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    Burgenländer erzählen

    amari historija

    eine zeitzeugendokumentation von roma-Service

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    lebensgeschichten von 20 Männern und Frauen geben bewegende einblicke in die geschichte des Burgenlandes. die beiden ältesten interviewten Personen sind Jahrgang 1925 und 1928. In den erzählungen wird erlebtes unrecht spürbar, aber auch erfahrungen wechselseitiger Solidarität und Wertschätzung. nach der ersten dokumentation „Mri historija / Meine geschichte“ mit Biografien burgenländischer Roma liegt jetzt mit der DVD und der Ausgabe in Buchform das Ergebnis des vom Verein Roma-Service gemeinsam mit dem ORF Burgenland durchgeführten Folgeprojekts „Amari Historija / Unsere geschichte“ – ein Mosaik burgenländischer geschichte – vor.

    dschivipeskere historiji 20 murschendar taj dschuvlendar vodschikane ande dikiptscha andi historija le Burgenlandistar den. duj dschene, savenca vakerdo ulo, 1925 taj 1928 upro them ale. Ando phukajiptscha o bibastalo keripe esbe lim ol, ham te vodschikanipe taj patijaripe. Pali erschti dokumentacija „Mri historija / Meine geschichte“, dschivipeskere historijenca burgenlanditike Romendar, paschlol akan la DVDaha taj jeka kenvaha o khetano projekto „Amari Historija / Unsere Geschichte“ le farajnistar Roma-Service taj le OrF-Burgenlandistar angle, savo falati la burgenlanditika historijatar sikal.

    Amari Historija DVD Sprache: deutsch | ca. 46 min

    Amari Historija DVD enthält einen in Kooperation mit dem OrF-Burgenland produzierten zusammenschnitt der zeitzeugengespräche.

    BESTELLUNGEN: ROMA-SERVICE gartenstraße 3, 7511 Kleinbachselten Tel.: +43 (0)3366 78634 office@roma-service.at

    ROMA-SERVICE © 2011 ISBN: 978-3-200-02430-4

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    Burgenländer erzählen

    amari historija

    eine zeitzeugendokumentation von roma-Service

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    Burgenländer erzählen Burgenlanditike phukan

    „Sie konnten das Leben genießen“ Jonny Moser (geb. 1925 in Parndorf, gest. 2011 in Wien) im Gespräch, aufgezeichnet am 9.12.2010 in Wien 7

    „Ich bin ein werdender Ungar“ Michael Racz (geb. 1932 in Großpetersdorf) im Gespräch, aufgezeichnet am 7.12.2010 in Oberwart 48

    „Miteinander geht es besser“ Frau Anna (geb. 1928 in Draßburg) im Gespräch, aufgezeichnet am 10.12.2010 in Draßburg 20

    „Ando vesch upre bartschijom | Ich bin im Wald aufgewachsen“ Peter Horvath (geb. 1932 in Jois) im Gespräch, aufgezeichnet am 28.9.2010 in Oberpullendorf 60

    „In Österreich bin ich geboren, ich bin ein Burgenländer und ein Zigeuner“ Adolf Papai (geb. 1931 in Langental) und Elisabeth Papst-Lackinger (geb. 1964 in Eisenstadt) im Gespräch, aufgez. am 25.1.2011 in Oberpullendorf 28

    „Da sieht man, wie roh ein Mensch sein kann!“ Franz Schmaldienst (geb. 1931 in Bocksdorf) im Gespräch, aufgezeichnet am 16.6.2010 in Bocksdorf 36

    „Ich war bekannt, ich habe einen Namen gehabt“ Christoph Gärtner-Horvath (geb. 1933 in Kleinbachselten) im Gespräch, aufgezeichnet am 10.12.2010 in Lanzendorf, Niederösterreich 71

    „Ich kann mich erinnern, dass ich selbst einen Stein genommen habe“ Franz Hillinger (geb. 1935 in Jois) im Gespräch, aufgezeichnet am 23.4.2010 in Jois 81

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    „… dass man gerade denen helfen muss, die sich nicht selber helfen können“ Ludwig Popper (geb. 1938 in Wien) im Gespräch, aufgez. am 26.11.2010 in Oberwart 89

    „Zigeuner war ein Schimpfwort“ Karl Heinz Gober (geb. 1950 in Deutsch Ehrensdorf) im Gespräch, aufgezeichnet am 11.12.2010 in Güssing 134

    „Über das Lagerleben selbst ist nie gesprochen worden“ Heinrich Dorner (geb. 1955 in Lackenbach) im Gespräch, aufgezeichnet am 16.12.2010 in Lackenbach 147

    „Es geht um ein schlechtes Gewissen“ Willibald Rothen (geb. 1938 in Bocksdorf) im Gespräch, aufgez. am 4.9.2010 in Bocksdorf 100

    „Aber dadurch leben sie in zwei Hälften“ Ludwig Horvath (geb. 1955 in Oberwart) und Peter Wagner (geb. 1956 in Wolfau) im Gespräch, aufgezeichnet am 25.10.2010 in Litzelsdorf 156

    „… dass man ein Rom ist und kein Zigeuner“ Miriam Wiegele (geb. 1946 in Weiden bei Rechnitz) im Gespräch, aufgezeichnet am 26.11.2010 in Weiden bei Rechnitz 111

    „Zigeuner, was ist das?“ Ingrid Trattner (geb. 1949 in Graz) im Gespräch, aufgez. am 26.1.2010 in Gritsch 124

    „Die Roma werden wahrgenommen“ Johann Hirmann (geb. 1956 in Rudersdorf Bergen) im Gespräch, aufgezeichnet am 20.8.2010 in Kukmirn 173

