50 Jahre DGF - Erinnerungen an die Gründung und die Jahre des Aufbaus der Gesellschaft

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<ul><li><p>tent 0.436% and 0.446%, resp., and the multiple correlation coeffi- cient was ranging between 0.994-0.999. </p><p>Ix E.-W. Mu n c h , Hamburg: Ein neues KfahrenJirr die Fett- gewinnung aus t i e r i sch Rohsto&amp; Tierische Rohstoffe - Rohfette, Schlachtabfde, Tierkorper, </p><p>Fische, Fischabfdle - stellen ein erhebliches Reservoir fiir die Fett- und Proteinversorgung bei der Emfihrung von Mensch und Tier sowie fiir die Oleochemie dar. Die grijSer werdenden Mengen, die Zentralisierung der Anfallstellen, die steigenden Energiekosten, die kostenintensiven umweltschutzenden Ma0nahmen und die Forde- rung nach hohenvertigenProduktenfihrtenzu erheblichenhnova- tionen auf dem Gebiet der Gewinnung von Fetten und Proteinen aus den genannten Rohstoffen. </p><p>Em neues Verfahren wird vorgestellt, bei dem die tierischen Zel- len durch Polarisierung zerstort werden. Hierdurch liegt der Zell- inhalt h i vor und kann mit Schneckenpressen abgetrennt werden. Vorteile dieses Verfahrens sind: - geringe thermische Belastung der Produkte, - niedriger Energiebedarf, - hoher Trennungsgrad zwischen Fett und Fettstoff, - geringe Umweltbelastung, - hohe Produktqualitaten und. Ausbeuten. </p><p>Zusatzlich zu der Zellzerstomng ist gleichzeitig eine Zerstorung der Keime gegeben. Mit dieser Behandlung I i t sich aufgrund vor- liegender Ergebnisse die Keimzahl um uber 99.9% reduzieren. </p><p>Ergebnisse von mit diesem ProzeB behandelten Rohstoffen - wie Rohfette, Knochen, Geflugelabfdle, Fisch, Fischabfde - werden mitgeteilt. </p><p>H. S c h u ma c h e r, Hamburg: SqasaahrbehandhngJirr die anschlie$endephysikulisch Raffmtion &amp;s ales Es w i d einverfahren zurSaatheil3behandlung fiir Sojaunter Ver- </p><p>wendung von Extrudern bzw. Expandem beschrieben. Die bishe rige Expanderbauart wurde wesentlich abgewandelt, insbesondere um den elektrischen Energiebedarf an den Expandem zu senken. Des weiteren wird eine Bleicherdebehandlung und -filtration zur sicheren Entfemung von Restphosphatiden unter Verwendung eines Gegenstromverfahrens beschrieben. </p><p>Prof. Dr.Dr. h. c.J.H o 11 6 undDr. A.B o r 6 d i , Budapest/H: Einige energiewirbchaftlich Fragen bei der &amp;amenverarbei- lung in Ungarn </p><p>Die Autoren geben eine kune iibersicht uber die in Ungarn ent- wickelten neuen Kessel mit Schalenfeuerung, welche mit gro0er kalorischer Effektivitiit schondas zweiteJahr ohne diebei den friiher benutzten Kesseltypen ofters vorgekommenen Sthungen in Betrieb sind. Die Kessel sind mit modemen Rauch-Reinigungsein- richtungen versehen. Die umfangreichen Entwicklungsmoglichkei- ten der Kessel und die bei der Sonnenblumenverarbeitung in Ungam mit der Nutzung der Schalen zu-enhangenden ener- giewirtschaftlichen Moglichkeiten werden behandelt. </p><p>50 Jahre DGF - Erinnerungen an die Griindung und die Jahre des Aufbaus der Gesellschaft * </p><p>VmH. P a r d u n ** </p><p>Der Autor war in den Jahren 1932-1936 Assistent vonH. I! Kauf mann und hatte Gele enheit, die Griindung und den Auhau der DGF aus nkhster Nafe zu beobachten. Als H i t k 1933 die Macht ubemommen hatte, sah er es als wichtigste Aufgabe an, Deutsch- land in der Lebensmittelversorgung vom Ausland unabhwgig zu d e n . Das sollte u. a.durch Drosselung der Einfuhrvon Olen und Fetten und durch Steigerung des Olsaatenanbaus erreicht werden. Zur Liisun der damit verbundenen Probleme wurde im Dezember 1935 auf $eranlassung der Re 'erun die Deutsche Gesellschaft fiir Fettforschung DGF) ge nd%,die!ieTatigkeit alleraufdemFett- gebiet ma0 ebenden g o n e n und Institutionen koordinieren sollte. Zum borsitzenden wurde Kaufmann bestellt, der bereits da- mals als Pionier der Fettforschun international anerkannt war. Er wurde 1938 zum Widenten der atexnationalen Gesellschaft zum Studium der Fettstoffe (IC) gewMt. W h n d des Krie es lag der Schwe unkt der DGF-Aktivitat auf dem Gebiet der fettversor- </p><p>. &amp;e DGF mul3te 1944145 ihre Tatigkeit beenden, nachdem EgLaboratorien und Geschiiftsriiume durch Bomben zerstort waren. 