Alte Mitgliedsdiplome der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft Aus der Geschichte der DO-G

Download Alte Mitgliedsdiplome der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft Aus der Geschichte der DO-G

Post on 17-Aug-2016

212 views

Category:

Documents

0 download

TRANSCRIPT

  • [J. Orn. 318 [ 110

    Alte Mitgliedsdiplome der Deutschen Ornithologen-GeseUschaft Aus der Geschichte der DO-G

    Von Ludwlg Baege, Erfurt

    Fr die Ernennung Herrn Prof. Dr. ERWIN STRESEMANNS zum Ehrenprsidenten anllich der 80. Jahresversammlung der DO-G im September 1967 auf Helgoland, hatte sich der Vorstand eine besondere berraschung ausgedacht. Der neue Prsident bergab dem schei- denden Vorsitzenden, der fast ein halbes Jahrhundert in diesem Amt bzw. als General- sekretr nicht nur die Geschichte unserer Gesellschaft wesentlich mitgestaltet, sondern auch mit zahlreichen Verffentlichungen ornithologiegeschichtlicher Art das Andenken an die Ver- gangenheit wach gehalten hat, sinnigerweise zur Beglaublgung ein mit J.F. NAUMANNS Por- trt geziertes historisches Dokument, das die originalen Unterschriften des Vorstandes vom Jahre 1862 trgt und nachtrglich fr den jetzigen Verwendungszwe& ergnzt worden ist. Die kostbare Urkunde wurde anschlieend im Saal herumgereicht. Das Blatt und die An- regung stammen von Herrn Dr. RUDOLF BERNDT, die weitere Initiative von Herrn Prof. Dr. NIETHAMMER. Ich nehme dieses Ereignis zum Anla, kurz ber solche alten Mitgliedsausweise unserer Gesellschaft zu berichten.

    Whrend der 4. Ornithologen-Versammlung" im Herbst 1850 in Leipzig war auf Betreiben der progressivsten Vertreter vaterlndischer Vogelkunde aus dem zwanglosen Verein" deutscher Ornithologen die ,Deutsche Ornithologen-Gesellschaft gegrndet worden. Man hatte einen fnfkpfigen Vorstand gewhlt und einen Entwurf provisorischer Statuten zur Diskussion gestellt, der einstweilen nur die wichtigsten Gesichtspunkte knftiger gemeinsamer Arbeit enthielt. Aber schon im darauffolgenden Jahr, als bei der nchsten Versammlung in Berlin die 16 Erschienenen ber die endgltigen Satzungen zu befinden hatten, wurde es nach dem Beispiel anderer gelehrter Gesellschaften zur notwendigen Konsequenz, da ,jedes Mitglied bei seinem Eintritte in die Gesellschaft ein seine Mitgliedschaft beglaubigendes Diplom erhltl).

    Die Durchfhrung dieses Beschlusses bereitete wenig Sorge, war doch die junge Gesellschaft so gl&lich, in der Person ihres verehrten Vorsitzenden einen bewhrten Knstler in ihrer Mitte zu haben. Und so heit es im Protokoll: ,Prof. NAUMANN erklrte sich auf die Bitte vieler Mitglieder bereit, die Zeichnungen zu den Mitglieds- diplomen zu entwerfen und zu besorgen"2).

    Mit der Erfllung dieses Versprechens hielt sich der ber Siebzigjhrige freilich noch eine Weile auf3), und erst zu Beginn des Jahres 1853 konnte der Sekretr EDUARD BALDAMUS endlich in der ,Naumannia" melden4):

    Die Diplome fr die Mitglieder der deutschen Ornithologen-Gesellschaft nach der trefflichen Zeichnung des Herrn Professor Dr. NAUMANN sind in diesen Tagen, - - und wir hoffen, zur Zufriedenheit der Kenner - - lithographiert und gedruckt und den Herren Vorstands-Mitgliedern zur Unterschrift zugesendet worden. Ich werde sie alsbald nach dem Eintreffen bei mir ausfllen lassen, und sammt den Statuten und dem Verzeichnisse der Mitglieder diesen zusenden.

