Arbeiten 4.0: Herausforderung für die arbeitsmedizinische ... ?· Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft…

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  • Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft fr Arbeitsmedizin und Umweltmedizin e. V. - DGAUM

    Arbeiten 4.0: Herausforderung fr die arbeitsmedizinische Versorgung in der ZukunftStellungnahme der DGAUM zum Dialogprozess Arbeiten 4.0. Arbeit weiter denken des Bundesministeriums fr Arbeit und Soziales

    Deutsche Gesellschaft fr Arbeitsmedizin und Umweltmedizin e.V.

    DGAUM

  • Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft fr Arbeitsmedizin und Umweltmedizin e.V. - DGAUM

    Titelfoto: iStock.com/shironosov

    PrsidentProf. Dr. med. Hans DrexlerTelefon 09131/85-22312 | Fax 85-22317Hans.Drexler@ipasum.uni-erlangen.de

    VizeprsidentProf. Dr. med. Dipl.-Ing. Stephan LetzelTelefon 06131/17-9214 | Fax 17-9045letzel@uni-mainz.de

    SchriftfhrerProf. Dr. med. Gabriele LengTelefon 0214/30 65679 | Fax 30 21307Gabriele.Leng@currenta.de

    SchatzmeisterPriv.-Doz. Dr. med. Stephan WeilerTelefon 0841/89-32964 | Fax 89-8432964stephan.weiler@audi.de

    Weitere Vorstandsmitglieder Prof. Dr. med. Thomas BrningTelefon 0234/302-4501 | Fax 302-4505bruening@ipa.ruhr-uni-bochum.de

    Prof. Dr. med. Thomas KrausTelefon 0241/80 88 880 | Fax 80 82 587tkraus@ukaachen.de

    Prof. Dr. med. Dennis NowakTelefon 089/4400-52301| Fax 4400-54445dennis.nowak@med.uni-muenchen.de

    Prof. Dr. med. Christoph OberlinnerTelefon 0621/60-56502 | Fax 60-43322christoph.oberlinner@basf.com

    Prof. Dr. med. Elke OchsmannTelefon 0375/536-3426elke.ochsmann@fh-zwickau.de

    Prof. Dr. med. Monika A. RiegerTelefon 07071/29-86809 | Fax 29-4362monika.rieger@med.uni-tuebingen.de

    Dr. med. Andreas TautzTelefon 0228/182-526 00 | Fax 182-526 58a.tautz@dpdhl.com

    Hauptgeschftsfhrer und PressesprecherDr. phil. Thomas NesselerTelefon 089/330 396-10 | Fax 330 396-13tnesseler@dgaum.de

  • Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft fr Arbeitsmedizin und Umweltmedizin e.V. - DGAUM

    Der Vorstand der Deutschen Gesellschaft fr Arbeitsmedizin und Umweltmedizin (DGAUM) hat das Thema Arbeiten 4.0: Die Digitalisierung der Arbeitswelt als Herausforderung fr die arbeitsmedizinische Versorgung in der Zukunft dis-kutiert und folgende Stellungnahme auf der Basis einer bereits von der DGAUM verffentlichten Publikation verabschie-det (1):

    Arbeiten 4.0: Herausforderung fr die arbeitsmedizinische Versorgung Wie im Grnbuch des Bundesministeriums fr Arbeit und Soziales (BMAS) beschrieben (2), wird in einer zuknftigen Arbeitswelt Arbeiten 4.0 immer mehr Einzug halten. Man erwartet, dass damit eine hhere technische Sicherheit ver-bunden ist, die entsprechend positive Folgen fr die Gesundheit am Arbeitsplatz haben wird. Der dynamische techno-logische Fortschritt bedingt aber auch, dass neue Risiken und so auch mgliche negative Folgen fr die Gesundheit der Beschftigten auftreten knnen (3).