1948 wurdedieGesellschaft neu egriindet DasLebenswerk Kaujkznns fand seine Kriinun in der dnweihung der beiden Fett- institute im Jahr 1964 bzw. 19i8. </p><p>Als ich vor mehr a ls 50 Jahren Assistent von Prof. Kauf munn wurde, konnte ich nicht ahnen, daB ich heute uber die Griindung und die Aufbaujahre unserer Gesellschaft spre- chen sollte. Wahrscheinlich hiitte ich dann mehrfitorische Dokumente" gesammelt. So muS ich mich auf mein Ge- dachtnis verlassen und Namen und Daten durch Hinweise in den mir zughglichen Jahrgsjlgen 1936-1944 unserer Zeit- </p><p>* Festvortrag anlZB1ich des gemeinsamen Kongresses der Deut- schen Gesellschaft fiir Fettwissenschaft e.V (DGF) und der Inter- national Society for Fat Research (ISF) in Munster am 9. Septem- ber 1986. </p><p>** Anschrift des Verfassers: Dr. H. Pardun, Anna-von-Cleve-Stra- Be 5,4190 Kleve 1. </p><p>FE'ITE . SEIFEN . ANSTRICHMInEL w.J*mg Nr. I I 1986 </p><p>Fifty YearsDGF-MemoriesoftheFoandation andtheyears of the Set-Up of the Association </p><p>In the period between 1932 and 1936 the author had been the assistant of H. I! Kaufmann and by that he seized the opportunity to observe the foundation and the set-u of the DGF from close up. After Hitlcr had seized the power in 19!3 he thought it was his most important task to make Germany's food su ply inde ndent from abroad. This should be achieved among otfers by A c i n g the oil and fat import and increase of oil seed cultivation. To solve the occurringproblemstheGermanSocietyforFat Research(DGF) was founded at the request of thegovemment in December 1935.Its task was the coordination of the work of all persons and institutions, important for fat affairs. Ka.fiMnn was made the chairman; he was already at that time internationally appreciated as pioneer in fat research. In 1938 he was elected as president of the International S d e t for the Study of Fats (IC). During the war the concentration ofthe6GFactivitywasonthefieldoffatsuppl In 1944145theDGF had to finish its work,afterits laboratories and cusiness premises had been destroyed b bombs. 1948 the association was founded Kau@mn's life Ling culminated in the inauguration of box% institutes in the year 1964 and 1968. </p><p>schrift abzusichem suchen. Leider existiert der gewiB sehr interessante Briefwechsel, der der Griindung der DGF vor- anging, nicht mehr. Mir war er jedenfalls nicht zughglich. </p><p>Einen gewissen Dilettantismus in der Behandlung des Themas bitte ich mir zu veneihen. Ich bin als der dteste oder, besser gesagt, noch erreichbare Assistent des Griinders nur als Zeitzeuge der damaligen Ereignisse zu werten. Um so mehr haben Sie Anspruch darauf zu erfahren, wie ich dam kam, mich schon in jungen Jahren der Fettchemie zuzuwen- den. </p><p>Es warder reine Zufall, der mich in engere Beriihrung mit einer Fachrichtung brachte,von der KaufmannimJahre 1935 sagte: ,Es gibt heute noch viele C h e d e r , die glauben, daO </p><p>455 </p></li><li><p>durch die Definition ,Fette sind die Glycerinester der Fett- sauren' die Probleme der Fettchemie im wesentlichen gelost sind". Einige Stationen auf dem Wege zu meiner damaligen Stellung seien kulz skizziert: </p><p>Ich wurde imJahre 1908 in Munster geborenund besuchte in denJahren 1918-1927 das hiesige Gymnasium Paulinum, eine hochangesehene hohere Schule streng humanistischer Richtung, deren Lehrer zum Teil noch den Titel ,Professor" fiihrten. Das Gymnasium lag innerhalb eines Gebaudekom- plexes der AltenUniversitat an derAa,wurde imKriegvollig zerstort und spater an anderer Stelle wieder aufgebaut. </p><p>Nur wenige Schritte