    In der Tat hatte NAUMANN diese Aufgabe vortrefflich gelst. Die ornamentale Schrift hatte er symbolisch in ein Oval aus markanten Vertretern europischer Vogelordnungen gestellt, die Ecken mit brutbiologischen Miniaturen ausgefllt und das Ganze mit zarten Zierlinien versehen, wie es dem Zeitgeschmack entsprach. Die

  • Heft 3 1969 Mitgliedsdiplome der DO-G 319

    Abb. I. Erstes DO-G-Diplom, verwendet von 1853 bis etwa 1862, ,Druck der Lith. Anst. v. Baldamus", Gez. von J. F. Naumann Lith. von C. Diedrich , Blattgre 453 313 mm,

    Bildspiegel 262 X 211 mm, Original: Sig. L. BAuch.

    Hinzufgung seines Portrts, was NAUMANNS bescheidenem Wesen widerspricht, mag bei stiller Duldung auf Betreiben seines glhenden Verehrers BAZDAMUS geschehen sein. Hierfr wurde eine kurz zuvor entstandene Zeichnung des Dessauer Knstlers VLKm~LING zugrunde gelegt). BALDAMUS besorgte von Diebzig aus nach NXUMANNS Entwurf~) die Lithographie und den Druck und zeichnete selbst als ,Verleger". Mit diesem Blatt war eins der schnsten und originellsten Diplome geschaffen, das damals von einer wissenschaftlichen Gesellschaft ausgegeben worden ist (Abb. 1). Sicher nur wenige Stcke dieser NAu~ANNschen Altersarbeit drften sich bis heute erhalten habenT). Anscheinend wurde auch NAUMANN fr seine Mhe honoriert, denn in der Rechnungsablage von 18548) werden Ausgaben ,fr Zeichnung, Lithographie, Druck etc. der Diplome" genannt.

    Mit der Verteilung hatte BALDAMUS noch eine Zeitlang seine Not. Bald reichten bei rasch steigender Mitgliederzahl die vom Vorstand blanko unterzeichneten Formulare nicht aus, und zuletzt ging offenbar auch noch die f2bersicht verloreng). So drfte erst Ende 1854, Anfang 1855, also ber 4 Jahre nach der Grndung, endlich ein jedes Mitglied im Besitz seines Diploms gewesen sein.

  • [3. Orn. 320 LUDWIG BAEGE [ 110

    Bis 1862 fanden einigermaen regelmig Versammlungen statt. Es wurden neue Mitglieder aufgenommen und Ehrenmitglieder ernannt, welche vom Sekretr stets diese mit NAIaMANNS Bildnis geschmckte Urkunde erhielten. Nach der 14. Versamm- lung im Herbst 1862 kam die Wirksamkeit der Gesellschaft einstweilen zum Erliegen. Der bislang so rhrige BALBAMtlS zog sich verrgert und resignierend vom Vereins- leben zurck, obwohl er de facto noch weitere 5 Jahre Sekretr geblieben istl0).

    Als man dann 1867 mit der 15. Versammlung die Gesellschaft noch einmal auf- leben lie und zunchst BERNARD ALTUM, im Jahr darauf den Freiherrn FERDINAND VON DROSTE-HULsHOV zum neuen Geschftsfhrer whlte, weigerte sich BALDAMUS hartnckig, der neuen Leitung das ,Eigentum der Gesellschaft , nmlich die ,Acten und Schriftstcke , das ,Ornithologen-Siegel und die ,Diplom-Formulare zu bergebenl~). Das zwang den Baron, nach mehreren Schlichtungsversuchen in dem seinem Stammsitz nahegelegenen Mnster neue Formulare herstellen zu lassen, die etwa seit 1868/69 fr die wenigen noch hinzugekommenen Mitglieder verwendet worden sind. Den knstlerischen Wert des alten Diploms und dessen Originalitt erreichte die Neuschpfung freilich nicht (Abb. 2).