    Auch in einer Arbeitswelt 4.0 wird es Gefahren geben, die sowohl von psychischen (z. B. Monotonie, berforderung, Abgrenzung) als auch physischen Faktoren (z. B. Lrm, chemische und biologische Gefahrstoffe, krperliche Bela-stungen genauso wie Bewegungsarmut) bestimmt sind. Die arbeitsmedizinische Forschung muss dazu weiter eine wichtige Rolle spielen. Dies nicht zuletzt deshalb, um Wirkmechanismen besser zu erkennen sowie die Entwicklung von Biomarkern zur Frherkennung weiter voranzutreiben.

    In Verbindung mit zunehmend lteren Beschftigten und neuen Arbeitsformen fhren diese Risiken zu groen Heraus-forderungen fr die Prvention und den Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz. Arbeitsmediziner und Betriebsmediziner verfgen ber die fachliche Kompetenz gesundheitliche Risiken an Arbeitspltzen zu erkennen und entsprechend prventiv ttig zu werden (4). Aufgrund ihres engen Praxisbezugs sind Arbeitsmediziner und Betriebsrzte in der Lage, neu aufkommende Risiken auch im Rahmen von Arbeiten 4.0 frhzeitig zu erkennen.

    Damit dies auch zuknftig gewhrleistet ist, muss die Arbeit der rztinnen und rzte in den Betrieben durch fundierte arbeitsmedizinische Forschung begleitet werden, die ihnen das entsprechende Instrumentarium an die Hand gibt. Im Kontext von Arbeiten 4.0 ergeben sich weitreichende Handlungsfelder und Leitfragen zum Thema Gesundheit bei der Arbeit, die im Grnbuch bislang nicht bzw. nur verkrzt dargestellt werden. Aus Sicht der wissenschaftlichen Arbeits-medizin sind folgende Anhaltspunkte im Dialog Arbeitsmedizin und Arbeiten 4.0 besonders zu bercksichtigen.

    EINLEITUNG

  • Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft fr Arbeitsmedizin und Umweltmedizin e.V. - DGAUM

    01 Damit Prvention und Frderung von Gesundheit am Arbeitsplatz mit den zuknftigen Entwicklungen Schritt halten knnen, mssen Arbeitsmediziner und Betriebsrzte bereits frhzeitig gesundheitliche Risiken erkennen, die durch neue Produktionsformen und Technologien, neuartige Arbeitsstoffe sowie das Zu-sammenwirken und die Auswirkungen sozialer und technologischer Vernderungen ent-stehen knnen. Sie nehmen dabei eine wichtige Lotsenfunktion sowohl in der betrieblichen Prvention und Gesundheitsfrderung als auch an der Schnittstelle zur kurativen und reha-bilitativen Medizin ein.

    02 rztliches Denken und Handeln fr den Beschftigten an allen Arbeitsplt-zen anhand von qualifizierten Gefhrdungsbeurteilungen gehrt fr Arbeits-mediziner und Betriebsrzte zum alltglichen Handwerk und ist gerade auch zur Erkennung von gesundheitlichen Risiken in der zuknftigen Arbeitswelt notwendig (5).

    03 Bei zunehmender Vernderlichkeit der Arbeit (z. B. Crowd- / Cloudworking, Disruption von Beschftigungen) mit sich dynamisch ndernden Risiken und Chancen sind Empfehlungen und Richtlinien zur Arbeits- und Arbeitsplatz-gestaltung durch Arbeitsmediziner und Betriebsrzte notwendig. Es muss zudem sicher-gestellt werden, dass alle Beschftigten jederzeit Zugang zu moderner effektiver arbeits-medizinischer und sicherheitstechnischer Prvention haben. Dies muss auch fr Personen gelten, die in neuen Arbeitsformen selbstndig Arbeits- und Dienstleistungen erbringen. In der zuknftigen Arbeitswelt wird arbeitsmedizinische Kompetenz die zunehmende Ei-genverantwortlichkeit der Beschftigten untersttzen.

    04 Neben vielen Chancen einer dynamischen Arbeitsmarktentwicklung birgt die Digitalisierung auch potentielle Risiken fr die Beschftigten. Dies nicht nur in Bezug auf Beschftigungsunsicherheit durch Disruption von Arbeits-feldern, sondern auch durch die Mglichkeit einer Dequalifizierung von Ttigkeiten und insbesondere einer verstrkten Ausprgung des Niedriglohnsektors mit kumulierten kr-perlichen und psychischen Gesundheitsrisiken fr die in diesem Kontext Ttigen. Die ge-sundheitlichen Auswirkungen dieser Entwicklungen mssen wissenschaftlich erforscht, den Beschftigten muss eine arbeitsmedizinische Beratung ermglicht werden.