vom Paulinum entfernt erhob sich das ebenfds im Kriege zerstorte Chemische Institut (Abb. 1). </p><p>Abb. 1. Das Chemische Institut 1929 </p><p>Die visuellen und olfaktorischen Ausstrahlungen dieses Instituts erregten die Phantasie des jungen Gymnasiasten lebhaft. Nachdem mir nun im Alter von 12 Jahren ein Mit- schuler ein Lehrbuch der Chemie aus dem Jahre 1870 geschenkt hatte, in dem so geheimnisvolle Dinge wie die Tincturu nervina Bestuschfii beschrieben waren, stand fiir mich fest, daB ich Chemiker werden wollte. </p><p>So studierte ich in den Jahren 1927-1932 im Chemischen Institut, das damals vom Geheimrat Schnck geleitet wurde und eine kleine pharmazeutische Abteilung unter Prof. va Bmchhawen beherbergte. 1932 promovierte ich uber ein Thema der anorganischen Chemie und wardamit nach fiinf- j h i g e m Studium fertiger Chemiker, dessen Zukunftsaus- sichten allerdings nicht sehr rosig waren. </p><p>Seit dem Bankluach von 1929 und dem Ausbruch der dadurch verursachten Weltwirtschaftskrise hatte die che- mische Industrie praktisch keine Chemiker mehr eingestellt. Da bot mir Kuufmann, der 1931 als Nachfolger von vun Bmch- huusenals Ordinarius fiir Pharmazie und Chemische Techno- logic an die Universitat Munster berufen worden war, die Stelle eines wissenschaftlichen Assistenten an. Ich nahrn an und war als Stipendiat der Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft bis zum Jahre 1936 fir ihn tatig. Dann ging ich in die olmuhlenindustrie. </p><p>Mit Kuufmann erhielt 1931 eine damals noch ungewohnte Forscherpersonlichkeit einen Lehrauftrag an der munsteri- schen Universitat, die damals etwa 5000 Studierende a t e . Schon sein auiuBeres Auftreten veniet Erfolg. Ich sehe die Szene noch deutlich vor mir: Er fuhr in einem supermoder- nen, amerikanischen Wagen, einem haselnuBbraun lackier- ten NASH-Cabriolet uber die Aabriicke, stellte den Wagen </p><p>unterhalb des Fensters meines Arbeitsplatzes ab und schritt dann, in gebuhrendem Abstand von seinem Diener-Chauf- feur gefolgt, auf das Institut zu. </p><p>Er selbst beschreibt seinen ersten Eindruck von derneuen Wirkungsstatte so: </p><p>,,Ah ich 1931 nach Miinster kam, war der Vertreter der Pharmazie ,Dingent' einer Abteilung des Chemischen Insti- tuts. Ich ubemahm nur wenige Raume, e i n e n Assistenten und e i n e analytische Waage. Damals begriiBten mich 21 Pharmazeuten bei der Ubemahme meines Lehrstuhls." </p><p>Man hatte Kuufmann aber offenbar vor der Berufung er- hebliche materielle Zugesthdnisse gemacht,wie die spatere Entwicklung zeigte. Sein bisheriger Lebensweg - er warjetzt 42 Jahre alt - offenbarte eine Zielstrebigkeit, wie sie fir sein ganzes spiiteres Wirken charakteristisch sein sollte. </p><p>Zahlreiche Patente auf dem Gebiet der Arzneimittelsyn- these hatten ihm zu einem fiir die damalige Zeit ungewohnli- chen Wohlstand verholfen. </p><p>Wie kam Kuufmann nun zur Fettchemie? Im Jahre 1923 hatte er bei seinen Arbeiten uber schwefelhaltige Arzneimit- tel gemeinsam mit Lie@ gefunden,daB sich freies Rhodan an die Doppelbindungen ungesattigter Fette anlagem 1a;Bt. Im Gegensatz zur Anlagerung von Jod und Brom verlauft diese Reaktion jedoch selektiv. Wiihrend sich bei der Olsaure kein Unterschied gegenuber der Halogenaddition zeigt, besetzt das Rhodan nur eine der beiden Doppelbindungen der Linolsaure und nur zwei der drei Doppelbindungen der Linolensaure. Dadurch war es moglich geworden, von Fet- ten, die gelttigte, einfach und zweifach ungesattigte Fett- sauren enthalten, nur durch Bestimmung der Rhodan- und Jodzahl den prozentualen Anteil dieser Komponenten s h e l l zu ermitteln. Auch die Bestimmung der Fettsaurezu- sammensetzung linolensaurehaltiger Fette wurde durch diese Methodik wesentlich vereinfacht. </p><p>Diese Ergebnisse erregten in der wissenschaftlichen Welt erhebliches Aufsehen und waren zusammen mit anderen er- folgreichen