    Abb. 2. Zweites DO-G-Diplom, verwendet etwa ab i868/69 bis 1875, ,Litb. von Louis Espagne in Mnster , Blattgre 380 X 255 mm, Bildspiegei 279 185 mm, Original: Slg. L. BAE~E.

    Der mittlerweile (1868) unter der geistigen Fhrung von JEAN CA~ANIS gegrndete Konkurrenzverein, die ,Deutsche Ornithologische Gesellschaft zu Berlin", verzichtete von vornherein auf solchen Brauch und bestimmte in den Statutenl~): ,Nach erfolgter

  • Heft 3] 1969 J Mitgliedsdiplome der DO-G 321

    Zahlung empfngt jedes Mitglied, anstatt eines Diploms, fr das laufende Jahr eine auf seinen Namen ausgestellte Mitgliedskarte, welche dem Inhaber die Rechte und Vortheile eines Gesellschafts-Mitgliedes gewhrleistet." Die etwa postkartengroen, auf getntem Karton gedruckten Ausweise (Abb. 3) wurden tatschlich alljhrlich

    Abb. 3. Mitgliedskarte der DOG zu Berlin, verwendet ab 1868/69 bis 1875, 137 107 mm, Original: BREHM-Gedchtnissttte Kenthendorf.

    vom Vorstand neu ausgestellt und an die Mitglieder versandtl~). Auch als sich 1876 die Berliner Gesellschaft mit dem Rest des alten Vereins zur ,Allgemeinen Deutschen Ornithologischen Gesellschaft" zusammenschlo, behielt man noch lange das um- stndliche und aufwendige Verfahren bei. Erst 1896 unterzog man die Satzungen einer Reform. Der Kassenfhrer allein erteilte fortan nur noch ,mit Rechtswirkung Quittung ber die an die Gesellschaft geleisteten Zahlungen"14).

    In unserer nchternen Zeit mu als ueres Zeichen der Mitgliedschaft der Ausdruck in der Mitgliederliste und allenfalls noch eine Postquittung gengen1).

    Anmerkungen 1) Naumannia 2, Heft 1, 1852, p. 8. 2) Naumannia 2, Heft 1, 1852, p. 3. 8) Noch bei der 6. Versammlung im Juli 1852 in Altenburg mute NAUMANN ,die

    baldige Besorgung des Diploms abermals versprechen (Naumannia 2, Heft 2, 1852, p. 12). ) Naumannia 3, 1853, p. 107. 5) Dieses Portrt wurde etwas spter als lithographiertes Blatt von AL~rRT WALDOW sen.,

    Berlin, vertrieben. Das Bild hngt noch heute in manchem Kthener Haushalt. Wieder- gegeben ist es bei P. THOMSEN & E. STRESEMANN: JOHANN FRIEDRICH NAUMANN, der Alt- meister der deutschen Vogelkunde. Sein Leben und seine Werke. Leipzig 1957, p. 5.

  • I J' Orn. 322 LUDWIG BAEGE [ 110

    o) Eine nicht vollendete Vorarbeit, die Federzeichnung des aus fliegenden Vgeln ge- stalteten Ovals, in Gre und Ausfhrung dem gedru&ten Blatt so gut wie gleich, jedoch seitenverkehrt, befindet sich im Archiv des NAUMANN-Museums in Kthen.

    7) Mit der Bitte, auf weitere Exemplare zu achten, fhre ich die mir bekannten hier auf:

    Ausgestellt fr :

    1. JOH. FR. NAUMANN, Vorsitzender, Mitglied seit 1850, ausgest, um 1853

    2. EDUARD BALDAMUS, Sekretr, Mitglied seit 1850, ausgest, um 1853

    3. JULIUS SPEERSCI-INEIDER, Mitglied seit 1854, ausgest, um 1854

    4. WILHELM SCHLTER, Mitglied seit 1857, ausgest. 1857

    5. EDUARD EVERSMANN, Ehrenmitglied seit 1858, ausgest, um1858

    6. G.C. VON SEIDLITZ, Mitglied seit 1862, ausges. 1862

    7. B1ankoformular, ausgest. 1862, 1967 verwendet fr E. STI~rSrMA~

    Unterschrieben von:

    BREI-IM LICHTENSTEIN, ZANDER, V. HOMEYER~ NAUMANN, BALDAMUS. (1. Vorstand: 1850--1854)

    Im Besitz von:

    NAUMANN-Museum, Kthen

    NAUMANN, HARTLAUB BREHM, BALDAMUS. (2. Vorstand: 1854--1857)

    BLASlUS, NAUMANN, ZANDER~ I-~OFFMANN, BREHM, BALDAMUS. (3. Vorstand: 1857)

    BLASlUS, ALTUM, ZANDER~ HOFFMANN, KIRCHHOFF BREHM~ BALDAMUS. (4. Vorstand 1858--1864)

    LUDWIG BAEGE, Er furt

    Dr. RUDOLF BERNDT, Braunschweig

    Archiv der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft, Museum fr Naturkunde Berlin

    Prof. Dr. ERwm STRESEMANN, Berlin

    Nr. 1--3 stammen aus den Nachlssen der betreffenden Ornithologen. Nr. 4--7 sind 1949 von einer Enkelin EOUARD BAL9AMUS' in Wolfenbttel durch Vermittlung in den Besitz von Dr. RUDOLF BERI~DT gekommen; Nr. 5 und 6 wurden von ihm 1968 dem Archiv der DO-G bergeben. Sie drften einst bei BALDAMVS liegengeblieben und nie an die Empfnger ge- langt sein.

    s) Naumannia 4, 1854, p. 414.

    9) Bekanntmachung des Sekretrs in Naumannia 3, 1853, p. 456, und 4, 1854, p. 413. - - Auch war Sumigkeit mit im Spiel, denn CttR. L. BRrHM klagte nach der im Sommer 1854 in Gotha abgehaltenen 8. Versammlung gegenber E .F .v . I-IoMrYrl~: ,Denken Sie sich, die vor langer Zeit unterzeichneten Diplome liegen noch bei LICHTENSTEIN, welcher nicht da war." (E. F. v. HOMZXER: Ornithologische Briefe. Berlin 1881, p. 86).

    10) Auf diese Vorgnge, die zur Spaltung des deutschen Ornithoiogenlagers und schlie- lich vorbergehend zum Nebeneinanderbestehen von zwei Gesellschaften fhrten, kann hier nicht nher eingegangen werden. Sie sind nachzulesen bei E. STRESeMANN: Einhundert Jahre Deutsche Ornithologengesellschaft, in Vogelwarte 15, 1950, p. 209--213, und E. SXRESEMANN: Aus der Grndungsgeschichte des ,Journal fr Ornithologie", in J. Orn. 98, 1957, p. 172--184.

  • Heft 3 ] 1969 J Mitgliedsdiplome der DO-G 323

    11) Bericht ber die XVI. Versammlung der DO-G in Kiel, Mnster 1868, p. 9. - - Bericht ber die XVII. Versammlung in Cassel, Cassel 1869, p. 13. - - Bericht der XIX. Versamm- lung in Cassel 1872, Mnster 1872, p. 9.

    12) j. Orn. 15, 1867, p. 424. 1~) So kann z.B. die hier abgebildete Mitgliedskarte von ALFt~ED EDMUND Bt~~HM den

    Eindruck erwecken, als sei dieser erst 1875 der Gesellschaft beigetreten. In Wahrheit gehrte er ihr als Mitbegrnder schon seit 1868 an.

    14) j. Orn. 45, 1897, p. 85. 15) Fr freundliche Hilfe bei der Zusammenstellung der Fakten danke ich den Herren

    E. BXR, Kthen, G. BOLDT, Renthendorf, Prof. Dr. G. NIETHAMMER, Bonn, J. STBS, Berlin, und vor allem Herrn Dr. R. BERNDT, Braunschweig.

Recommended

View more >