    „… dann ist das für ein Lokal eine Ehre“ Alexander Steiner (geb. 1965 in Eisenstadt) im Gespräch, aufgezeichnet am 15.1.2011 in Podersdorf am See 185

    „Österreich hat eine monströse Geschichte und wird sie nicht los“ Michael Gaal (geb. 1965 in Oberwart) im Gespräch, aufgezeichnet am 7.10.2010 in Regelsbrunn, Niederösterreich 180

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    „Ich bin jedenfalls wahnsinnig gerne zu ihm hingegangen. Und ich bin auch des- halb hingegangen, um diese Angst vor ihm zu verlieren. Es war unheimlich befreiend, es hat mich in dieses Haus hineingezogen. [...] Ab dem ersten Augenblick, wo ich in seiner Küche war, habe ich das gefühlt, was ich seitdem immer fühle, wenn ich bei den Roma in Oberwart bin, nämlich diese extreme Wärme, man kann fast sagen Hitze, in den Küchen. [...] Der Kaffee steht da, es wird geraucht. Und es wird erzählt. Und natürlich hat er dann irgendwann seinen Hemdsärmel hinaufgezogen, und da stand dann die Nummer.“ (peter Wagner im gespräch für „amari historija“)

    als der Oberwarter Schriftsteller peter Wagner vor vierzig Jahren zum ersten Mal seine Scheu überwand und die nähe der roma suchte, waren die Barrieren noch riesig und die Burgenland-roma weit davon entfernt, offen als selbstbewuss- te Volksgruppe aufzutreten oder gar als solche anerkannt zu werden. die zeit- zeugenedition „Mri historija“ („Meine geschichte“, 2009) förderte zutage, welche

    unsichtbare zwischenmenschliche Mauer sich bis in die jüngste Vergangenheit vor den roma auftat und mit welcher gesell- schaftspolitischen ignoranz sie sich kon- frontiert sahen. indem sie das erleben der Minderheit erfahrbar machten, skizzierten diese interviews eine „andere“, lange un- gehörte geschichte des Burgenlandes.

    Bei aller distanz, die im allgemei- nen das Verhältnis zu den roma bestimm- te, berührte das Schicksal der Volksgruppe freilich auch das leben vieler nicht-roma. das vom Verein roma-Service initiier- te projekt „amari historija“ („unsere geschichte“) versucht nun in Form eines kommentierten interviewbandes und einer dVd den Schritt auf die erfahrungswelt der nicht-roma zuzugehen und damit auch dieser perspektive raum zu geben. zu Wort kommen deshalb neben roma selbst angehörige aller im Burgenland vertrete- nen Volksgruppen sowie Überlebende der bis zur nS-Verfolgung großen burgenlän- disch-jüdischen gemeinschaft: insgesamt zwanzig personen, bei deren auswahl wir uns auch um eine möglichst ausgewogene Verteilung von Wohnort und Berufssparte,

    amari historija unsere geschichte

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    geschlecht und generation bemüht haben, erzählen in nachträglich behutsam bearbeite- ten 16 einzel- und zwei zweiergesprächen, jeweils zwischen einem rom und einem nicht-rom, über ihr leben und das neben- oder Miteinander der Volksgruppen.

    dabei gehen sie immer wieder auch auf jene – persönlich mitunter sehr prägenden – Momente ein, in denen sich ihre Wege mit jenen ihrer roma-Bekannten oder -Freunde überschnitten haben. Was dabei vor allem deutlich wird, ist, wie schwierig es für den einzelnen – und nicht nur für den rom – lan- ge zeit war, sich gegen die Übermacht von Stereotypen und struktureller ausgrenzung zu behaupten. trotzdem kam es immer wieder auch zu wechselseitiger Wertschätzung und Solidarität, die vom alltäglichen Miteinander bis hin zum Widerstand gegen das nS-re- gime reichen. heute hingegen, auch das zeigt „amari historija“, werden die Barrieren, die sich seit Jahrhunderten zwischen roma und nicht-roma im Burgenland aufgetürmt haben, zunehmend durchlässig. „Schließ- lich sind wir alle Österreicher, wir sind alle Burgenländer, wir leben alle in derselben Gegend“, formulierte es Michael gaal, einer unserer jüngeren gesprächspartner.

    alltägliche diskriminierungen, Segre- gation und gewalt bestimmen jedoch auch heute in zahlreichen europäischen ländern das leben der roma. die jüngsten entwick- lungen jenseits der grenzen geben neuer- dings auch vielen roma in Österreich wieder anlass zur Sorge; in besonderer Weise natür- lich jener generation, die die Schrecken der nationalsozialistischen herrschaft noch am eigenen leib erfahren musste: „Schaut, wie es überall zugeht!“, äußert etwa der 1931 geborene langentaler rom adolf papai sei-

    ne Besorgnis: „Schaut in die Tschechei, nach Ungarn, in die Slowakei, nach Ru- mänien! Überall ist es so. Schaut, wie es jetzt in Frankreich ist! Die machen alle das Programm von Hitler weiter, das sind alles solche Leute.“ Vor diesem hinter- grund erscheinen dem Überlebenden der nS-Verfolgung die im Burgenland in den letzten 15 Jahren errungenen Verbesse- rungen geradezu vorbildhaft: „Heute, muss ich sagen, sind wir da bei uns in Österreich gegenüber den Roma in ande- ren Ländern brillant“, meint herr papai nämlich im zeitzeugengespräch: „Bei uns ist es auch nicht wer weiß wie,