 23