    05 Arbeiten 4.0 wird durch digitale Vernetzung zu einer fortschreitenden Globa-lisierung der Arbeitswelt beitragen, die Autonomie frdern knnen, aber auch gesundheitliche Risiken bergen. Hierfr bedarf es adaptierter Konzepte fr die arbeitsmedizinische Vorsorge.

  • Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft fr Arbeitsmedizin und Umweltmedizin e.V. - DGAUM

    06 Neue Produkte und technische Innovationen bringen bislang unbekannte Gefhrdungen und mgliche Risiken mit sich. Gleichzeitig werden z. B. Pro-duktionszyklen und Zeitfenster in der Dienstleistung immer krzer und entwi-ckeln damit eine Eigendynamik mit schwer kalkulierbaren Risiken. Diesem daraus entste-henden Forschungsbedarf werden arbeitsmedizinische Forschungsinstitute und Lehrsthle gerecht. Mit der dort vorhandenen Expertise mssen aktuelle arbeitsmedizinische For-schungsthemen identifiziert, aufgegriffen und bearbeitet werden. Gleichzeitig muss die Zu-sammenarbeit zwischen arbeitsmedizinischer Forschung, Industrie, Gremien und Behr-den intensiviert werden. Forschung darf dabei nicht nur nationale Belange bercksichtigen, sondern muss auch Eingang in internationale Entwicklungen finden.

    07 Bei der Entwicklung von neuen Technologien und Werkstoffen stehen oft technische und wirtschaftliche Gesichtspunkte im Fokus. Um von Anfang an auch gesundheitsrelevante Aspekte in die Entwicklungsprozesse einzubrin-gen und um Produzenten und Anwender vor Gesundheitsgefahren zu schtzen, ist die frhzeitige Einbindung von arbeitsmedizinischer Expertise unumgnglich.

    08 Auch unter Bedingungen von Arbeiten 4.0 bentigen sowohl gesunde als auch chronisch kranke und leistungsgewandelte Beschftigte zum Risiko-management am Arbeitsplatz zuallererst eine zielgruppenorientierte, prven-tive und individuelle Beratung durch Arbeitsmediziner und Betriebsrzte, die zudem Resili-enz und eine gesunde Lebensfhrung untersttzen.

    09 Die Vernderungen in der Arbeitswelt werden einen wesentlichen Einfluss auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der Bevlkerung haben und das Gesundheitssystem sowie die sozialen Sicherungssysteme in Deutschland vor groe Herausforderungen stellen. Unter anderem werden wir in Zukunft lnger arbei-ten. Eine der Voraussetzungen dafr ist, dass die Beschftigten gesundheitlich dazu in der Lage sind und entsprechend ihrem Leistungsvermgen adquat eingesetzt werden. Eine qualifizierte arbeitsmedizinische, bzw. betriebsrztliche Begleitung der Beschftigten ist hier unerlsslich. Dies hat der Gesetzgeber erkannt und in einem ersten Schritt ber das Prventionsgesetz die Bedeutung von Arbeitsmedizinern und Betriebsrzten im Feld der betrieblich veranlassten Gesundheitsfrderung nachhaltig gestrkt (6). Die DGAUM ist da-her bereits mit einer der gesetzlichen Krankenkassen eine strategische Kooperation einge-gangen, um das Prventionsgesetz in die Praxis umzusetzen und neue Prventionspfade bzw. Versorgungswege zur Frderung der Gesundheit am Arbeitsplatz zu entwickeln.

  • Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft fr Arbeitsmedizin und Umweltmedizin e.V. - DGAUM

    10 Arbeitende Menschen im Kontext von Arbeiten 4.0 bentigen eine flexible arbeitsmedizinische Betreuung und Vorsorg

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