fettchemischen Arbeiten der AnlaB, Kuufmann von da an als Experten bei der Bearbeitung fettanalytischer Aufgaben zu Rate zu ziehen. </p><p>Fur die Weiterfiihrung seiner Studien auf dem Gebiet der Arzneimittelsynthese und der Fettchemie war die im Chemi- schen Institut untergebrachte pharmazeutische Abteilung vie1 zu klein. Kuufmann bemuhte sich daher bereits 1932 um ein neues Institut von ausreichender GroBe. Er fand ein pas- sendes Gebaude in der leerstehenden Villa des munsteri- schen Kaufmanns A h 0 6 Piusallee 7, das die Universitats- verwaltung zu dem aukrst niedrigen Preis von ca. 70000.- RM erwarb und das nach den P l t e n des Instituts- direktors zu einem der schonsten Pharmazeutischen Insti- tutederdamaligenzeit umgebaut wurde (Abb.2).Eswurde am 7. Juli 1934 eingeweiht und war nach einer Erweiterung im Jahre 1936 eine Untenichtsstatte fiir ca. 100 Studenten. Das Institut bot auchPlatzfiirzahlreiche Doktorandenauf </p><p>pharmazeutischem und fettchemischem Gebiet sowie fiir einige wissenschaftliche Assistenten, m denen auch ich gehorte. Der Aufbesserung des Etats diente eine Abteilung zur Ausbildung chemisch-technischer Assistentinnen, sehr charmanter junger Damen, deren Studienerfolg vielfach durch Knupfung lebenslanger Bindungen an Doktoranden oder Assistenten bereichert wurde. </p><p>Meine Aufgaben bestanden damals in der Ausfiihrung wissenschaftlicher Arbeiten auf dem Fettgebiet, in der Ab- haltung von Vorlesungen f i r die e r w h t e n Assistentinnen und in der Leitung von Exkursionen. Aus jener Zeit habe ich </p><p>FETTE . SEIFEN . ANSTRICHMITTEL RR. Jahrgang Nr. I 1 19R6 456 </p></li><li><p>Abb. 2. Das Institut fiir Pharmazie und Chemische Technologie, Piusallee 7, Miinster 1936 </p><p>noch ein Bild des Institutsleiters (Abb. 3), das den bedeuten- den Forscher und Organisator in einer vie1 umgbglicheren Haltung zeigt als die spateren Aufnahmen. </p><p>.Nach dem Einzug in das neue Institut verlagerte sich der Schwerpunkt der wissenschaftlichen Arbeiten immer mehr von der heimittelsynthese auf das Gebiet fettchemischer </p><p>Abb. 3. Professor Kaujhann 1935 </p><p>Problerne. Der Grund lag in der durch Hitler 1933 herbeige- fiihrten Neuordnung des Staatswesens. Hider's Ziel war es, das damalige Deutschland, das uber keine nennenswerten Devisen vemigte, vom Ausland unabhbgig, also autark zu d e n . Zur Wiedereingliederung der Arbeitslosen in die Wirtschaft wurde ein Viejahresplan aufgestellt, dessen Hauptziel es war, wie sich spater zeigen sollte, durch eine gewaltige Aufriistung und den Aufbau nationalsozialisti- scher Massenorganisationen das Regime von a&amp;n und innen unangreifbar zu machen. Die Wirtschaft erholte sich uberraschend s h e l l , die Arbeitslosigkeit war innerhalb wenigerJahre beseitigt. Inflationistische Tendenzen wurden durch einen radikalen Lohn- und Preisstopp vermieden, frei konvertierbare Wtihrungen standen - auBer fir wehrwich- tige Aufgaben - nur in begrenztem MaBe zur Verfiigung. </p><p>Das betraf vor allem die 01- und Fettversorgung, die sich zur Hauptsache auf die Einfuhr iiberseeischer Olsaaten stutzte. Die neue Regierung hatte daher mit dem Fe t t - p 1 a n 1 9 3 3 zahlreiche MaSnahmen verordnet, durch die die Einfuhr ausliindischer Fettrohstdfe vermindert, die </p><p>FETI'E . SEIFEN ANSTRICHMITTEL 88. Jahrgang Nc I I 1986 </p><p>Eigeneneugung von Fetten und Olsaaten vergriiBert und der Fettkonsum gesenkt werden sollte. Einige von h e n werden sich an den A U S S P N ~ ~ Giirings erinnem: Kanonen statt Butter! </p><p>Die Einfuhr von Olen, Fetten und Olsaaten wurde einer neu gegriindeten Reichsstelle ubertragen. Die Margarine- herstellung wurde kontingentiert und fur gewerblich her- gestellte, fetthaltige Lebensmittel ein Hochstfettgehalt bzw. die Verwendung von Justauschstoffen" vorgeschrieben. </p><p>Angesichts der negativen Erfahrungen, die...</p></li></ul>